3. Bestimmende Reflexion.

Die bestimmende Reflexion ist überhaupt die Einheit der setzenden und

der äußeren Reflexion. Dieß ist näher zu betrachten.-1. Die äußere

Reflexion fängt vom unmittelbaren Seyn all, die setzende vom Nichts.

Die äußere Reflexion, die bestimmend wird, setzt ein Anderes, aber das

Wesen, an die Stelle des aufgehobenen Seyns; das Setzen setzt seine

Bestimmung nicht an die Stelle eines Anderen; es hat keine

Voraussetzung. Aber deswegen ist es nicht die vollendete, bestimmende

Reflexion; die Bestimmung, die es setzt, ist daher nur ein Gesetztes;

es ist Unmittelbares, aber nicht als sich selbst gleich, sondern als

sich negirend, es hat absolute Beziehung auf die Rückkehr in sich, es

ist nur in der Reflexion in sich, aber es ist nicht diese Reflexion

selbst.

Das Gesetzte ist daher ein Anderes, aber so, daß die Gleichheit der

Reflexion mit sich schlechthin erhalten ist; denn das Gesetzte ist nur

als Aufgehobenes, als Beziehung auf die Rückkehr in sich selbst. —In

der Sphäre des Seyns, war das Daseyn das Seyn, das die Negation an ihm

hatte, und das Seyn der unmittelbare Boden und Element dieser Negation,

die daher selbst die unmittelbare war. Dem Daseyn entspricht in der

Sphäre des Wesens das Gesetztseyn. Es ist gleichfalls ein Daseyn, aber

sein Boden ist das Seyn, als Wesen oder als reine Negativität; es ist

eine Bestimmtheit oder Negation nicht als seyend, sondern unmittelbar

als aufgehoben. Das Daseyn ist nur Gesetztseyn; dieß ist der Satz des

Wesens vom Daseyn. Das Gesetztseyn steht einer Seits dem Daseyn,

anderer Seits dem Wesen gegenüber, und ist als die Mitte zu betrachten,

welche das Daseyn mit dem Wesen und umgekehrt das Wesen mit dem Daseyn

zusammenschließt. —Wenn man sagt, eine Bestimmung ist nur ein

Gesetztseyn, so kann dieß daher den doppelten Sinn haben; sie ist dieß

im Gegensatze gegen das Daseyn, oder gegen das Wesen. In jenem Sinne

wird das Daseyn für etwas Höheres genommen, als das Gesetztseyn, und

dieses der äußern Reflexion, dem Subjektiven zugeschrieben. In der That

aber ist das Gesetztseyn das Höhere; denn als Gesetztseyn ist das

Daseyn, als das was es an sich ist, als Negatives, ein schlechthin nur

auf die Rückkehr in sich bezogenes. Deswegen ist das Gesetztseyn nur

ein Gesetztseyn in Rücksicht auf das Wesen, als die Negation des

Zurückgekehrtseyns in sich selbst.

2. Das Gesetztseyn ist noch nicht Reflexions-Bestimmung; es ist nur

Bestimmtheit, als Negation überhaupt. Aber das Setzen ist nun in

Einheit mit der äußern Reflexion; diese ist in dieser Einheit absolutes

Voraussetzen; das heißt, das Abstoßen der Reflexion von sich selbst,

oder Setzen der Bestimmtheit als ihrer selbst. Das Gesetztseyn ist

daher, als solches Negation; aber als vorausgesetztes ist sie als in

sich reflektirte. So ist das Gesetztseyn Reflexions-Bestimmung.

