Produced by Norbert H. Langkau, Alexander Bauer and the
Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
[ Anmerkungen zur Transkription:
Es wurde größte Sorgfalt darauf verwendet den Text originalgetreu
zu übertragen. Lediglich offensichtliche Fehler wurden korrigiert.
Eine Liste sämtlicher vorgenommener Änderungen befindet sich am
Ende des Textes.
]
Das Judengrab
Aus Bimbos Seelenwanderungen
Zwei Erzählungen
von
Ricarda Huch
Im Insel-Verlag zu Leipzig
21.-30. Tausend
Das Judengrab
In Jeddam gab es nur einen einzigen Juden, der auf folgende Weise
dorthin verschlagen war: Seine Frau, mit der ihn treueste Liebe verband,
war aus Jeddam gebürtig, und als ihr Vater mit Hinterlassung bedeutender
Ländereien starb, war es wünschenswert, daß sie sich zur Regelung
ihrer Erbschaft selbst hinbegebe. Mit der Möglichkeit, das Vaterhaus
wiederzusehen, erwachte in ihr das Heimweh, und die Familie, die aus
Vater, Mutter und zwei kaum erwachsenen Kindern bestand, trat die weite
Reise an. Da nun der Ort Jeddam, mit mehr dörflichem als städtischem
Charakter, so trotzig und anmutig zwischen mäßig hohen Bergen, reichen
Saatfeldern und grünen Geländen lag, die das Flüßchen Melk bewässerte,
und da die Frau sich in ihrer vertrauten Kinderheimat so wohl fühlte,
willigte der gutmütige Mann ein, ganz und gar überzusiedeln. Er konnte
freilich nicht daran denken, das große Gut seiner Frau selbst zu
bewirtschaften, sondern stellte dazu einen jungen Verwalter an, während
er selbst ein Geschäft in dem Ort eröffnete, wie er es früher betrieben
hatte. Da es ein solches in Jeddam bisher nicht gegeben hatte und die
Einkäufe in der nächsten größeren Stadt besorgt worden waren, hätte das
Geschäft wohl gedeihen können, wenn nicht der Inhaber ein Jude gewesen
wäre, von welchem Volke die Bewohner von Jeddam durchaus nichts wissen
wollten. Verkauft wurde zwar genug, aber wenig bezahlt, und wenn Herr
Samuel die ausstehenden Gelder einklagen wollte, mußte er erleben, daß
sich die Behörden seiner nicht annahmen und er höchstens Prozeßkosten
zahlen mußte, ohne zu seinem offenkundigen Recht kommen zu können. Es
machte ihm oft Sorgen, was daraus werden sollte, und er wäre gern mit
den Seinigen auf und davon gegangen, wenn er gewußt hätte, wie er in
dieser feindseligen Umgebung zu seinem Gelde kommen und die Güter seiner
Frau ohne zu großen Schaden verkaufen sollte.
Eine Reihe von Jahren ging es so weiter, bis eines Tages Herr Samuel
krank wurde und nach dem Arzte im nächsten Städtchen schickte; als er
auf seine zweite Bitte, schleunig zu kommen (denn die erste hatte
keinerlei Erfolg gehabt), die Antwort erhielt, der Doktor sei sehr
beschäftigt und bedaure, dem Rufe nicht Folge leisten zu können, wurde
es ihm unheimlich zumute, und er bedachte zum ersten Male gründlich,
wie er hier elend sterben und verderben könne. Während die Familie
sorgenvoll und ratschlagend um sein Bett herumsaß, sagte er: »Das beste
wäre, da ich doch einmal krank bin, wenn ich stürbe, dann könntet ihr
unangefochten hier leben und glücklich sein.« Seine Frau Rosette und die
beiden Kinder, Anitza und Emanuel, verwiesen ihm so zu reden, da sie
ohne ihn auch im Paradiese nicht glücklich sein könnten, und Herr Ive,
der Verwalter, der Anitzas Verlobter war, sagte, daß es auch deshalb
unrichtig sei, weil die Bewohner von Jeddam die abtrünnige Frau, die
einen Juden geheiratet hatte, und dessen Kinder ebensowenig unter sich
leiden möchten wie ihn selber.
»Wie wäre es aber,« sagte Anitza, »wenn wir dich, Vater, als tot ausgäben
und begrüben, während du heimlich in deine Heimat zurückkehrtest, und
Ive, als unser natürlicher Freund und Vormund, unsre Angelegenheiten
ordnete und uns dann zu dir führte?«
Herr Samuel wollte anfänglich von solchen Schlichen nichts hören, aber
da der Verwalter erklärte, er getraue sich wohl, die Sache zu einem
guten Ende zu bringen, und da Frau und Kinder zu dem Abenteuer, mittels
dessen zugleich denen von Jeddam ein Streich gespielt wurde, voll Lust
und Ungeduld waren, willigte er schließlich ein, es ins Werk zu setzen.
Kaum war er wieder einigermaßen hergestellt, als er nächtlicherweile
Jeddam verließ; es glückte ihm, unbemerkt zu dem nächsten größeren, am
Meere gelegenen Ort zu gelangen, wo er sich einschiffte.
Unterdessen stopften Frau Rosette und Anitza mit Herrn Ives Hilfe einen
netten Balg aus, befestigten eine passende Larve mit einem Bart aus
Roßhaar vor dem Strohkopfe und legten diese Figur, in ein reinliches
Sterbehemd gekleidet, auf Herrn Samuels Bett. Die Larve bedeckten sie
mit einem Schnupftuch, doch die wachsenen Hände, die sie der Echtheit
und Ähnlichkeit halber mit dem schönen Diamantring geschmückt hatten,
den Samuel auf dem Zeigefinger zu tragen pflegte, blieben sichtbar. Der
Betrug wäre wohl doch entdeckt worden, wenn das Haus des Juden nicht wie
das eines Aussätzigen gemieden worden wäre; als die Nachricht von seinem
Tode ausgesprengt war, fehlte es zwar nicht an Neugierigen, aber sie
hielten an sich und spähten aus der Ferne, so daß nur die eignen
Dienstboten scheu von der Türschwelle aus den künstlichen Leichnam
betrachteten.
