21. Michel's Erzählung vom Annaberger Vogelschießen.

Doletzt wor iech in Annebarg,

(Gevatter, losst Eich grißn!)

Do ho iech's Maul weit aufgesperrt:

Do war ä Vuglschießn!

Wos mr fer Zeich in Stedn macht! ...

Ze Schanden ho iech miech gelacht.

Frih Morngs, wie de Sonn aufgieng,

Do fieng ah a' dr Rummel:

Zwee Grenadierer ranntn rim

Off'n Gassn mit dr Trummel;

Die schlu'ng ganz drbarmlich drauf

Und wecktn do de Herr'n auf.

Nu mochtn welche drunner sei,

Die's gar verschlofn hattn:

Drim pumpertn se nochmol nei,

Und dos off all'n Gassn.

Nooch liefn d'Herrn in's Rothaus nei;

Kä Fraa war oder net drbei.

Do brachtn se enn Ma' gefihrt

(Dacht', 's wär ä armer Sinder --),

Dann hattn se schie ausgeziert,

Glaabt mir'sch, ihr Harznskinder!

Ne ganzn Rock mit Blach behängt! ...

Möcht wissn, war setts Zeich drdenkt! --

Nu liefn alle Leit drzu

Und freetn sich net wenig.

Dar Ma' sooch schwarz und gar net fruh:

Se sahtn, 's wär dr »König«!

Iech wollt eich schwörn bei meiner Seel:

Dar Kienig hält sist Knöppln feel.

Dann fihrtn se de Gassn nauf

Mit Pfeifn und mit Trummeln

Un alt und gung lief ah vurauf ...

Dos war ä Lärm un Tummeln!

Ä Ma' ä Stangl hot imwundn

Und ene Schärz schie na'gebundn.

Und vornewack do gieng ä Ma',

Dar trug enn hölzern Vugl;

Off'n Schießhaus trof mr noch enn a':

Dar sooch eich erscht racht nubel!

Dar war, su wahr dr Himmel labt,

Mit Gold un Silber ganz beklabt!

Iech meent': se würn dann Vugl wuhl

Dann gnading Kienig schenken;

Da wür ne noochert in de Kerch

Neihänge zon A'denkn ...

Do oder wur eich gar nischt draus:

Se spießt'ne off ne Stang uhm naus.

Nu dacht' iech oder ganz gewieß:

Neer deshalb wär'sch geschah,

Doß alle Leit racht u'schennirt

Dann Vugl könntn sah.

Denn weil dos Dink viel Arwett kust,

Sääch jeder dodra seine Lust.

Doch -- denkt eich neer dos Kinnerspiel:

Se hattn gruße Bügel!

Do schnelltn se gar grasslich viel

Nauf kläne, gruße Prügel!

Korzrim: es wurn Kopp, Flügel, Schwanz

In ener Stund gottgar zmoranzt!

Nu sogt mr neer! ... die tolle Walt! ...

Ä setts Dink ze zerschmeißn! ...

-- Ä Voter, dar off Ordning hält,

Läßt Kinnern nischt zerreißn:

De Altn wolln gescheidter sei?! ...

Und schmeißn gar mit Prügeln drei?! ...

Nu sooch iech eich zon Stadt-Thur raus

Viel gruße Weibsn kumme.

Iech dacht: »Wenn die dann Vugl sah ...

Do warn se tichtig brumme!«

Zerbricht mol Unner-eens enn Topp,

Do zankt de Fraa: »Du Duselkopp!«

Doch käne, käne saht ä Wort!

Se hattn neer Vergnieng! ...

War eich ä Stick von Vugl hatt,

Dar gieng und ließ sich's wieng.

De Weibsn schossn mit enn Ding

Von Eisn, dos an Schnür'l hing.

Aus ener Bud do bliesn raus

Ä dutznd Mussegantn;

Grod-rüber stahnd ä Leimet-Haus

Fer Kienigs A'verwandtn.

Do gienge gar viel Weiber nei: --

Sölln Die dä alle seine sei? ...

De Aa'ng hattn nu genunk,

Doch net es Maul, dr Moong;

Denn alles, wos mr ooß und trunk,

Hatt' schrackich aufgeschloong!

Von Frassn gob's de schwere Meng,

... Neer fahlet'n mr aam de Pfeng!

Wos wetter sich noch zugetroong? ...

Wess net! -- mir wursch ze lang!

Miech that dr Dorscht und Hunger ploong,

Drim bie iech ball gegang.

Dos wußt iech nu: -- Trotz teiern Brud

Hot's doch in Annebarg kä Nut!

J. G. Grund.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 45 / 209 题