Wir wurden handelseinig. Der Soldat, der also scheinbar abdankte,

besorgte sich außer der Schiffsfahrkarte die nötigen Ausweise,

die auch mit seiner amtlich abgestempelten Photographie versehen

wurden. Ich erhielt nun die Papiere und das Billet und ersetzte die

Photographie des Belgiers durch die meinige; zu diesem Zweck hatte ich

mich zunächst in entsprechender „Maske“ photographieren lassen. Dem

Verwandlungszauber waren nicht nur meine Schnurrbarthaare, sondern auch

meine Augenbrauen zum Opfer gefallen, und diese Rasuren sowie die recht

abgetragene, saloppe Uniform, die ich anzog, veränderten mein Aussehen

derartig, daß ich mich bei der Betrachtung im Spiegel selber kaum

erkannte. Nun mußte meine in den Paß hineingeschmuggelte Photographie

aber ebenfalls amtlich abgestempelt werden, und auch das gelang mit

Hilfe eines dem Mammon nicht unzugänglichen Eingeborenen, der bei der

betreffenden Behörde als Schreiber angestellt war. Sehr sympathisch

waren mir alle diese Schliche und Ränke wahrhaftig nicht, aber man

mußte sie eben als erlaubte Kriegslist betrachten, und wenn ich mein

Ziel erreichen wollte, so ging es gar nicht anders, als auf krummen

Wegen.

Der Abfahrtstermin des Dampfers kam heran. Wie ein Schauspieler übte

ich zu Hause immer von neuem meine Rolle, aber je mehr ich mich dem

kritischen Augenblick näherte, desto stärker äußerte sich, ich kann es

nicht leugnen, mein Lampenfieber. Endlich schlug die Abschiedsstunde.

Der Dampfer sollte um Mitternacht die Anker lichten. Als ich im Schutze

der Dunkelheit das Haus verließ, sah ich in meiner abgetragenen

Uniform, Sandalen an den Füßen, einen Öltuchsack mit den Habseligkeiten

über den Schultern, vollkommen wie ein alter, vom Tropenklima

zermürbter, stark reduzierter Kolonialsoldat aus. Und während mit Blitz

und Donner ein schweres Gewitter niederging und es in Strömen regnete,

fuhr ich nach Emmahaven und begab mich auf mein Schiff, um dort

sogleich, völlig durchnäßt, in den unteren Räumen zu verschwinden, die

nun, wenn alles glatt verlief, für viele Wochen meinen Aufenthaltsort

bilden sollten.

Welch ein Unterschied zwischen dieser Behausung und den bequemen

Kabinen, in denen ich früher auf See zu reisen gewohnt war! Meine

Koje war ein roh gezimmerter Verschlag, und ich hatte sie mit fünf

englischen Kohlentrimmern zu teilen. Die Ausstattung bestand aus sechs

Strohsäcken, unseren Lagern. Die Zwischendecker in den übrigen Kojen

waren hauptsächlich Holländer und Engländer. Es herrschte hier unten

eine fürchterliche Hitze, und der Duft, der diese dumpfen Räume und

die Menschen mit ihren vom Regen durchnäßten Sachen umwitterte, war

auch nicht gerade lieblich und angenehm. Aber wie gern wollte ich alles

Ungemach ertragen, wurde ich bloß nicht entlarvt! Leicht zu spielen

war meine Rolle wahrhaftig nicht, denn von meinen Kojengenossen konnte

ich mich natürlich nicht separieren, ich mußte auf ihre Unterhaltung

eingehen, mußte auf zahllose Fragen Antwort geben, und wie leicht

konnte ich da einmal entgleisen, aus meiner Rolle fallen und den alten

Kolonialsoldaten und Belgier nicht mehr überzeugend verkörpern!