Demnächst begab sich Herr Ive zum Gemeinderat, um den Tod des Herrn
Samuel anzuzeigen und die Beerdigung zu bestellen, wurde dort aber an
den Pfarrer verwiesen, der diese Dinge zu erledigen habe. Der Pfarrer
war ein Mann mit dichtem, lockigem Haar und kurzer, hölzerner Stirn
über einem breiten Gesicht, für gewöhnlich schweigsam, nicht aus Neigung
oder Anlage, sondern weil er nichts zu sagen wußte. Seine großen Augen
flackerten ängstlich und bekümmert vor der großen Leere seines Schädels,
und er war im ganzen ein mehr hilflos trauriger und unschädlicher Mann
als ein bösartiger, außer wenn es sich um gewisse kirchliche Fragen
handelte. Sowie nämlich irgendeine Sache vorkam, in der er sein Urteil,
sei es auch ein noch so verkehrtes, hatte, und in der er überhaupt
maßgebend war, bemächtigte er sich derselben mit Heftigkeit, blähte sich
auf und spie Gift gegen alle, die ihm nahe kamen, im unbewußten Drange,
sich dafür zu rächen, daß sie ihn so oft als einen unwichtigen, blöden
Tölpel unbrauchbar in der Ecke hatten stehen sehen. Als Herr Ive sich
bei ihm meldete, wußte er schon, um was es sich handelte, und empfing
ihn mit den Worten: »Was gibt es, Herr Ive? Da muß etwas Gewaltiges
im Schwange sein, daß Ihr zu mir kommt! Ihr pflegt mich nicht zu
überlaufen, weder in meinem Hause, noch im Hause Gottes! Diese Leute
bedürfen der Seelsorge nicht; aber jetzt gilt es wohl eine Erbschaft
oder eine Heirat, wo sie immer bei der Hand sind!«
Herr Ive entschuldigte sich höflich und sagte, daß er nur den Tod des
verstorbenen Herrn Samuel anzeigen wolle, was ihm als Vormund der
hinterbliebenen Familie zukomme. »Da habt Ihr Euch ein sauberes Amt
ausgelesen,« sagte der Pfarrer; »wer Pech angreift, besudelt sich, wißt
Ihr das nicht? Bleibt mir mit Euerm toten Juden vom Leibe, ich habe
nichts damit zu schaffen!« Herr Ive erklärte, daß der Gemeinderat ihn an
den Pfarrer gewiesen hätte, der die Beerdigungsförmlichkeiten samt und
sonders zu erledigen pflegte. »Ja,« rief der Pfarrer aufbrausend, »die
Beerdigungen von Christenmenschen freilich! Den Juden mögen seine
Rabbiner und Pharisäer in ihre Erde graben und sich selber dazu, was
desto besser für sie und uns wäre.«
Der Herr Pfarrer wüßte wohl, sagte Herr Ive, daß es in Jeddam weder
Pharisäer noch Sadduzäer gäbe, noch weniger einen jüdischen Kirchhof,
weswegen der Wunsch des Herrn Pfarrers nicht könnte ausgeführt werden;
es müßte der verstorbene Samuel wohl oder übel neben den übrigen Bürgern
Jeddams bestattet werden. Der Pfarrer zog die schwachen Brauen über den
großen rollenden Augen hoch, schlug mit der geballten Faust dreimal auf
den Tisch und rief: »Nichts da! Heraus mit Euch! Werft Euern toten Juden
wohin Ihr wollt, aber laßt Euch nicht mit ihm auf unserm christlichen
Kirchhof blicken!« Worauf Herr Ive, dem das Blut bereits zu kochen
anfing, sich herumdrehte, die Tür laut hinter sich zuschlug und
spornstreichs zurück zum Gemeinderat eilte.
Dort gab es ein Köpfezusammenstecken und eiliges Hin- und Herlaufen, bis
es Herrn Ive endlich gelang, zum Bürgermeister vorzudringen, der es im
allgemeinen nicht liebte, in seinen Geschäften gestört zu werden. Er war
ein beleibter Herr, der unter seiner Freundlichkeit äußerste Verachtung
der meisten übrigen Menschen verbarg und sich einbildete, seine Stellung
als Bürgermeister einzig seiner weltmännischen Gewandtheit und geistigen
Überlegenheit zu verdanken. Ihm war alles gleichgültig, außer daß er den
Ruf seiner Unfehlbarkeit und seine Beliebtheit nicht einbüßte, und es
war deshalb ebenso angenehm, mit ihm zu verkehren, wie schwer, irgend
etwas von ihm zu erreichen und in Gang zu bringen.
Herr Ive erzählte atemlos und heftig, was ihm beim Pfarrer begegnet
war, häufig unterbrochen vom Bürgermeister, der sich nach unzähligen
Einzelheiten erkundigte, teils um seine sachkundige Gründlichkeit und
menschliche Teilnahme zu beweisen, teils um im allgemeinen Zeit zu
gewinnen. Als Herr Ive durchaus nichts mehr zur Klärung der Sachlage
beizubringen wußte und augenscheinlich auf eine Antwort erpicht war,
legte der Bürgermeister den Kopf auf die Seite, faltete die Hände über
dem Bauche und sagte nachdenklich: »Schade, schade, daß der Herr Samuel
sterben mußte! Ein fleißiger Herr, ein braver Herr, als Familienvater
ausgezeichnet und als nützlicher Bürger, aber ein Jude. Unleugbar ein
Jude! Er hätte noch eine Weile länger leben dürfen.«
Herr Ive sagte ungeduldig: »Euer Gnaden werden Ihre rühmlich bekannte
Gerechtigkeitsliebe beweisen und nicht dulden, daß Leute, die Euer
Gnaden selbst als nützliche Bürger bezeichnen, wie faules Obst in den
Graben geworfen, anstatt rechtlich begraben werden.«
»Wie faules Obst in den Graben werfen!« rief der Bürgermeister
erschrocken. »Das wäre in der Tat ein Unfug, den ich scharf ahnden
würde. Die Geistlichkeit läßt sich oft, wie wir alle wissen, vom frommen
Eifer hinreißen, allein das bürgerliche Haupt der Gemeinde folgt
unbestechlich der Gerechtigkeit. Es soll mir nimmermehr ein verstorbener
Jude, der tugendhaft gelebt hat, wie faules Obst auf der Gasse liegen!«
So würde, fragte Herr Ive, der Bürgermeister Befehl geben, daß der
Verstorbene schicklich auf dem allgemeinen Friedhof beerdigt würde. Das
würde er freilich, antwortete jener, nachdem er zuvor die Herren
Gemeinderäte versammelt und ihre Meinung eingeholt hätte: »Denn«, sagte
er lächelnd, »den Tyrannen möchte ich nicht spielen, gerade weil ich es
könnte.«
Herr Ive mußte sich bescheiden, unverrichteter Sache heimzukehren, und
eilte zur Familie des Samuel, um von dem Vorgefallenen Bericht zu
erstatten. Er hatte im Laufe der Verhandlungen fast vergessen, daß sein
Schwiegervater nicht in Wirklichkeit tot war, wie er aber zu Hause die
vergnügten Gesichter sah, kam es ihm wieder zur Besinnung, und er mußte
lachen, daß der Pfarrer sich dermaßen über eine Sache erhitzt hatte, die
nur in der Einbildung bestand. Die zierliche Anitza warf sich auf einen
Teppich und lachte lautlos in ein Kissen, so daß ihr die Tränen über das
Gesicht liefen, aber ihre Mutter, eine hohe, kräftige Frau, die nicht
mit sich spaßen ließ, stand auf und sagte: »Ive, du bist gut, aber du
hast einen Lammsmut, du verstehst mit diesen Leuten nicht umzugehen,
die man nicht höflich, sondern grob und unverschämt, wie sie selber
sind, behandeln muß. Du wirst bescheiden vor der Tür gestanden und
um Erlaubnis gefragt haben, anstatt zu sagen: 'Kurz und gut, morgen
begraben wir meinen Schwiegervater, und wer sich mir in den Weg stellt,
dem zerschmettere ich mit diesen Fäusten die Knochen zu Butter.'«
»Ich habe mich so fest und entschlossen benommen, wie ich glaube, daß
ein Mann soll,« sagte Herr Ive, dessen helles, hübsches Gesicht über und
über rot geworden war, als ihm Zaghaftigkeit vorgeworfen wurde. »Wenn es
nötig ist, kann ich auch dreinschlagen, doch ich dachte, es wäre dazu
immer noch Zeit.«
Der junge Emanuel sagte: »Mama, die Leute haben im Grunde ganz recht.