Die Reflexions-Bestimmung ist von der Bestimmtheit des Seyns, der

Qualität, unterschieden; diese ist unmittelbare Beziehung auf Anderes

überhaupt; auch das Gesetztseyn ist Beziehung auf Anderes, aber auf das

Reflektirtseyn in sich. Die Negation als Qualität ist Negation als

seyend; das Seyn macht ihren Grund und Element aus. Die

Reflexionsbestimmung hingegen hat zu diesem Grunde das Reflektirtseyn

in sich selbst. Das Gesetztseyn fixirt sich zur Bestimmung, eben darum,

weil die Reflexion die Gleichheit mit sich selbst in ihrem Negirtseyn

ist; ihr Negirtseyn ist daher selbst Reflexion in sich. Die Bestimmung

besteht hier nicht durch das Seyn, sondern durch ihre Gleichheit mit

sich. Weil das Seyn, das die Qualität trägt, das der Negation ungleiche

ist, so ist die Qualität in sich selbst ungleich, daher übergehendes,

im Andern verschwindendes Moment. Hingegen die Reflexionsbestimmung ist

das Gesetztseyn als Negation, Negation die zu ihrem Grunde das

Negirtseyn hat, also sich in sich selbst nicht ungleich ist, somit

wesentliche, nicht übergehende Bestimmtheit. Die Sich-selbst-Gleichheit

der Reflexion, welche das Negative nur als Negatives, als Aufgehobenes

oder Gesetztes hat, ist es, welche demselben Bestehen giebt.

Um dieser Reflexion in sich willen erscheinen die

Reflexionsbestimmungen als freie, im Leeren ohne Anziehung oder

Abstoßung gegen einander schwebende Wesenheiten. In ihnen hat sich die

Bestimmtheit durch die Beziehung auf sich befestigt und unendlich

fixirt. Es ist das Bestimmte, das sein Übergehen und sein bloßes

Gesetztseyn sich unterworfen, oder seine Reflexion in Anderes in

Reflexion in sich umgebogen hat. Diese Bestimmungen machen hierdurch

den bestimmten Schein aus, wie er im Wesen ist, den wesentlichen

Schein. Aus diesem Grunde ist die bestimmende Reflexion die außer sich

gekommene Reflexion; die Gleichheit des Wesens mit sich selbst ist in

die Negation verloren, die das Herrschende ist.

Es sind also an der Reflexionsbestimmung zwei Seiten, die zunächst sich

unterscheiden. Erstlich ist sie das Gesetztseyn, die Negation als

solche; zweitens ist sie die Reflexion in sich. Nach dem Gesetztseyn

ist sie die Negation als Negation; dieß ist somit bereits ihre Einheit

mit sich selbst. Aber sie ist dieß nur erst an sich; oder sie ist das

Unmittelbare als sich an ihm aufhebend, als das Andere seiner

selbst.—Insofern ist die Reflexion in sich bleibendes Bestimmen. Das

Wesen geht darin nicht außer sich; die Unterschiede sind schlechthin

gesetzt, in das Wesen zurückgenommen. Aber nach der andern Seite sind

sie nicht gesetzte, sondern in sich selbst reflektirt; die Negation als

Negation, ist in Gleichheit mit ihr selbst, nicht in ihr Anderes, nicht

in ihr Nichtseyn reflektirt.

3. Indem nun die Reflexionsbestimmung sowohl reflektirte Beziehung in

sich selbst, als auch Gesetztseyn ist, so erhellt unmittelbar daraus

ihre Natur näher. Als Gesetztseyn nämlich ist sie die Negation als

solche, ein Nichtseyn gegen ein Anderes, nämlich gegen die absolute

Reflexion in sich oder gegen das Wesen. Aber als Beziehung auf sich ist

sie in sich reflektirt.—Diese ihre Reflexion und jenes Gesetztseyn sind

verschieden; ihr Gesetztseyn ist vielmehr ihr Aufgehobenseyn; ihr

Reflektirtseyn in sich aber ist ihr Bestehen. Insofern es nun also das

Gesetztseyn ist, das zugleich Reflexion in sich selbst ist, so ist die

Reflexionsbestimmtheit die Beziehung auf ihr Andersseyn an ihr

selbst.—Sie ist nicht als eine seyende, ruhende Bestimmtheit, welche

bezogen würde auf ein Anderes, so daß das Bezogene und dessen Beziehung

verschieden von einander sind, jenes ein Insichseyendes, ein Etwas,

welches sein Anderes und seine Beziehung auf dieß Andere von sich

ausschließt. Sondern die Reflexions-Bestimmung ist an ihr selbst die

bestimmte Seite, und die Beziehung dieser bestimmten Seite als

bestimmter, das heißt, auf ihre Negation.—Die Qualität geht durch ihre

Beziehung in Anderes über; in ihrer Beziehung beginnt ihre Veränderung.

