Und der Sprosse der wackeren Moldaustadt kommt nach Wien, aus einer Art

Bibelluft nach der Babel-Atmosphäre, und hier wird er auf dem

allergewöhnlichsten Wege ein »Lebemann«! Ihn und seine Kameraden

zeichnet nun Auernheimer in ebenso scharfer wie delikater Weise, mit

etwas Ironie, aber ohne Forcierung, ohne zolaistische Düsterheit, ohne

Schwermutsfrivolität, ohne bacchantische Hypertrophie. Das wirkt sehr

sympathisch an diesem Buche und wieder einmal haben wir -- wir wollen es

dreimal und öfter betonen -- Gelegenheit davon zu sprechen, daß das

junge, frische Wien (wenige Ausnahmen abgerechnet) viel dezenter ist als

das junge, greisenhafte Berlin. Da haben wir einen eleganten Satiriker

vor uns, der sich das Rückertsche Diktum stets vor Augen hält: »Ich

lehre dich, mein Sohn, nie über das, was über Maß das ist; denn überall

von Übel ist das Über!« Und solch eine Eigenschaft kann bei einem jungen

Autor nicht genug gerühmt werden!

* * * * *

Felix Salten

Die Gedenktafel der Prinzessin Anna

Novelle. 3. Auflage.

M. 1.--, geb. M. 2.--.

Hofrat =Dr. Max Burckhardt= schreibt in der »$Zeit$«: Die soeben im Wiener

Verlag erschienene Novelle Saltens ist von einer ganz ungewöhnlichen

Frechheit. Sie ist aber nicht nur frech, sie ist auch gut, die Frechheit

sinkt nicht herab zur lüsternen Zote, sie erhebt sich zu blutiger

Ironie. Parabasco, Herzog von Riavenna, betritt, da er nächtlicherweile

eben selbst von einem Liebesabenteuer kommt, seine Schwester Anna, wie

sie heimlich aus einem Pförtchen des Palazzo Gembi huscht. Da er sich

überzeugen muß, daß der junge Gembi sein zartes Geheimnis nicht für sich

allein behalten hat, entschließt er sich resolut, allem geheimen

Gezischel und Getriebe dadurch vorzubauen, daß er eine Gedenktafel am

Palazzo Gembi anbringen läßt, auf der mit dürren Worten der

Öffentlichkeit mitgeteilt wird, was Prinzessin Anna in diesem Hause

erlebt hat. Welche Folgen diese Tat des Herzogs hat, wie insbesondere

das gute Volk die Prinzessin als Wohltäterin von Riavenna im Triumphzug

durch die Stadt führt und ihr angesichts der Gedenktafel eine

begeisterte Huldigung darbringt, und wie zum Schluß der Herzog an sich

selbst erfährt, welche Nutzanwendungen ein einfaches Mädchen aus dem

erhabenen Beispiele der verehrten Fürstin zieht -- das möge jeder in dem

Büchlein lesen. Es könnte in der besten Zeit der Renaissance geschrieben

sein.

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[Illustration: BIBLIOTHEK MODERNER DEUTSCHER AUTOREN]

1. Bd.: $Arthur Schnitzler.$ Die griechische Tänzerin.

2. Bd.: $Hugo von Hofmannsthal.$ Das Märchen der 672. Nacht.

3. Bd.: $Georg Hirschfeld.$ Erlebnis.

4. Bd.: $Otto Ernst.$ Die Kunstreise nach Hümpeldorf.

5. Bd.: $Felix Salten.$ Der Schrei der Liebe.

6. Bd.: $Otto Julius Bierbaum.$ Das höllische Automobil.

7. Bd.: $Johannes Schlaf.$ Die Nonne.

8. Bd.: $Anton v. Perfall.$ Er lebt von seiner Frau.

9. Bd.: $Siegfried Trebitsch.$ Das verkaufte Lächeln.

10. Bd.: $Hans von Kahlenberg.$ Jungfrau Marie.

Preis jedes Bandes M. 1.--, geb. M. 2.--.

Durch alle Buchhandlungen zu beziehen.

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Anmerkungen zur Transkription:

Die Originalschreibweise und kleinere Inkonsistenzen in der Schreibweise

und Formatierung wurden prinzipiell beibehalten.

Gesperrter Text wurde mit Gleichheitszeichen (=Text=), fett gedruckter

Text mit Dollarzeichen ($Text$) und Text in Antiqua mit Unterstrichen

(_Text_) markiert.

Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller gegenüber dem

Originaltext vorgenommenen Korrekturen.

Kapitel Lebenslauf: zu Grüneberg -> Grünberg

Kapitel Lebenslauf: befriedigen könnte -> konnte

S. 22: der Stadt Knödelmkraut -> Knödelimkraut

S. 24: bist du ja veil -> viel

S. 32: Du, Bartl -> Bartel

S. 32: sagte Bartl -> Bartel

S. 35: »Also schön, -> schön,«

S. 35: dorthin führst? -> dorthin führst?«

S. 52: Ihn kreuzweise -> 'Ihn kreuzweise

S. 52: zu fesseln, -> zu fesseln,'

S. 52: wird nicht -> 'wird nicht

S. 53: ich .. -> ich ...

S. 69: Stil versag -> versagt

S. 101: Weihnachts-Bowle -> Weihnachtsbowle

S. 148: Sekunde der Uberzeugung -> Überzeugung

S. 153: dekorativ.«). -> dekorativ.«)

S. 155: und starrt unr -> nur

S. 157: Zwei münchner -> Münchner

S. 163: Gembi huscht -> huscht.

Anhang S. 3: in grobem Parallelismus... -> Parallelismus....

End of Project Gutenberg's Das höllische Automobil, by Otto Julius Bierbaum

Das höllische Automobil: Novellen · 第 6 / 6 段