Gewöhnlich nimmt man v. 15-20 mit den vorhergehenden Versen 9-14

zusammen; und gegen diesen Abschnitt v. 9-20 als ganzen hat auch

~Stade~ sein Bedenken erhoben. Es ist aber unmöglich, die Verbindung

beider Stücke aufrecht zu erhalten. Der Abschnitt v. 9-20 beginnt mit

einer furchtbaren Drohung gegen die sorglosen Weiber Jerusalems und

schliesst daran die Verkündigung des Unterganges der Stadt, um dann

plötzlich wieder v. 15 ff. in die glänzendste Zukunftsschilderung

einzulenken.

Dieser plötzliche Umschwung in v. 15 ff. schlägt der vorhergegangenen

Ankündigung der Verwüstung Jerusalems zu sehr ins Gesicht, als dass er

nicht Bedenken gegen seine Ursprünglichkeit wachrufen müsste. Sieht

man sich den Übergang von v. 14 zu v. 15 näher an, so erkennt man

dann auch, dass er nicht von dem hergestellt sein kann, der v. 9-14

geschrieben hat. Bisher haben sich allerdings alle Exegeten diesen

Übergang gefallen lassen. Erst ~Duhm~ hat die Unmöglichkeit erkannt,

v. 15 ff. mit v. 9-14 zu verbinden, obwohl er beide Stücke dem Jesaia

als Verfasser zuschreibt.

v. 14 sagt, dass Jerusalem von der Erde verschwinden soll, so dass

auf ihren Trümmern wilde Esel und Herden weiden werden; und das soll

so bleiben עד עולם. v. 15 fährt dann fort: עד יערה עלינו רוח ממרום.

„Dies עד,“ sagt ~Duhm~, „ist so unglücklich wie möglich; denn abgesehen

davon, dass gleich die folgenden Stichen sich nicht mehr von ihm

regieren lassen, kann doch nur ein in Zukunftshoffnung schwelgender

Schriftsteller den Nexus vertragen: Jerusalem wird verwüstet sein auf

ewig, bis dass das Gegenteil eintritt.“ Aber man muss noch weiter

gehen. Denn von dem „Gegenteil“ der Verwüstung, von dem Wiederaufbau

Jerusalems, ist weder in v. 15 noch in den folgenden Versen die Rede.

Es wird darin vielmehr die innere Umwandlung, die Fruchtbarkeit des

Landes und der Friede, der dann im Lande herrschen wird, geschildert,

der Wiederaufbau Jerusalems aber vorausgesetzt. Und doch müsste in

ihnen grade davon die Rede sein, wenn sie auch nur „als scharfer

Gegensatz“ die Fortsetzung von v. 9-14 bilden sollen.

Auch hier hat man darum wieder zur Vergewaltigung des klaren Sinnes

des Textes in v. 14 seine Zuflucht nehmen müssen, um v. 15 ff. auch

nur einigermassen als ursprüngliche Fortsetzung zu v. 9-14 verstehen

zu können. Ob unter ארמון der Königssitz (Cheyne), was doch am

wahrscheinlichsten ist, da das Wort so absolut und im sing. steht,

oder Landhäuser (?) oder Prachtbauten der Magnaten in der Stadt zu

verstehen sind, darüber kann man streiten; ebenso darüber, was בהן

(Wartturm Neh. 3,25 ff.?) und עפל (Hügel, wohl der südliche Teil des

Osthügels 2 Chr. 27,3. 33,4. Neh. 3,26. 11,21) bedeuten soll. Aber

dass in v. 14 nicht blos von einem Verlassen, sondern von Zerstörung

die Rede ist, sollte doch niemand abstreiten. Dillmann sagt zwar, von

Zerstörung sei nicht die Rede, sondern von Verödung, welche durch die

Fortschaffung der Bewohner, zumal der leichtsinnigen Grossen, im

assyrischen Sturm bewerkstelligt wird. Aber eine verödete Stadt, die

zur Wonne für Wildesel und zum Weideplatz für Herden geworden ist, ist

doch wohl auch als zerstört, ja als gänzlich verschwunden gedacht.