Auf einen christlichen Kirchhof gehören Christen, auf einen jüdischen
Juden. Die Frage ist nicht so leicht zu entwirren, wie du dir
einbildest.«
Nun loderte Frau Rosette in lichtem Zorne auf und rief: »Geh mir mit
deinen Spitzfindigkeiten! Dein Vater ist kein Dieb oder Mörder, sondern
ein besserer Mann als alle die Ochsenköpfe von Jeddam, die froh sein
können, einen solchen auf ihrem Friedhof begraben zu dürfen. Glaubst du,
sie würden dich und mich und Anitza, obwohl wir gut katholische Christen
sind, achtungsvoller behandeln? Sie würden uns auch in das erste beste
Loch werfen; aber sie haben sich in mir verrechnet. Ich nehme es mit
andern Leuten auf als mit dem hohlköpfigen Pfarrer und dem windigen
Bürgermeister.«
Anitza klatschte vor Vergnügen in die Hände und sagte zu ihrem Bruder:
»Mama möchte, daß wir beide stürben, nur damit sie uns dem Pfarrer zum
Tort ein christliches Begräbnis herrichten könnte!« Und Emanuel, der es
liebte, seine Mutter zu necken, sagte: »Frau und Kinder gehen nach des
Vaters Seite, und ich bezweifle, ob wir das Recht haben, uns auf dem
Jeddamer Friedhof beerdigen zu lassen.«
»Gelbschnabel!« rief seine Mutter. »Meine Urgroßväter, Großväter und
mein Vater sind hier begraben, und ich möchte den sehen, der mich
hindern kann, an ihrer Seite zu liegen. Ich gehe bis zum Kaiser, wenn
es nötig ist, um diesen Prahlhänsen zu zeigen, wo ich mich begraben
lassen kann!«
Es gelang Herrn Ive, die zürnende Frau zu bewegen, daß sie den Bescheid
abwartete, den er jetzt vom Gemeinderate bekommen würde, und er machte
sich alsbald auf, um denselben in Empfang zu nehmen. Ehe er in das
Beratungszimmer geführt wurde, wo sich unter den übrigen Herren auch der
Pfarrer befand, sagte der Bürgermeister: »Es kommt mir nicht in den
Sinn, nach Tyrannenweise das Recht zu beugen, und daß dem Rechte nach
kein Jude auf unserm christlichen Gottesacker bestattet werden darf,
sehe ich ein; doch halte ich mich gern an den alten lateinischen Spruch,
der besagt, daß man zwar unerschütterlich im Handeln, aber gefällig und
lieblich in der Form sein soll, und werde deshalb dem jungen Manne den
abschlägigen Bescheid so sanft wie möglich eingehen lassen.«
Als hierauf Herr Ive vorgelassen wurde, empfing er ihn mit wohlwollenden
Blicken, streichelte kosend über das Protokollpapier, das vor ihm lag,
und sagte: »Sie sind ein geschätzter Mitbürger, Herr Ive, auch der
verstorbene Herr Samuel war es, soweit er Bürger war, als Bekenner stand
er mir fern. Sagen Sie selbst, gibt es eine jüdische Gemeinde hier?«
Diese Frage konnte Herr Ive nicht anders als mit nein! beantworten,
worauf der Bürgermeister fortfuhr: »Es gibt hier keine jüdische Gemeinde,
oder, was dasselbe sagen will, keine Juden. Gibt es aber keine Juden
hier, so gibt es auch keinen Juden, und so hat auch Herr Samuel, der ein
Jude war, im rechtlichen Sinne niemals hier existiert. Seine Familie mag
ihn beweinen, seine Freunde, ja alle fühlenden Herzen mögen seinen
Hinschied betrauern, die Gemeinde als solche muß ihn als nie dagewesen
betrachten und kann ihn infolgedessen auch nicht begraben.«
»So bitte ich den Herrn Bürgermeister, mir zu sagen,« rief Herr Ive
drohend, »wo ich ihn begraben soll, denn begraben muß er doch einmal
werden.«
»Das wäre zu wünschen,« sagte der Bürgermeister, »und es sei ferne von
mir, den Hinterbliebenen darin auch nur das geringste in den Weg zu
legen. Nur den christlichen Gottesacker bitte ich auszunehmen, und daß
innerhalb der Stadtgrenzen kein Toter sich aufhalten darf, ist Ihnen
sowie jedermann bekannt.«
Jetzt aber war es mit Herrn Ives Geduld zu Ende, und indem ihm das Blut
heiß in die Wangen schoß, rief er: »Wenn ihr den lebenden Juden unter
euch dulden konntet, werdet ihr auch den toten ertragen. Ich verlange
kein Geläut und kein Geplärr und Gezeter an seinem Grabe, aber ein
Fleckchen Erde, wo er ruhig liegen kann, das soll er trotz euch haben.
Laßt es euch gesagt sein, daß ich ihn morgen selber auf den Kirchhof
bringen und jeden niederschlagen werde, der mich dabei stören will.«
Diese groben Worte entzündeten ein heftiges Wortgemenge, das durch den
plötzlichen Eintritt Frau Rosettens unterbrochen wurde, die, des Wartens
überdrüssig, selbst gekommen war, um mit ein paar kernigen Worten die
Leute zur Vernunft und die Sache zu Ende zu bringen. Als sie in großer
Majestät, vom Kopf bis zu den Schuhen in Schwarz gekleidet, auf der
Schwelle stand, verstummten alle, und der Bürgermeister beeilte sich,
ihr entgegenzugehen und einige Worte des Beileids zu sprechen. »Laßt die
Phrasen, Herr Bürgermeister,« sagte sie abwehrend, »auf die ich keinen
Wert lege. Ich verlange von Euch nichts als mein Recht, ich will meinen
Mann auf den Kirchhof bringen, wo mir Vater und Mutter, Großväter und
Urgroßväter ruhen, und darin verlange ich von Euch mehr unterstützt als
behindert zu werden.«
»Euer verewigter Vater war mein geschätzter Freund,« sagte der
Bürgermeister, indem er sich mit einem großen buntseidenen Taschentuche
den Schweiß von der Stirn wischte, »und sein Grab gereicht unserm
Gottesacker zur Ehre. Er war ein guter Bürger und ein guter Christ, und
mehr braucht es nicht, um in Jeddam gut aufgenommen und begraben zu
werden.«
»So denke ich,« sagte Frau Rosette, sich stolz umsehend, »daß ich diese
Ehre verdiene. Ich wünsche aber, was niemand einem christlichen Eheweibe
verargen wird, dereinst an meines Gatten Seite zu ruhen.«
Der Bürgermeister trocknete sich den Angstschweiß ab und besann sich,
welche Gelegenheit der Pfarrer, der sich nur ungern das Wort so lange
hatte nehmen lassen, ergriff und losfuhr: »Bückt ihr euch vor dieser
stolzen und abgöttischen Jesebel? Du hast einen Greuel in deine Familie
und unsre Gemeinde gebracht, Weib, aber auf unsern Friedhof sollst du
ihn nicht bringen. Es gibt genug Kehricht auf der Erde, wohin ihr eure
ungläubigen Knochen werfen könnt, unserm heiligen Gottesgarten sollen
sie fernbleiben!«
Frau Rosette trat dicht an den Pfarrer heran und sagte: »Höre du, ich
mache mir zwar keine Ehre daraus, zwischen euern hohlen Gerippen
begraben zu liegen, aber mein angeborenes und angestammtes Recht lasse
ich mir von euch nicht rauben und möchte gleich auf dem Flecke sterben,
damit ihr mit ansehen müßtet, wie ich auf euern Schutthaufen Einzug
halte.«
Die Anzüglichkeit der Frau Rosette hatte auch die übrigen Gemeinderäte
in Zorn versetzt, von denen einer sagte: »Die Frau eines Juden hat
keinerlei Recht mehr in Jeddam.«
»Ja, ich hätte meine Mitgift einem von euch hungrigen Bären bringen
sollen!« höhnte sie.
