Um schön glasiren zu können, muß man vor Allem ganz feinen Zucker durch

ein Musselin-Sieb stoßen, alsdann wird das Weiße von Eiern ebenfalls

durch ein Sieb geschlagen, um die im Eiweiß sich befindlichen sogenannten

Flämmchen zurückbehalten zu können; in dieses abgelassene Eiweiß wird nun

von diesem feinen Zucker soviel hinzugethan, daß die Masse noch gerührt

werden kann; nun hat man einen kleinen Kolben in Form einer Birne mit

einem Stiele, ungefähr 2 Fäuste hoch, mit diesem Kolben wird die Glasur

gehörig gerieben und nach und nach der Saft einer Citrone zugegeben; hat

man die Glasur so fein wie möglich gerieben, so läßt man sie stehen, um

beim Gebrauche zu den verschiedenen Farben davon nehmen und sie mit

Eiweiß so dünn machen zu können als nöthig; Essigsäure darf nicht

zugethan werden bei Glasuren zu Figuren, denn erstens bekommt das

Glasirte keinen schönen Glanz und fürs Zweite läßt sich, da die Glasur

mit Essigsäure zu leicht und porös ausfällt, selbige nicht gut schminken

und bronziren.

Glasuren zum Verzieren der Torten können schon besser mit Essigsäure

steif gerührt werden. Bei solchen Sachen, die entweder versendet oder

überhaupt lange aufbewahrt werden sollen, ist es rathsam, der Glasur,

wenn sie recht steif gerührt ist, etwas sehr fein gesiebten Haarpuder

(Stärkemehl) zuzusetzen, indem alsdann die Glasur nicht mehr abspringt.

11) Glasur zu ordinären Gegenständen.

15 Eiweiß werden zu einem steifen Schnee geschlagen, dann 1 Kilogrm.

Zucker untergemischt und mit einem halben Liter, halb Wasser, halb Essig,

auf schwachem Kohlenfeuer gehörig in die Höhe und warm geschlagen, nun

macht man die Glasur, indem der Kessel in ein mit Wasser gefülltes Gefäß

gesetzt und dabei geschlagen wird, wieder kalt und rührt nun 1 Kilogrm.

feines Stärkemehl darunter; die Glasur muß gut steif geschlagen werden,

denn sonst läßt sie, wenn Puder zukommt, aus und wird gerne schmierig. Um

nun damit glasiren zu können, kommt etwas geläuterter Zucker, welcher den

Glanz herbringt und so viel wie nöthig Wasser dazu, die zu glasirenden

Stücken werden hineingeworfen und mittelst Messer abgestrichen, entweder

in einen warmen Ofen gebracht oder auf Brettern über Nacht stehen lassen.

Will man mit dieser Glasur auch spritzen, so darf sie natürlich nicht zu

dünn gemacht werden, sondern bleibt wie gewöhnliche Spritzglasur: auch

ist hier anzurathen, gleich sobald die Sache noch naß ist, darauf zu

spritzen, denn es sinkt dann etwas ein und bricht nie weg; gemalt wird

auch an manchen Orten gleich in die frisch glasirten Sachen und zwar

mittelst Gabeln und kleinern Hölzern und zwar auf folgende Manier: Etwas

Weniges von ebenbesagter Glasur wird nach Belieben ziemlich stark

gefärbt, entweder roth, grün, blau oder sonst mit Farben: sobald nun der

Gegenstand glasirt ist, das heißt mit weißer oder rother Glasur, so

werden mit einem etwas zugespitzten Stäbchen, welches in die oben

angeführte Glasurfarbe getaucht ist, runde Ringe in Gestalt einer Rose

darauf gemalt, die Gabel wird nun ebenfalls entweder in Blau oder Grün

eingetaucht und mit den 4 Zinken, welche die Gabel hat, fährt man nun von

links nach rechts quer unter der besagten Rose hin; nun wird die Gabel so

gehalten, daß blos eine Spitze angewendet werden kann und man fährt nun

von oben nach unten durch die vorhin gemachten Querstriche und es sieht

aus wie wenn diese Striche durch diesen einen ausgestrichen wären und das

Ganze bildet nun kleine Blättchen. Auf diese Weise werden Herzen und

dergleichen Sachen verziert.

12) Kinderkonfekt.

6 Kilogrm. weißer Farin wird mit 40 ganzen Eiern und 1 Liter Milch

aufgelöst. Wenn die Masse erkaltet, kommen 12 Kilogrm. Mehl und etwas

Anis dazu. Beim Verarbeiten wird zu dieser Masse 18 Kilogrm. Herzteig Nr.

7 nebst 50 bis 66 Grm. Konditorei-Salz daruntergebrochen. Dieser Teig

wird messerrückendick ausgerollt und beliebige Formen als: Tauben, Hunde,

Körbchen etc. ausgestochen, auf Butterblech gelegt und gebacken; nachdem

mit ordinärer Glasur glasirt und gemalt.