Dillmann hat es aber ganz übersehen, sich mit diesem Schlusse von v. 14

auseinanderzusetzen.

Ebenso wie die Thatsache der Verwüstung Jerusalems macht auch die

Drohung, dass es עד עולם so bleiben werde, die Anknüpfung von v. 15

ff. an v. 14 unmöglich. Deshalb hat man versucht, die Bedeutung des עד

עולם abzuschwächen. Dillmann will es „nach עד יערה v. 15“ erklären,

da die Grundbedeutung des Wortes עולם „Dauer“ sei. Aber schon die

Präposition עד giebt dem Worte die Bedeutung „immerdar“. Dillmann führt

für sich die Stelle 1. Sam. 1,22 an. Aber gerade dort bezeichnet עד

עולם den Dienst Samuels vor Jahwe als einen bleibenden im Gegensatze

zu einem nur zeitweiligen. Die Redensart 1 Reg. 1,31 ist aber doch

eben als solche zu verstehen. Endlich erklärt Dillmann selbst das עד

עולם nachher im 17. v. unseres Kapitels: „auf immer, hier (!) ohne

Einschränkung!“

Ist nach alledem v. 15 ff. nicht als ursprüngliche Fortsetzung von v.

9-14 aufzufassen, so verteilen sich nun auch die von Stade erhobenen

Bedenken gegen 9-20 auf die beiden Abschnitte v. 9-14 und v. 15-20,

und zwar so, dass die hauptsächlichsten und stichhaltigsten auf den

letzteren Abschnitt fallen.[46]

Zwar nicht das ist richtig, dass nach v. 15 die Umwandlung der Natur

dadurch vermittelt wird, dass ein Geist aus der Höhe ausgegossen

wird; sondern beides ist zweierlei; die Umwandlung geschieht durch

ein Allmachtswunder Gottes in der Natur, und durch die Ausgiessung

des Geistes werden den Menschen übersinnliche Wunderkräfte verheissen

vgl. Jes. 44,3. Joel 3,1 ff. Sach. 12,10. auch Jes. 11,2 f. Auch gegen

die Bemerkung Stades wendet sich Duhm mit Recht, dass die Älteren die

Bekehrung als Wirkung des göttlichen Gerichts fassen, welches die

Menschen über ihre Sünde belehrt und in ihnen den freien Entschluss

zur Umkehr erweckt. Das Gericht erscheint als Strafe für verweigerte

Busse und nicht als Zuchtmittel. Aber damit wird doch nicht das

sachliche Bedenken Stades entkräftet, dass in v. 16 משפט und צדקה als

dona gratiae, als Geschenk Gottes in jener Zeit verheissen werden. Was

soll denn sonst v. 16? Hier erscheint doch Recht und Gerechtigkeit

ebenso als Verheissungsgut, wie in v. 15 die Ausgiessung des Geistes

und die Umwandlung der Natur. Und dazu ist allerdings Ez. 36,24 ff.

zu vergleichen. Die detaillierten Angaben dieser Stelle sind in v. 16

ebenso vorausgesetzt wie in v. 15 die oben angeführten Weissagungen

über die Geistesausgiessung. Dass letztere so kurz erwähnt wird, als

wüsste der Leser schon, was sie zu bedeuten hat, giebt auch Duhm zu; er

meint aber, dass vor v. 15 etwas ausgefallen sei. Aber wenn das auch

so wäre, so könnte das kaum eine Erklärung über die Geistesausgiessung

oder deren Wirkung gewesen sein; diese könnte nach der Konstruktion

des Satzes höchstens folgen, nicht vorhergehen, v. 15 b kann man

ebenso gut eine unglückliche Wiederholung von c. 29,17 nennen, wie

diesen Vers als Nachahmung von v. 15 bezeichnen. Keiner von beiden

trägt Züge der Ursprünglichkeit. Duhm hält unseren Vers für das jesaj.

