In dem, was über den Begriff dieser Wissenschaft und wohin seine
Rechtfertigung falle, gesagt worden ist, liegt, daß die allgemeine
Eintheilung hier nur vorläufig seyn, gleichsam nur insofern angegeben
werden kann, als der Verfasser die Wissenschaft bereits kennt, daher
historisch hier zum Voraus anzuführen im Stande ist, zu welchen
Hauptunterschieden sich der Begriff in seiner Entwickelung bestimmen
wird.
Doch kann versucht werden, das was zum Eintheilen erforderlich ist, zum
Voraus im Allgemeinen verständlich zu machen, obgleich auch dabei ein
Verfahren der Methode in Anspruch genommen werden muß, das seine volle
Verständigung und Rechtfertigung erst innerhalb der Wissenschaft
erhält.—Zuvörderst also ist zu erinnern, daß hier vorausgesetzt wird,
die Eintheilung müsse mit dem Begriffe zusammenhängen, oder vielmehr in
ihm selbst liegen. Der Begriff ist nicht unbestimmt, sondern bestimmt
an ihm selbst; die Eintheilung aber drückt entwickelt diese seine
Bestimmtheit aus; sie ist das Urtheil desselben, nicht ein Urtheil über
irgend einen äußerlich genommenen Gegenstand, sondern das Urtheilen,
d.i. Bestimmen des Begriffs an ihm selbst. Die Rechtwinklichkeit,
Spitzwinklichkeit u.s. f., wie die Gleichseitigkeit u.s.f., nach
welchen Bestimmungen die Dreiecke eingetheilt werden, liegt nicht in
der Bestimmtheit des Dreiecks selbst, d.h. nicht in dem, was der
Begriff des Dreiecks genannt zu werden pflegt, ebenso wenig als in dem,
was für den Begriff des Thieres überhaupt, oder des Säugethiers, Vogels
u.s.w. die Bestimmungen liegen, nach welchen jenes in Säugethiere,
Vögel u.s. w. und diese Klassen in weitere Gattungen eingetheilt
werden. Solche Bestimmungen werden anderswoher, aus der empirischen
Anschauung aufgenommen; sie treten zu jenem sogenannten Begriffe von
Außen hinzu. In der philosophischen Behandlung des Eintheilens muß der
Begriff selbst sich als ihren Ursprung enthaltend zeigen.
Der Begriff der Logik aber selbst ist in der Einleitung als das
Resultat einer jenseits liegenden Wissenschaft, damit hier gleichfalls
als eine Voraussetzung angegeben worden. Die Logik bestimmte sich
danach als die Wissenschaft des reinen Denkens, die zu ihrem Princip
das reine Wissen habe, die nicht abstrakte, sondern dadurch konkrete
lebendige Einheit, daß in ihr der Gegensatz des Bewußtseyns von einem
subjektiv—für sich Seyenden und einem zweiten solchen Seyenden, einem
Objektiven, als überwunden, und das Seyn als reiner Begriff an sich
selbst, und der reine Begriff als das wahrhafte Seyn gewußt wird. Dieß
sind sonach die beiden Momente, welche im Logischen enthalten sind.
Aber sie werden nun als untrennbar seyend gewußt, nicht wie im
Bewußtseyn jedes auch als für sich seyend; dadurch, allein, daß sie
zugleich als unterschiedene (jedoch nicht für sich seyende) gewußt
werden, ist ihre Einheit nicht abstrakt, todt, unbewegend, sondern
konkret.