Anfangs schien alles zu klappen. Am nächsten Tage befanden wir uns

bei schönem Wetter auf hoher See. Da kam der erste, freilich nicht

unerwartete Schreck: die +Paßrevision+. Wir mußten mit unseren Papieren

antreten. Mein Paß enthielt, da ich verschiedene Angaben hatte

ändern müssen, ein paar Rasuren, die bei genauer Prüfung unmöglich

verborgen bleiben konnten. Mir flog der Puls. Aber als ich nun, einer

plötzlichen Eingebung folgend, den nervös Erregten und durch die

Revision Beleidigten spielte und den Zahlmeister mit einer Sturzflut

französischer Worte überschüttete, da geschah das Wunderbare, daß der

gute Mann mein verschnürtes Papierbündel überhaupt nicht öffnete,

sondern es freundlich lächelnd zurückgab und mich, den armen alten

Kolonialsoldaten und Belgier, zu beruhigen suchte ... Ich durfte mit

dem Erfolg meines ersten Auftretens wirklich zufrieden sein.

Das gab mir mein altes Gleichgewicht wieder, sodaß ich mich nun mit

überraschender Leichtigkeit in die Verhältnisse fand. Als Soldat, der

nur einen sehr geringen Fahrpreis bezahlte, war ich verpflichtet, ein

gewisses Quantum Arbeit an Deck und im Küchenbetriebe zu leisten, und

das tat ich sogar mit Vergnügen, weil ich dann für ein paar Stunden von

der Notwendigkeit befreit war, mit meinen Kojengenossen Konversation

zu treiben. Die Unterhaltungen brachten mich immer in die peinlichste

Lage, denn sie drehten sich natürlich fast ausschließlich um den Krieg,

und da war es ebenso natürlich, daß die Engländer an den Deutschen

auch kein einziges gutes Haar ließen. Und da ich nun doch „Belgier“

war, mußte ich, es ging gar nicht anders, ebenfalls auf mein Vaterland

schimpfen, auf diese bösen Deutschen, die den „armen Belgiern“ und

auch meiner Familie daheim so unerhört zugesetzt hatten ... Dieses

Komödiespielen war mir im höchsten Grade zuwider, aber nachdem ich

einmal A gesagt hatte, blieb nichts anderes übrig, als nun auch O zu

sagen, und überdies war ja das alles nur äußerer Schein, eben nichts

weiter als eine Komödie, die sich aus meiner ganzen Zwangslage mit

Naturnotwendigkeit ergab. Übrigens muß ich die Wahrheit sagen, daß

die englischen Kohlentrimmer, obwohl in ihren Manieren die richtigen

„Rauhbeine“, sonst ganz kernige und gutmütige Menschen waren.

Nach zweitägiger Reise liefen wir den Kohlenhafen +Sabang+ an der

Nordspitze Sumatras an, von hier sollte es in direkter Fahrt nach Suez

gehen. In Sabang lagen dreizehn Hamburger und Bremer Dampfer, die

bei Kriegsausbruch hierher in den neutralen Hafen geflüchtet waren

und deren Kapitäne und Mannschaften in erzwungener Untätigkeit der

kommenden Dinge harrten. Mir waren die Kapitäne, die mit ihren Schiffen

Jahre hindurch Colombo angelaufen hatten, alle wohlbekannt, mit einigen

war ich sogar näher befreundet, und als ich nun, während unser Dampfer

14000 Rollen Tabak einnahm, mit meinen Zwischendeckkumpanen auf den

Landbummel ging, war ich gespannt darauf, ob mich einer der Kapitäne

bei einer Begegnung, auf die ich an dem kleinen Platz so gut wie sicher

rechnen durfte, trotz der Verkleidung vielleicht erkennen würde. In

einer Hafenschenke sah ich denn auch in der Tat sämtliche deutschen

Kapitäne versammelt, aber obwohl ich sie — mich ritt förmlich der

Teufel — unter einem Vorwand französisch ansprach, erkannten mich

selbst meine guten Freunde nicht. Das bestärkte mich noch mehr in der

Zuversicht, daß mein Inkognito doch nicht so leicht gelüftet werden

konnte.

