26. Die Urbarmachung des Gebirges.

Das wilde Gebirge ist auf mannigfaltige Weise urbar gemacht worden.

Es geschah durch Räumung und Abziehung der Wälder, Anlegung geraumer

Wege und Pässe, Brückung und Austrocknung der Moräste, Ausbrennung der

Heiden, Ebnung der struppichten und wilden Beerhübel. Auch geschah

es durch Ausrottung der Stockräume, Ablesung der Steine und mühsame

Wegschaffung der Wacken, womit die Berge und Felder überhäuft waren.

Das ist besonders bei so vielen mitten im wilden Walde angelegten

und erbauten Dörfern, Flecken und Städten geschehen. Ferner trug der

Bergbau zur Urbarmachung bei, indem dadurch vermöge der Bergfreiheit

viele hunderttausend Stämme und Schragen Holz weggetrieben und verbaut

wurden. Die Hammerwerke, welche durch ihre Holzbauer und Kohlenbrenner

die allergrößten Wälder sehr gelichtet haben, hatten auch daran Teil.

Bis tief in das 13. Jahrhundert hinein, dann wieder zu Ende des 15. und

Anfang des 16. Jahrhunderts, stellenweise selbst bis in die neueste

Zeit ist das Ausroden des Waldes, um Ackerland und auch Wiesenland

für neue Ansiedelungen zu gewinnen, im umfangreichsten Maße betrieben

worden. Jahrhunderte lang bildete der Wald den unerschöpflich

erscheinenden Vorrat, durch dessen Niederschlagen man Raum für Feld,

Holz für Bauten, Bergwerks- und Hüttenanlagen, Geld für Zinsen und

Steuern u. s. w. erlangen konnte, ohne an die Wiederaufforstung kahl

geschlagener Höhenzüge und Abhänge denken zu müssen. Der Wald war

die unerschöpfliche Geldquelle für den fortschreitenden Anbau. Erst

Jahrhunderte später, nachdem das Land durch die länger als ein halbes

Jahrtausend fortgesetzte Urbarmachung und Zerstörung des Waldgebietes

seine gegenwärtige Oberflächengestalt und Bedeckung gewonnen hat, ist

man zu der Überzeugung gekommen, der Waldvernichtung nicht bloß Einhalt

thun zu müssen, sondern auch das Waldgebiet durch Neuanpflanzung

erhalten und vergrößern zu sollen.

Mit dem Vordringen des deutschen Stammes in das Gebiet der Slaven

und in das Gebiet des waldbedeckten Gebirges beginnt erst die

geschichtliche Zeit diesem Landes. Wenn auch die Vorgänge, besonders

auf dem letzteren, vielfach unbekannt geblieben oder verschleiert

und entstellt auf die Nachwelt gekommen sind, lassen sich doch die

allgemeinen Grundzüge dieser Entwickelung noch erkennen.

Nach ~M.~ Lehmann und Süßmilch.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 54 / 209 题