~a.~ Die Kriegsereignisse.
Den Bauern drückten am Ende des Mittelalters allerhand Lasten
weltlicher wie geistlicher Herren. Er hatte Frondienste, Zehnten,
Zinsen und Abgaben aller Art zu leisten. Luther sagt: »Wenn der
Acker eines Bauern so viel Thaler wie Ähren trüge, es würde nur die
Ansprüche der Herren vergrößern.« Die Reformation sollte ihnen auch
ihre Menschenrechte vor die Seele führen. Mannigfache Flugschriften
erschienen, und bald entstand unter den Bauern eine Bewegung, die man
den +Bauernkrieg+ nannte. In 12 Artikeln waren die Forderungen der
Bauern zusammengefaßt.
An der allgemeinen Bewegung nahm auch das Sachsenland und unser
Obererzgebirge teil. Durch sein tyrannisches Wesen hatte sich besonders
Ernst von Schönburg hervorgethan, der damals im oberen Erzgebirge
ausgedehnte Besitzungen hatte. Ließ er doch zwei Annaberger Bürgern,
die in seinem Gebiete Fischdiebstahl begangen hatten, die Augen
ausstechen.
Wolf Göftel aus Buchholz und Andreas Ziehner, beides Bergknappen in
Marienberg, machten den vogtländischen Aufrührern zu Waldkirchen
bei Reichenbach die Artikel. Wir sehen, daß auch die Bergleute mit
fortgerissen wurden von der Bewegung. Größere Ansammlungen von Bauern
entstanden zunächst in Zwickau und Stollberg. Daher ist der Amtmann von
Annaberg und Schellenberg, Anton von Kospoth, der in letzterem Orte
seinen Wohnsitz hatte, bald in Annaberg, bald in Chemnitz, um Ruhe zu
stiften. Er gab dem Herzog Georg den Rat, die Schätze der Annenkirche
auf Schellenberg zu verwahren. Die Stadt aber blieb still und erklärte,
zum Herzoge zu halten. An Annaberg erging von diesem das Ersuchen,
sich dem Herzoge zum Kriegsdienste zu stellen. Feldhauptmann Utz von
Solgau aus Annaberg sollte das Werbegeschäft besorgen. In Thum, Geyer
und Ehrenfriedersdorf, auch in Joachimsthal forderten Maueranschläge
zum Kriegsdienste auf. Kospoth schrieb über die Annaberger wegen ihrer
Weigerung: »Es sei ein teuflisch Volk unter die Annaberger gekommen.«
Nachdem die aufrührerischen Bauern von Schneeberg, Aue, Schwarzenberg
und Zwönitz, von Raschau, Steinberg, Kühnheide und anderen Orten
Zuzug erhalten hatten, wandten sie sich gegen Klösterlein und Aue,
tranken dem Probst das Bier weg, führten 16 Stück Vieh und sämtliches
Getreide davon. Dann wandten sie sich gegen das Kloster Grünhain. Der
Abt schickte eiligst zum Bergvogte Matthis Busch nach Buchholz um
Hilfe. Dieser ritt mit wenigen nach Grünhain, wo er gegen 700 Bauern
die Bewachung des Klosters übernahm. Abt und Mönche wandten sich nach
Annaberg. Als das Kloster dem Richter und den Schöffen zu Grünhain zur
Verwahrung gegeben war, wurde es bald eine Beute der Aufrührer, die
es plünderten. Von Grünhain wandten sich die Haufen nach Schlettau,
bemächtigten sich der Stadt und des Schlosses. Ein anderer Haufe zog
nach Raschau und zerstörte die Kirche.
Herzog Heinrich verließ nach solchen Ereignissen Wolkenstein und
siedelte nach Freiberg über.
Als in Annaberg Bergvogt Hans Rühling die Bergleute nach ihren Plänen
fragte, erfuhr er, daß sie mit Leib und Leben für den Herzog einstehen
wollten. Bürgerwachen an den Thoren hielten Zuzug fern.