13) Devisen-Masse.

125 Grm. Wasser, 66-2/3 Grm. Zucker, 35 Grm. Stärkemehl. Mit der Hälfte

des Wassers wird die Stärke angerührt und mit der andern der Zucker auf

dem Feuer aufgelöst, alsdann beides gemischt; nun rührt man das Ganze bei

mäßigem Feuer zu Pappe oder Kleister, legt das Ganze an einen kühlen Ort

und wirkt dann etwas zähen Tragant und noch den nöthigen Puder dazu, um

die Masse ordentlich ausdrücken zu können.

14) Das Aufbewahren der Lebkuchen.

Die Lebkuchen müssen an trocknen Orten in hölzernen Kisten oder Schränken

aufbewahrt werden, worin der Zutritt der äußeren Luft möglichst

abgehalten werden kann. In die Behälter, wo man die Lebkuchen aufbewahrt,

streut man dann und wann gestoßenen Pfeffer und Ingwer zwischen die

Lebkuchen-Packete und legt in die Behälter hie und da wieder einige

Tuchläppchen, auf welche man von Zeit zu Zeit einige Tropfen ätherisches

Pfeffermünzöl und ätherisches Lavendelöl schüttet, auch streut man

Wermuth-Knospen in den Behältern umher. Diese Sachen schützen gegen

Milben und Kerbthiere für längere Zeit. Hat man aber im Monat August

Lebkuchen-Vorräthe, so ist es trotz der genannten Vorsichtsmaßregeln

erforderlich, sie aus den Umschlagspapieren herauszunehmen und sorgfältig

mit einem Borstenbesen abzukehren, um gegen Milben geschützt zu sein.

15) Nürnberger Marcipan ordinär.

Man nimmt 500 Grm. feinen Meliszucker, stößt denselben fein, siebt ihn

durch ein Haarsieb, thut denselben in eine Schüssel, gießt 124 Grm.

Wasser darauf, läßt über Nacht den Zucker auflösen, rührt am Morgen

feines Mehl hinein, daß es ein Teig wird, welcher sich treiben und formen

läßt. Man treibt den Teig von der Dicke eines Guldens aus, sticht mit

einem länglich viereckigen blechernen Ausstecher (welcher der Figur,

welche man formen will, angemessen sein muß), von der aufgetriebenen

Masse aus, setzt sie auf mit Mehl bestreute Bretter, läßt sie über Nacht

auf dem Backofen oder im Trockenstübchen stehen, bäckt sie am andern Tag

im kühlen Ofen auf leicht gestrichenen Blechen, kehrt sie nach dem Backen

gut ab und malt mit dem Pinsel die für die Figuren schicklichen Farben

darauf.

16) Glasirter Marcipan.

Zu 500 Grm. Zucker wird 100 Grm. Wasser genommen und behandelt wie das

Vorige. Dann wird 625 Grm. feines Mehl darunter gearbeitet, ausgestochen,

geformt und sogleich gebacken. Dann wird es glasirt und mit buntem

Streuzucker bestreut.

17) Weißaufgelaufenes Marcipan.

Nimm 500 Grm. Zucker, löse ihn mit 66-2/3 Grm. Wasser auf und behandele

es wie die vorigen. Dann wird 625 Grm. feines Mehl darunter gewirkt,

aufgetrieben, ausgestrichen, geformt, auf Bretter gesetzt, über Nacht

stehen gelassen und auf geschmierten Blechen gebacken. Wenn es schön

werden soll, so muß es einen Querfinger hoch steigen, auf der obern Seite

die Figur deutlich zu sehen sein und auf dem Boden geflossen.

18) Marcipan-Royal.

250 Grm. weiße Mandeln mit Eiweiß so fest und fein wie möglich reiben,

nach und nach 333-1/3 Grm. Zucker untermengen; sind die Mandeln etwa fein

und der Zucker noch nicht alle darin, so wird er vollends eingewirkt, von

dieser Masse werden nun 2 Böden mit Zucker ausgerollt, der eine auf

Oblaten, der andere darauf gesetzt, mit Eiweißglasur glasirt, länglich

geschnitten und gebacken, oder auf dem gefüllten Boden ein einfaches

Gitter gelegt, dann so geschnitten, daß auf beiden Seiten die Hälfte des

Gitters bleibt und dann gebacken, nach dem Backen wird nun in die Mitte

dieser Streifen Citronenglasur gefüllt und mit etwas farbigem Streuzucker

bestreut.

19) Verschiedene Farben.

Roth.

Man nimmt für 3 Pfennige rothe Späne, 2 Finger voll Alaun in etwas Wasser

gekocht, bis der Saft auf dem Daumen steht.

Blau.