Vorbild und erklärt ihn so: Die Wüste soll Fruchtgarten werden und

dieser Fruchtgarten soll wie ein Wald mit fruchtbaren Bäumen bewachsen

sein. Das ist doch nur eine verlegene Umgehung der Erklärung Guthes,

nach welcher יער Steigerung zu כרמל bildet. Aber יער heisst (wildes)

Waldgebirge und nicht Park oder Obstgarten. Freilich passt die

gewöhnliche Erklärung des zweiten Gliedes unseres Verses als Gegensatz

zum ersten nicht in den Zusammenhang der Verheissungen; aber der

einfache Wortlaut besagt nichts Anderes. Die Wüste soll Fruchtgarten,

dieser wildes Waldgebirge werden. Die grosse Umwälzung gehörte eben

zum eschatologischen Dogma, und die Verbindung der hierzu gehörigen

Aussagen kümmerte die späteren Eschatologiker wenig; je bunter, um so

besser. Ist es nicht schon bunt genug, dass in unserm kleinen Stücke

erst (v. 15a) von der Ausgiessung des Geistes geredet wird, dann in

v. 15b von der Naturumwälzung; dann wieder in v. 16 von der inneren

Umwandlung der Menschen; in v. 17 f. von dem allgemeinen Frieden und

der Sicherheit vor Feinden; in v. 19 von dem Untergange der Heiden und

endlich in v. 20 noch einmal mit einem Segenswunsche abschliessend von

dem Glücke und wunderbaren Aufblühen der Landwirtschaft! Gegenüber

diesem wirren Durcheinander hat man gewiss kein Recht, bei der Exegese

der einzelnen Verse auf den inhaltlichen Zusammenhang derselben unter

einander allzugrossen Wert zu legen. Vielmehr zeigt sich hier ein sehr

äusserlicher Anschluss an die Form und den Ausdruck der Gedanken. Das

werden wir gleich sehen, wenn wir uns nun den einzelnen Versen unseres

Abschnittes weiter zuwenden.

Für v. 16 wird nämlich Stade Recht behalten müssen, wenn er sagt, dass

sich dieser Vers mühsam an dem in v. 15 gegebenen Gegensatze weiter

spinnt. Denn die מדבר in der nach v. 16 das Recht wohnen soll, ist

doch eigentlich nach v. 15 gar nicht mehr vorhanden, sondern zum כרמל

geworden! Wenn Duhm das damit entschuldigt, dass für eine Viehzucht

treibende Bevölkerung eine מדבר (hier in der Bedeutung Trift) vorhanden

sein muss, und diese nur weiter in die Wüste hineingeschoben zu denken

sei, so ist das schon recht gut; aber dieser erklärende Zwischengedanke

steht doch eben nicht da, und v. 16 knüpft in der Form so eng an v. 15

an, dass man zuerst an die in v. 15 erwähnte מדבר denken muss. Dieser

Anschluss ist also jedenfalls nicht sehr geschickt, sondern „mühsam“.

In v. 17 beseitigt Duhm die Anstösse: er streicht das zweite צדקה

liest statt „‏השקט‎“ „‏המשפט‎“, lässt die Kopula vor בטח weg und

erklärt endlich עד עולם für einen müssigen Zusatz. Ob solche

weitgehenden Korrekturen in dem sonst gut erhaltenen Texte, zumal

sie nicht eigentlich Fehler, sondern nur Ungeschicklichkeiten der

Form beseitigen, erlaubt sind, dürfte doch die Frage sein. Duhm

unternimmt die Korrekturen auch nur unter der Voraussetzung, dass das

Stück jesajanisch sei. Inhaltlich bleiben freilich auch so nur leere

Allgemeinheiten und abstrakte Begriffe übrig. Jesaia würde kaum so

allgemein von einer מעשה העדקה und עבדת המשפט geredet haben; er hätte

sich gewiss konkret ausgedrückt.

