3. Entstehung Annabergs und anderer Bergstädte des Obererzgebirges.

In dem bei der Teilung 1485 von +Albert+ gewählten Meißnerlande war

nach dem Tode dieses Fürsten im Jahre 1500 sein Sohn +Georg der

Bärtige+ (1500--1539) gefolgt. Dieser war der eigentliche Gründer von

Annaberg, da sein Vater zu jener Zeit als »des Kaisers gewaltiger

Marschall und Bannermeister« Krieg mit den Niederländern führte und

seinem Sohne während seiner Abwesenheit die Regierung des Meißnerlandes

übertragen hatte. Als Georg 1500 zur selbständigen Regierung gelangte,

bewies er der durch ihn gegründeten Stadt vor allen seine Gunst und

Zuneigung und besuchte die reiche Bergstadt mehrmals von Dresden aus.

Er spendete bedeutende Beihilfen zum Bau der schönen Annenkirche

(1499--1525), ließ das Franziskaner-Kloster (1502--1512) erbauen und

begnadigte die Stadt mit vielen Rechten und Freiheiten.

Bald nach der Gründung der beiden sächsischen Städte +Annaberg+ und

+Buchholz+ entdeckte man auch Silber auf der böhmischen Seite des

Erzgebirges. Im Jahre 1516 ward +Joachimsthal+ in Böhmen gegründet und

1520 zur freien Bergstadt erhoben. Gewöhnlich nimmt man an, daß die

dort vom Jahre 1519 an geprägten Münzen abgekürzt »Thaler« genannt

worden seien und dadurch dieser Name für jede Münze von gleichem Werte

in Gebrauch kam, was aber von Sachkundigen bezweifelt wird. Man leitet

richtiger den Münznamen von ~talentum~ ab.

Was die Gründung anderer Städte des Obererzgebirges infolge reicher

Erzanbrüche betrifft, so merke man noch: Im Jahre 1517 wurden

+Gottesgab+, +Eibenstock+ und +Jöhstadt+, eigentlich Josephsstadt,

gegründet, 1521 +Marienberg+, 1522 +Scheibenberg+, 1526 +Wiesenthal+,

1532 +Platten+.

Das Gebiet, wo die Städte Gottesgab und Platten damals erbaut wurden,

gehörte 1459--1547 durch den Vertrag zu Eger zur Mark Meißen, fiel aber

infolge des Wittenberger Vertrages an Böhmen zurück.

+Jenesius+ sagt in seiner Geschichte Annabergs: »Die Bergstädte

haben ihren Namen nicht von ohngefähr, sondern aus reifem Nachdenken

bekommen. Meine Vaterstadt ist anfangs +Schreckenberg+ genannt worden.

Aber es wurde kurz hernach, auf Ansuchen des Herzogs Georg und der

Bürgerschaft durch den Kaiser Maximilian I. bewilligt, daß dieselbe

+Sankt Annaberg+ heißen sollte. Die böhmischen Grafen von Schlick

nahmen von der Benennung dieser Stadt Veranlassung, die von ihnen

erbaute Stadt nach dem Ehemanne der Anna +Joachimsthal+ zu nennen. Dies

bewog ferner den sächsischen Fürsten Heinrich den Frommen, den Bruder

Georgs, daß er der von ihm gegründeten Stadt den Namen +Marienberg+

beilegte und den Flecken, welcher an der äußersten Grenze des Meißener

Landes in waldiger Gegend liegt, +Jöhstadt+, d. i. Josephsstadt,

benannte. Es gefiel also den Herren dieser Länder, die Städte nach

denen zu benennen, die die Voreltern des Heilandes nach dem Fleische

waren, damit die Einwohner zur Verkündigung der Wohlthaten Christi

entzündet würden und sich ihnen mit Seele und Leib, mit Hab' und Gut

weihten.«

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 52 / 209 题