Unter den Prunkgeräten aus den früheren herzoglichen Schlössern, welche
im Museum zu Braunschweig aufbewahrt werden, findet sich auch ein
schmuckloses Spinnrad, das von Georg Jürgens, einem Braunschweiger,
gefertigt sein soll, der zur Zeit Luthers das Spinnrad erfand und
damit die seit Jahrtausenden zum Spinnen dienende Spindel außer
Gebrauch setzte. Geyer hätte ebenfalls Ursache, eine Maschinenspindel
im Rathaus aufzuhängen, denn Evan Evans, ein Geyerscher Bürger, war
es, der das Spinnrad durch das Einführen des Maschinenspinnens
in Sachsen verdrängte. Die Maschinenspinnerei ist eine englische
Erfindung. Man schreibt sie gewöhnlich Richard Arkwright zu; doch haben
spätere Nachforschungen ergeben, daß er wohl ein großer Verbesserer,
aber nicht der Urerfinder des Maschinenspinnens gewesen ist. In
Sachsen waren in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts
kleine Handmaschinen von 10 bis 20 Spulen zum Spinnen der Baumwolle
in Gebrauch. Gegen Ende desselben führte Karl Friedrich Bernhard
das englische Spinnereisystem in Sachsen ein. Seine Maschinen waren
Mulemaschinen; sie wurden in einem dazu errichteten Gebäude in Harthau
bei Chemnitz durch einen Engländer, Namens Watson, aufgestellt. Da
er aber als bloßer Maschinenbauer die Maschinen nicht in Gang zu
bringen wußte, namentlich, wird erzählt, die Trommelschnur nicht
aufzuziehen verstand, so wurde ein englischer Spinner, Evan Evans,
aus England herübergerufen, der auch alsbald auf den Maschinen
Garn spann. Der Vater des sächsischen Maschinenspinnens, besonders
der Baumwollspinnerei, ist Evan Evans. Er ist 1765 in New-Wales in
England geboren und kam im März 1802 auf erhaltene Veranlassung aus
Manchester nach Sachsen. Nachdem er sich in Harthau als Spinnmeister
bewährt hatte, ging er nach Dittersdorf, um sich mit Maschinenbauen
zu beschäftigen. Mit dem Jahre 1809 siedelte er nach Geyer über und
legte drei Jahre später den Grund zu seiner eigenen großen Fabrik
im benachbarten Siebenhöfen. Evans zeichnete sich als Erfinder auf
dem Gebiete des Maschinenspinnens aus und wurde auch als solcher
wiederholt von der sächsischen Regierung ausgezeichnet. Er fertigte
die Maschinen für eine Menge neu entstehender Fabriken in Erfenschlag,
Wolkenburg, Wegefahrt, Mühlau, Lugau, Plaue, Schlettau etc., auch für
viele kleinere Werkstätten im Erzgebirge und im Vogtland, sowie in und
um Chemnitz. Evan Evans ist am 9. Dezember 1844 in einem Alter von 79
Jahren gestorben und liegt auf dem Friedhofe bei der Hauptkirche in
Geyer begraben. Die Saat aber, die der von groß und klein hochgeachtete
Bürger von Geyer gesät hat, grünt und blüht heute noch fort, denn am
Geyersbach, der der Zschopau zufließt, hat er seine erste Spinnerei
gegründet und längs des Zschopauflusses haben sich die größten
Spinnereien des Sachsenlandes angesiedelt.
Hermann Lungwitz.