Negerkinder auf der Straße, beim Essen.]

An Früchten liegen dort besonders Bananen, Lemonen, Papayen, Ananas,

Zuckerrohr, Mohogo; auch Bohnen und Zwiebeln. Wer sich genauer für die

Produkte interessiert, findet viele Dinge, die ihm neu sind.

Da werden auch gebleichte Blätter der Phönixpalme (zur Herstellung von

Matten) verkauft und Wurzeln, aus denen der Farbstoff zum Färben des

Flechtmaterials gewonnen wird.

An seltsamen Fischen sieht man: die großen Stachelrochen, mit

meterlangen scharfkantigen Schwänzen, Tintenfische und Haie.

Das Haifischfleisch gibt einen widerlichen Geruch von sich und kann dem

Europäer die Spaziergänge im Eingeborenendorf gründlich verleiden.

Der Markt hatte für mich große Anziehungskraft, denn hier konnte ich

am leichtesten die Stimmung beobachten, die der Neger empfindet, wenn

er in das Volksgedränge kommt, unter die vielen Menschen, die, was

sie schnell verdienen, ebenso schnell wieder verzehren, und deren

Zufriedenheit beim Anblick der reichlichen Lebensmittel in den Worten

zum Ausdruck kommt: „_killa kitu tayari_: es ist alles da“.

Jeder Fremde, der Daressalam auf der Durchreise besucht und das

Eingeborenenviertel vergleicht mit den Wohnungen der Kaffern in

Delagoabay oder der Neger in Mombasa, bekommt denn auch den Eindruck,

daß es den Schwarzen im deutschen Gebiet gut geht.

Vom Markt aus bog ich in die Straße „Unter den Akazien“. Knallrote

Blüten bedeckten die Bäume.

Am Ende der langen Baumreihe liegt der Kulturgarten mit dem Hospital;

nicht weit davon das Wohnhaus des Gouverneurs in schönen Parkanlagen

versteckt, mit der Aussicht auf das Meer.

Hart am Strande, hinter einem Kasuarinenwäldchen, ist ein kleines

Gebäude halb in das Wasser hinausgebaut: das Aquarium; ein kleiner,

aber viel versprechender Anfang, die reiche Fauna des ostafrikanischen

Meeres zu zeigen und wissenschaftlich zu erforschen.

Hier fand ich den Stabsarzt unsers Kriegsschiffes beschäftigt, die vier

Wasserbassins mit frisch gefangenen Fischen zu besetzen und durfte mich

auch an dem Anblick einiger großer Langusten erfreuen, die für den

Tisch der Offiziermesse bestimmt waren.

Da in den nächsten Tagen die Ankunft eines großen Postdampfers von

Süden erwartet wurde, sollte das Aquarium zu einer Sehenswürdigkeit für

die Passagiere gemacht werden, und eine Fahrt nach den Korallenriffen

bei der Leuchtturminsel Makatumbe war nötig, weil dort der

Aquariumssammler reiche Ausbeute findet.

Jetzt schon lagen in dem ersten Bassin Tintenschnecken wie leblos

zwischen Steinen und Sand, durch sonderbare Höcker und Runzeln ihrer

Umgebung so angepaßt, daß sie schwer darin zu unterscheiden waren.

Zerschnittene Fische, in das Bassin geworfen, brachten schnell Leben in

die unförmigen Geschöpfe, die die Bissen mit den Fangarmen ergriffen

und zum Munde führten.

[Illustration: Im Palmenwald bei Daressalam.

Die Palme im Vordergrund zeigt die Einkerbungen, die den Negern als

Stufen dienen, um auf die Baumkrone hinaufzusteigen, Palmwein zu

zapfen, oder Nüsse abzuschlagen. Alle Palmen, bei denen Anzapfen

gestattet ist, sind mit einem _T_ (_tembo_ = Palmwein) gezeichnet.

Dunkle, dichtbelaubte Mangobäume stehen zwischen den schlanken Stämmen

der Kokospalmen. Rechts sieht man auf dem Bilde einen gemauerten

Brunnen mit Auftritt. Der Afrikaner spricht von einer „Palmenschamba“,

d. h. Pflanzung, weil es natürliche Kokoswälder dort nicht gibt.]

Seesterne, Schlangensterne, Seeigel und Seegurken lagen auf dem Boden

des nächsten Bassins; ein Farben- und Formenreichtum, der das Auge

entzückte. Urkomisch waren die hier häufigen Kofferfische und die

Kugelfische, die sich, aus dem Wasser gehoben, wie ein Ballon aufpumpen

und ihre Stachel von sich spreizen.

Die Pflege eines Seewasseraquariums erfordert viel Mühe und Sorgfalt,

denn nicht alle Fische halten sich in der Gefangenschaft und gewisse

Arten kann man nur wenige Stunden im Bassin beobachten, dann sterben

sie.

Obwohl es nicht schwer ist, neue Tiere zu fangen und auch die schwarzen

Fischer häufig Schaustücke mitbringen, kann das Aquarium deshalb nicht

immer eine große Sehenswürdigkeit sein. Wer sich jedoch erst einmal

dafür interessiert, für den gibt es immer etwas zu sehen.

Am nächsten Morgen begleitete ich den Stabsarzt hinaus, um auf den

Riffen von Makatumbe für das Aquarium zu sammeln.

Der Südwestmonsum wehte und das aus dem Hafen hinauslaufende Wasser

förderte die Fahrt unserer kleinen einheimischen Auslegerboote. Wenn

der Wind recht stark in das Segel des primitiven Fahrzeugs faßte,

konnte man weit zu luvard auslegen und sah dann das klare, grüne Wasser

unter sich hindurchschießen. Mit uns verließ eine große Inderdhau

die enge Einfahrt, um ihren Kurs nach Sansibar zu nehmen. Der braune

Holzkasten mit der plumpen Takelage und den großen Segeln paßte so

recht zu dem Palmenstrand im Hintergrund und zu den farbigen Menschen.