»Besser ein Bär als ein Schwein!« rief ein andrer; denn so pflegte man
die Juden in Jeddam zu nennen.
Frau Rosette erbleichte und sagte: »Du mußt wohl ein Hund sein, daß du
einen edeln Toten beschimpfst.« Dann legte sie eine Hand auf Herrn Ives
Arm und sagte, indem sie ihn mit sich zog: »Komm, wir werden uns selber
helfen.«
Während der Bürgermeister auseinandersetzte, daß der Weise und Weltmann
nicht schimpfe, sondern fest und gelinde auf dem Buchstaben des Rechtes
beharre, trug der Pfarrer Sorge, daß die übermütige Frau Rosette ihren
Samuel nicht insgeheim in den Kirchhof einschmuggelte.
Das war diese allerdings willens, aber nicht verstohlenerweise, sondern
öffentlich und prächtig, am hellen Tage, indem sie darauf rechnete, daß
man es nicht zu einer Prügelei auf dem Kirchhof würde kommen lassen.
Der Pfarrer hatte aber noch zur rechten Zeit eine Menge von Bauern
versammelt und zu ihnen gesagt: »Kinder, der tote Jude wird unsre gute
Erde verpesten! Leidet es nicht! Mag er draußen auf dem Felde liegen, wo
es nur Raben und Krähen gibt! Wenn ihr nicht auf der Hut seid, werdet
ihr Gift und Pestilenz und Viehseuche haben!« Die Folge davon war,
daß die Knechte, die den Sarg mit dem künstlichen Samuel trugen, die
Kirchhofpforte verrammelt und von feindseligen Bauern besetzt fanden,
die ihnen den Eingang wehrten. Frau Rosette, Herr Ive und die Kinder,
die in einem offenen Wagen folgten, sahen voll Erstaunen, wie sich ein
tüchtiges Handgemenge entspann, in dem ihre Knechte bald den kürzeren
zogen, da sie bedeutend in der Minderzahl waren. Herr Ive verfolgte den
Kampf eine Weile mit dem Kennerblick eines jungen Straßenbuben und
wachsender Ungeduld, bis er schließlich nicht mehr an sich zu halten
vermochte, aus dem Wagen sprang, die Jacke abwarf und sich mit einem
lauten, schnalzenden Schrei unter die Prügelnden mischte. Emanuel,
dessen dunkle Augen vor Kampflust feucht geworden waren, schickte sich
an, es seinem Schwager nachzutun, und die Mutter hatte Mühe, ihn
festzuhalten und Anitzas Heiterkeit, die sich ihrer beim Anblick des
tapfer ringenden Bräutigams bemächtigt hatte, durch Zupfen, Winken
und Warnen in etwas zu mäßigen. Ihren Schwiegersohn sah Frau Rosette
zwar mit Genugtuung und Billigung im Kampfgewühl, dennoch bat sie
ihn, angesichts der immer wachsenden Zahl seiner Gegner, für heute
abzustehen, da man mit so geringen Streitkräften nicht hoffen könne,
den Sieg davonzutragen. Herr Ive, da er einmal im Raufen war, hörte
nur ungern auf, doch sah er ein, daß seine Schwiegermutter recht hatte,
und führte die Familie unter hellem Übermut der Kinder und prasselndem
Zornfeuer Frau Rosettens nach Hause zurück.
Die Zurückgebliebenen prügelten sich weiter und waren so eifrig dabei,
daß es der Gemeindepolizei kaum gelang, sie bei einbrechender Nacht
auseinander zu treiben. Dieser Auflauf machte den Bürgermeister und
mehrere Herren vom Rate so bedenklich, daß sie sich nochmals in einem
verschwiegenen Zimmer des Wirtshauses, das öfter zu wichtigen
Beratschlagungen diente, versammelten, um einen gütlichen Ausweg
dieser heiklen Angelegenheit zu finden.
»Es ist nicht zu leugnen,« begann der Bürgermeister freundlich, indem er
tändelnd den Deckel seines Bierkrugs auf- und zuklappte, »daß ein toter
Mensch irgendwo begraben werden sollte. Auch kann man der Frau Rosette
nicht zumuten, daß sie ihren verstorbenen Gatten zwischen ihren
Getreidefeldern und Kartoffeläckern beerdigt.«
»Beileibe nicht!« rief der Pfarrer drohend. »Soll er unsern christlichen
Erdboden verpesten? Hinaus mit ihm! Weit weg mit ihm! Werden doch auch
die toten Pferde und Hunde da draußen eingescharrt.«
Der Bürgermeister klapperte sinnend mit seinem Deckel und sagte: »Ich
gebe zu, Ehrwürden, daß ein Jude kein Christ ist, sollte er aber
deswegen unter die Tiere fallen?«
Hieran knüpfte sich eine längere Beratung, und nachdem in dieser Weise
genugsam hin und her gestritten war, machte einer der Gemeinderäte
folgenden Vorschlag: »Es wird den Herren bekannt sein,« sagte er, »daß
wir in einer Ecke des Kirchhofes, wo wildes Unkraut wächst und der
Totengräber zu keiner Pflege und Säuberung verpflichtet ist, die kleinen
Kinder begraben, die totgeboren wurden oder gleich nach der Geburt
starben, so daß sie leider die heilige Taufe nicht empfangen konnten.