Diese Einheit macht das logische Princip zugleich als Element aus, so
daß die Entwickelung jenes Unterschiedes, der sogleich in ihm ist, nur
innerhalb dieses Elementes vor sich geht. Denn indem die Eintheilung,
wie gesagt worden, das Urtheil des Begriffs, das Setzen der ihm schon
immanenten Bestimmung und damit seines Unterschiedes ist, so darf dieß
Setzen nicht als ein Wiederauflösen jener konkreten Einheit in ihre
Bestimmungen, wie sie als für sich seyend gelten sollen, gefaßt werden,
was hier ein leeres Zurückgehen auf den vorigen Standpunkt, den
Gegensatz des Bewußtseyns wäre; dieser ist vielmehr verschwunden; jene
Einheit bleibt das Element, und aus ihr tritt jenes Unterscheiden der
Eintheilung und überhaupt der Entwickelung nicht mehr heraus. Damit
sind die früher (auf dem Wege zur Wahrheit) für sich seyenden
Bestimmungen, wie ein Subjektives und Objektives, oder auch Denken und
Seyn oder Begriff und Realität, wie sie in irgend einer Rücksicht
bestimmt worden seyn mögen, nun in ihrer Wahrheit, d.i. in ihrer
Einheit, zu Formen herabgesetzt. In ihrem Unterschiede blieben sie
daher selbst an sich der ganze Begriff und dieser wird in der
Eintheilung nur unter seinen eigenen Bestimmungen gesetzt.
So ist es der ganze Begriff, der das eine Mal als seyender Begriff, das
andere Mal als Begriff zu betrachten ist; dort ist er nur Begriff an
sich, der Realität oder des Seyns, hier ist er Begriff als solcher, für
sich seyender Begriff, (wie er es um konkrete Formen zu nennen, im
denkenden Menschen, aber auch schon, freilich nicht als bewußter noch
weniger als gewußter Begriff, im empfindenden Thier, und in der
organischen Individualität überhaupt ist; Begriff an sich ist er aber
nur in der unorganischen Natur).—Die Logik wäre hiernach zunächst in
die Logik des Begriffs als Seyns, und des Begriffs als Begriffs, —oder
indem wir uns der sonst gewöhnlichen, obgleich der unbestimmtesten und
darum der vieldeutigsten Ausdrücke bedienen,—in die objektive und
subjektive Logik einzutheilen.
Nach dem zu Grunde liegenden Elemente aber der Einheit des Begriffs in
sich selbst und damit der Untrennbarkeit seiner Bestimmungen, müssen
diese ferner auch, insofern sie unterschieden, der Begriff in ihrem
Unterschiede gesetzt wird, wenigstens in Beziehung aufeinander stehen.
Es ergiebt sich daraus eine Sphäre der Vermittelung, der Begriff als
System der Reflexionsbestimmungen, d.i. des zum Insichseyn des Begriffs
übergehenden Seyns, der auf diese Weise noch nicht als solcher für sich
gesetzt ist, sondern mit dem unmittelbaren Seyn als einem ihm auch
Äußeren zugleich behaftet ist. Dieß ist die Lehre von dem Wesen, die
zwischen der Lehre vom Seyn und der vom Begriff inmitten steht.—Sie ist
in der allgemeinen Eintheilung dieses logischen Werks noch unter die
objektive Logik gestellt worden, insofern, ob das Wesen zwar bereits
das Innere, dem Begriffe der Charakter des Subjekts ausdrücklich
vorzubehalten ist.
Kant[4] hat in neueren Zeiten dem, was gewöhnlich Logik genannt worden,
noch eine, nämlich eine transcendentale Logik gegenüber gestellt. Das,
was hier objektive Logik genannt worden, würde zum Theil dem
entsprechen, was bei ihm die transcendentale Logik ist. Er
unterscheidet sie von dem, was er allgemeine Logik nennt, so, daß sie
à) die Begriffe betrachte, die sich a priori auf Gegenstände beziehen,
somit nicht von allem Inhalte der objektiven Erkenntniß abstrahire,
oder daß sie die Regeln des reinen Denkens eines Gegenstandes enthalte,
und ß) zugleich auf den Ursprung unserer Erkenntniß gehe, insofern sie
nicht den Gegenständen zugeschrieben werden könne.—Diese zweite Seite
ist es, auf die das philosophische Interesse Kants ausschließend