[Illustration: Dorfszenerie in Ceylon]

[Illustration: Stamm des heiligen Feigenbaumes, ~Ficus religiosa~]

[Illustration: Ländliche Marktszene in Ceylon]

Unser Dampfer sollte, wie gesagt, von Sabang ohne weitere

Zwischenlandung direkt nach Suez fahren. Im allgemeinen laufen die

Schiffe auf großer Südasienfahrt meistens Colombo an. Aber ich hatte

mir mit Bedacht gerade diesen Dampfer ausgesucht, weil er Ceylon nicht

berührte, denn unter keinen Umständen hätte ich das Anlaufen von

Colombo riskieren dürfen. Ich war ja doch jedermann bekannt, und die

an Bord kommende Polizei hätte doch schärfere Augen gehabt, als die

deutschen Kapitäne, und auch trotz der Verkleidung meine Identität mit

dem als Spion verfolgten John Hagenbeck festgestellt. Und was dann

weiter mit mir geschah, das auszumalen, bedurfte es keiner großen

Phantasie.

So war ich denn frohen Herzens, als unser Dampfer in Sabang wieder

in See ging. Ich ahnte ja nicht, welche ernste Gefahr mich bald

bedrohen sollte. Wir waren vierundzwanzig Stunden unterwegs, als

es sich herausstellte, daß das Schiff im Vorderraum an einer schon

früher einmal reparierten Stelle wieder undicht geworden war und

Wasser schöpfte. Ich war zufällig gerade dabei, als der Kapitän und

der Obermaschinist den Schaden besichtigten, und fing die Äußerung

des „Alten“ auf, daß man wohl gezwungen sein würde, +Colombo zwecks

Reparatur als Nothafen anzulaufen+ ...

Man stelle sich vor, welche Bestürzung mich bei diesen Worten befiel!

Legten wir in Colombo an, so bedeutete das für mich, daran konnte ich

keinen Zweifel hegen, geradezu das Todesurteil, denn befand ich mich

erst einmal in den Händen der Verfolger, so mußte ich auch auf das

Alleräußerste gefaßt sein. Und es stand bei mir sogleich fest, daß ich

in diesem Fall selbst der Herr über mein Schicksal sein wollte; unter

keinen Umständen wollte ich in die Gewalt meiner Feinde geraten.

Während ich krampfhaft bemüht war, meinen furchtbaren seelischen

Zustand vor den Zwischendecksgenossen zu verheimlichen, setzte das

Schiff den Kurs auf Colombo. Zugleich wurde aber auch versucht, den

Schaden mit eigenen Mitteln auszubessern, denn das Anlaufen von Colombo

wäre natürlich sehr zeitraubend und kostspielig gewesen und nicht dazu

angetan, dem Kapitän bei seiner Reederei Lorbeeren zu verschaffen.

Man kann sich denken, mit welcher nur mühsam verhehlten Spannung ich

die Fortschritte der Reparaturarbeiten verfolgte. Hing von ihrem

Ausfall doch mein Leben ab. Schon tauchten die Berge Ceylons, ein mir

so vertrauter und früher so lieber Anblick, am Horizont auf und schon

machte ich mich auf mein letztes Stündlein bereit — da verbreitete sich

die Kunde, daß es gelungen wäre, das Leck abzudichten und den Schaden

zu beseitigen! Der Kurs des Dampfers wurde sofort geändert und die

Reise direkt nach dem Roten Meere fortgesetzt.

Ich atmete auf, ich war einstweilen wieder gerettet. Aber die starke

innere Erregung hatte doch meinen durch die Vorfälle der letzten

Zeit ohnehin sehr angegriffenen Nerven so zugesetzt, daß ich einen

heftigen Rückfall des auf Sumatra mir zugezogenen Malariafiebers erlitt

und ein paar Tage lang im Schiffslazarett das Bett hüten mußte. Im

Indischen Ozean gab es dann nochmals einen kleinen Schreck. Wir wurden

von einem englischen Kriegsschiff angehalten, und Offiziere kamen an

Bord, um nach deutschen Flüchtlingen zu fahnden. Ich dachte wieder an

meinen Paß, der mit seinen Rasuren vor einer gründlichen Kontrolle

nicht bestehen konnte. Aber als ich an die Reihe kam, da sagte der

Zahlmeister, auf mich zeigend, zu den Offizieren: „Ein armer Belgier“,

und diese Vorstellung machte auf die guten Engländer solchen Eindruck,

daß sie meine Papiere gar nicht zu sehen begehrten, sondern abwinkten.

Im +Roten Meere+ wiederholte sich dieses Schauspiel, das Anhalten und

Revidieren durch Engländer, noch dreimal, und jedesmal schlüpfte ich

als bedauernswerter „armer Belgier“ ohne schärfere Kontrolle durch.