Von v. 18 giebt auch Duhm zu, dass derselbe „unstreitig einen etwas

leeren Eindruck macht;“ die Schilderung ist überladen; die drei

Ausdrücke „Wohnstätten des Friedens“, „sichere Wohnungen“ und „sorglose

Ruhesitze“ besagen doch ganz dasselbe. Das ist freilich nicht Jesaias

Art; wo aber sonst schon Anzeichen für spätere Abfassung vorliegen, ist

das nur ein weiteres Kennzeichen der Unechtheit, und man hat kein Recht

mehr, nur der ungeschickten Form wegen Varianten anzunehmen. Merkwürdig

ist auch der Ausdruck עמי; das Subjekt des suff. ist vielleicht Gott;

in v. 15 heisst es עלינו, in v. 20 אשריכם. Solcher Wechsel in der

Person ist bei Späteren häufig; vgl. auch c. 33,1 mit 2 und 3; ebenso

v. 14 ff.

v. 19 findet auch ~Duhm~ wieder „vollends sonderbar und unbegreiflich“.

Und das mit Recht. Denn mitten in der Schilderung der goldenen Zeit

redet dieser Vers plötzlich von den Schrecken des Gerichts. Allerdings

thut er das so dunkel, dass die Ausleger schon immer geschwankt haben,

ob sie dieses Gericht auf Jerusalem oder Assur beziehen sollten.

Auf beide passt der Wortlaut und Zusammenhang gleich schlecht.

Versteht man, wie die meisten Ausleger es thun, unter יער im 1. Gl.

den Assyrer, so ist im 2. Gl. der Ausdruck עיר für die Bollwerke

der feindlichen Weltmacht nicht grade glücklich gewählt. Dillmann

und andere beziehen den Vers deshalb auf Jerusalem: „Daran muss der

Prophet, gemäss der Endabsicht des Stückes, noch einmal kurz erinnern,

dass ohne schweres Zorngericht und tiefe Beugung es nicht abgeht.“

So findet sich ~Dillmann~ mit der gradezu unerhörten Stellung dieses

Verses mitten unter den glänzendsten Zukunftsbildern ab! Entkräften

lassen sich solche Behauptungen nicht mehr; man wird ihnen einfach

die entgegengesetzte gegenüber stellen müssen: Wenn in diesem Verse

Jerusalem bedroht wäre, so könnte er nicht dem Zusammenhange angehören.

~Duhm~ meint, dass der Vers vielleicht einem Gedichte über ein fremdes

Volk entnommen und von einem Leser, dem er bei v. 14 (?) eingefallen

sei, an den Rand geschrieben worden sei. Dann bleibt doch völlig

unerklärt, wie er später grade an die unpassende Stelle gekommen sein

soll, an der er jetzt steht. An seiner jetzigen Stelle kann er nur auf

die feindliche Weltmacht bezogen werden und ist nur dann erklärlich,

wenn er sowohl wie seine Umgebung nicht von Jesaia stammt. Denn für

die späten Eschatologiker fallen die Bedenken hin. Gehört der Inhalt

nur zum eschatologischen Dogma, so hat er sein Recht im Zusammenhange

erworben. Der Ausdruck יער für den Assyrer ist aus c. 10,18. 33 f.

verständlich. Unter der Stadt sind die feindlichen Bollwerke zu

verstehen wie in c. 24 ff. Der Ausdruck עיר scheint mir lediglich

als Parallele gewählt zu sein, um den schon sonst durch Paronomasien

gezierten Vers möglichst künstlich zu gestalten. Denn ich glaube mit

Stade, dass im Anfange des Verses ברר eigens vom Verfasser gebildet

ist, um mit dem folgenden ברדת zu assonieren, und dass deshalb nicht

mit Secker u. a. ירד zu lesen ist. Im zweiten Versgliede entspricht dem

ja auch das unglückliche בשפל תשפל. So erklären sich wenigstens alle

Schwierigkeiten und Wunderlichkeiten dieses Verses.