gerichtet ist. Sein Hauptgedanke ist, die Kategorien dem
Selbstbewußtseyn, als dem subjektiven Ich, zu vindiciren. Vermöge
dieser Bestimmung bleibt die Ansicht innerhalb des Bewußtseyns und
seines Gegensatzes stehen, und hat außer dem Empirischen des Gefühls
und der Anschauung noch Etwas, das nicht durch das denkende
Selbstbewußtseyn gesetzt und bestimmt ist, ein Ding-an-sich, ein dem
Denken fremdes und äußerliches, übrig bleiben; obgleich leicht
einzusehen ist, daß ein solches Abstraktum, wie Ding-an-sich, selbst
nur ein Produkt des, und zwar nur abstrahirenden, Denkens ist.—Wenn
andere Kantianer sich über das Bestimmen des Gegenstandes durch Ich so
ausgedrückt haben, daß das Objektiviren des Ich, als ein ursprüngliches
und nothwendiges Thun des Bewußtseyns anzusehen sey, so daß in diesem
ursprünglichen Thun noch nicht die Vorstellung des Ich selbst ist,—als
welche erst ein Bewußtseyn jenes Bewußtseyns, oder selbst ein
Objektiviren jenes Bewußtseyn sey,—so ist dieses von dem Gegensatze des
Bewußtseyns befreite objektivirende Thun näher dasjenige, was für
Denken als solches überhaupt genommen werden kann.[5] Dieses Thun
sollte aber nicht mehr Bewußtseyn genannt werden; Bewußtseyn schließt
den Gegensatz des Ich und seines Gegenstandes in sich, der in jenem
ursprünglichen Thun nicht vorhanden ist. Die Benennung Bewußtseyn wirft
noch mehr den Schein von Subjektivität auf dasselbe, als der Ausdruck
Denken, der aber hier überhaupt im absoluten Sinne als unendliches mit
der Endlichkeit des Bewußtseyns nicht behaftetes, Denken, kurz Denken
als solches, zu nehmen ist.
[4] Ich erinnere, daß ich auf die kantische Philosophie in diesem
Werke darum häufig Rücksicht nehme, (was manchen überflüssig scheinen
könnte) weil sie,—ihre nähere Bestimmtheit so wie die besonderen
Theile der Ausführung mögen sonst und auch in diesem Werke betrachtet
werden, wie sie wollen,—die Grundlage und den Ausgangspunkt der
neueren deutschen Philosophie ausmacht, und dieß ihr Verdienst durch
das, was an ihr ausgesetzt werden möge, ihr ungeschmälert bleibt. Auch
darum ist auf sie in der objektiven Logik häufig Rücksicht zu nehmen,
weil sie sich auf wichtige bestimmtere Seiten des Logischen näher
einläßt, spätere Darstellungen von Philosophie hingegen dasselbe wenig
beachtet, zum Theil oft nur eine rohe,—aber nicht
ungerächte,—Verachtung dagegen bewiesen haben. Das bei uns am
weitesten verbreitete Philosophiren tritt nicht aus den kantischen
Resultaten, daß die Vernunft keinen wahren Gehalt erkennen könne, und
in Ansehung der absoluten Wahrheit auf das Glauben zu verweisen sey,
heraus. Was aber bei Kant Resultat ist, damit wird in diesem
Philosophiren unmittelbar angefangen, damit die vorhergehende
Ausführung, aus welche jenes Resultat herkömmt, und welche
philosophisches Erkennen ist, vorweggeschnitten. Die kantische
Philosophie dient so als ein Polster für die Trägheit des Denkens, die
sich damit beruhigt, daß bereits Alles bewiesen und abgethan sey. Für
Erkenntniß und einen bestimmten Inhalt des Denkens, der in solcher
unfruchtbaren und trockenen Beruhigung sich nicht findet, ist sich
daher an jene vorangegangene Ausführung zu wenden.
[5] Wenn der Ausdruck objektivirendes Thun des Ich an andere
Produktionen des Geistes, z.B. die der Phantasie erinnern kann, so ist
zu bemerken, daß von einem Bestimmen eines Gegenstandes die Rede ist,
insofern dessen Inhalts-Momente nicht dem Gefühl und der Anschauung
angehören. Solcher Gegenstand ist ein Gedanke, und ihn bestimmen heißt
Theils ihn erst produciren, Theils insofern er ein Vorausgesetztes
ist, weitere Gedanken über ihn haben, ihn denkend weiter entwickeln.
