30. Die Bauart des Erzgebirgshauses.

Das für das Erzgebirge eigentümliche Wohnhaus ist das Blockhaus. Das

ursprüngliche Blockhaus ist allerdings nur noch in mäßiger Anzahl zu

finden, da bei allen neuen Bauten die gesteigerten Holzpreise, sowie

staatliche und örtliche Bauvorschriften die Errichtung von wirklichen

Blockhäusern verbieten. Das Blockhaus, wie man es in der ursprünglichen

Bauweise an einzelnen Stellen noch vortrefflich erhalten findet, und

zwar für eine Familie, ist die Grundform für alle Hausbauten auf dem

Gebirge.

Auf einem Viereck von großen Steinen in Trockenmauer, seltener in Lehm-

oder Kalkbau, steht das aus zweikantig beschlagenen, auf den beiden

übrigen Seiten nur geschälten Balken errichtete Haus. Die Balken liegen

wagerecht; ihre Enden sind über einander geschnitten und ragen etwa

eine Hand breit vor. Die Balken waren 30 bis 35 ~cm~ starke Bohlen, und

man fügte dieselben zwischen stehende Säulen von 30 ~cm~ Stärke. Für

Thüre und Fenster sind entsprechende Öffnungen gelassen. Die inneren

Zwischenwände sind ebenfalls Blockwände. Nur zur Aufnahme der Esse und

Abgrenzung einer kleinen, schwarzberußten Sommerküche ist Mauerwerk

von mehr oder weniger hart gebrannten Ziegeln aufgeführt. Die Fugen

zwischen den Balken sind mit Moos, Erde oder Lehm ausgestopft und das

Innere ist mit Kalkfarbe gestrichen, bei wohlhäbigeren Bauten aber mit

Holzverkleidung bedeckt. Die Stuben- und Kammerdecke ist mit Brettern

zwischen den Balken verschlagen; die Fenster sind mit Läden versehen.

Die Holzverkleidungen sind meist in Felder geteilt; aber eigentliche

Holzschnitzereien sind nirgends zu treffen. Zunächst der kleinen

Hausflur befindet sich eine ungefähr 5 ~m~ im Gevierte haltende Stube,

an dieser eine Kammer. In der Stube steht ein großer Kachelofen, in der

kleinen Küche ein Herd. Das zweiseitige, mit Schindeln gedeckte Dach

bildet ein gleichseitiges Dreieck über den niederen Außenwänden. Die

über das Dach wenig aufragende Esse ist von Lehmsteinen oder Ziegeln

gebaut, mit einer Holzverkleidung umfaßt und mit einem Wetter- und

Schneedache überdeckt. Zu dem Dachboden führt eine offene Stiege. Dem

Verlaufe der Ansiedelung entsprechend, liegen die Häuser vereinzelt,

mitten im Lande, am Wege oder in Gruppen über oder nebeneinander, am

Abhange oder auf dem Bergvorsprunge.

Nach M. v. Süßmilch.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 58 / 209 题