1. Die Unmittelbarkeit der Endlichkeit.

Der Gedanke an die Endlichkeit der Dinge führt diese Trauer mit sich,

weil sie die auf die Spitze getriebene qualitative Negation ist, in der

Einfachheit solcher Bestimmung ihnen nicht mehr ein affirmatives Seyn

unterschieden von ihrer Bestimmung zum Untergange gelassen ist. Die

Endlichkeit ist um dieser qualitativen Einfachheit der Negation, die

zum abstrakten Gegensatze des Nichts und Vergehens gegen das Seyn

zurückgegangen ist, die hartnäckigste Kategorie des Verstandes; die

Negation überhaupt, Beschaffenheit, Grenze vertragen sich mit ihrem

Anderen, dem Daseyn; auch das abstrakte Nichts wird für sich als

Abstraktion aufgegeben; aber Endlichkeit ist die als an sich fixirte

Negation, und steht daher seinem Affirmativen schroff gegenüber. Das

Endliche läßt sich so in Fluß wohl bringen, es ist selbst dieß, zu

seinem Ende bestimmt zu seyn, aber nur zu seinem Ende;—es ist vielmehr

das Verweigern, sich zu seinem Affirmativen, dem Unendlichen hin

affirmativ bringen, mit ihm sich verbinden zu lassen; es ist also

untrennbar von seinem Nichts gesetzt, und alle Versöhnung mit seinem

Anderen, dem Affirmativen, dadurch abgeschnitten. Die Bestimmung der

endlichen Dinge ist nicht eine weitere als ihr Ende. Der Verstand

verharrt in dieser Trauer der Endlichkeit, indem er das Nichtseyn zur

Bestimmung der Dinge, es zugleich unvergänglich und absolut macht. Ihre

Vergänglichkeit könnte nur in ihrem Anderen, dem Affirmativen,

vergehen; so trennte sich ihre Endlichkeit von ihnen ab; aber sie ist

ihre unveränderliche, d. i. nicht in ihr Anderes d. i. nicht in ihr

Affirmatives übergehende Qualität, so ist sie ewig.

Dieß ist eine sehr wichtige Betrachtung daß aber das Endliche absolut

sey, solchen Standpunkt wird sich freilich irgend eine Philosophie oder

Ansicht oder der Verstand nicht aufbürden lassen wollen; vielmehr ist

das Gegentheil ausdrücklich in der Behauptung des Endlichen vorhanden;

das Endliche ist das Beschränkte, Vergängliche; das Endliche ist nur

das Endliche, nicht das Unvergängliche; dieß liegt unmittelbar in

seiner Bestimmung und Ausdruck. Aber es kommt darauf an, ob in der

Ansicht beim Seyn der Endlichkeit beharrt wird, die Vergänglichkeit

bestehen bleibt, oder ob die Vergänglichkeit und das Vergehen vergeht?

Daß dieß aber nicht geschieht, ist das Faktum eben in derjenigen

Ansicht des Endlichen, welche das Vergehen zum Letzten des Endlichen

macht. Es ist die ausdrückliche Behauptung, daß das Endliche mit dem

Unendlichen unverträglich und unvereinbar sey, das Endliche dem

Unendlichen schlechthin entgegen gesetzt sey. Dem Unendlichen ist Seyn,

absolutes Seyn zugeschrieben; ihm gegenüber bleibt so das Endliche

festgehalten, als das Negative desselben; unvereinbar mit dem

Unendlichen bleibt es absolut auf seiner eigenen Seite; Affirmation

erhielte es von Affirmativen, dem Unendlichen und verginge so; aber

eine Vereinigung mit demselben ist das, was für das Unmögliche erklärt

wird. Soll es nicht beharren dem Unendlichen gegenüber, sondern

vergehen, so ist, wie vorhin gesagt, eben sein Vergehen das Letzte,

nicht das Affirmative, welches nur das Vergeben des Vergehens seyn

würde. Sollte aber das Endliche nicht im Affirmativen vergehen, sondern

sein Ende als das Nichts gefaßt werden, so wären wir wieder bei jenem

ersten, abstrakten Nichts, das selbst längst vergangen ist.

Bei diesem Nichts jedoch, welches nur Nichts seyn soll und dem zugleich

eine Existenz, im Denken, Vorstellen oder Sprechen zugegeben wird,

kommt derselbe Widerspruch vor, als so eben bei dem Endlichen,

angegeben worden, nur daß er dort nur vorkommt, aber in der Endlichkeit

ausdrücklich ist. Dort erscheint er als subjektiv, hier wird behauptet,

das Endliche stehe perennirend dem Unendlichen entgegen, das an sich

Nichtige sey, und es sey als an sich Nichtiges. Dieß ist zum Bewußtseyn

zu bringen; und die Entwickelung des Endlichen zeigt, daß es an ihm als

dieser Widerspruch in sich zusammenfällt, aber ihn dahin wirklich

auflöst, nicht daß es nur vergänglich ist und vergeht, sondern daß das

Vergehen, das Nichts, nicht das Letzte ist, sondern vergeht.

Wissenschaft der Logik — Band 1 · 第 20 / 52 题