Die Reflexionsbestimmung hingegen hat ihr Andersseyn in sich

zurückgenommen. Sie ist Gesetztseyn, Negation, welche aber die

Beziehung auf Anderes in sich zurückbeugt, und Negation, die sich

selbst gleich, die Einheit ihrer selbst und ihres Andern und nur

dadurch Wesensheit ist. Sie ist also Gesetztseyn, Negation, aber als

Reflexion in sich ist sie zugleich das Aufgehobenseyn dieses

Gesetztseyns, unendliche Beziehung auf sich.

Zweites Kapitel. Die Wesenheiten oder die Reflexions-Bestimmungen.

Die Reflexion ist bestimmte Reflexion; somit ist das Wesen bestimmtes

Wesen, oder es ist Wesenheit.

Die Reflexion ist das Scheinen des Wesens in sich selbst. Das Wesen als

unendliche Rückkehr in sich ist nicht unmittelbare, sondern negative

Einfachheit; es ist eine Bewegung durch unterschiedene Momente,

absolute Vermittelung mit sich. Aber es scheint in diese seine Momente;

sie sind daher selbst in sich reflektirte Bestimmungen.

Das Wesen ist zuerst einfache Beziehung auf sich selbst; reine

Identität. Dieß ist seine Bestimmung, nach der es vielmehr

Bestimmungslosigkeit ist.

Zweitens die eigentliche Bestimmung ist der Unterschied; und zwar

theils als äußerlicher oder gleichgültiger Unterschied, die

Verschiedenheit überhaupt; theils aber als entgegengesetzte

Verschiedenheit oder als Gegensatz.

Drittens als Widerspruch reflektirt sich der Gegensatz in sich selbst

und geht in seinen Grund zurück.

Anmerkung.

Die Reflexions-Bestimmungen pflegten sonst in die Form von Sätzen

aufgenommen zu werden, worin von ihnen ausgesagt wurde, daß sie von

Allem gelten. Diese Sätze galten als die allgemeinen Denkgesetze, die

allem Denken zum Grunde liegen, an ihnen selbst absolut und unbeweisbar

seyen, aber von jedem Denken, wie es ihren Sinn fasse, unmittelbar und

unwidersprochen als wahr anerkannt und angenommen werden.

So wird die wesentliche Bestimmung der Identität in dem Satze

ausgesprochen: Alles ist sich selbst gleich; A=A. Oder negativ: A kann

nicht zugleich A und nicht A seyn. Es ist zunächst nicht abzusehen,

warum nur diese einfachen Bestimmungen der Reflexion in diese besondere

Form gefaßt werden sollen, und nicht auch die andern Kategorien, wie

alle Bestimmtheiten der Sphäre des Seyns. Es ergäben sich die Sätze

z.B. Alles ist, Alles hat ein Daseyn u.s.f. oder Alles hat eine

Qualität, Quantität u.s.w. Denn Seyn, Daseyn u.s.f. sind als logische

Bestimmungen überhaupt Prädikate von Allem. Die Kategorie ist ihrer

Etymologie und der Definition des Aristoteles nach, dasjenige, was von

dem Seyenden gesagt, behauptet wird.—Allein eine Bestimmtheit des Seyns

ist wesentlich ein Übergehen ins Entgegengesetzte; die negative einer

jeden Bestimmtheit ist so nothwendig als sie selbst; als unmittelbaren

Bestimmtheiten steht jeder die andere unmittelbar gegenüber. Wenn diese

Kategorien daher in solche Sätze gefaßt werden, so kommen ebenso sehr

die entgegengesetzten Sätze zum Vorschein; beide bieten sich mit

gleicher Nothwendigkeit dar, und haben als unmittelbare Behauptungen

wenigstens gleiches Recht. Der eine erforderte dadurch einen Beweis

gegen den andern, und diesen Behauptungen könnte daher nicht mehr der

Charakter von unmittelbar wahren und unwidersprechlichen Sätzen des

Denkens zukommen.