Meine belgische Maske kam mir also außerordentlich gut zustatten,

desgleichen aber auch der Umstand, daß ich mich nicht nur bei meinen

Zwischendecksgenossen, sondern auch bei den Mannschaften und Offizieren

des Dampfers mit bestem Erfolg „angebiedert“ hatte und mich bei allen

des größten Wohlwollens erfreute. Ja, ich glaube beinahe, selbst im

Fall meiner Entlarvung hätte man mich in Schutz genommen!

Nun ging es durch den +Suezkanal+, der von Verteidigungsanlagen

und Franzosen, Engländern und Indiern, besonders aber Indiern,

förmlich starrte. Fortwährend mußte ich bei der Durchfahrt an jenen

fernliegenden Tag denken, an dem ich als ganz junger Mann zum erstenmal

gen Osten gezogen war, und an die vielen anderen Tage, an denen ich

zwischen Europa und Indien hier durchgekommen war — aber damals immer

erster Klasse und als Herr, nicht im Zwischendeck und zerlumpt, wie

jetzt ...

Auch +Port Said+ wurde glücklich passiert, ich durfte mir hier sogar

an Land die Beine vertreten. Im Mittelmeer wurden wir noch einmal

von einem französischen Kreuzer angehalten und revidiert, aber auch

dieser Kelch ging an mir vorüber. Dann kamen wir in +Neapel+ an, und

hier verließ ich unter dem Vorwand, daß ich noch einen Bruder in der

französischen Schweiz hätte und ihn besuchen wollte, das Schiff. Wir

befanden uns damals mit Italien noch nicht im Kriege. Vom deutschen

Konsul, dem ich mich zu erkennen gab, erhielt ich ohne weiteres einen

Paß für die Heimfahrt. Und so reiste ich denn mit der Eisenbahn ohne

weitere Zwischenfälle nach Deutschland zurück, in mein Heimatland ...

Ich war frei — und hinter mir in weiter Ferne lag mein zerbrochenes

Glück, Ceylon, mein Tropenparadies!

[Illustration]

In unmittelbarem Anschluß an „John Hagenbeck. Fünfundzwanzig Jahre

Ceylon“ ist als zweiter und abschließender Band des Werkes „Unter der

Sonne Indiens“ im Verlag Deutsche Buchwerkstätten, Dresden, erschienen:

John Hagenbeck:

