41. Das Obererzgebirge im Bauernkriege.

~a.~ Die Kriegsereignisse.

Den Bauern drückten am Ende des Mittelalters allerhand Lasten

weltlicher wie geistlicher Herren. Er hatte Frondienste, Zehnten,

Zinsen und Abgaben aller Art zu leisten. Luther sagt: »Wenn der

Acker eines Bauern so viel Thaler wie Ähren trüge, es würde nur die

Ansprüche der Herren vergrößern.« Die Reformation sollte ihnen auch

ihre Menschenrechte vor die Seele führen. Mannigfache Flugschriften

erschienen, und bald entstand unter den Bauern eine Bewegung, die man

den +Bauernkrieg+ nannte. In 12 Artikeln waren die Forderungen der

Bauern zusammengefaßt.

An der allgemeinen Bewegung nahm auch das Sachsenland und unser

Obererzgebirge teil. Durch sein tyrannisches Wesen hatte sich besonders

Ernst von Schönburg hervorgethan, der damals im oberen Erzgebirge

ausgedehnte Besitzungen hatte. Ließ er doch zwei Annaberger Bürgern,

die in seinem Gebiete Fischdiebstahl begangen hatten, die Augen

ausstechen.

Wolf Göftel aus Buchholz und Andreas Ziehner, beides Bergknappen in

Marienberg, machten den vogtländischen Aufrührern zu Waldkirchen

bei Reichenbach die Artikel. Wir sehen, daß auch die Bergleute mit

fortgerissen wurden von der Bewegung. Größere Ansammlungen von Bauern

entstanden zunächst in Zwickau und Stollberg. Daher ist der Amtmann von

Annaberg und Schellenberg, Anton von Kospoth, der in letzterem Orte

seinen Wohnsitz hatte, bald in Annaberg, bald in Chemnitz, um Ruhe zu

stiften. Er gab dem Herzog Georg den Rat, die Schätze der Annenkirche

auf Schellenberg zu verwahren. Die Stadt aber blieb still und erklärte,

zum Herzoge zu halten. An Annaberg erging von diesem das Ersuchen,

sich dem Herzoge zum Kriegsdienste zu stellen. Feldhauptmann Utz von

Solgau aus Annaberg sollte das Werbegeschäft besorgen. In Thum, Geyer

und Ehrenfriedersdorf, auch in Joachimsthal forderten Maueranschläge

zum Kriegsdienste auf. Kospoth schrieb über die Annaberger wegen ihrer

Weigerung: »Es sei ein teuflisch Volk unter die Annaberger gekommen.«

Nachdem die aufrührerischen Bauern von Schneeberg, Aue, Schwarzenberg

und Zwönitz, von Raschau, Steinberg, Kühnheide und anderen Orten

Zuzug erhalten hatten, wandten sie sich gegen Klösterlein und Aue,

tranken dem Probst das Bier weg, führten 16 Stück Vieh und sämtliches

Getreide davon. Dann wandten sie sich gegen das Kloster Grünhain. Der

Abt schickte eiligst zum Bergvogte Matthis Busch nach Buchholz um

Hilfe. Dieser ritt mit wenigen nach Grünhain, wo er gegen 700 Bauern

die Bewachung des Klosters übernahm. Abt und Mönche wandten sich nach

Annaberg. Als das Kloster dem Richter und den Schöffen zu Grünhain zur

Verwahrung gegeben war, wurde es bald eine Beute der Aufrührer, die

es plünderten. Von Grünhain wandten sich die Haufen nach Schlettau,

bemächtigten sich der Stadt und des Schlosses. Ein anderer Haufe zog

nach Raschau und zerstörte die Kirche.

Herzog Heinrich verließ nach solchen Ereignissen Wolkenstein und

siedelte nach Freiberg über.

Als in Annaberg Bergvogt Hans Rühling die Bergleute nach ihren Plänen

fragte, erfuhr er, daß sie mit Leib und Leben für den Herzog einstehen

wollten. Bürgerwachen an den Thoren hielten Zuzug fern.