Die Reflexions-Bestimmungen dagegen sind nicht von qualitativer Art.

Sie sind sich auf sich beziehende und damit der Bestimmtheit gegen

Anderes zugleich entnommene Bestimmungen. Ferner indem es

Bestimmtheiten sind, welche Beziehungen an sich selbst sind, so

enthalten sie insofern die Form des Satzes schon in sich. Denn der Satz

unterscheidet sich vom Urtheil vornehmlich dadurch, daß in jenem der

Inhalt die Beziehung selbst ausmacht, oder daß er eine bestimmte

Beziehung ist. Das Urtheil dagegen verlegt den Inhalt in das Prädikat,

als eine allgemeine Bestimmtheit, die für sich und von ihrer Beziehung,

der einfachen Copula, unterschieden ist. Wenn ein Satz in ein Urtheil

verwandelt werden soll, so wird der bestimmte Inhalt, wenn er z.B. in

einem Zeitworte liegt, in ein Particip verwandelt, um auf diese Art die

Bestimmung selbst und ihre Beziehung auf ein Subjekt zu trennen. Den

Reflexions-Bestimmungen dagegen als in sich reflektirtem Gesetztseyn

liegt die Form des Satzes selbst nahe.—Allein indem sie als allgemeine

Denkgesetze ausgesprochen werden, so bedürfen sie noch eines Subjekts

ihrer Beziehung, und dieß Subjekt ist: Alles; oder ein A, was ebenso

viel als Alles und Jedes Seyn bedeutet.

Eines Theils ist diese Form von Sätzen etwas Überflüssiges; die

Reflexions-Bestimmungen sind an und für sich zu betrachten. Ferner

haben diese Sätze die schiefe Seite, das Seyn, Alles Etwas, zum

Subjekte zu haben. Sie erwecken damit das Seyn wieder, und sprechen die

Reflexions-Bestimmungen, die Identität u.s.f. von dem Etwas als eine

Qualität aus, die es an ihm habe; nicht in spekulativem Sinne, sondern

daß Etwas als Subjekt in einer solchen Qualität bleibe als seyendes,

nicht daß es in die Identität u.s.f. als in seine Wahrheit und sein

Wesen übergegangen sey.

Endlich aber haben die Reflexions-Bestimmungen zwar die Form sich

selbst gleich und daher unbezogen auf Anderes und ohne Entgegensetzung

zu seyn; aber wie sich aus ihrer nähern Betrachtung ergeben wird,—oder

wie unmittelbar an ihnen, als der Identität, der Verschiedenheit, der

Entgegensetzung erhellt—sind sie bestimmte gegen einander, sie sind

also durch ihre Form der Reflexion, dem Übergehen und dem Widerspruche

nicht entnommen. Die mehrern Sätze, die als absolute Denkgesetze

aufgestellt werden, sind daher, näher betrachtet, einander

entgegengesetzt, sie widersprechen einander und heben sich gegenseitig

auf.—Wenn Alles identisch mit sich ist, so ist es nicht verschieden,

nicht entgegengesetzt, hat keinen Grund. Oder wenn angenommen wird, es

giebt nicht zwei gleiche Dinge d. h. Alles ist von einander

verschieden, so ist A nicht gleich A, so ist A auch nicht

entgegengesetzt u.s.f. Die Annahme eines jeden von diesen Sätzen läßt

die Annahme der andern nicht zu.—Die gedankenlose Betrachtung derselben

zählt sie nach einander auf, so daß sie in keiner Beziehung auf

einander erscheinen; sie hat bloß ihr Reflektirtseyn in sich im Sinne,

ohne ihr anderes Moment, das Gesetztseyn oder ihre Bestimmtheit als

solche zu beachten, welche sie in den Übergang und in ihre Negation

fortreiBt.

A. Die Identität.

1. Das Wesen ist die einfache Unmittelbarkeit als aufgehobene

Unmittelbarkeit. Seine Negativität ist sein Seyn; es ist sich selbst

gleich in seiner absoluten Negativität, durch die das Andersseyn und

die Beziehung auf Anderes schlechthin an sich selbst in die reine

Sichselbstgleichheit verschwunden ist. Das Wesen ist also einfache

Identität mit sich.