Diese scheinen mir insofern mit dem Juden vergleichbar, als sie, wie er,
ungetauft sind, und es dünkt mich deshalb nicht unschicklich, wenn man
ihn dort in aller Stille vergrübe.«
Der Bürgermeister wollte eben einen mäßigen Beifall dieses Vorschlages
laut werden lassen, als der Pfarrer, die Hände über dem Kopfe
zusammenschlagend, ausrief: »Wo ist euer Christentum? Ihr schwatzt wie
Heiden und Türken daher! Wißt ihr nicht, daß die vor und während der
Geburt gestorbenen Christenkinder Engel sind? Kleine Engelkinder, die
ihre schwarzen Augen niemals aufgetan und durch den Anblick unsrer
häßlichen Erde getrübt haben! die mit ihren kleinen Rosenfüßen niemals
den Dreck berührt haben, durch den wir waten! Auf der Schwelle unsers
Lebens haben sie die Flügel geschüttelt und sind wieder davongeflogen
in den Himmel.«
Hier fing der Pfarrer, der die kleinen Kinder zärtlich liebte, an
zu weinen, und auch einige Gemeinderäte wischten sich die Augen,
indessen der Bürgermeister sagte: »Es bleibt den Kindern unbenommen,
in den Himmel zu fliegen, und dem Juden, in die Hölle zu fahren,
nichtsdestoweniger sind sie vom bürgerlichen Standpunkte aus alle
ungetauft, und es scheint mir daher billig und recht, daß sie am selben
Orte begraben werden.« Er fürchtete nämlich die große und behäbige
Verwandtschaft Frau Rosettens, die sich zwar um Herrn Samuel wenig
bekümmert hatte, von der es aber doch anzunehmen war, daß sie die
Kränkung einer von ihrer Sippschaft übel vermerken würde.
Der Pfarrer konnte gegen den Gemeinderat, der einmütig war, nichts
ausrichten, machte sich aber an das Volk, stellte ihm die Unbill vor,
die ihm angetan werden sollte, und ermunterte es, dieselbe in Gottes
Namen mit Fäusten abzuwehren. »Würdet ihr ruhig zusehen,« rief er, »wenn
man einen Wolf in euern Schafstall ließe? Und sie wollen einen falschen
Judas zwischen eure unschuldigen Kinder legen, die am Throne der
Dreieinigkeit für arme Sünder beten. Pestilenz! Feuersbrunst! Wassernot!
Kriegsnot und Hungersnot werden über euch kommen, wenn ihr zulaßt, daß
der heilige Gottesacker durch diesen Verräter vergiftet wird.«
Die Bürger von Jeddam ließen sich dies nicht zweimal sagen, rotteten
sich zusammen und schwuren, jedweden totzuschlagen, der den toten Samuel
auf ihren Friedhof bringen würde. Am furchtbarsten unter den Aufwieglern
war ein Großbauer namens Pomilko, ein hünengroßer Mann mit dickem Kopf
und weißblonden Haaren, der mit seinem Gefolge von Angehörigen,
Verwandten, Abhängigen und Knechten das ganze Gemeinwesen hätte über
den Haufen werfen können. Pomilko hatte vor kurzem eine zweite Frau
genommen, die ihm ein totes Kind geboren hatte. Demselben hatte er zwar
keinen Blick geschenkt, sondern, als ihm die Botschaft gebracht worden
war, hatte er sich fluchend und zähneknirschend aufs Feld begeben und
sich zwei Tage lang nicht im Hause blicken lassen; jedoch sah er es
als eine gröbliche Ehrenkränkung an, daß ein Jude in der Nähe seines
Sprößlings begraben sein sollte, und er erklärte laut, er fürchte weder
den Bürgermeister noch den Kaiser und würde diesen zeigen, was Pomilko
vermöchte, wenn sie sich ihn zu beleidigen getrauten. Er hatte aus
erster Ehe eine erwachsene Tochter namens Sorka, ein großes, starkes
Mädchen mit kecken, blitzenden Augen, einem feinen Munde und Zähnen, die
fest wie Kieselsteine und gelbglänzend wie Marmor waren. Als das Mädchen
hörte, daß eine Stiefmutter ins Haus ziehen sollte, erklärte sie dem
Vater, sie wolle das nicht leiden, er möchte davon abstehen, was ihn
bewog, die Heirat um so schneller zu vollziehen. Als Sorka beim ersten
gemeinsamen Mittagsmahle fehlte, der Vater sie hereinrief und die
Stiefmutter ihr mit saurer Miene die Suppe in den Teller füllte, schob
Sorka denselben so heftig zurück, daß das reine Tischtuch über und über
bespritzt wurde, sagte: »Ich esse nicht, was du gekocht hast!« und
schaute dem Vater und seiner Frau herausfordernd und mit verhaltenem
Frohlocken ins Gesicht. »So magst du hungern,« rief der Vater zornig,
»andre Speise gibt es hier für dich nicht!« Sorka lachte und sagte:
»Lieber such ich mir selbst mein Brot,« und zog stracks mit einem Bündel
Habseligkeiten aus dem Hause.
Sie nahm, da sie nicht gleich etwas andres fand, bei einem kleinen Bauer
einen Dienst an und hatte bald eine Liebschaft mit dessen Sohn, was der
Vater, der alte Darinko, geschehen ließ, weil er wußte, daß Pomilko
seiner Tochter ihr mütterliches Erbe nicht vorenthalten konnte. Diese
Vorgänge hatten den Pomilko mit übler Laune, Ärger, Zorn und Rachsucht
ganz angefüllt, weshalb er die Gelegenheit, zu zanken, zu raufen und
allenfalls jemand totzuschlagen, sogleich ergriffen hatte.
Der Bürgermeister konnte sich nicht verhehlen, daß eine förmliche
Revolution im Anzuge sei, und in seiner Verlegenheit hielt er eine
Ansprache an das Volk, er würde die Frage wegen des Judengrabes Seiner
Majestät dem Kaiser zur Entscheidung vorlegen, inzwischen möchten sie
ihren Geschäften nachgehen und sich still verhalten, das Gemeinwesen
ruhe sicher in seinen Händen. In Wirklichkeit begab er sich nicht zum
Kaiser, sondern zu dem Kommandanten einer Garnison, die im nächsten Orte
lag, und dieser erklärte sich vollständig damit einverstanden, daß Herr
Samuel in jener Ecke des Jeddamer Kirchhofes, wo die ungetauften Kinder
lägen, beerdigt würde, bewilligte auch dem Bürgermeister eine kleine
Abteilung Soldaten für den Fall, daß bei der Bestattung Ruhestörungen
vorkämen.
Es wurde nun der Frau Rosette mitgeteilt, wo und wie sie ihren Gemahl
beerdigen dürfe, und sie wurde zugleich ersucht, das Begräbnis bei Nacht
vor sich gehen zu lassen, damit Ärgernis vermieden würde. Frau Rosettens
Stolz wurde dadurch zwar nicht ganz befriedigt, doch sagte sie sich,
daß es sich eigentlich nicht um ihren Samuel, sondern nur um eine
nachgemachte Puppe handle, und daß sie froh sein müsse, wenn die
Schwindelei so bald wie möglich von der Erde verschwände, und versprach
infolgedessen, sich gemäß der empfangenen Weisung zu verhalten.
Die Bürger von Jeddam hatten angesichts der Soldaten beschlossen, sich
in diese Sache nicht mehr zu mischen, hielten sich aber während des
Begräbnisses in den Häusern, da sie es doch nicht anständig fanden,
gegenwärtig zu sein und keinen Tumult zu veranstalten. Es trabte also
der schwarzverhangene Wagen durch die stille Mitternacht, als wäre das
Dorf durch Zauberei gebannt oder versteinert, und nichts war hörbar als
das Trotten der Pferde, das Rollen der Räder und das leise Schwatzen von
Frau Rosette und Herrn Ive, die im leichten Gefährt dem Sarge folgten.
