1. Gründung und Wappen der Stadt Geyer.

Zweifellos ist die alte Bergstadt Geyer nach den Geiern benannt worden,

jenen Raubvögeln, die früher in dem waldreichen Erzgebirge häufig

nisteten. Die Sage schreibt ihnen die Veranlassung zur Gründung der

Stadt zu. Sie berichtet:

»Einst hatten Geier dem Hühnerhofe des Rittergutes Tannenberg

argen Schaden zugefügt. Da bestieg der geschädigte Edelmann

sein Jagdroß, um den Raubvögeln nachzuspüren. Das Gestrüpp der

bewaldeten Höhe hinderte ihn am weiteren Vordringen; er band

daher sein Pferd an einen Baum, schritt zu Fuß weiter und fand

den Horst der Geier auf, zerstörte das Nest und erlegte auch

die alten Vögel. Als er zu seinem Rosse zurückkam, hatte es mit

seinen Hufen Zinnstein entblößt. Der Edelmann steckte einige

Erzstücke zu sich, zeigte sie Kundigen, und auf deren Anraten

schlug man an dieser Fundstelle ein. So wurde der Geyersberg

fündig. Es geschah dies zu Anfang des 14. Jahrhunderts.«

So entstand das Bergwerk im Geyersberge, dessen Größe wir noch erkennen

und bewundern, wenn wir am Rande der gewaltigen Binge stehen, welche

durch den Einsturz dieses Bergwerkes entstanden ist.

Die Bergleute siedelten sich im Thale des Geyerbaches am Fuße des

Berges an, und immer mehr zogen herzu. Es bildete sich nach und nach

eine Stadt. Diese wurde Geyer genannt, weil Geier die Entdeckung des

Erzes und somit die Gründung der Stadt veranlaßt hatten.

Eine andere Überlieferung sagt, im Neste der Geier seien Zinngraupen

gewesen, das habe die Bergleute angeregt, in der Nähe zu schürfen, und

so seien die Erzschätze entdeckt worden.

So verdankt die Stadt Geyer der Sage nach Gründung und Namen den

Geiern. Der Name der Stadt ließe sich jedoch auch erklären, wenn jene

Gründungssagen nicht auf Wahrheit beruhten. Manche Stadt ist nach einem

nahen Berge benannt worden, man denke an Scheibenberg oder Schneeberg.

Geyer liegt an einem Berge, der früher mit undurchdringlichem

Waldgestrüpp und Felsblöcken bedeckt war, sodaß er einen Zufluchtsort

für die Geier bot und darum wohl schon in ältester Zeit »der

Geyersberg« genannt wurde. Geyer kann demnach den Namen auch von dem

nahen Geyersberge erhalten haben.

Da nun die Stadt Geyer ihren Namen, wenn nicht sogar ihre Entstehung,

den Geiern verdankt, führt sie diese Vögel auch in ihrem Wappen. Drei

Geierköpfe sind darauf zu sehen. Leider wissen wir nicht genau, wie

das Stadtwappen von Geyer ursprünglich aussah. In der Handschrift von

+Tschran+ (1775 beendet) heißt es:

»Was das Wappen der Stadt anlanget, so ist darüber kein

Document ausfindig zu machen. Am Rathause befindet sich das

Stadtwappen, nach alter Bildhauer- und Wappenart in Stein

gehauen, welches 3 Geyersköpfe in einem besonderen Schilde

hat, darüber ein offener Helm mit 3 Spriegeln, und darauf ein

Geyer befindlich, unter demselben aber die Jahreszahl 1496 in

Mönchsschrift stehet.«

Das hier geschilderte Wappen ist noch erhalten, freilich arg

beschädigt. Der Verfasser dieses Abschnittes giebt auf der Bildertafel

die Zeichnung davon. Er hat darauf die fehlenden Teile ergänzt, soweit

sich ihre einstige Gestalt aus den Resten erkennen ließ. Es fehlten das

oberste Stück des Wappens mit dem Kopfe des Geiers auf dem Helme, sowie

fast alle Verzierungen um Helm und Schild. Gut erhalten ist der Stein

mit der Jahreszahl: ~Anno dm (= domini) MCCCCXCVI~.

Im Jahre 1496, zur Zeit der Gründung Annabergs, hat demnach Geyer

schon ein großes Rathaus besessen. Dasselbe ist aber 1844 durch ein

neues ersetzt worden, wobei das Wappen entfernt wurde. Es steht zu

erwarten, daß dieses nächstens wieder vervollständigt und an einen ihm

gebührenden Platz gebracht wird. Noch ist zu erkennen, daß das Wappen

vergoldet war und blauen Grund hatte.

+Tschran+ berichtet weiter, daß in der Hauptkirche über dem Ratschore

ein hölzernes Wappen in verändertem Aussehen angebracht gewesen

sei. Leider konnten wir dieses nicht ausfindig machen. Es wird

folgendermaßen beschrieben:

»Im Schilde siehet man einen viereckigten Thurm im blauen

Felde, mit offnem Thore, daran ein Schild mit 3 Geyersköpfen

hängt. Der Helm darüber ist offen, mit einer goldnen Crone, und

oben darauf ein Rittelgeyer befindlich.«

Auch das größere und kleinere Stadtsiegel, sowie das Bergamtsiegel

werden geschildert. Aus ersterem hat sich fast ohne Veränderung

das heutige Stadtwappen entwickelt. (Siehe die Bildertafel!) Die

Farben sind folgendermaßen angegeben: Der Turm im blauen Felde ist

rötlich. Auf jeder Seite stehen sieben goldene Sterne. Das Dach ist

schieferfarben und trägt zwei goldene Knöpfe mit Fähnlein. Der Schild

ist silbern und zeigt drei Geierköpfe in ihrer natürlichen Farbe.

Das Wappen von Geyer ist außerdem noch auf dem sogenannten

Dreilagensteine zu finden. Dieser ist ein uralter Grenzstein. Auf

ihm sieht man das Wappen von Geyer, das des Abtes von Grünhain und

dasjenige der Herren von Schönburg. Das Wappen von Geyer besteht darauf

nur aus drei Geierköpfen.

Albert Major.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 16 / 209 题