Kreuz und quer durch die indische Welt

Erlebnisse und Abenteuer in Vorder- und Hinterindien, Sumatra, Java und

auf den Andamanen

Bearbeitet und herausgegeben

von

Victor Ottmann

Mit farbiger Deckelzeichnung, 2 Landkarten, 32 Bildtafeln und reichem

Buchschmuck

Obwohl dieser zweite, +völlig selbständige Band+, wie der erste, ein

+in sich abgeschlossenes Ganzes+ bildet, steht er mit dem ersten Bande

des Werkes „Unter der Sonne Indiens“ doch insofern in enger Verbindung,

als hier John Hagenbeck, bis zum Kriege der populärste deutsche

Kolonist in Indien, wiederum in Zusammenarbeit mit Victor Ottmann,

dem wohlbekannten Schriftsteller und Weltreisenden, die im ersten

Bande, dem Ceylon-Buch, gesponnenen Fäden wieder aufnimmt und weiter

fortführt. / Während der erste Band von „Unter der Sonne Indiens“

ausschließlich Ceylon zum Gegenstand hat, schöpft dieser zweite

seine Stoffe aus der +ganzen übrigen indischen Welt+. Er behandelt

zunächst die Erlebnisse und Abenteuer John Hagenbecks und seiner

Freunde auf dem Festlande Vorderindiens, vom tiefen Süden bis hinauf

zu den eisigen Bergregionen des Himalaja, an den Stätten der uralten

indischen Kultur, unter Eingeborenen, an glänzenden Fürstenhöfen und

auf der Großwildjagd in Dschungeln und Steppen. Er führt dann über

+Hinterindien+ nach der fernen Wunderwelt von Holländisch-Indien

hinüber, nach +Sumatra+ und +Java+, den tropisch üppigen großen Inseln

mit ihren überwältigenden Naturszenerien und ihrem hochinteressanten

Volksleben. Von einzigartigem, fesselnden Reiz ist ferner ein

bedeutender Abschnitt des Buches, der die abenteuerlichen Erlebnisse

John Hagenbecks auf den +Andaman-Inseln+ im Indischen Ozean behandelt,

die bisher nur von einigen ganz wenigen Deutschen besucht worden

sind, weil sie als Sitz der größten Strafkolonie von den Engländern

in strengster Abgeschlossenheit gehalten werden. Auf den Andamanen

hausen im Urwald die Reste +wilder Zwerg-Urvölker+, und was John

Hagenbeck von diesen auf tiefster Stufe stehenden primitiven Menschen

und seinem gefährlichen Zusammentreffen mit ihnen zu erzählen weiß,

reiht sich dem Packendsten an, das auf dem Gebiet der Forschungs- und

Reiseliteratur jemals veröffentlicht worden ist. / Wer „+Fünfundzwanzig

Jahre Ceylon+“ gelesen hat, ist sicher von dem lebhaften Wunsche

erfüllt, auch „+Kreuz und quer durch die indische Welt+“ kennen

zu lernen, und wer den letzteren Band allein liest, ohne noch das

Ceylon-Buch zu kennen, wird auch nach diesem verlangen. Es ist schwer

zu sagen, welcher von beiden Bänden des großen Werkes „+Unter der Sonne

Indiens+“ der reichhaltigere, interessantere ist. Man trifft wohl das

Richtige, wenn man beide für ebenbürtig und in ihrer Gesamtheit, ihrer

gegenseitigen Ergänzung für +das hervorragendste, fesselndste deutsche

Übersee-Erlebnisbuch+ der neusten Zeit erklärt.

Zu beziehen durch jede Buchhandlung

Ferner ist im Verlag Deutsche Buchwerkstätten, Dresden, erschienen:

Auf Großtierfang für Hagenbeck

Selbsterlebtes aus afrikanischer Wildnis

von

Chr. Schulz

Mit etwa 60 Illustrationen nach Originalaufnahmen

Mit unübertrefflicher Sachkenntnis wird der Leser eingeführt in die

großartige Wunderwelt der ostafrikanischen Steppe mit ihrer ungeheuren

Lebenswelle an exotischen Tieren. Die in einfachem, natürlichem

Plauderton geschilderten Szenen von Jagd- und Fangtagen auf Großwild

setzen sich zu prächtigen, farbenfrohen Gemälden zusammen. Ein äußerst

fesselndes Bild gibt Chr. Schulz über die beim Einfang wilder Tiere zur

Anwendung gelangenden Methoden, die teils auf geschickte Überlistung

des Opfers angelegt, teils auf der körperlichen Gewandtheit und

Geistesgegenwart des Tierfängers begründet sind, an dessen Kühnheit

und Todesverachtung dabei hohe Anforderungen gestellt werden. Tief

ergreifend ist u. a. die anschauliche Schilderung von dem tragischen

Tode eines Freundes im Kampfe mit einem angeschossenen Büffel, wobei

auch der Verfasser fast das Leben eingebüßt hätte. Wir folgen dem

Weidmann und Tierfänger in den dichtesten Urwald, wo nur Buschmesser

und Axt den Weg zu bahnen vermag, und beobachten mit ihm bis ins

kleinste hinein das rege Tierleben. Wir folgen ihm auf flüchtigem

Roß in die weite Masai-Nyika, um an seinen Giraffen-, Zebra- und

Antilopenfängen teilnehmen, und machen dabei Entdeckungen, die selbst

alten Afrikanern bisher entgangen sind. Alle die Schilderungen über

Fang, Aufzucht und Transport von Großwild bedeuten für den Leser eine

völlig neue Welt, die ihm zum ersten Male in diesem Buche erschlossen

wird. Äußerst anregend und belehrend verdienen die gründlichen,

wissenschaftlichen, im Plauderton eingeflochtenen sehr interessanten

Notizen über die Lebensweise der verschiedenen Tierarten genannt

zu werden, die ebenfalls viel Neues enthalten. Der Verfasser ist

aber auch ein ausgezeichneter Kenner von Land und Leuten. Unserer

ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika, dem verlorenen Paradies,

das ihn auf einem Teil seiner Expeditionen sah, widmet er seine

liebevollste Aufmerksamkeit. Ebenso erweist er sich als scharfer

Beobachter der verschiedenen Eingeborenen-Stämme und weiht den Leser

in die Eigentümlichkeiten, Sitten und Gewohnheiten der einzelnen

Völkerschaften ein.