Diese Identität mit sich ist die Unmittelbarkeit der Reflexion. Sie ist

nicht diejenige Gleichheit mit sich, welche das Seyn oder auch das

Nichts ist, sondern die Gleichheit mit sich, welche als sich zur

Einheit herstellende ist, nicht ein Wiederherstellen aus einem Andern,

sondern dieß reine Herstellen aus und in sich selbst; die wesentliche

Identität. Sie ist insofern nicht abstrakte Identität, oder nicht durch

ein relatives Negiren entstanden, das außerhalb ihrer vorgegangen wäre,

und das Unterschiedene nur von ihr abgetrennt, übrigens aber dasselbe

außer ihr als seyend gelassen hätte, vor wie nach. Sondern das Seyn und

alle Bestimmtheit des Seyns hat sich nicht relativ, sondern an sich

selbst aufgehoben; und diese einfache Negativität, des Seyns an sich,

ist die Identität selbst.

Sie ist insofern noch überhaupt dasselbe, als das Wesen.

Anmerkung 1.

Das Denken, das sich in der äußern Reflexion hält, und von keinem

andern Denken weiß, als der äußern Reflexion, kommt nicht dazu, die

Identität wie sie so eben gefaßt worden ist, oder das Wesen, was

dasselbe ist, zu erkennen. Solches Denken hat immer nur die abstrakte

Identität vor sich, und außer und neben derselben den Unterschied. Es

meint, die Vernunft sey weiter nichts als ein Webstuhl, auf dem sie den

Zettel, etwa die Identität, und dann den Eintrag, den Unterschied,

äußerlich mit einander verbinde und verschlinge; oder auch wieder

analysirend jetzt die Identität besonders herausziehe, und dann auch

wieder den Unterschied daneben erhalte, jetzt ein Gleichsetzen, und

dann auch wieder ein Ungleichsetzen sey;—ein Gleichsetzen, indem man

vom Unterschiede, —ein Ungleichsetzen, indem man vom Gleichsetzen

abstrahire.—Man muß diese Versicherungen und Meinungen von dem, was die

Vernunft thue, ganz bei Seite gestellt lassen, indem sie gewissermassen

bloß historische sind, und vielmehr die Betrachtung von Allem, was ist,

an ihm selbst zeigt, daß es in seiner Gleichheit mit sich sich ungleich

und widersprechend, und in seiner Verschiedenheit, in seinem

Widerspruche, mit sich identisch, und an ihm selbst, diese Bewegung des

Übergehens einer dieser Bestimmungen in die andere ist, und dieß darum,

weil jede an ihr selbst das Gegentheil ihrer selbst ist. Der Begriff

der Identität, einfache sich auf sich beziehende Negativität zu seyn,

ist nicht ein Produkt der äußern Reflexion, sondern hat sich an dem

Seyn selbst ergeben. Da hingegen jene Identität, die außer dem

Unterschied, und der Unterschied, der außer der Identität sey, Produkte

der äußern Reflexion und der Abstraktion sind, die sich willkürlicher

Weise auf diesem Punkte der gleichgültigen Verschiedenheit festhält.

2. Diese Identität ist zunächst das Wesen selbst, noch keine Bestimmung

desselben; die ganze Reflexion, nicht ein unterschiedenes Moment

derselben. Als absolute Negation ist sie die Negation, die unmittelbar

sich selbst negirt; ein Nichtseyn und Unterschied, der in seinem

Entstehen verschwindet, oder ein Unterscheiden, wodurch nichts

unterschieden wird, sondern das unmittelbar in sich selbst

zusammenfällt. Das Unterscheiden ist das Setzen des Nichtseyns, als des

Nichtseyns des Andern. Aber das Nichtseyn des Andern ist Aufheben des

Andern, und somit des Unterscheidens selbst. So ist aber das

Unterscheiden hier vorhanden, als sich auf sich beziehende Negativität,

als ein Nichtseyn, das das Nichtseyn seiner selbst ist; ein Nichtseyn,

das sein Nichtseyn nicht an einem andern, sondern an sich selbst hat.

