Große allgemeine Verwundernis.
Frau Susanne wurde knallrot. Dann hielt sie sich die Leinwandschürze vors
Gesicht. Barthel aber klopfte sie auf die Schulter und sagte:
„Mutter, schäm dich nich! Was kannst du dafür, daß du so ’ne interessante
Frau bist!“
Methusalem erholte sich, stand auf und bot ein Bild des Jammers.
„Kinder“, sprach er mit zerknirschter Stimme, „ihr alle kennt mich und
werdet daher Mitleid mit mir haben. Neunhundertachtundneunzigeinhalbes
Jahr bin ich alt; eineinhalb Jahr habe ich bloß noch zu leben. Und nun
werd’ ich plötzlich ein Krösus. Daß ich in der kurzen Spanne Zeit meines
irdischen Wallens nicht die Riesensumme von fünftausend Mark ausgeben
kann, werdet ihr einsehen. Und doch muß sie mangels jeglicher Leibeserben
weggeschafft werden. Ihr könnt glauben, daß dieser Fall mein Gemüt hart
bedrückt. Doch werden wir Mittel und Wege finden, hier so lange Feste zu
feiern, bis ich von dem Alp des Geldes erlöst bin.“
Gegen diese Auffassung hielt nun Barthel eine zornsprühende Rede über
Sparsamkeit, Mäßigkeit und Unvernunft. Manche stimmten ihm zu, andere
widersprachen ihm, es gab ein erhebliches Durcheinander. Inzwischen ging
Frau Susanne immerfort mit roten Wangen und schämig flimmernden Augen hin
und her.
„Denken Sie doch, Frau Susanne – fünftausend Mark – in München auf der
Ausstellung! Für Ihr Bild!“
„Ruhe!“ kommandierte Barthel. „Wir müssen wieder an ernste Dinge denken.
Ekkehard, Sie nehmen einen Schubkarren, fahr’n ’runter nach Waltersburg
zum Kaufmann Scholz und hol’n das Fäßchen Heringe ab, das ich bestellt
hab. Lassen Sie sich’s aber recht festbinden, daß es nicht ’runterkugelt!“
„Jawohl!“
„Thusnelda, Emilie-Karlotti, Strunzel und Eva helfen beim Buttermachen.“
Vierstimmiger piepsiger Frauenchor:
„Jawohl!“
„Knusperhase, Friedrich Schiller, Li-hung-tschang, Mussolini und Fuhrmann
Henschel werden Äppel pflücken. Bärbel und die Lustige Witwe werden die
Äppel nach der Äppelkammer tragen.“