Mit Hilfe des Totengräbers wurde der vermeintliche Samuel aufs
Geratewohl in jene verwilderte Ecke gestopft, worauf die Familie, die
unterdessen schon die Koffer gepackt hatte, sich schleunig auf die
Reise begab, um sich mit dem Vater wieder zu vereinigen. Herr Ive blieb
einstweilen wegen der Angelegenheiten, um derentwillen der ganze Betrug
angezettelt war, in Jeddam zurück.
Dort war aber der Kampf noch keineswegs beendet. Es fanden sich nämlich
am Tage nach dem Begräbnis auf der Kirchhofmauer, da, wo die ungetauften
Kinder lagen, allerlei fürwitzige Inschriften angemalt, wie zum
Beispiel: Hier ist Schweinemarkt! oder: Misthaufen von Jeddam! oder:
Kehrichthof! und andre Witze dieser Art, was bald zu den Ohren der Leute
kam, die Kinder an dieser Stelle begraben hatten. An die Spitze der
Beleidigten stellte sich der mächtige Pomilko, dem es ohnehin lieber
war, auf seiten der Regierung zu stehen, und der nicht zweifelte,
daß der alte Darinko, bei dem sich seine Tochter befand, ihm diese
Beschimpfung angetan hätte. Dadurch wurde dieser das Haupt einer
geistlichen Partei, die fortfuhr, gegen die Anwesenheit des verstorbenen
Samuel auf dem Kirchhof zu meutern; er leugnete zwar, die Inschriften an
der Mauer verfaßt zu haben, war es aber übrigens wohl zufrieden, aus
seiner ärmlichen Bedeutungslosigkeit herausgerissen zu sein, und raufte
und hetzte fröhlich unter dem Schutze der Kirche und des Pfarrers.
Allmählich geriet der tote Jude, der die Ursache des langwierigen
Kampfes gewesen war, bei den beiden Rotten in Vergessenheit, und sie
benutzten die Gelegenheit, um allerlei alten Hader auszufechten, taten
sich alle erdenklichen Übel an, und es gab so viel blutige Köpfe,
gebrochene Gliedmaßen und brennende Scheuern, daß Ärzte, Bader, Polizei
und Löschmannschaft Tag und Nacht vollauf zu tun und zu laufen hatten.
Der Bürgermeister hätte gern zum Pomilko gehalten, der der mächtigste
und begütertste unter den Bauern war und zudem die gerechte Sache
vertrat, allein die geistliche Partei war bei weitem zahlreicher, so daß
er es mit dieser auch nicht verderben wollte. Der Pfarrer war trunken
vom Gefühl seiner Wichtigkeit und triumphierte außer sich: »Feuer ist
da! Brand ist da! Vatermord und Brudermord ist da! Habe ich es nicht
prophezeit? Habe ich euch nicht gewarnt? Jeddam ist verpestet! Durch
Unglauben ist es verpestet! Heraus mit der Eiterbeule von Jeddam! Heraus
mit dem ungetauften Gebein aus Jeddam, oder wir werden alle verderben!
Kinder, wir werden alle verderben!« Und er weinte, weil er durchaus
nicht mehr zweifelte, daß es wirklich so wäre. Der Bürgermeister bat
ihn, gleichfalls unter Tränen, dergleichen aufreizende Reden zu
unterlassen und lieber das wütende Heer zu beruhigen, aber er brachte
den Pfarrer dadurch nur noch mehr auf, der entrüstet sagte, er würde
seinen Gott nicht verkaufen und wenn man ihm hundert Goldgulden dafür
böte.
Vielleicht wäre Jeddam in Blut und Flammen untergegangen, wenn sich der
Bürgermeister nicht aufgemacht hätte, um noch einmal die Hilfe des
Kommandanten in Anspruch zu nehmen. Die Nachricht, daß der Kaiser an der
Spitze eines Regimentes daherziehe und die Aufrührer niederschmettern
würde, verbreitete lähmenden Schrecken, und einer nach dem andern
schlich sich nach Hause und an seine Arbeit.
»Darinko,« sagte der Pfarrer an diesem Tage zum Sohne des kleinen
Bauern, der an der Spitze der geistlichen Partei gestanden hatte, »ich
verspreche dir, daß du Sorka heiraten und ihr Erbe ungeschmälert
erhalten wirst, wenn du diese Nacht auf den Kirchhof gehst, den Samuel
ausgräbst und in die Melk wirfst.«
»Das will ich wohl tun,« sagte der junge Darinko, »und ich wundere
mich, daß wir es nicht schon längst getan haben.«
»Tu es heute,« sagte der Pfarrer, »und es wird dich nicht gereuen,« was
alles Darinko der Sorka getreulich wieder erzählte. Sorka erklärte, dem
Geliebten in diesem Unternehmen beistehen zu wollen, da es für ihn
allein eine schwierige Sache gewesen wäre, denn er mußte sich mit vielen
Werkzeugen versehen, nicht nur um das Grab, sondern auch um den schweren
Sarg aus Eichenholz zu öffnen, den er nicht bis zum Flusse hätte tragen
können. Als es völlig Nacht und rings alles still war, stahlen sie sich
aus dem väterlichen Hof und machten sich auf den Weg. Es war eine lange
und harte Arbeit, das Grab des Samuel zu finden, das auf keinerlei Art
bezeichnet war, und sie mußten graben und wühlen, daß ihnen der Schweiß
von der Stirne troff, bis sie endlich auf den großen Sarg stießen, den
sie als den richtigen erkannten. Sie atmeten erleichtert auf, und da sie
noch eine Weile Zeit hatten, kauerten sie sich nebeneinander auf die
aufgeworfene Erde nieder, und Sorka holte Brot, Käse und eine Flasche
Bier hervor, die sie zur Stärkung mitgenommen hatte. Ohnehin vergnügt
über die Aussicht auf die Heirat, die ihnen der Pfarrer eröffnet hatte,
teilten sie das Essen miteinander, faßten sich bei den Händen und küßten
sich, und Sorka sagte: »Meinetwegen hätte der alte Jude hier können
liegen bleiben, der Stiefmutter zum Tort.«
»War sie wirklich so schrecklich böse?« fragte Darinko neugierig.
»Sie war nicht böser als ich,« sagte Sorka, »aber ich mochte sie nicht
leiden, und darum bin ich weggelaufen und lache, wenn sie sich ärgert,«
und sie lachte, daß ihre gelben Zähne glänzten.
Sie hatten inzwischen die Arbeit wieder aufgenommen und machten sich
daran, den Sarg zu öffnen, was um so schwieriger war, als sie sich
bemühen mußten, so wenig Lärm wie möglich dabei zu machen. Als es
gelungen war, hielt Darinko einen Augenblick inne und sagte: »Jetzt
kommt das schwerste Geschäft; es ist dunkle Mitternacht, und wir sind
ganz allein.« Sorka sah ihn listig an und sagte: »Fürchtest du dich?