Es ist also der sich auf sich beziehende, der reflektirte Unterschied

vorhanden, oder reine, absolute Unterschied.

Oder die Identität ist die Reflexion in sich selbst, welche dieß nur

ist, als innerliches Abstoßen, und dieß Abstoßen ist es als Reflexion

in sich, unmittelbar sich in sich zurücknehmendes Abstoßen. Sie ist

somit die Identität als der mit sich identische Unterschied. Der

Unterschied ist aber nur identisch mit sich, insofern er nicht die

Identität, sondern absolute Nichtidentität ist. Absolut aber ist die

Nichtidentität, insofern sie nichts von ihr Anderes enthält, sondern

nur sich selbst, das heißt, insofern sie absolute Identität mit sich

ist.

Die Identität ist also an ihr selbst absolute Nichtidentität. Aber sie

ist auch die Bestimmung der Identität dagegen. Denn als Reflexion in

sich setzt sie sich als ihr eigenes Nichtseyn; sie ist das Ganze, aber

als Reflexion setzt sie sich als ihr eigenes Moment, als Gesetztseyn,

aus welchem sie die Rückkehr in sich ist. So als ihr Moment ist sie

erst die Identität als solche als Bestimmung der einfachen Gleichheit

mit sich selbst, gegen den absoluten Unterschied.

Anmerkung 2.

Ich werde in dieser Anmerkung die Identität als den Satz der Identität

näher betrachten, der als das erste Denkgesetz aufgeführt zu werden

pflegt.

Dieser Satz in seinem positiven Ausdrucke A=A, ist zunächst nichts

weiter, als der Ausdruck der leeren Tautologie. Es ist daher richtig

bemerkt worden, daß dieses Denkgesetz ohne Inhalt sey und nicht weiter

führe. So ist die leere Identität, an welcher diejenigen festhangen

bleiben, welche sie als solche für etwas Wahres nehmen und immer

vorzubringen pflegen, die Identität sey nicht die Verschiedenheit,

sondern die Identität und die Verschiedenheit seyen verschieden. Sie

sehen nicht, daß sie schon hierin selbst sagen, daß die Identität ein

Verschiedenes ist; denn sie sagen, die Identität sey verschieden von

der Verschiedenheit; indem dieß zugleich als die Natur der Identität

zugegeben werden muß, so liegt darin, daß die Identität nicht

äußerlich, sondern an ihr selbst, in ihrer Natur dieß sey, verschieden

zu seyn.—Ferner aber indem sie an dieser unbewegten Identität

festhalten, welche ihren Gegensatz an der Verschiedenheit hat, so sehen

sie nicht, daß sie hiermit dieselbe zu einer einseitigen Bestimmtheit

machen, die als solche keine Wahrheit hat. Es wird zugegeben, daß der

Satz der Identität nur eine einseitige Bestimmtheit ausdrücke, daß er

nur die formelle eine abstrakte, unvollständige Wahrheit enthalte.—In

diesem richtigen Urtheil liegt aber unmittelbar, daß die Wahrheit nur

in der Einheit der Identität mit der Verschiedenheit vollständig ist,

und somit nur in dieser Einheit bestehe. Indem behauptet wird, daß jene

Identität unvollkommen ist, so schwebt diese Totalität, an der gemessen

die Identität unvollkommen ist, als das Vollkommene dem Gedanken vor;

indem aber auf der andern Seite die Identität als absolut getrennt von

der Verschiedenheit festgehalten und in dieser Trennung als ein

Wesentliches, Geltendes, Wahres genommen wird, so ist in diesen

widerstreitenden Behauptungen nichts zu sehen, als der Mangel, diese

Gedanken, daß die Identität als abstrakte wesentlich, und daß sie als

solche ebenso unvollkommen ist, zusammenzubringen; der Mangel des

Bewußtseyns über die negative Bewegung, als welche in diesen

Behauptungen die Identität selbst dargestellt wird.—Oder indem sich so

ausgedrückt wird, die Identität sey wesentliche Identität als Trennung

von der Verschiedenheit, oder in der Trennung von der Verschiedenheit,

so ist dieß unmittelbar die ausgesprochene Wahrheit derselben, daß sie

darin besteht, Trennung als solche zu seyn, oder in der Trennung

wesentlich, das ist, nichts für sich, sondern Moment der Trennung zu

seyn.