In Joachimsthal hatten sich die Leute der Grafen von Schlick in

gefahrdrohender Weise erhoben, das Schloß eingenommen und geplündert.

Da vermittelte der Rat von Annaberg mit Glück durch Abgesandte zwischen

den Streitenden.

Wolf Göftel und Andreas Ziehner waren immer unterwegs, um aufzuregen.

Sie machten den erzgebirgischen Bauern die Artikel und verpflichteten

sie, indem sie jeden eine Hand aufheben ließen, zum Zeichen, daß er bei

ihnen stehen wolle.

Den Geyerschen versprach Göftel mit den Bauern Hilfe. Das Bestreben der

Führer ging dahin, den Edelleuten ihre Sitze zu stürmen, den Fürsten

ins Land zu fallen, die Obrigkeit zu vertreiben, Wildbret und anderes

frei zu haben, die Klöster zu stürmen. Wenn sie in Grünhain, Marienberg

und Wolkenstein Glück gehabt hätten, wollten sie nach Chemnitz und

Kloster Zelle.

Zuerst fiel ihnen die Pfarre zu Mildenau zum Opfer. Die Mildenauer

teilten den Königswaldern mit, daß die Pfarre leer stehe, da der

Pfarrer geflohen sei; da zog der unternehmungslustige Richter

Rebentisch mit einer Anzahl Gesellen Sonntag, den 14. Mai, nach

Mildenau. Er kehrte um, aber die übrigen drangen in die Pfarre ein,

plünderten und zerschlugen alles und tranken dem Pfarrer das Bier aus.

Kospoth war auf diese Nachricht sofort mit 12 Pferden aufgebrochen. Bei

seinem Erscheinen verliefen sich die Aufrührer, sodaß er nur einige von

ihnen gefangen nehmen konnte. Weidenbach, der Wolkensteiner Amtmann,

dem sie übergeben wurden, ließ sie frei. Da wurden die Marienberger

nötig und überfielen die Rückerswalder Pfarre. Die Mildenauer zogen

nach Schönbrunn. Sie nahmen die Pfarre ein und trieben allerlei Unfug.

Lukas Merten aus Wolkenstein machte Butter in der Pfarre; dessen Sohn

schlachtete eine Kuh und kochte auch sogleich das Fleisch; Eulner

aus Neundorf zerschlug mit dem Berghammer ein Kruzifix und warf es

ins Wasser; Petzold aus Neundorf hieb dem Johannisbilde, das in der

Schönbrunner Pfarre hing, den Kopf ab, hing es an den Füßen auf und

trug es im warmen Bade umher zur Freude des Wirtes.

In Geyer unterblieb die Erstürmung der Pfarre, da es zum Ausgleich kam.

Die Drehbacher wollten sich gegen ihre Herren, die von Stangen auf

Drehbach, erheben. Gegen 400 Mann zogen vor das Schloß und verlangten

Freisprechung. Rudtloff von Stangen aber, ein furchtloser Mann,

erklärte, würden sie ihm und seiner Mutter etwas nehmen, so würde er

sie in Haus und Hof verbrennen. Da zogen sie ab.

In Zöblitz suchten zwei Häuer aus Marienberg Unruhe zu stiften. Sie

fanden Anhang. Die Aufständischen hatten vor, die Zöblitzer Pfarre zu

plündern, die aber geschützt wurde. Um diese Zeit ward auch die Pfarre

zu Lauterbach geplündert.

Am 17. Mai ließen die Gemeinden, die Herzog Heinrich unterthan waren,

als Schönbrunn, Neundorf, Wiesa, Drehbach, Venusberg, damals Feuchberg

genannt, und Hilbersdorf ihre Beschwerden durch den Wolkensteiner

Amtmann Balthasar von Weidenbach an den Herzog gelangen.

Erfüllt wurden die Forderungen der Bauern nicht. Nach der Niederlage

bei Frankenhausen zerstreuten sich die Unruhestifter. Viele flohen,

um harter Strafe zu entgehen, die auch nicht ausblieb. Herzog Georg

erschien bald im Erzgebirge. Am härtesten verfuhr Ernst von Schönberg

gegen die Aufständischen. Milde war Kurfürst Johann.

In Annaberg wurden vom Herzog Georg viele ausgewiesen oder in

Gefangenschaft gesetzt. Andere mußten die Mauern um Annaberg bauen

helfen. Herzog Heinrich ließ die Richter zu Mildenau, Arnsfeld und

Schönbrunn köpfen. Die Geringswalder und Rückerswalder wurden gespießt,

viele verloren ihre Güter.

Wolf Göftel, der Hauptführer im Erzgebirge, war entflohen. Ernst von

Schönburg schrieb an Herzog Georg, er habe dem Pfarrer zu Penitz die

Ohren abschneiden lassen. Zu Hartenstein ließ er einen henken und

fünf köpfen. In Elterlein büßten ebenfalls sieben die Köpfe ein, fünf

ließ er in der Scheibe einziehen, einen bei Rotensehma spießen und

viele andere an Geld und Freiheit strafen. Das war das Ergebnis der

bäuerlichen Bewegung.

Nach ~Dr.~ Wolf.

~b.~ Die 12 Artikel der Bauern.

Eine allgemeine Gährung hatte sich der Gemüter bemächtigt.

Wanderprediger und Flugschriften trugen die Gedanken in das Volk

hinaus. Auf der einen Seite war lästig der Druck der Kirche und des

verderbten Pfaffenwesens, auf der anderen der Druck der weltlichen

Herren und die Vorrechte der Städte. Man darf sich nicht wundern,

wenn die Bewegung nächst der religiösen auch bald eine politische und

soziale Färbung annahm.

Die »zwölf Artikel« der Bauern geben ein Bild ihrer Forderungen.

»Die Gemeinde soll das Recht haben, den Prediger zu wählen und zu

entsetzen ... Der Prediger soll das reine Evangelium lehren ... Der

große Zehnte vom Getreide soll dem Pfarrer zum Unterhalte dienen; der

kleine Zehnte von den übrigen ländlichen Erzeugnissen und das Ehegeld

soll abgeschafft sein ... Sie wollen nicht unfrei sein, nicht Hörige,

Lite, Lassen, sondern freie Männer ... Die Frondienste sollen aufhören

und mit ihnen die Belastung der Güter und die Hutungsrechte ...

Gemeindeäcker, Wiesen und Forsten sollen an die Gemeinden zurückgegeben

werden ... Jagd und Fischerei frei sein.« Allen auf die 12 Artikel

gegründeten Forderungen war das Örtliche und Persönliche in reichem

Maße beigemischt.

Das Thun und Treiben der Bauern stand in vollem Widerspruche zu

ihren Erklärungen von Gehorsam, Gesetzlichkeit und Willigkeit, sich

eines besseren belehren zu lassen. Lärmen, Toben, Saufen, Fressen,

Unbotmäßigkeit, Plündern, Rauben, Verwüsten, Sengen und Brennen: das

waren ihre Heldenthaten.

~c.~ Anzeichen für den Bauernkrieg.

+Lehmann+ erzählt von einem Sturme, der für Abergläubische als

Anzeichen des Bauernkrieges galt. Ein Anzeichen war es, als am 15.

Februar 1525 des Nachts das mit Riegeln, Ketten und Schlössern stark

verwahrte Schloßthor in Joachimsthal von einem fast unnatürlich

gewaltsamen Winde aufgestoßen und geöffnet wurde. Es wurde so getrennt,

daß das Hinterteil des mittleren Riegels samt dem starken Thornagel und

der eisernen Feder geborsten und das Vorlegeschloß samt dem Kloben,

der das Thor mit einer starken eisernen Kette über dem Thorriegel

geschränkt, eine Stube weit davon auf dem Schloßplatze verschlossen

gelegen. Dieser ungemeine Sturm hat den damaligen Bauernkrieg nach sich

gezogen.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 78 / 209 题