In Joachimsthal hatten sich die Leute der Grafen von Schlick in
gefahrdrohender Weise erhoben, das Schloß eingenommen und geplündert.
Da vermittelte der Rat von Annaberg mit Glück durch Abgesandte zwischen
den Streitenden.
Wolf Göftel und Andreas Ziehner waren immer unterwegs, um aufzuregen.
Sie machten den erzgebirgischen Bauern die Artikel und verpflichteten
sie, indem sie jeden eine Hand aufheben ließen, zum Zeichen, daß er bei
ihnen stehen wolle.
Den Geyerschen versprach Göftel mit den Bauern Hilfe. Das Bestreben der
Führer ging dahin, den Edelleuten ihre Sitze zu stürmen, den Fürsten
ins Land zu fallen, die Obrigkeit zu vertreiben, Wildbret und anderes
frei zu haben, die Klöster zu stürmen. Wenn sie in Grünhain, Marienberg
und Wolkenstein Glück gehabt hätten, wollten sie nach Chemnitz und
Kloster Zelle.
Zuerst fiel ihnen die Pfarre zu Mildenau zum Opfer. Die Mildenauer
teilten den Königswaldern mit, daß die Pfarre leer stehe, da der
Pfarrer geflohen sei; da zog der unternehmungslustige Richter
Rebentisch mit einer Anzahl Gesellen Sonntag, den 14. Mai, nach
Mildenau. Er kehrte um, aber die übrigen drangen in die Pfarre ein,
plünderten und zerschlugen alles und tranken dem Pfarrer das Bier aus.
Kospoth war auf diese Nachricht sofort mit 12 Pferden aufgebrochen. Bei
seinem Erscheinen verliefen sich die Aufrührer, sodaß er nur einige von
ihnen gefangen nehmen konnte. Weidenbach, der Wolkensteiner Amtmann,
dem sie übergeben wurden, ließ sie frei. Da wurden die Marienberger
nötig und überfielen die Rückerswalder Pfarre. Die Mildenauer zogen
nach Schönbrunn. Sie nahmen die Pfarre ein und trieben allerlei Unfug.
Lukas Merten aus Wolkenstein machte Butter in der Pfarre; dessen Sohn
schlachtete eine Kuh und kochte auch sogleich das Fleisch; Eulner
aus Neundorf zerschlug mit dem Berghammer ein Kruzifix und warf es
ins Wasser; Petzold aus Neundorf hieb dem Johannisbilde, das in der
Schönbrunner Pfarre hing, den Kopf ab, hing es an den Füßen auf und
trug es im warmen Bade umher zur Freude des Wirtes.
In Geyer unterblieb die Erstürmung der Pfarre, da es zum Ausgleich kam.
Die Drehbacher wollten sich gegen ihre Herren, die von Stangen auf
Drehbach, erheben. Gegen 400 Mann zogen vor das Schloß und verlangten
Freisprechung. Rudtloff von Stangen aber, ein furchtloser Mann,
erklärte, würden sie ihm und seiner Mutter etwas nehmen, so würde er
sie in Haus und Hof verbrennen. Da zogen sie ab.
In Zöblitz suchten zwei Häuer aus Marienberg Unruhe zu stiften. Sie
fanden Anhang. Die Aufständischen hatten vor, die Zöblitzer Pfarre zu
plündern, die aber geschützt wurde. Um diese Zeit ward auch die Pfarre
zu Lauterbach geplündert.
Am 17. Mai ließen die Gemeinden, die Herzog Heinrich unterthan waren,
als Schönbrunn, Neundorf, Wiesa, Drehbach, Venusberg, damals Feuchberg
genannt, und Hilbersdorf ihre Beschwerden durch den Wolkensteiner
Amtmann Balthasar von Weidenbach an den Herzog gelangen.
Erfüllt wurden die Forderungen der Bauern nicht. Nach der Niederlage
bei Frankenhausen zerstreuten sich die Unruhestifter. Viele flohen,
um harter Strafe zu entgehen, die auch nicht ausblieb. Herzog Georg
erschien bald im Erzgebirge. Am härtesten verfuhr Ernst von Schönberg
gegen die Aufständischen. Milde war Kurfürst Johann.