Es wird Berliner Blau mit Wasser fein gerieben, dann Gummi dazu gethan

und unter einander gerührt und verbraucht. Oder Kurkume, Blauspäne und

etwas Alaun gekocht, bis der Saft auf dem Daumen steht.

Grün.

Man nimmt grünes Korn vom Felde, oder grüne Veilblätter, stößt sie in dem

Mörser, drückt den Saft durch ein Tuch und rührt denselben mit

Gummiwasser unter einander.

Gelb.

Man nimmt 2 Messerspitzen voll gestoßenen Safran, löst denselben mit

Branntwein auf und drückt denselben durch ein Tuch, gießt den Saft unter

Gummiwasser und verbraucht denselben.

20) Eiersterne.

500 Grm. ausgewaschene Butter, 233 bis 283 Grm. Mehl, von 10

hartgesottenen Eiern das Gelbe, 133-1/3 Grm. Zucker, etwas fein Gewürz;

von diesem Allem mache man einen Teig, treibe ihn noch einmal so stark

als einen Messerrücken aus, steche mit dem Sternförmchen davon aus, und

backe sie auf mit Papier belegten Blechen mit mäßiger Hitze.

21) Mannheimer Konfekt.

1 Eiweiß wird zu Schnee geschlagen, 3 Löffel Hiftenmark werden darunter

melirt, dies wird mit Citrone und Staubzucker angewirkt, und die Masse

mit Zucker ausgerollt. Dann werden beliebige Formen ausgestochen, auf

Papier gelegt und über Nacht auf Brettern zum Trocknen hingestellt. Den

andern Tag nimmt man etwas Eiweiß, rührt feinen Zucker wie zu

Spritzglasur an, giebt etwas Citronensaft dazu und glasirt die Stücke

damit. So müssen sie nun gleich in den Ofen gebracht werden, wo sie bei

guter Hitze gebacken werden.

22) Kleine Masse zu Nürnberger Plätzle.

1 Liter Syrup wird zum Faden gekocht, dann kommt noch 250 Grm. Farin

dazu, das auch mit aufkochen muß, alsdann, wenn die Masse kalt ist, 125

Grm. gestoßener Melis, 66-2/3 Grm. Pomeranzenschale, 33-1/3 Grm.

Tortengewürz, 3 erwärmte Eier und Mehl, bis die Masse zum Ausrollen

richtig ist. Nun muß noch etwas Konditoreisalz hinzugemischt werden, die

Plätzle werden ausgerollt, ausgestochen und auf Butterbleche gebacken.

Die Plätzchen müssen schön in die Höhe gehen und fein reißen wie bittre

Makra; sollten sie nicht richtig ausfallen, das heißt nicht recht in die

Höhe steigen wollen, so kommt noch etwas Trieb hinzu. Wollen sie nicht

recht reißen, so gießt man etwas Wasser in den Ofen. Einige Proben

lehren, was gethan werden muß, damit sie recht werden.

23) Schlußbemerkungen.

Fürs erste glaube man ja nicht, daß das Mehl, das zum Pfefferkuchen

gebraucht wird, nicht die vorzügliche Güte zu haben brauche, die bei

anderem feinen Backwerke als erste Bedingung erforderlich ist, wie Viele

thun, die der Ersparniß wegen blos Roggen- oder ausgeschlagenes Kornmehl

nehmen. Diese thun sich aber selbst den größten Schaden, denn gerade der

Syrup erfordert zur Herstellung guter Waare das beste Mehl, weil derselbe

zu viel Schleimtheile besitzt. Deshalb verlangt der Teig auch mehr Hitze,

und muß man daher sehr vorsichtig zu Werke gehen, wenn die Waare im

Backofen, in Mangel einer Maschine, in welcher man doch allemal die

erforderliche Hitze in seiner Gewalt hat, gebacken werden muß.

Ferner erfordert das Sieden des Zuckers sowohl, als des Syrups, die

sorgsamste Beachtung. Der Kessel oder das Kasserol (Tiegel) verlangt die

größte Reinlichkeit, vorzüglich aber müssen alle Fetttheile entfernt

werden, die hier am nachtheiligsten wirken. Der Schaum und andere

Unreinlichkeit im Zucker und Syrup läßt sich am besten, da er sich im

Sieden schlecht abnimmt, durch Filtriren für allemal beseitigen. Endlich

lasse man Beides, den Zucker, sowie den Syrup, jedes Mal lieber zuviel,

als zu wenig sieden; verringert sich durch die Verdunstung der Masse

etwas, so ersetze man sie durch vermehrten Zusatz, und man ist vor jedem

Nachtheile sicher gestellt. Schließlich nur noch die Bemerkung, daß weder

der gesottene Zuckerteig, noch das Ganze auf keinen Fall bis zum anderen

Tage liegen darf, sondern wegen der sehr leicht sich entwickelnden Säure

sogleich verarbeitet werden muß.

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Der Pfefferkuchenbäcker und Lebküchler · 第 5 / 5 段