Der Ethnograph wie der Geograph und Naturforscher, der Kolonialfreund,

der ehemalige Schutztruppenoffizier wie der Missionar wird begeistert

zu dem Buche greifen. Leser sind aber nicht nur diese Kreise, sondern

schlechtweg alle vaterländisch empfindenden Deutschen, und insbesondere

auch die heranreifende Jugend, deren Sehnsucht nach fernen Ländern

gerade in unseren Tagen keine Grenzen kennt, und deren Phantasie durch

dieses Buch in natürliche gesunde Bahnen gelenkt wird.

Zu beziehen durch jede Buchhandlung

Ferner ist im Verlage Deutsche Buchwerkstätten, Dresden, neu erschienen:

Unter den Kannibalen der Südsee

Studienreise durch die Melanesische Inselwelt

von

~Dr.~ Friedrich Burger

Mit 31 Bildtafeln, zwei Landkarten, mehreren Kartenskizzen und reichem

Buchschmuck

Die australische Inselwelt gehört zu den am wenigsten erforschten

Gegenden der Erde. Über die große Mehrzahl der unzähligen kleinen und

kleinsten Inseln ist auch heute noch der Schleier des Unbekannten

gebreitet. Gibt es doch viele unter ihnen, die kaum jemals von eines

Weißen Fuß betreten wurden, und wenn auch von den wichtigeren Inseln

die Küstenstriche besiedelt sind, so blieb das Hinterland größtenteils

unerforscht. Besonders gilt dies auch von dem Urwald im Innern der

großen Insel Neu-Guinea.

~Dr.~ Friedrich Burger, der Verfasser des vortrefflichen Buches,

unternahm in den Jahren 1911 und 1912 im Auftrage des Linden-Museums

in Stuttgart eine ethnologische Studienreise nach dem Melanesischen

Archipel und den Salomo-Inseln, um mit den bis jetzt beinahe

unbekannten Bergstämmen dieser Inseln in Verbindung zu treten. Auf dem

Wege nach Neu-Britannien hielt er sich vier Monate auf den östlichen

Molukken auf, wo er Gelegenheit hatte, die abgelegenen Kei-Inseln zu

besuchen und ihre hochinteressanten Bewohner kennen zu lernen. Was der

Forscher hierbei an Begebenheiten hochbedeutsamer Art erlebte, hat

er in seinem neuen Buche niedergeschrieben. Neben einer lebendigen

Schilderung der Abenteuer und Gefahren, die das Bereisen der Inseln

und das Zusammentreffen mit den Eingeborenen mit sich brachte,

enthält das Buch so viel Belehrendes über Sitten, Gebräuche, Aber-,

Geisterglauben und Zauberei bei jenen größtenteils dem Kannibalismus

frönenden, in unberührter Urkultur lebenden Volksstämmen, daß die

bisherigen Forschungsergebnisse und die über jene Gegenden erschienene

Literatur, insbesondere auch unsere Kenntnisse des einstigen deutschen

Kolonialbesitzes in der Südsee, in bemerkenswerter Weise bereichert

werden. Gründliche Beobachtungen aus der Tier- und Pflanzenwelt

bilden den landschaftlichen Rahmen und geben dem Buch das Gepräge der

Vielseitigkeit.

Das Werk stellt sich infolge der vorzüglich gelungenen Bestrebungen des

Verfassers, Erlebnisse abenteuerlicher Art mit einer Bereicherung des

Wissens zu verknüpfen, auch als vorbildliches Volksbuch und Buch für

die reife Jugend dar, das für Geschenkzwecke in hervorragendem Maße

geeignet ist.

Zu beziehen durch jede Buchhandlung

Ferner ist in der Sammlung „Jäger und Forscher“ im Verlag Deutsche

Buchwerkstätten, Dresden, erschienen:

Unter dem Gluthimmel der Antillen

Fahrten und Abenteuer

von

Victor Ottmann

Reich illustriert

Der bekannte Schriftsteller und Weltreisende bietet in diesem

+ungemein lebhaft und packend geschriebenen+ Buch den literarischen

Niederschlag von Erlebnissen und Beobachtungen auf einer kurz vor

Ausbruch des Weltkrieges unterommenen +Westindienfahrt+. Das Werk

wird um so höheres Interesse erregen, als es Länder behandelt, die

+abseits der ausgetretenen+ Pfade liegen und von Deutschen nur

selten besucht worden sind: die +Bahama-Inseln+, +Kuba+, +Jamaika+,

+Portoriko+, +Martinique+, +Barbados+, +Trinidad+ usw., — diese

farbige, heiße, abenteuerlich-romantische Inselwelt am Karibischen

Meer mit ihren Negern, Kreolen und weißen Ansiedlern, ihren Tabak-

und Zuckerrohrfeldern, ihren grünen Savannen, tropischen Urwäldern

und meerumrauschten Korallenriffen. Bei einem Buch von Victor Ottmann

ist es fast überflüssig zu sagen, daß es sich nicht um trockene

Aufzeichnungen handelt. Indem der Verfasser eigene Erlebnisse mit

fremden verflocht, hat er seinem Buche den Charakter einer +spannenden

Reise- und Abenteuer-Erzählung+ verliehen, die den Leser von Anfang

bis Ende fesselt und ihm die ferne Inselwelt mit ihren eigentümlichen

Lebensverhältnissen greifbar plastisch vor Augen führt. Da infolge

des Weltkrieges und unserer deutschen Abgeschlossenheit ein fühlbarer

Mangel an guten neuen Reiseerlebnisbüchern herrscht, kommt Ottmanns

Buch gerade zur rechten Zeit, um als +sicherlich gern gekauftes

Geschenkbuch für jung und alt+ eine dominierende Rolle zu spielen.

Zu beziehen durch jede Buchhandlung

Ferner ist im Verlag Deutsche Buchwerkstätten, Dresden, erschienen:

Jäger und Forscher

Band 3

Jagd- und Film-Abenteuer in Afrika

Streifzüge in das Innere des dunklen Erdteils

von

Chr. Schulz

Der bekannte, beliebte Verfasser gibt in diesem Werk eindrucksvolle

Schilderungen seiner abenteuerlichen Erlebnisse in entlegenen

Gegenden unserer früheren Kolonie Deutsch-Ostafrika. In schlichter

und anschaulicher Darstellungsweise macht er den Leser bekannt mit

den Vorbereitungen und Einzelheiten seiner Forschungsreise in weglose

Urwälder, zerklüftete Gebirge und wasserarme Steppen. Hundertfach

lauernden Gefahren zum Trotz, wurden die Teilnehmer der Expedition

Miterleber der seltsamsten, aufregendsten Schauspiele in Natur und

Tierwelt, und häufig war es nur unter größter Lebensgefahr möglich,

die interessantesten Szenen aus dem Tierleben Afrikas auf den Film zu

bringen. Die fesselnden Schilderungen werden belebt durch Plaudereien

über Art und Lebensgewohnheiten der beobachteten Tiere. Daneben

vermitteln eine ganze Reihe charakteristischer und lustiger Anekdoten

die Bekanntschaft mit den Eingeborenen. Prächtige landschaftliche

Schilderungen geographischer Eindrücke neben wertvollen Bereicherungen

der Kenntnisse über die Vegetation des Landes vervollständigen

den Inhalt. Das Buch ist für unsere heranwachsende Jugend eine

unerschöpfliche Quelle der Anregung, Unterhaltung und Belehrung und

gleichzeitig jedem jungen Deutschen ein Mahner, +stets daran zu

denken+, welchen wertvollen Besitz wir mit dem Verlust unserer Kolonie

aufgeben mußten.

Das Buch ist reich illustriert

Zu beziehen durch jede Buchhandlung

Fünfundzwanzig Jahre Ceylon · 第 19 / 19 段