In Annaberg wurden vom Herzog Georg viele ausgewiesen oder in
Gefangenschaft gesetzt. Andere mußten die Mauern um Annaberg bauen
helfen. Herzog Heinrich ließ die Richter zu Mildenau, Arnsfeld und
Schönbrunn köpfen. Die Geringswalder und Rückerswalder wurden gespießt,
viele verloren ihre Güter.
Wolf Göftel, der Hauptführer im Erzgebirge, war entflohen. Ernst von
Schönburg schrieb an Herzog Georg, er habe dem Pfarrer zu Penitz die
Ohren abschneiden lassen. Zu Hartenstein ließ er einen henken und
fünf köpfen. In Elterlein büßten ebenfalls sieben die Köpfe ein, fünf
ließ er in der Scheibe einziehen, einen bei Rotensehma spießen und
viele andere an Geld und Freiheit strafen. Das war das Ergebnis der
bäuerlichen Bewegung.
Nach ~Dr.~ Wolf.
~b.~ Die 12 Artikel der Bauern.
Eine allgemeine Gährung hatte sich der Gemüter bemächtigt.
Wanderprediger und Flugschriften trugen die Gedanken in das Volk
hinaus. Auf der einen Seite war lästig der Druck der Kirche und des
verderbten Pfaffenwesens, auf der anderen der Druck der weltlichen
Herren und die Vorrechte der Städte. Man darf sich nicht wundern,
wenn die Bewegung nächst der religiösen auch bald eine politische und
soziale Färbung annahm.
Die »zwölf Artikel« der Bauern geben ein Bild ihrer Forderungen.
»Die Gemeinde soll das Recht haben, den Prediger zu wählen und zu
entsetzen ... Der Prediger soll das reine Evangelium lehren ... Der
große Zehnte vom Getreide soll dem Pfarrer zum Unterhalte dienen; der
kleine Zehnte von den übrigen ländlichen Erzeugnissen und das Ehegeld
soll abgeschafft sein ... Sie wollen nicht unfrei sein, nicht Hörige,
Lite, Lassen, sondern freie Männer ... Die Frondienste sollen aufhören
und mit ihnen die Belastung der Güter und die Hutungsrechte ...
Gemeindeäcker, Wiesen und Forsten sollen an die Gemeinden zurückgegeben
werden ... Jagd und Fischerei frei sein.« Allen auf die 12 Artikel
gegründeten Forderungen war das Örtliche und Persönliche in reichem
Maße beigemischt.
Das Thun und Treiben der Bauern stand in vollem Widerspruche zu
ihren Erklärungen von Gehorsam, Gesetzlichkeit und Willigkeit, sich
eines besseren belehren zu lassen. Lärmen, Toben, Saufen, Fressen,
Unbotmäßigkeit, Plündern, Rauben, Verwüsten, Sengen und Brennen: das
waren ihre Heldenthaten.
~c.~ Anzeichen für den Bauernkrieg.
+Lehmann+ erzählt von einem Sturme, der für Abergläubische als
Anzeichen des Bauernkrieges galt. Ein Anzeichen war es, als am 15.
Februar 1525 des Nachts das mit Riegeln, Ketten und Schlössern stark
verwahrte Schloßthor in Joachimsthal von einem fast unnatürlich
gewaltsamen Winde aufgestoßen und geöffnet wurde. Es wurde so getrennt,
daß das Hinterteil des mittleren Riegels samt dem starken Thornagel und
der eisernen Feder geborsten und das Vorlegeschloß samt dem Kloben,
der das Thor mit einer starken eisernen Kette über dem Thorriegel
geschränkt, eine Stube weit davon auf dem Schloßplatze verschlossen
gelegen. Dieser ungemeine Sturm hat den damaligen Bauernkrieg nach sich
gezogen.