Hast du dich doch nicht gefürchtet, als du mir den ersten Kuß gabst, und
ich hätte dir doch ebensogut eine Ohrfeige geben können wie der tote
Jude?«
Darinko fühlte seinen Mut durch die Erinnerung an dieses Heldenstück neu
belebt, schlug den Deckel zurück und faßte den, der im Sarge lag, um den
Leib, in der Absicht, geschwind, ohne ihn anzusehen, mit ihm
davonzulaufen und ihn in die Melk zu werfen. Kaum hatte er ihn aber
gefaßt, als er ihn mit einem Schrei wieder fallen ließ, etwas so
Unerwartetes und Unheimliches war es, den Strohbalg zu berühren. Sorka
lachte hell auf über die Bangigkeit des Darinko und beugte sich über die
zusammengefallene Puppe, um zu sehen, was es da Fürchterliches gäbe. Als
sie inne wurden, daß sie wirklich nur eine ausgestopfte Figur mit Larve
und Wachshänden vor sich hatten, blieb dem Darinko vor Erstaunen der
Mund offen stehen, während Sorka so unmäßig lachte, daß sie sich auf die
Erde werfen und hin und her wälzen mußte. »Was kann das bedeuten?«
fragte endlich Darinko, der unsicher war, ob es sich vielleicht um eine
zauberhafte Verwandlung oder sonst eine höllische Kunst handelte. »Was
geht das uns an?« sagte Sorka. »Wir können keinen andern Samuel in die
Melk werfen als den, den wir gefunden haben; ob es der richtige ist, das
ist nicht unsre Sache.« Sie war unterdessen aufgestanden und untersuchte
die Puppe eifrig unter fortwährendem Gelächter, wobei sie denn auch den
herrlichen Diamantring entdeckte, der noch am Zeigefinger der einen
Wachshand saß, sei es, daß Frau Rosette ihn vergessen hatte, oder daß
sie ihn absichtlich als ein freiwilliges Opfer zum glücklichen Ausgang
des dreisten Abenteuers hatte mit begraben lassen. Jetzt erschrak auch
Sorka und fuhr zurück im Gedanken, es könnte hier Gott weiß was für eine
Teufelsschlinge verborgen sein; doch gewöhnte sie sich schnell an die
Seltsamkeit und kam zu der Überzeugung, der Ring sei ein kostbarer Ring
und nichts weiter, den sie mit Fug und Recht als Belohnung für ihre
Arbeit an sich nehmen und für sich behalten könnten. Sie bemächtigten
sich des Ringes, gaben sich gegenseitig das Wort, über ihre Entdeckungen
gegen jedermann zu schweigen, und fast berauscht vor Glückseligkeit
kugelten und tummelten sie sich noch eine geraume Weile auf dem
nächtlichen Friedhof; dann schleppte Darinko den Balg in die Melk,
während Sorka den leeren Sarg wieder eingrub, die Erde darüberschaufelte
und alles so machte, wie es zuvor gewesen war.
Die Soldaten, die am andern Tage in Jeddam einrückten, fanden nichts mehr
zu tun, und da die Rädelsführer bei den verschiedenen Brandstiftungen,
Raufereien und andern Missetaten schwer festzustellen waren, kam es auch
nicht zu erheblichen Bestrafungen.
Nach einiger Zeit, als in weiter Ferne der arglose Herr Samuel, dem die
Familie die Vorfälle in Jeddam verschwiegen hatte, damit er sich nicht
etwa eine Kränkung daraus zöge, das gute alte häßliche Gesicht von
Wiedersehensfreude glänzend, seine Lieben in die Arme schloß, saß der
Pfarrer von Jeddam beim Bürgermeister zu Tisch, und der letztere sagte:
»Jedermann weiß, daß Ehrwürden in der Theologie und allen Dingen der
Gottesfurcht weiser sind als meine Wenigkeit. Doch kann ich die
Bemerkung nicht unterdrücken, daß Pestilenz, Feuersbrunst und Kriegsnot
vorüber sind, seit die Soldaten bei uns einrückten, wiewohl der tote
Samuel nach wie vor inmitten der ungetauften Kinder begraben liegt.«
»Das tut er bei Gott nicht,« triumphierte der Pfarrer und schlug mit der
Faust auf den Tisch, daß es klirrte. »In der Nacht, ehe die Soldaten
kamen, habe ich ihn ausgraben und in die Melk werfen lassen, die ihn
wohl längst ins Meer geschwemmt hat, wo er bei Fischen und anderm Unrat
liegen bleiben mag.«
Der Bürgermeister war so verblüfft, daß er nicht wußte, ob er lachen
oder zornig werden sollte. »Meint Ihr wirklich,« fragte er endlich, »daß
das die Ursache ist, warum Frieden und Wohlergehen wieder bei uns
eingekehrt sind?«
»Was sonst?« rief der Pfarrer; »unser Gemeinwesen war in großer Gefahr,
und ich habe es gerettet, doch prahle ich nicht laut damit, sondern
gebe Gott die Ehre.« Und er erhob das volle Weinglas und hielt es dem
Bürgermeister zum Anstoßen hin, der, obwohl ihn seine Niederlage wurmte,
es für das Feinste hielt, zu schweigen und zu trinken.
Aus Bimbos Seelenwanderungen
Fragment
Vor mehreren Jahrhunderten, erzählte Bimbo, war ich der Sohn eines
Scharfrichters in einer kleinen Stadt des Nordens. Damals war dieselbe
frei und mächtig, ein kleines Reich für sich, nur daß der römische
Kaiser noch einige Titular- und Ehrenrechte darin besaß, die ein
Burgvogt mit Schall und Gepränge, aber ohne etwas Wesentliches zu
bedeuten und vermögen, vertrat. Mein Vater, obgleich er der Scharfrichter
war, dem niemand die Hand reichen mochte, ohne sich mit unauslöschlicher
Schmach zu beflecken, war der allerschönste Mann im Lande und glich der
furchtbaren Waffe, die er führte; denn er war groß, gerade und schlank
wie ein Schwert, mit schneidenden Blicken im Auge, und seine Bewegungen,
wenn er sich einmal bewegte, waren wie sicher treffende Blitze.