Nach einer Fahrt von etwa einer halben Stunde landeten wir auf der

Leuchtturminsel. Die Boote wurden auf den Sandstrand gezogen; die Neger

folgten uns mit Eimern und Glasgefäßen auf die Riffe, die schon fast

frei von Wasser waren.

Strandläufer und Reiher flogen auf.

Große, gehobene Korallenfelsen standen da, von der zur Flutzeit

drumherumtobenden Brandung zu fantastischen Formen zurechtgeschlagen.

An dem zackigen, scharfkantigen Gestein saßen Austern, die man mit

Beilen losschlagen mußte; eine kleine aber wohlschmeckende Art.

Viele Krabben liefen über die Steine hin, ihre spinnenähnlichen, von

gelenkigen Beinen schnell fortbewegten Körper sahen drollig aus, weil

sie nicht vor- oder rückwärts, sondern seitwärts liefen; die Stielaugen

und Fühler waren dabei nach oben gerichtet.

Die feuchte Oberfläche des Riffs hatte eine braungrüne Farbe. Viele

kleine und große Wasserbecken waren von der Flut zurückgeblieben; jedes

ein natürliches Aquarium mit großem Reichtum an Lebewesen, die sich

vor den glühenden Sonnenstrahlen dorthin geflüchtet hatten, wenn sie

nicht in Hohlräumen unter den Steinen die Rückkehr der Flut erwarteten.

Hunderte von Einsiedlerkrebsen, die sich kleine Muschelschalen, ein

fremdes Kleid, angezogen hatten, spazierten mit ihrem Haus unter den

Schutz der Korallensteine und Tangpflanzen.

[Illustration: Die Johannesstraße bei Daressalam.

Links das Meer, davor einige Pandanen; am Strand ein Fischerboot, das

seine Segel zum Trocknen ausgespannt hat. In den Kokospalmen rechts ein

Fischerdorf. -- Die Straße ist nach Major Johannes benannt, einem der

ältesten Offiziere der Schutztruppe, der die Entwickelung der Kolonie

bis heute aktiv miterlebt hat und im Aufstand im Jahre 1905/06 die

Operationen der Schutztruppe im Süden der Kolonie leitete.]

Wenn man die Steine umdrehte, entfloh aalgleich eine Moräne; vor ihrem

scharfen Biß, der wie der Schnitt eines Rasiermessers ins Fleisch

dringt, mußte man sich hüten. Blitzschnell wand sie sich über den Boden

dahin und war in der nächsten Höhlung verschwunden.

Die Unterseite einer umgedrehten Steinplatte ist bunt wie die Palette

des Malers. Weichtiere, Schnecken, Brut und Algen in allen erdenklichen

Farben, dazu Schlangensterne verschiedener Art, bunte Muscheln und

Krebstiere. Ein natürliches Wasserbecken nun gar erst, umschließt eine

Welt für sich; wenn kein Wind die Oberfläche kräuselt und die Sonne

warm hineinscheint, ist es ein hoher Genuß für den Naturfreund, dem

Leben darin zuzusehen.

Die zerklüfteten Korallensteine stellen gleichsam die Landschaft dar;

Berge, Halbinseln, Grotten erscheinen da, Algen und Tange bilden

Wälder, in denen sich Schnecken, Holothurien und Seesterne verbergen,

während Fische über die Bäume hinwegfliegen wie Vögel in der Luft.

Ostafrikanische Negerin in der Tracht der Küste.

Ein mit seltsamen Mustern bedrucktes Baumwolltuch bildet ihr

Kleid; es ist über der Brust eingefaltet. Auf dem Nacken liegt

eine Messingkette. Um den Hals trägt sie ein Band mit blauen

Glasperlen; in jeder Ohrmuschel drei Pfropfen aus zusammengerolltem

Papier mit Staniolstreifen durchzogen. Ihr kurzes, krauses Haar

ist mehrfach gescheitelt und in getrennten Bahnen geflochten.

Mit der linken Hand hat sie hinter dem Rücken den rechten

Oberarm angefaßt; durch diese Haltung tritt das Schlüsselbein

besonders stark hervor. Die meisten Negerinnen gehen aufrecht und

schön, weil schon die Gewohnheit, alle Gegenstände (selbst den

zusammengefalteten Sonnenschirm!) auf dem Kopf zu tragen, sie zu

guter Haltung erzieht. Leuchtend weiße, wohlgepflegte Zähne sind

nach unserm Begriff ihr schönster Schmuck. Die Schönheitspflege der

Küstennegerin erstreckt sich sogar auf die Haut und die Fingernägel.

[Illustration: Ostafrikanische Negerin in der Tracht der Küste.]

Wenn nun der Blick auf einer ganz beschränkten Stelle haftet, regt

sich dort eine noch kleinere Welt, deren Gestalten schließlich nur noch

mit dem feinen Planktonnetz gefaßt und mit dem Mikroskop erkannt werden

können.

Während wir noch Eimer und Gläser mit wunderlichem Gewürm anfüllten,

zogen Neger einen mehrere Meter langen Hai auf den Strand. Sie hatten

ihn mit der Angel gefangen und versprachen sich guten Gewinn auf dem

Markt.

[Illustration:

Im Morgenlicht. Kriegs-, Jagd- und Reise-Erlebnisse in Ostafrika · 第 19 / 34 题