Die Seligpreisung aller, die die goldene Zeit erleben, beschliesst den

Abschnitt. Freilich ist auch hier der Inhalt dessen, was gemeint ist,

nicht aus dem Wortlaute allein, sondern nur aus seiner Verbindung mit

dem als bekannt vorausgesetzten eschatologischen Dogma zu gewinnen.

Denn eine Glücklichpreisung der Nomaden oder Landbewohner als solcher

ist natürlich hier nicht gemeint. Ebensowenig stellt der Vers den Lohn

treuer Arbeit in Aussicht. Sondern das זרעי על נל מים will sagen, dass

in jener Zeit die Bäche nie versiegen werden Job. 6,15. Jes. 58,11;

und das zweite Versglied weist darauf hin, dass die Prärie fruchtbar

und völlig gefahrlos sein wird. Ob Jesaia von seinen Zeitgenossen

so verstanden wäre? Der, der v. 20 geschrieben hat, hat doch wohl

bei seinen Lesern die Bekanntschaft mit dem eschatologischen Dogma

vorausgesetzt.

Es hat sich uns gezeigt, dass nicht nur der Abschnitt c. 32,15-20

als solcher nach Inhalt und Form, sondern auch jeder einzelne

Vers desselben die Spuren später Herkunft trägt. Es kann darum

von jesajanischer Abfassung desselben keine Rede sein. Die genaue

Bekanntschaft mit dem eschatologischen Dogma, die er voraussetzt und

seine Berührungen mit spätjüdischen Schriften (Job. Joel. Jes. 24 ff.)

zwingen sogar, für die Zeit seiner Entstehung bis tief ins zweite

Jahrhundert hinabzugehen. Genaueres über die Zeit seiner Herkunft lässt

sich natürlich nicht sagen, da sein Inhalt zu allgemein ist.

Lebenslauf.

Ich, ~Martin Brückner~, evangelischer Konfession, bin am 16. Juni

1868 zu Friedersdorf bei Goerlitz geboren. Mein Vater ist Pastor und

Königlicher Kreis-Schulinspektor zu Gersdorf bei Goerlitz. Ihm habe

ich die Grundlage meiner Bildung zu verdanken. Von Tertia an war ich

Alumnus auf der Königlichen Landesschule Pforta. Diese verliess ich

Ostern 1888 mit dem Reifezeugnis, um in Tübingen, Leipzig und Halle

acht Semester Theologie zu studieren. Ich besuchte Vorlesungen und

Seminare bei folgenden akademischen Lehrern: Beyschlag, Brieger, Buder,

Erdmann, Fricke, Gunkel, Guthe, Haupt, Hering, Kaehler, Koestlin,

Kautzsch, Loofs, Spitta. Im Februar 1893 bestand ich in Halle die erste

theologische Prüfung, absolvierte den Seminarkursus in Liegnitz und war

ein Jahr in Pommern als Hauslehrer thätig. Ostern 1894 wurde ich in das

Predigerseminar zu Wittenberg aufgenommen, wo ich an den theologischen

und pädagogischen Vorlesungen und Uebungen der Herren Sup. D. Quandt,

Prof. D. Reinicke und Prof. Schmidt teilnahm. Im Mai 1895 wurde ich als

Pastor nach Altraudten bei Raudten berufen.

Allen meinen verehrten Lehrern sage ich für vielfache Anregung und

Förderung auch an dieser Stelle aufrichtigen Dank.

FUSSNOTEN:

[1] Das Buch Jesaia übersetzt und erklärt. Göttingen 1892.

[2] Die Zukunftserwartung des Jesaia. Göttingen 1893.