Was nun die sonstige Beglaubigung der absoluten Wahrheit des Satzes der

Identität betrifft, so wird sie insofern auf die Erfahrung gegründet,

als sich auf die Erfahrung jedes Bewußtseyns berufen wird, daß es, wie

man ihm diesen Satz, A ist A, ein Baum ist ein Baum, ausspreche, es

denselben unmittelbar zugebe und darin befriedigt sey, daß der Satz als

unmittelbar klar durch sich selbst, keiner andern Begründung und

Beweises bedürfe.

Eines Theils ist diese Berufung auf die Erfahrung, daß allgemein jedes

Bewußtseyn ihn anerkenne, bloße Redensart. Denn man will nicht sagen,

daß man das Experiment mit dem abstrakten Satze A=A an jedem Bewußtseyn

gemacht habe. Es ist insofern weiter nicht Ernst mit jener Berufung auf

wirklich gemachte Erfahrung, sondern sie ist nur die Versicherung, daß

wenn man die Erfahrung machte, sich das Resultat des allgemeinen

Anerkennens ergeben würde.—Wäre aber nicht der abstrakte Satz als

solcher, sondern der Satz in konkreter Anwendung gemeint, aus der jener

erst entwickelt werden sollte, so bestünde die Behauptung von seiner

Allgemeinheit und Unmittelbarkeit darin, daß jedes Bewußtseyn, und

selbst in jeder seiner Äußerungen ihn zu Grunde lege, oder daß er

implicite in jeder liege. Allein das Konkrete und die Anwendung ist ja

eben die Beziehung des einfachen Identischen auf ein von ihm

verschiedenes Mannigfaltiges. Als Satz ausgedrückt, wäre das Konkrete

zunächst ein synthetischer Satz. Aus dem Konkreten selbst oder seinem

synthetischen Satze würde die Abstraktion den Satz der Identität wohl

durch Analyse herausbringen können; aber in der That hätte sie die

Erfahrung nicht gelassen wie sie ist, sondern verändert; denn die

Erfahrung enthielt vielmehr die Identität in Einheit mit der

Verschiedenheit, und ist die unmittelbare Widerlegung von der

Behauptung, daß die abstrakte Identität als solche etwas Wahres sey,

denn das gerade Gegentheil, nämlich die Identität nur vereinigt mit der

Verschiedenheit, kommt in jeder Erfahrung vor.

Auf der andern Seite wird aber auch die Erfahrung mit dem reinen Satze

der Identität, nur zu oft, gemacht, und es zeigt sich in dieser

Erfahrung klar genug, wie die Wahrheit, die er enthält, angesehen wird.

Wenn nämlich z.B. auf die Frage: was ist eine Pflanze? die Antwort

gegeben wird: eine Pflanze ist—eine Pflanze, so wird die Wahrheit eines

solchen Satzes, von der ganzen Gesellschaft, an der sie erprobt wird,

zugleich zugegeben, und zugleich ebenso einstimmig gesagt werden, daß

damit Nichts gesagt ist. Wenn einer den Mund aufthut, und anzugeben

verspricht, was Gott sey, nämlich Gott sey—Gott, so findet sich die

Erwartung getäuscht, denn sie sah einer verschiedenen Bestimmung

entgegen; und wenn dieser Satz absolute Wahrheit ist, wird solche

absolute Rednerei sehr gering geachtet; es wird nichts für langweiliger

und lästiger gehalten werden, als eine nur dasselbe wiederkäuende

Unterhaltung, als solches Reden, das doch Wahrheit seyn soll.

Näher diese Wirkung der Langeweile bei solcher Wahrheit betrachtet, so

macht der Anfang: die Pflanze ist—, Anstalten etwas zu sagen, eine

weitere Bestimmung vorzubringen. Indem aber nur dasselbe wiederkehrt,

so ist vielmehr das Gegentheil geschehen, es ist Nichts herausgekommen.

Solches identische Reden widerspricht sich also selbst. Die Identität,

statt an ihr die Wahrheit und absolute Wahrheit zu seyn, ist daher

vielmehr das Gegentheil; statt das unbewegte Einfache zu seyn, ist sie

das Hinausgehen über sich in die Auflösung ihrer selbst.

Es liegt also in der Form des Satzes, in der die Identität ausgedrückt

ist, mehr als die einfache, abstrakte Identität; es liegt diese reine

Bewegung der Reflexion darin, in der das Andere nur als Schein, als

unmittelbares Verschwinden auftritt; A ist, ist ein Beginnen, dem ein

Verschiedenes vorschwebt, zu dem hinausgegangen werde; aber es kommt

nicht zu dem Verschiedenen; A ist—A: die Verschiedenheit ist nur ein

Verschwinden; die Bewegung geht in sich selbst zurück.—Die Form des

Satzes kann als die verborgene Nothwendigkeit angesehen werden, noch

das Mehr jener Bewegung zu der abstrakten Identität hinzuzufügen.—So

kommt auch ein A, oder eine Pflanze oder sonst ein Substrat hinzu, das

als ein unnützer Inhalt keine Bedeutung hat; aber er macht die

Verschiedenheit aus, die sich zufälligerweise beizugesellen scheint.

Wenn statt des A und jedes andern Substrats, die Identität selbst

genommen wird,—die Identität ist die Identität,—so ist ebenso

zugegeben, daß statt dieser gleichfalls jedes andere Substrat genommen

werden könne. Wenn sich daher einmal darauf berufen werden soll, was

die Erscheinung zeigt, so zeigt sie dieß, daß in dem Ausdrucke der

Identität auch unmmittelbar die Verschiedenheit vorkommt;—oder

bestimmter nach dem Obigen, daß diese Identität das Nichts, daß sie die

Negativität, der absolute Unterschied von sich selbst ist.

Der andre Ausdruck des Satzes der Identität: A kann nicht zugleich A

und Nicht-A seyn, hat negative Form; er heißt der Satz des

Widerspruchs. Es pflegt darüber, wie die Form der Negation, wodurch

sich dieser Satz vom vorigen unterscheidet, an die Identität komme,

keine Rechtfertigung gegeben zu werden.—Diese Form liegt aber darin,

daß die Identität als die reine Bewegung der Reflexion, die einfache

Negativität ist, welche der angeführte zweite Ausdruck des Satzes

entwickelter enthält. Es ist A ausgesprochen und ein Nicht-A, das

Rein-Andre des A, aber es zeigt sich nur um zu verschwinden. Die

Identität ist also in diesem Satze ausgedrückt,—als Negation der

Negation. A und Nicht-A, sind unterschieden, diese unterschiedenen sind

auf ein und dasselbe A bezogen. Die Identität ist also als diese

Unterschiedenheit in Einer Beziehung oder als der einfache Unterschied

an ihnen selbst hier dargestellt.

Es erhellt hieraus, daß der Satz der Identität selbst und noch mehr der

Satz des Widerspruchs nicht bloß analytischer, sondern synthetischer

Natur ist. Denn der letztere enthält in seinem Ausdrucke nicht nur die

leere, einfache Gleichheit mit sich, sondern nicht allein das Andere

derselben überhaupt, sondern sogar die absolute Ungleichheit, den

Widerspruch an sich. Der Satz der Identität selbst aber enthält, wie an

ihm gezeigt wurde, die Reflexions-Bewegung, die Identität als

Verschwinden des Andersseyns.

Was sich also aus dieser Betrachtung ergiebt, ist, daß erstens der Satz

der Identität oder des Widerspruchs, wie er nur die abstrakte Identität

im Gegensatz gegen den Unterschied, als Wahres ausdrücken soll, kein

Denkgesetz, sondern vielmehr das Gegentheil davon ist; zweitens, daß

diese Sätze mehr, als mit ihnen gemeint wird, nämlich dieses

Gegentheil, den absoluten Unterschied selbst, enthalten.

B. Der Unterschied.

Wissenschaft der Logik — Band 1 · 第 40 / 52 题