Aber, wie die Frauen sind, trotzdem ist ihm meine Mutter untreu gewesen,
nachdem ich einige Jahre auf der Welt war. Es scheint, daß sie schwach
und eitel und nicht einmal besonders schön war, aber daß sie gerade in
ihrer Schwäche und Hilflosigkeit einen großen Zauber besaß. Das Gespräch
der Leute war, daß mein Vater, als er ihre Untreue erfuhr, sie mit
seinen eignen Händen erwürgt habe, was allerdings nur ein Gerede gewesen
sein kann, wie vieles andre, was über ihn im Umlauf war. Denn weil er
ein kluger Mann war und mehr wußte als die übrigen, namentlich in der
Arzneikunde und Chirurgie, glaubte man, daß er mit Dämonen im Bunde
stehe und mit ihrer Hilfe übermenschliche Dinge verrichten könne. So
sagte man zum Beispiel, es habe ihn noch niemand mit den Augen blinzeln
sehen, er bedürfe des Schlafes nicht, ja sei wohl sogar des Todes
überhoben, wenn ihm nicht die Geister, die er jetzt beherrschte, einmal
den Hals brächen. Wahr ist das, daß er Tage und Nächte hintereinander
wachen konnte, ohne darunter zu leiden, und ich erinnere mich, wie
ich ihn manchmal mit heimlichem Grauen betrachtete, ob er nicht die
Augenlider bewegen würde, ohne daß es geschah. Weiter sagte man von
meinem Vater, daß er die Leute behexen und mit dem bloßen Blick seiner
Augen krank machen, ja totschauen könne, und namentlich daß er, wen er
wolle, und wäre er Papst von Rom, auf das Blutgerüst unter sein Schwert
zu bringen vermöchte, indem er denselben nur einmal flüchtig mit der
Spitze seines Schwertes berührte. Deswegen, obschon sie seiner Hilfe in
allerlei öffentlichen und heimlichen Sachen benötigten und diese auch
meistens gutwillig, wenn auch gegen reichliches Entgelt, geleistet
wurde, hatten sie doch Furcht vor ihm, und die Regierung hätte sich
vielleicht seiner auf irgendeine Weise entledigt, wenn sie seiner Rache
sich auszusetzen gewagt hätte. Gegen die Untergebenen in unserm kleinen
Reiche, das, viele Gehöfte umfassend, weit außerhalb der Stadt lag, war
er, soweit es die Roheit der wüsten Knechte zuließ, großmütig und
nachsichtig. Mich behandelte er sogar mit Zärtlichkeit, wenn ich von
einigen Anfällen rasender Wut absehe, die ihn bei Gelegenheit von ein
paar unbedeutenden kindlichen Vergehungen ergriff, und so grausam er
mich auch in diesen Fällen behandelte, liebte ich ihn doch abgöttisch,
ja ich hätte mir von ihm mit Freuden die Seele aus dem Leibe martern
lassen. Nur manchmal überkam mich ein Gefühl des Hasses von derselben
Stärke, nämlich dann, wenn mir zufällig, indem ich seine Hände ansah,
in den Sinn kam, daß er mit ihnen meine Mutter erwürgt hatte.
Unser Haus lag auf der Heide, die sich bis an das Meer erstreckte; vom
Hause aus konnte man es nicht sehen, wohl aber auf dem weiter nordwärts
gelegenen Richtplatze, wo es nichts als Sand gab außer einigen uralten,
verwitterten Steinen, die halb darin versunken waren. Man hielt sie für
Grabsteine vornehmer Gerichteter; denn hier war seit undenklichen Zeiten
die Richtstätte der Republik gewesen; wahrscheinlicher ist es freilich,
daß das Meer die Blöcke angeschwemmt und ebbend auf der Heide
zurückgelassen hatte. Wie dem auch sei, wir pflegten uns oft des Abends
auf diese Steine niederzusetzen und auf das glänzendschwarze Geflimmer
des Meeres hinzusehen, und wenn er dann seine Hand auf dem Steine neben
mir ruhen ließ, kam sie mir zuweilen wie eine weiße Tigerin vor, die
schläft, weil sie satt von Blut ist, oder die sich schlafend stellt und
lauert, um ein argloses Opfer zu zerfleischen. Dann dachte ich an meine
Mutter, deren Bild ich deutlich vor Augen hatte und der ich selbst innen
und außen vielfach glich, und malte mir aus, wie sie sich in dem
eisernen Arme des schönen Blutmannes gekrümmt hatte, bis mir der Haß
in die Kehle stieg und ich eine verzweifelte Lust spürte, mich auf ihn
zu werfen und die Ader an seinem Halse aufzubeißen, damit er verblutete.
Mein Vater sagte nie etwas darüber, obgleich er es mir ansah, und ich
glaube sogar, er hätte mir nicht gewehrt, auch wenn ich es getan
hätte. Dieser Gewaltige, der, wie man sagte, sechs Männer mit einem
Schwertschlage enthaupten konnte, daß ihre Köpfe wie Disteln abschnellten,
hätte sich von meinen schwachen Händen umbringen lassen, so etwa wie
Erwachsene stillhalten, wenn spielende Kinder mit ihren winzigen
Schlägen über sie herfahren.
Mich mächtig, berühmt und gelehrt zu machen, war der Ehrgeiz seines
Lebens, und mit dem Gelde, das er aufhäufte, ermöglichte er es, mir so
viele Bildungsmittel zuzuführen, wie den strebsamsten und vermöglichsten
Menschen der Zeit zugänglich waren. Er schickte mich in andre Länder,
damit ich an hohen Schulen studierte, und ließ es sich Hunderte und
Tausende kosten, daß mein Herkommen und Stand verborgen blieben. Aber
er dachte nicht etwa daran, mich in höhere Kasten einzuschmuggeln,
nein, ich sollte nach ihm Scharfrichter werden, wie das einmal seit
unvordenklichen Zeiten das Los unsers Geschlechtes war, nur sollte ich
aus Schmach und Elend heraus sie alle durch meinen Geist überglänzen und
beherrschen, auf den Knien sollten sie nachts mit Lebensgefahr zu mir
rutschen, die mich am Tage wie einen tollen Hund von ihrer Schwelle
hetzen durften. Ich freilich hatte an allen Schulen nichts gelernt als
höfliche Sitten und Herrenleben, weniger aus Faulheit als aus Torheit,
die mich den Wert der Zeit nicht bedenken ließ; im Innersten hoffte ich,
es würde so in Saus und Braus in Ewigkeit weitergehen. Dem Befehle
meines Vaters wagte ich aber nicht mich zu widersetzen, und es hatte
auch etwas grausig Verlockendes für mich, einst Blutkönig in dem
einsamen Reich auf der Heide zu werden. Nur suchte ich den Augenblick,
wo ich selbst das Handwerk ausüben sollte, hinauszuschieben, worauf mein
Vater auch bereitwillig einging, weil ich schlank und zierlich von
Wuchs war und er meinte, ich müßte mich noch durch viele körperliche
Übungen auf meinen Beruf vorbereiten.
Da kam eines Tages die Gelegenheit, die meinem Vater schicklich
erschien, mich einzuführen; es handelte sich nämlich darum, einen
Papageien öffentlich mit dem Schwerte zu richten.
Herr Quarre, der kaiserliche Vogt, saß zwar bis über den Hals in
Schulden, achtete sich aber der Majestät, die er vertrat, in allem
gleich, war hochmütig wie ein Pfau und dumm wie ein Pfannenstiel,
worüber die Gassenbuben auf der Straße Spottlieder genug zu singen
wußten. Um seine Lage zu verbessern und seine Stimme im Rat zu
verstärken, trachtete er nach der Hand der Tochter des regierenden
Bürgermeisters, deren lockende Güte und Holdheit sich in aller Leute
Herz schmeichelte, so daß selbst die bösen Kramverkäuferinnen auf dem
Markte sie die kleine Wonne nannten, nämlich Wunneke in jener
altniederdeutschen Sprache. In ihrer übermütigen Jugend lachte sie über
den abgeschmackten Freier, der zu allem andern ein dicker alternder Mann
und trunksüchtig war, und gab sich nicht die Mühe, ihre Verachtung
seiner ungefügen Person zu verbergen. Darüber war ihr Vater, der
Bürgermeister, des Kaisers wegen in großen Ängsten, und wenn er auch
nicht daran dachte, seine Tochter zu einer solchen lächerlichen
Verbindung zu zwingen, hätte er die Sache doch gern aufs glimpflichste
geordnet.