[3] Hackmann a. a. O. S. 7 Anm.

[4] S. 71

[5] Mit Ausnahme des ersten und letzten Stückes, die besonders

besprochen werden müssen.

[6] Denselben Bau im Anfange zeigt auch das kurze Stück c. 29,15.

[7] Mit Ausnahme von c. 28,1-4 und 32,9-14.

[8] Bezüglich des Schlusses könnte man sich ja zur Not mit c. 31,4

begnügen. Aber der oben nachgewiesene grobe Missverstand vieler

Exegeten in der Auslegung des Bildes vom knurrenden Löwen über seiner

Beute zeigt doch, dass dies allzukurze Wort ein nicht völlig genügender

Abschluss des Ganzen ist. c. 31,1-3 redet von der Vernichtung der

beiden verbündeten Heere: „Da stürzt der Schützer und fällt der

Geschützte“ v. 4 soll nun jedenfalls in gewaltigem Bilde vom Löwen

den Untergang der Stadt Jerusalem malen. Aber Jesaia sagt in diesem

Verse nur, dass sich Jahwe im wilden Heerzuge der Assyrer auf

Jerusalem stürzen wird. Was dann geschieht, sagt Jesaia nicht mehr.

Wahrscheinlich ist, dass der Schluss weggefallen ist; möglich ist aber

allerdings auch, dass sich Jesaia mit der Andeutung durch das kurze,

aber packende Bild begnügt hat. Das konnte sich jeder selber ausmalen,

wie es der Beute unter den Tatzen des knurrenden Löwen ergehen würde;

und Jesaia hat auch sonst nicht, auch nicht in dem Bilde vom Weinberge

c. 5. die Zerstörung Jerusalems mit dürren Worten ausgesprochen.

[9] S. 48.

[10] Zu c. 30,8 S. 195.

[11] ~Duhm~, Kommentar S. 195.

[12] S. 49.

[13] a. a. O. S. 22 ff., cf. S. 62 ff., vgl. auch ~Duhm~ Comm. zu den

Stellen.

[14] Hackmann will zwar der viel grösseren Leichtigkeit des

Verständnisses wegen (S. 67) v. 18 ff. auf Israel bezogen wissen; aber,

wie mir scheint doch mit Unrecht. Denn die ganze Schrift c. 7 f. ist

gegen Juda geschrieben; da hätte doch eine solche Expektoration über

das Geschick Nordisraels wenig Sinn. Freilich, direkte Fortsetzung der

Rede v. 13-16 ist v. 18 ff. nicht; v. 17 ist vom Redaktor und v. 18

ff. sind stark überarbeitet (vgl. schon das ewige ביום ההיא v. 18. 20.

21. 23). Die Verse haben hinter c. 7 ursprünglich vielleicht dieselbe

Bedeutung gehabt, wie c. 8,5 ff. hinter c. 8,1-4: Sie sprechen das

Urteil Jesaias resp. Jahwes aus; aber nicht als Rede Jesaias an den

König, sondern nur in schriftlicher Darstellung. Vielleicht haben v.

18 ff. einst hinter c. 8,1-4 gestanden und sind vom Redaktor erst

verbessert und vermehrt an ihren jetzigen Platz gestellt, um die

messianisch verstandene Immannuelweissagung etwas zu verlängern und zu

verzieren.

[15] Vgl. darüber Duhm Comm. S. 49 ff., und Hackmann a. a. O. S.

62-70. Die Annahme eines ursprünglich geschichtlichen Zusammenhanges

der Stücke in c. 7 f. beseitigt jedenfalls sonst unüberwindliche

Schwierigkeiten für die Annahme jesajanischer Herkunft derselben, die

sich für einzelne Partien (c. 7,2-16, c. 8,1-4, 14 f. 16-18) doch

immer aufdrängt. Hervorgehoben sind die Schwierigkeiten von c. 7

namentlich von de Lagarde Sem. I. 9 ff. und Studer J. P. Th. V. 76 ff.

Andererseits meint schon Ewald (I. 320. 329 f.), dass die Erzählungen

dieses Stückes einst vollständiger gewesen seien, und auch Dillmann

(Comm. S. 62) giebt es als Eigentümlichkeit des Stückes c. 6-9,6 an,

dass es „geschichtlich angelegt ist“. Der Redaktor, der es bearbeitet

und in seine Sammlung (c. 6-9,6) aufgenommen hat, hat es natürlich

„messianisch“ behandelt. Das zeigt seine eigene Weissagung c. 9,1-6.

Er dichtet dem Messias einen dritten Namen an, der noch länger ist

als der in 8,1-4 genannte und auf die beiden anderen Bezug nimmt. Aus

dem Immanu-el hat er sein El gibbor, aus dem chas-baz sein abi-ad

(daher nicht Ewigvater, sondern Beutevater). Der „Wunderrat“ entstammt

vielleicht dem wunderbaren אות c. 7,10. Der „Friedefürst“ ist eigene

Zuthat, weil das Hauptmerkmal des Messias in seinem Namen nicht fehlen

durfte.

[16] Das tröstliche Schlusssätzchen ist unecht und fehlt noch in LXX.

Vielleicht sind überhaupt v. 12 f. zu streichen. Sie bringen gegenüber

v. 11 nichts Neues, reden vielmehr von einer zweimaligen Deportation,

nachdem in v. 11 das Land schon menschenleer geworden war. Vgl.

hierüber Duhm Comm. S. 48.

[17] Die Möglichkeit so später Niederschrift ist nicht zu bezweifeln

cf. Duhm zu c. 6. Für Jesaia war das eine ebenso glänzende wie

innerlich wahre Rechtfertigung seines erfolglosen Wirkens, dass er

dennoch den göttlichen Zweck seiner Sendung erfüllt habe. -- Dass c. 6

jetzt vor c. 7 und nicht vor c. 28 steht, rührt daher, dass es zeitlich

dahin gehört und wahrscheinlich schon bei der ersten Gesammtausgabe der

drei Schriften Jesaias an diesen Platz gestellt ist.

[18] Zu c. 22 vgl. namentlich Hackmann a. a. O. S. 108 f.

[19] Über die in c. 1-5 aufbewahrten Stücke urteilt Hackmann S. 49,

dass sie von Anhängern und Freunden des Propheten niedergeschrieben

sind, da sich für den Propheten kein Motiv zur Fixirung der meist

kurzen Sprüche finden lasse. Indessen besteht vielleicht auch

die Möglichkeit, dass einzelne von ihnen früher den grösseren

geschichtlichen Darstellungen angehört haben. Zu 3,6 bemerkt Duhm: „Der

Eingang (ויאמר יהוה) legt die Vermutung nahe, dass das Stück einst

einem grösseren Zusammenhange angehörte.“ Auch die Weherufe in c. 5

sind wohl aus ursprünglich anderen Zusammenhängen hergenommen, denn sie

stehen bunt durcheinander. Vgl. z. B. c. 5,18 ff. mit c. 28,9. 22 ff.

c. 30,10.

[20] Näheres s. Hackmann a. a. O. S. 80 ff.

[21] Juda und die assyrische Weltmacht: S. 5 ff.

[22] a. a. O. S. 92-97., 108 f.

[23] Comm. S. 221.

[24] ~Hackmann~ a. a. O. S. 136 ff.

[25] ~Wellhausen~: Israelitische und jüdische Geschichte. 1894. S. 165.

[26] a. a. O., S. 164.

[27] Comm. S. 188.

[28] Comm. S. 216 ff.

[29] S. zum Folgenden Stade, Geschichte d. V. J. I. 614 ff. Wellhausen.

Gesch. d. j. V. S. 85 f.

[30] c. 30,9 ff.

[31] Vgl. auch Duhm Comm. S. XVI: „So viel Jesaia geschrieben hat,

so ist er doch kein Schriftsteller von Beruf; er schreibt teils aus

dem allgemeinen Grunde, dem mündlich gesprochenen Worte eine grössere

Ausbreitung und nachhaltigere Wirkung zu geben, teils zu dem besonderen

Zwecke, um gegenüber dem Unglauben der Mehrheit seines Volkes

Beweisstücke für die richtige Vorhersagung der Ereignisse zu schaffen.“

[32] Vgl. hierzu Hackmann a. a. O. S. 47.

[33] Das kommt vielleicht daher, dass man mit dem Buche, das nur

Drohungen enthielt, nach dem Exil zuerst nichts Rechtes anzufangen

wusste. Uebrigens mögen wohl auch die geschichtlichen Partieen schon

früher mehr vernachlässigt worden sein, da man an ihnen natürlich

immer das geringere Interesse haben musste, zumal sie obendrein mit

der späteren Sage von Jesaias Stellung zur Zerstörung Jerusalems nicht

stimmten. Nötig ist aber diese Annahme zur Erklärung ihrer Ausscheidung

nicht. Jene Zeit stand solchen geschichtlichen Stoffen völlig kritiklos

gegenüber.

[34] c. 31,6. Der Apokalyptiker hat bei dieser Deutung freilich

nicht das ägyptische Bündnis, sondern den Abfall seiner Zeit, die

Bilderverehrung, im Sinne, wie v. 7 deutlich zeigt.

[35] Das spricht er freilich nicht aus, weil es ihm und seiner Zeit für

selbstverständlich galt. Bewiesen ist es aber für uns durch die Art und

Weise, wie er seine Trostsprüche von der Zukunft mit jenen Drohreden

verbunden hat: c. 29,17. 30,18. 32,15. 29,5 f. Aus diesen Stellen geht

deutlich hervor, dass der Verfasser den Eintritt der goldenen Zeit

in engen zeitlichen Zusammenhang mit dem Eintreten der Drohgerichte

bringt, und dass er sein Volk gerade durch diesen Hinweis belehren und

trösten will. Daraus ergiebt sich, dass er die Drohweissagungen in

seiner Gegenwart erfüllt sieht.

[36] Die Wahl dieses gegen Samarien gerichteten Stückes zeigt wieder

deutlich die völlige Kritiklosigkeit des Verfassers.

[37] Comm. S. 258.

[38] Eine Zusammenstellung der verschiedenen Auslegungen bei Dillm. a.

a. O. S. 258.

[39] Studien u. Kritiken 1893. S. 1-46.

[40] Comm. S. 257.

[41] Comm. S. 178 f., vgl. auch Hackmann a. a. O. S. 40.

[42] Das Zukunftsbild des Jesaia. Akad. Antrittsvorles. Leipzig 1885.

[43] Guthe findet in dem „Klopfen“ des Kümmels und „Dreschen“ des

Brotes den Unterschied, dass Israel die härteren, Juda die milderen

Strafen zu erleiden hat. Aber beides bezeichnet dieselbe Sache. Dill

wird eben geklopft, Korn mit der Schleife gedroschen.

[44] Auch c. 1,4 ff. nicht. Von Vergebung und Ende der Plagen ist

da keine Rede. v. 8 Schluss und v. 9 scheinen mir Glossen zu sein.

Das כעיר נצורה passt nicht zu den vorhergehenden Bildern und scheint

hinzugesetzt, weil diese zu respektswidrig sind. In v. 9 deutet sowohl

שריו als כמעט als auch der anders wie in v. 10 gestimmte Vergleich mit

Sodom und Gemorrha auf spätere Zeit.

[45] Genaueres über die Verbindung des Abschnittes mit dem Vorstehenden

S.

Die Komposition des Buches Jes. c. 28-33. · 第 6 / 7 段