Indem nun das Interesse der kantischen Philosophie auf das sogenannte
Transcendentale der Denkbestimmungen gerichtet war, ist die Abhandlung
derselben selbst leer ausgegangen; was sie an ihnen selbst sind, ohne
die abstrakte, allen gleiche Relation auf Ich, ihre Bestimmtheit gegen
und ihr Verhältniß zu einander ist nicht zu einem Gegenstande der
Betrachtung gemacht worden; die Erkenntniß ihrer Natur hat sich daher
durch diese Philosophie nicht im geringsten gefördert gefunden. Das
einzige Interessante, was hierauf Beziehung hat, kommt in der Kritik
der Ideen vor. Für den wirklichen Fortschritt der Philosophie aber war
es nothwendig, daß das Interesse des Denkens auf die Betrachtung der
formellen Seite, des Ich, des Bewußtseyns als solchen, d.i. der
abstrakten Beziehung eines subjektiven Wissens auf ein Objekt, gezogen,
daß die Erkenntniß der unendlichen Form, d.i. des Begriffs, auf diese
Weise eingeleitet wurde. Um jedoch diese Erkenntniß zu erreichen, mußte
jene endliche Bestimmtheit, in der die Form als Ich, Bewußtseyn ist,
noch abgestreift werden. Die Form so in ihre Reinheit herausgedacht,
enthält es dann in sich selbst, sich zu bestimmen, d.i. sich Inhalt zu
geben, und zwar denselben in seiner Nothwendigkeit,—als System der
Denkbestimmungen.
Die objektive Logik tritt damit vielmehr an die Stelle der vormaligen
Metaphysik, als welche das wissenschaftliche Gebäude über die Welt war,
das nur durch Gedanken aufgeführt seyn sollte.—Wenn wir auf die letzte
Gestalt der Ausbildung dieser Wissenschaft Rücksicht nehmen, so ist
erstens unmittelbar die Ontologie, an deren Stelle die objektive Logik
tritt,—der Theil jener Metaphysik, der die Natur des Ens überhaupt
erforschen sollte;—das Ens begreift sowohl Seyn als Wesen in sich, für
welchen Unterschied unsere Sprache glücklicherweise den verschiedenen
Ausdruck gerettet hat.—Alsdann aber begreift die objektive Logik auch
die übrige Metaphysik insofern in sich, als diese mit den reinen
Denkformen die besondern, zunächst aus der Vorstellung genommenen
Substrate, die Seele, die Welt, Gott, zu fassen suchte, und die
Bestimmungen des Denkens das Wesentliche der Betrachtungsweise
ausmachten. Aber die Logik betrachtet diese Formen frei von jenen
Substraten, den Subjekten der Vorstellung, und ihre Natur und Werth an
und für sich selbst. Jene Metaphysik unterließ dieß und zog sich daher
den gerechten Vorwurf zu, sie ohne Kritik gebraucht zu haben, ohne die
vorgängige Untersuchung, ob und wie sie fähig seyen, Bestimmungen des
Dings-an-sich, nach kantischem Ausdruck,—oder vielmehr des Vernünftigen
zu seyen.—Die objektive Logik ist daher die wahrhafte Kritik
derselben,—eine Kritik, die sie nicht nach der abstrakten Form der
Apriorität gegen das Aposteriorische, sondern sie selbst in ihrem
besondern Inhalte betrachtet.
Die subjektive Logik ist die Logik des Begriffs,—des Wesens, das seine
Beziehung auf ein Seyn oder seinen Schein aufgehoben hat, und in seiner
Bestimmung nicht äußerlich mehr, sondern das freie selbstständig, sich
in sich bestimmende Subjektive, oder vielmehr das Subjekt selbst
ist.—Indem das Subjektive das Mißverständniß von Zufälligem und
Willkürlichem, so wie überhaupt von Bestimmungen, die in die Form des
Bewußtseyns gehören, mit sich führt, so ist hier auf den Unterschied
von Subjektivem und Objektivem, der sich späterhin innerhalb der Logik
selbst näher entwickeln wird, kein besonderes Gewicht zu legen.
Die Logik zerfällt also zwar überhaupt in objektive und subjektive
Logik, bestimmter aber hat sie die drei Theile: