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Anmerkungen zur Transkription:
Der vorliegende Text wurde anhand der Dissertation des Pastors
Martin Brückner (ohne Jahresangabe) so weit wie möglich
originalgetreu wiedergegeben. Einige Satzzeichen und Umlautpunkte
waren nur undeutlich erkennbar und wurden sinngemäß hinzugefügt.
Zahlreiche Lettern waren kopfstehend in den Drucksatz eingefügt,
was u.a. regelmäßig zu Verwechslungen zwischen den Buchstaben
‚u‘ und ‚n‘ führt. Diese und alle anderen offensichtlichen
typographischen Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
Personennamen wurden meist gesperrt gedruckt, was allerdings
nicht durchgehend beibehalten wurde. Die Großbuchstaben Ä und Ü
wurden teilweise direkt in Form der Umlaute, zum Teil auch in
deren Umschreibung (Ae, Ue) dargestellt. Einige Begriffe wurden
in unterschiedlichen Schreibweisen nebeneinander verwendet (z.B.
‚Szene‘ und ‚Scene‘). In allen diesen Fällen wurden hinsichtlich
des vorliegenden Textes keinerlei Änderungen vorgenommen.
In der Fußnote [4] wurde die Seitennummer (71) des Anhanges
hinzugefügt. Der Fußnotenanker zur Fußnote [12] fehlt im
Originaltext; dieser wurde vom Bearbeiter willkürlich an den
Schluss des ersten Absatzes der betreffenden Buchseite gesetzt, da
der Sinn des Textes die genaue Stelle nicht zwingend nahelegt. Die
Seitenangabe in der Fußnote [45] ist im Original nicht vorhanden
und muss deshalb in der vorliegenden Ausgabe offenbleiben.
Gesperrt gedruckte Passagen wurden mit ~Tilden~ gekennzeichnet.
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Die Komposition des Buches Jes. c. 28-33.
Inaugural-Dissertation
zur
Erlangung der Doktorwürde
bei der
philosophischen Fakultät der Universität Leipzig.
Eingereicht
von
Martin Brückner, Pastor.
Inhaltsangabe:
Seite:
Einleitung 1-3
I. Die jesajanischen Stücke:
Ihre innere Zusammengehörigkeit 3-14
a) Ihre Gleichartigkeit nach Form und Inhalt 3-8
b) Ihr sachlich-chronologischer Zusammenhang 9-14
Ihre äussere Unvollständigkeit und Zusammenhangslosigkeit 14-24
a) Die mangelhaften Eingänge 14-21
b) Das Fehlen redaktioneller Verbindung 21-24
Die Herkunft der jes. Stücke aus einem grösseren
geschichtlichen Zusammenhange 25-34
a) Die verschiedene Redeform der einzelnen Stücke 25-30
b) Die Eingänge von c. 28,7. 28,14. 29,19. 30,8. 31,4 30-34
Bestätigung des gewonnenen Resultates 34-48
a) Die kurzen Stücke 34-37
b) Die geschichtlichen Darstellungen in c. 6-8,18
Zusammenfassung. c. 32,9-14 37-48
II. Die nichtjesajanischen Stücke:
Ihr Verhältnis zu den jesajanischen Stücken 48-54
Ihr Verhältnis zu einander 54-61
Die Fortsetzungen jesajanischer Stücke 54-56
Die selbstständigen Stücke 56-61
Resultat und Abfassungszeit 62-65
III. Zusammenfassende Darstellung der Entstehungs-Geschichte
des Buches Jes. c. 28-33 65-69
Schlussbemerkungen 69-71
Anhang:
c. 28,23-29 71-77
c. 32,15-20 77-84
Im ersten, ungedruckten Teile der vorliegenden Dissertation ist
namentlich auf Grund der von ~Duhm~ in seinem Kommentare zu Jesaia[1]
und von ~Hackmann~ in seiner Schrift über die Zukunftserwartung
des Jesaia[2] vorgenommenen Untersuchungen eine eingehende Analyse
des Buches Jes. c. 28-33 gegeben worden. Dieselbe hat zu folgendem
Resultate geführt:
1. Von Jesaia stammen folgende Stücke: c. 28,1-4, v. 7-13, v. 14-22, c.
29,1-3. 4a. 7, v. 9 f., v. 13 f., v. 15, c. 30,1-5, v. 6 f., v. 8-17,
c. 31,1-4, c. 32,9-14.
2. Die übrigen Abschnitte: c. 28,5 f., v. 23-29, c. 29,4b. 5 f. 8, v.
11 f., v. 16-24, c. 30,18-26, v. 27-33, c. 31,5-9, c. 32,1-8, v. 15-20,
c. 33 gehören einer späteren Zeit an.
Schon ~Duhm~ und ~Hackmann~ sind bei ihren Untersuchungen über die
Entstehung unseres Buches unabhängig von einander[3] in der Hauptsache
zu auffallend gleichem Resultate geführt worden.
Die Ergebnisse meiner Untersuchungen stimmen meist mit denen
~Hackmanns~ überein und sind nur eingehender begründet worden, als es
für ~Hackmann~ im Rahmen seiner Schrift möglich war.
Zu bedeutenderen Abweichungen in der Analyse bin ich nur in betreff
der beiden Stücke c. 28,23-29 und c. 32,15-20 gekommen. Die Begründung
meiner Stellungnahme zu beiden Stücken soll deshalb der vorliegenden
Schrift in einem Anhange beigefügt werden.[4]
Es ist nun die Aufgabe der vorliegenden Abhandlung, nachzuweisen, wie
es gekommen ist, dass die verschiedenen Bestandteile des Buches Jes.
c. 28-33 zu dem vorliegenden Buche zusammengeschmolzen sind. Wir haben
also die Entstehungsgeschichte des Buches zu rekonstruieren.
Diese positive Arbeit der Kritik ist ebensosehr wünschenswert wie
notwendig.
Sie ist wünschenswert zur eigenen Rechtfertigung der kritischen Arbeit.
Denn es würde sich ja sonst die Frage erheben, wie es möglich sei,
dass ein Buch aus so disparaten Bestandteilen entstanden und zu einem
Ganzen zusammengewachsen sei. Stellt es sich aber heraus, dass sich
für die Beantwortung dieser Frage wissenschaftlich wohl zu begründende
Hypothesen aufstellen lassen, so erhält dadurch die Richtigkeit der im
ersten Teile gewonnenen Resultate eine neue und starke Stütze. Denn
bisher sind alle Versuche gescheitert, die Komposition unseres Buches
oder einzelner Kapitel desselben, namentlich des c. 28, bei Annahme
jesajanischer Autorschaft zu erklären.
Wünschenswert ist die Beantwortung der Frage nach der
Entstehungsgeschichte unseres Buches auch aus sachlichen Gründen.
Einmal wird erst dadurch Zweck und Anlage des Buches klar, wenn man
weiss, wie es entstanden ist, und sodann wirft die Erkenntnis der
Entstehung des Buches auch ein Licht auf die Verfasser und ihre ganze
Zeit.
Diese sachlichen Rücksichten machen die Arbeit aber auch notwendig. Die
Aufgabe der Kritik erschöpft sich keineswegs damit, dass vorhandene
Anschauungen zerstört oder als irrig nachgewiesen werden, sondern es
ist vielmehr das Ziel und der eigentliche Zweck derselben, an Stelle
der alten Anschauungen neue, der Wahrheit entsprechendere zu setzen.
Wenden wir uns nun der Lösung dieser Aufgabe an unserem Buche selbst
zu, so ergeben sich aus dem im ersten Teile unserer Untersuchung
festgestellten Charakter des Buches ganz von selbst zwei Teile zur
Behandlung des vorhandenen Materials:
1. Die jesajanischen Bestandteile des Buches.
2. Die nichtjesajanischen Stücke desselben.
Im ersten Teile wird zu fragen sein, ob die jesajanischen Bestandteile
unseres Buches ein zusammengehöriges Ganze für sich bilden, oder woher
sie, falls und soweit das nicht der Fall ist, entnommen sind.
Sodann wird zu untersuchen sein, ob und wie weit die nichtjesajanischen
Stücke von dem Hersteller des Buches selbst verfasst oder auf
verschiedene Autoren zurückzuführen sind.
Als Abschluss des Ganzen soll dann aus den gewonnenen Resultaten
in kurz zusammenfassender Darstellung ein Ueberblick über die
Entstehungsgeschichte unseres Buches gegeben werden, wobei vor allem
Zweck und Anlage des Buches berücksichtigt werden müssen.
Auf diese Weise werden wir in der Beantwortung der Frage nach der
Komposition des Buches Jesaia c. 28-33 zu annähernd sicheren Resultaten
gelangen können.
I.
Wir haben es also zunächst mit den jesajanischen Bestandteilen unseres
Buches zu thun.
Wenn man die oben angegebenen jesajanischen Stücke des Buches c. 28-33
hintereinander durchliest[5], so fällt zunächst ein doppeltes auf, das
man sonst im ganzen Jesaia-Buche nicht wieder antrifft, nämlich einmal
der durchweg gleichartige Charakter der einzelnen Stücke, und sodann
die innerhalb derselben erkennbare chronologisch-sachliche Entwicklung.
Auf beides ist im ersten Teile der Untersuchung schon hingewiesen
worden, muss aber an dieser Stelle noch näher eingegangen werden. Was
die Gleichartigkeit aller dieser Stücke betrifft, so bezieht sich diese
sowohl auf die Form als auch auf den Inhalt derselben. Schon ganz
äusserlich, in wiederkehrenden Wendungen und Gedanken, fällt diese
Gleichartigkeit auf. Bezüglich des Ausdruckes ist hinzuweisen auf das
immer wiederkehrende הוי im Anfange der Rede c. 29,1. 29,15. 30,1.
31,1; ferner auf das העם חזה 28,11. 28,14. 29,13. vgl. ferner die
Wendungen und Gedanken c. 28,12 mit c. 30,15; c. 29,15 mit c. 30,1 und
31,1; c. 28,7 f. mit c. 29,9 f; c. 30,5 mit c. 30,7; c. 30,1 mit 30,9;
c. 28,21 mit 29,14 und c. 31,2 (c. 28,11); c. 28,15. 17b. 18a. mit c.
30,2 f.
Sämmtliche Stücke enthalten Drohworte, sei es in Form der Rede oder
Schilderung. Die Adressaten der Reden sind immer die Leiter des Volkes,
die Propheten und Priester oder die weltlichen Würdenträger; an sie
sind die Drohreden gerichtet, die aber doch immer in ihrem Verlaufe das
ganze Volk bedrohen.
Endlich ist auch die Anlage der Reden meist gleichartig: erst kommt der
Grund der Drohung, dann folgt die Drohung selber. So ist es c. 28,9 ff.
c. 28,14 ff. c. 29,13 f. c. 30,1 ff. c. 30,8 ff. 31,1 ff. Dabei ist
auch die äussere Gleichmässigkeit der Form zu beachten; mehrere Reden
wiederholen das Schema: לכן כה אמד יהוה — יען כי vgl. c. 28,15. 16 mit
c. 29,13. 14. und c. 30,12; c. 30 und 31 sind ganz parallel gebaut.[6]
Sehen wir nun auf den Inhalt der Drohungen und ihrer Begründung, so
ergiebt sich auch hier eine durchgehende Gleichartigkeit. Ganz deutlich
ist es in c. 30 und 31 ausgesprochen, um was es sich bei den Drohreden
Jesaias handelt, nämlich um das ägyptische Bündnis. Die Volksleiter
führen damit einen Beschluss aus, der nicht von Jahwe ist, und um
dessentwillen sie seinen Mund nicht befragt haben c. 30,1 f. c. 31,1.
Es ist an diesen Stellen nicht nur ausgesprochen, dass sich Jesaias
Drohreden wider das ägyptische Bündnis richten, sondern auch zugleich
gesagt, warum sie das thun, nämlich weil der Anschluss an Aegypten
wider Jahwes Willen ist; weil sie sich damit nicht nur an fremde Hülfe
wenden, sondern das auch thun mit Umgehung Jahwes und seines Propheten.
Halten wir diese Begründung fest, dann wird es klar, dass auch in
den vorhergehenden Stücken nur von diesem ägyptischen Bündnisse die
Rede sein kann. Am durchsichtigsten ist das noch bei c. 29,15. Hier
weist nicht nur die ganze parallele Anlage, sondern auch der Ausdruck
עצה darauf hin, dass unter dem Beschluss, den man vor Jahwe und seinem
Propheten verbergen will, derselbe gemeint ist, wie in c. 30,1 f.,
nämlich „hinabzuziehen nach Aegypten um Hülfe“.
Aber schon in c. 29,13 f. scheint von diesen politischen Dingen nicht
mehr die Rede zu sein. Es scheint vielmehr nur ganz allgemein die
ethische Seite der Religion gegenüber dem blos äusserlichen Kultus
hervorgehoben zu werden. Indessen glaube ich einmal, dass man immer
gut thun wird, sich bei den Aussprüchen der alten Schriftsteller,
namentlich der bedeutenderen unter ihnen, nicht bei allgemeiner Deutung
zu beruhigen, sondern nach besonderen, konkreten Beziehungen zu fragen,
und sodann scheint mir hier die an den Ausspruch angeknüpfte Drohung
auf ein bestimmtes Faktum hinzuweisen. In v. 14b wird gesagt, dass sich
die Weisheit der Weisen des Volkes verstecken, und die Einsicht seiner
Einsichtigen untergehen wird. Die Drohung geht also auf die Leiter des
Volkes, die sich in ihren Plänen verrechnet haben werden. Das führt uns
im Blicke auf die folgenden Stücke auf das ägyptische Bündnis oder auf
damit zusammenhängende Maassnahmen, etwa den Abfall von Assur. Dann
lässt sich aber auch v. 13 gut auf diese politischen Dinge deuten. Die
Entfernung des Herzens von Jahwe besteht darin, dass man ihn nicht um
Rat fragt, dass man in Ungehorsam wider ihn diese politischen Dinge
unternimmt und doch dabei äusserlich, in Opfern und Gottesdienst sich
gebährdet, als ob man ihn auf das Höchste ehrt. Darum ist Jahwes Urteil
darüber:
דאת ם אתי מצות אנשים מלמדה
„Ihr mich fürchten“, ist hier Ausdruck für „Religion“, indem es das
Wesen des Begriffes religio bezeichnet und damit andeutet, worin ihre
Religion bestehen müsste, nämlich in Gottesfurcht, die sie abhalten
müsste, wider Jahwe und seinen Propheten zu handeln, ihre Religion ist
aber nur ein gelerntes Gebot, „ein bindender Rechtsbrauch, der gelernt
werden muss“ (Duhm).
Für das kurze Drohwort c. 29,9 f. lässt sich natürlich auch nicht mit
absoluter Sicherheit eine konkrete Beziehung angeben. Nur so viel
lässt sich sagen, dass sich der Ausdruck und der Ton des Stückes am
besten aus der Beziehung auf jene politische Dinge erklären lässt. v.
9b: Seid trunken, doch nicht von Meth, taumelt, doch nicht von Wein,
weist auf den Taumel des von Freiheitsdurst und Siegesträumen erhitzten
Volkes hin. Bezüglich des Tons der Rede hebt ~Duhm~ hervor, dass die
Erregtheit, mit der sie hervorgestossen wird, einen Kampf mit den
Volksleitern zu reflektieren scheint.
In der Rede c. 29,1 ff. findet sich keine Begründung der Drohung. Die
ironische Aufforderung: fügt Jahr zu Jahr, lasst die Feste kreisen!
will ihnen nur entgegenhalten, dass ihnen die blos äussere, wenn auch
noch so eifrige Ausübung des Kultus als blosser Lippendienst (c. 29,13)
nichts helfen wird.
In c. 28,14 ff. kann unter der v. 13 und 18 f. erwähnten Geissel nach
allem, was wir sonst von Jesaia wissen, nichts anderes gemeint sein,
als Assur. Damit hat auch diese Rede inhaltlich politischen Charakter
genommen, was damit stimmt, dass sie an die Beherrscher des Volkes
gerichtet ist. Deshalb könnte man annehmen, dass auch der Bund mit
dem Tode und der Vertrag mit Scheol v. 15 auf politische Verträge
mit Assur oder Aegypten zu deuten seien. Es scheinen aber vielmehr
nach den Ausdrücken, die gebraucht sind, abergläubische Praktiken
gemeint zu sein. Zu diesen Mitteln greifen sie, anstatt bei Jahwe
Zuflucht zu suchen, aber deshalb, weil sie durch ihren ohne Jahwes
Befehl vollzognen Abfall von Assur den Zorn und die Rache Jahwes
heraufbeschworen haben.
Davon, dass sie wider Jahwes Willen abgefallen sind und den Krieg mit
Assur herbeigeführt haben, scheint c. 28,12 zu reden. Das Stück c.
28,7-13 wendet sich gegen die Priester und Propheten, die den Willen
Jahwes nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, jedenfalls aber
Prophezeiungen geben, die den Offenbarungen, welche Jesaia erhalten
hat, widersprechen. Jesaia forderte im Namen Jahwes Unterwerfung und
Ausharren, jene werden, wahrscheinlich auch im Bewusstsein, in Jahwes
Namen zu reden, zu Abfall von Assur und Krieg geraten haben. Der Spruch
Jahwes v. 12: „Dies ist die Ruhe, gebt Ruhe dem Müden, und dies ist
die Erholung!“ bedeutet dann im Zusammenhange die Verzichtleistung
auf politische Unternehmungen. Das ist jedenfalls die beste und auch
genügende Erklärung der sonst unverständlichen Worte, die auch durch
den parallelen Ausspruch c. 30,15 ihre Bestätigung erhält.
So haben alle Stücke[7] des Buches Jesaia c. 28-31 ihre Beziehung auf
dieselben politischen Verhältnisse, nämlich auf den Abfall Judas von
Assur und das damit zusammenhängende ägyptische Bündnis.
Dementsprechend haben auch die Drohungen den gleichen Inhalt in allen
Stücken, nämlich die Unterwerfung und Vernichtung Judas durch Assur.
In einigen Stellen tritt das ganz klar zu Tage. In c. 29,3 wird die
Belagerung Jerusalems durch Schanzen und Belagerungswerke, die das
feindliche Heer errichtet, beschrieben. In c. 30,17 wird gesagt, dass
die judäischen Truppen trotz der ägyptischen Hülfe von dem feindlichen
Heere zersprengt werden würden, so dass von ihrem ganzen Heere nur
versprengte Flüchtlinge, wie ein einzelner Signalmast auf dem Berge,
übrig bleiben werden. Nach c. 31,3 wird Jahwe wie ein Löwe im Heerzuge
über den Berg Zions und seinen Hügel herfallen. Es ist schon oben
erwähnt worden, dass die c. 28,15 und 18 erwähnte Geissel nichts
Anderes bedeuten kann als Assur, und auch v. 21 lässt auf eine aus
Kriegsgefahr entstehende Not schliessen. So wird auch das Bild von der
einstürzenden Mauer c. 30,13 f. im Munde des Jesaia auf den Sturz der
Mauern Jerusalems zu deuten sein, vgl. 29,1 ff., auch 32,13 f., c. 22
und 5,1 ff.
Die Vergleichung der einzelnen jesajanischen Stücke unseres Buches
ergiebt, dass dieselben sowohl der Form als auch dem Inhalte nach
zusammengehören. Ausgenommen sind dabei das erste und das letzte Stück
des Buches, c. 28,1-4 und c. 32,9-14. Das erste Stück c. 28,1-4 hat es
überhaupt nicht mit Juda und Jerusalem zu thun, sondern mit Ephraim
und weissagt den schnellen Untergang Samarias durch Assur. Das letzte
Stück c. 32,9-14 wendet sich zwar gegen Jerusalem und weissagt sogar
am deutlichsten den definitiven Untergang der Stadt; es zeigt aber
doch so bedeutende Abweichungen von den vorangehenden Stücken, dass es
nicht ohne Weiteres mit denselben zusammengethan werden kann. Nicht
nur in der poetischen Form weicht es von denselben ab, auch inhaltlich
unterscheidet es sich von ihnen dadurch, dass es nicht an die
Volksleiter, sondern an die Frauen Jerusalems gerichtet ist, und dass
ihm im Zusammenhange damit jede Beziehung auf das ägyptische Bündnis
fehlt. Abgesehen von diesen beiden Stücken aber herrscht, wie wir
gesehen haben, eine weitgehende formelle wie sachliche Uebereinstimmung
unter den jesajanischen Stücken des Buches c. 28-33. Wir werden
aber noch weiter gehen können. Es lässt sich zeigen, dass innerhalb
derselben eine chronologische und sachliche Entwickelung stattfindet.
Nach c. 31,2 f. nimmt Jesaia, wie schon bemerkt worden ist, als
ausgemachte Thatsache an, dass die Aegypter Juda zu Hülfe kommen und
darum auch mit demselben zu Grunde gehen werden. Das setzt voraus, dass
das Bündnis mit Aegypten eine abgeschlossene Thatsache ist. Aus v. 1
und 3a ist übrigens auch zu schliessen, dass die Aegypter Juda nicht
blos sachliche Unterstützung, etwa Geld und Pferde, sondern auch die
Hülfe eines Kriegsheeres versprochen haben, und v. 3a zeigt, wie grosse
Hoffnung die Judäer auf diese Unterstützung gesetzt haben. Aus c. 30,9
ff. ist das noch nicht klar; da richtet sich auch die Drohung nur gegen
Juda. Indessen ergiebt sich dort auch aus v. 15 ff., dass der Vertrag
mit Aegypten bereits abgeschlossen ist.
c. 30,1 ff. wendet sich gegen die, die einen Beschluss ausführen
wollen, der nicht von Jahwe ausgegangen ist, die Gussopfer giessen
wollen, aber nicht mit Jahwes Geist, d. h. die nach Aegypten
hinabziehen, um dort den wider Jahwes Willen eingegangenen Bund
abzuschliessen.
c. 30,6 f. schildert sie, wie sie den dafür zu entrichtenden Tribut
nach Aegypten bringen.
Dreimal also, in c. 30,1 ff, in c. 30,6 f. und in c. 31,1 ff. ist von
einem Hinabziehen nach Aegypten die Rede. Aber jedes Mal hat dasselbe
einen anderen Zweck. ~Duhm~ meint, dass c. 30,6 f. inhaltlich ziemlich
identisch mit dem vorhergehenden sei und hält c. 31,1 ff. für ein vom
Redaktor zusammengestelltes kürzeres Seitenstück zu c. 30. Das ist
indessen nicht der Fall. In c. 30,1 ff. ziehen sie hinab, um den Bund
abzuschliessen (vgl. v. 1 und die Ausdrücke in v. 2b), nach c. 30,6 f.
thun sie es, um ihre Güter und Schätze hinzubringen, d. h., um den ~für
die versprochene~ Hülfe zu leistenden Tribut zu entrichten; endlich
nach c. 31,1 ff. ziehen sie dem versprochenen Hülfsheer entgegen.
Darauf deuten die Ausdrücke in v. 1: die auf Rosse schauen und auf den
Tross, weil er gross, und auf die Reiter, weil sie sehr stark sind.
Darauf deutet auch der weitere Inhalt der Rede, der sich mindestens
ebenso sehr gegen die Hülfe der Aegypter als gegen Juda selbst wendet.
Man wird zwar diese inhaltliche Unterscheidung innerhalb dieser drei
Stücke, die sich gegen die wenden, die „nach Aegypten hinabgehen“,
nicht mit absoluter Gewissheit machen dürfen; aber neben den doch mit
ziemlicher Deutlichkeit im Texte gegebenen Andeutungen führt noch eine
Erwägung allgemeiner Art auf die Notwendigkeit überhaupt, derartige
Unterscheidungen besonders bei Reden von so konkreter Veranlassung
festzustellen. Will man nicht, was doch gewiss niemand thun wird,
annehmen, dass Jesaia seine Reden, ehe er sie hielt, predigtähnlich
ausgearbeitet habe, so ist kein irgendwie durchschlagender Grund
einzusehen, warum er nachträglich Reden von so gleichartigem konkreten
Inhalt in nur variierter Form zu Papier gebracht und herausgegeben
haben sollte. Mündlich konnte und wird Jesaia sich mehrfach über
denselben Gegenstand ausgesprochen haben; aber schriftlich genügte eine
Aufzeichnung völlig zur Dokumentierung seiner Ansicht.
Wir kommen zu c. 29,15. Dieses kurze Stück besagt ein doppeltes über
das Bündnis mit Aegypten: 1. dass die Volksleiter den Beschluss, mit
Aegypten ein Bündnis zu schliessen, definitiv gefasst haben, aber
heimlich vor Jahwe und seinem Propheten, und 2. dass Jesaia davon Kunde
erhalten hat. Es geht also chronologisch und sachlich den folgenden,
oben besprochenen Stücken voran. Als Jesaia das Wort c. 29,15 sprach,
war gewissermassen im Staatsrate beschlossen, in Aegypten um ein
Bündnis wider Assur nachzusuchen. Die folgenden Stücke wenden sich
gegen die Ausführung dieses Staatsbeschlusses.
Sehen wir uns nun die vorhergehenden Abschnitte in c. 28 und 29 an, so
haben sie gegenüber den folgenden dies gemeinsam, dass in ihnen von
diesem förmlichen und definitiven Beschluss der Volksleiter noch nicht
die Rede ist. Denn wir haben gesehen, dass auch die Stelle c. 28,15
nicht direkt auf den Bund mit Aegypten bezogen werden darf, obwohl
derselbe auch dort schon im Hintergrunde steht. Die Situation, welche
die jesajanischen Stücke in c. 28 und 29 voraussetzen, ist folgende.
Die Vorgänge in Assur haben die schon vorhandenen ägyptenfreundlichen
Neigungen und Strömungen Judas mächtig geschürt. Das ganze Volk ist
erfüllt von Freiheitsdurst und Thatendrang, es sehnt sich danach, das
drückende und verhasste Joch Assurs abzuschütteln. Diese patriotische
Begeisterung wird von Priestern und Propheten geteilt und genährt; auch
die Leiter des Volkes treten dafür ein und haben sich über das Gelingen
des Planes durch Nekromantie und allerhand Zaubermittel Gewissheit
verschafft.
Diese Situation spiegeln die Stücke in c. 28 und 29 nun auch unter sich
in gewisser chronologischer und sachlicher Ordnung wieder.
c. 28,7-13 hat es mit den Priestern und Propheten zu thun, die das
Feuer der Begeisterung im Volke durch Opfer und Weissagungen schüren.
Jesaia kommt ihnen in seiner Nüchternheit einfältig vor, so dass sie
über ihn spotten. Aber eine andere Begeisterung hat auch ihn erfasst,
die Begeisterung, im Dienste seines Gottes und der Wahrheit zu stehen,
und in gewaltiger Drohrede voll erhabenstem Schwung giebt er ihnen
ihren Spott zurück.
Das zweite Stück, c. 28,14-23, wendet sich gegen die Volksleiter, die
sich von Priestern und Propheten haben „fest“ machen lassen. Dass das
unter anderem auch durch Orakel geschehen ist, zeigt v. 19: „und es
wird rein Entsetzen sein, Orakel zu deuten“. Das setzt voraus, dass sie
dem Propheten Orakel entgegengehalten haben, die ihnen das Gelingen
ihres Planes verheissen, eine weitere Bestätigung für unsere Auffassung
von v. 15. In v. 22 deuten die Worte, „dass nicht fest werden eure
Bande“, auch darauf hin, dass der Plan des Bündnisses mit Aegypten noch
nicht zum definitiven Staatsbeschluss erhoben worden ist.
In c. 29,1 ff. ist von dem Bündnisse mit Aegypten nicht die Rede; aber
die Gewissheit, mit der Jesaia hier die Belagerung Jerusalems kommen
sieht, beweist, dass der Plan vorgeschritten ist, und dass seine Reden
dagegen fruchtlos geblieben sind. c. 29,9 f. setzt, wie wir schon
gesehen haben, einen erbitterten Kampf Jesaias mit den Volksleitern
voraus, zeigt aber zugleich, dass sie in ihrer wilden Begeisterung
(v. 9 b) blind gegen seine Warnungsreden sind (v. 9 a), so dass
Jesaia an ihnen verzweifelt und in ihrem Verhalten das definitive
Verstockungsgericht Jahwes erkennt (v. 10).
c. 29,13 f. endlich wendet sich an das Volk, das in fanatisiertem Eifer
nur um so mehr den äusserlichen Jahwekult betreibt. Jesaia verachtet
es um seines Lippendienstes willen, erkennt aber zugleich, dass es von
seinen „Weisen“ verführt ist v. 14.
Ueberblicken wir diese innerhalb der einzelnen jesajanischen Stücke
nachgewiesene chronologisch-sachliche Entwicklung noch einmal,
so erkennen wir innerhalb derselben zwei scharf von einander
unterschiedene Phasen. Die erste umfasst die Abschnitte in c. 28 und
29 bis zu dem Stücke 29,13 f. In ihr ist noch alles in Bewegung und
der Plan des ägyptischen Bündnisses noch nicht zum Staatsbeschluss
erhoben; von c. 29,15 an ist dagegen dieser Staatsbeschluss gefasst und
kommt zur Ausführung. Das ergiebt nun eine formelle und inhaltliche
Unterscheidung dieser beiden grösseren Abschnitte, die freilich
ihren inneren Zusammenhang nicht zerreisst, sondern vielmehr nur die
Richtigkeit der nachgewiesenen chronologisch-sachlichen Entwicklung
bestätigt.
Der äusserlich gleichmässige Eingang der Reden in c. 29,15, c. 30,1 ff.
und 31,1 ff. ist schon erwähnt worden. Alle drei Reden beginnen mit dem
„Wehe denen, die u. s. w.“ In dem ersten Abschnitt findet sich weder
diese Form noch überhaupt solche Gleichmässigkeit. Das kommt daher,
dass der Prophet im zweiten Abschnitte immer dieselben Gegner vor Augen
hat, nämlich die, welche den Bund beschliessen und zur Ausführung
bringen, während er sich im ersten Abschnitte bald an die Priester und
Propheten, bald an die Volksleiter, bald an das Volk wendet, um das
Zustandekommen des Beschlusses zu verhüten. Damit hängt auch zusammen,
dass im ersten Abschnitte die Drohung noch unbestimmter, an einer
Stelle c. 28,22 sogar halb hypothetisch ausgesprochen ist. Jesaia sagt
nur, dass sie straucheln und zerschellen werden, dass er Untergang und
Entscheidung von Jahwe gehört habe, dass Jahwe sie wunderbar behandeln
werde. Nur c. 29,1 ff. redet er bestimmt von der Belagerung Jerusalems;
denn freilich ist er von ihrer Unverbesserlichkeit überzeugt c. 29,10.
Aber doch ist seine Strafverkündigung im zweiten Teile bestimmter und
konkreter. Da heisst es nicht mehr: wenn ihr das thut, sondern: weil
ihr das gethan habt, so werdet ihr untergehen c. 30,12 f., 15 f. c.
31,1 ff. vgl. auch 30,2 f. Da redet c. 30,13 f. von der gänzlichen
Zerstörung Jerusalems, c. 30,16 f. von der völligen Vernichtung ihres
Heeres, und c. 31,1-3 verkündet den verbündeten Heeren den Untergang
ebenso wie c. 31,4 die rettungslose Zerstörung Jerusalems.
Dieser Unterschied in beiden Teilen der in Betracht kommenden Stücke
hebt darum aber den oben nachgewiesenen inneren Zusammenhang nicht auf,
sondern bestätigt nur die Richtigkeit der nachgewiesenen Entwicklung,
indem er ein Moment der Erklärung fordert, welches gerade in dem
definitiven Beschluss, das ägyptische Bündnis einzugehen, ausreichend
gegeben ist.
Das Urteil Dillmanns über den Zusammenhang der Kapitel 28-32, dass
Jesaia den Plan des ägyptischen Bündnisses in denselben von seinem
ersten Auftauchen an bis zu seiner schliesslichen Ausführung Schritt
für Schritt mit seinen Warnungsreden verfolgt, hat sich also auch
für uns, wenn auch in anderer Weise und jedenfalls in sachlich
zutreffenderer Weise als richtig herausgestellt. Die jesajanischen
Stücke unseres Buches, mit Ausnahme des ersten und des letzten,
stehen nicht nur unter einander in formellem und sachlichem
Verwandtschaftsverhältnis, sondern weisen auch in der uns vorliegenden
Reihenfolge eine stufenweise chronologische und sachliche Ordnung und
Entwicklung auf.
Diese Thatsache ist es auch gewesen, die die Kritik so lange verhindert
hat, an die scheinbar dadurch so geschlossene Einheit der Kapitel
28-32 ihren Hebel anzusetzen. Nachdem das aber nun geschehen ist, und
die jesajanischen Bestandteile dieser Kapitel trotzdem dieselbe, ja
eine noch viel engere Geschlossenheit aufweisen, so sollte man meinen,
dass wir nun in den jesajanischen Bestandteilen das eigentliche,
von Jesaia selbst verfasste Buch, vor uns haben. Indessen wird die
weitere Untersuchung doch zeigen, dass auch diese jesajanischen
Bestandteile des Buches wenigstens nicht in der Gestalt, in der sie
uns jetzt vorliegen, als ein einheitliches Ganze aus der Hand des
Jesaia hervorgegangen sein können. Nehmen wir diese zusammengehörigen
Stücke so vor uns, wie wir sie jetzt haben, so fehlt ihnen zunächst der
Anfang.[8]
Das Stück c. 28,7 ff. beginnt mit den Worten:
וגם אלה בלין שגי ובשכר תעו
Die Worte וגם אלה weisen ganz notwendig auf etwas Vorhergegangenes.
Wollte man sie aber als einen nachträglichen Zusatz des Redaktors
streichen, der durch dieselben das Stück c. 28,7 ff. mit dem
Vorhergehenden habe verbinden wollen, so bliebe doch auch so noch der
übrige Anfang des Stückes unerklärt und unverständlich. Mit den Worten:
„im Wein schwindeln und im Meth schwanken sie“ kann Jesaia auch nicht
ein Buch oder eine Redesammlung angefangen haben. Man kann aber auch
nicht die ganze Einleitung zu der folgenden Scene, also v. 7 und 8, für
einen nachträglichen, erläuternden Zusatz erklären, denn die v. 9 ff.
geschilderte Szene bedarf notwendig eines solchen Zusatzes und ist erst
recht kein passender und verständlicher Eingang der folgenden Rede oder
gar der ganzen Sammlung. Es ist also notwendig anzunehmen, dass dem v.
7 noch etwas Anderes vorausgegangen ist. Was ist dies aber?
Auf v. 5 und 6 kann hier keine Rücksicht genommen werden, da diese
Verse nicht von Jesaia sind. Dagegen bieten sich uns die Verse 1-4
unseres Kapitels als eine scheinbar sehr befriedigende Lösung unserer
Frage dar. Das Stück c. 28,1-4 wendet sich gegen Samaria und seine
Trunkenen, die v. 1 und 3 erwähnt werden, und droht den schnellen
Untergang der Stadt durch einen Gewaltigen Jahwes an. An diese
Drohung scheint sich nun v. 7 f. äusserst bequem anzuschliessen.
Besonders eindrucksvoll scheint dann das וגם אלה zu sein, indem es so
zugleich auch auf die Strafe hinweist, die auch den jerusalemischen
Trunkenbolden droht. Zudem scheint das Stück wie geschaffen als
Einleitung in eine derartige Sammlung wie die vorliegende. Der Eingang
dieser Drohung lässt an poetischer Kraft und Fülle sonstigen Eingängen
Jesaias in Reden und Redesammlungen nichts nach. Deshalb steht auch
~Duhm~ nicht an, anzunehmen, dass Jesaia selbst die Verbindung in v. 7
f. mit v. 1-4 hergestellt habe, als er nämlich alle einzelnen Stücke
zu einem Büchlein vereinigte. Allein diese Annahme ~Duhms~ bereitet
doch Schwierigkeiten, die sich nicht beseitigen lassen, und die deshalb
diese Annahme für unser Stück mindestens widerraten, für andere Stücke
aber geradezu unmöglich machen.
Dass man nicht etwa annehmen darf, dass Jesaia c. 28,1-4 und v. 7
ff. in einem Zuge in Jerusalem gesprochen habe, ist im ersten Teile
dieser Abhandlung schon bewiesen worden. Die Ereignisse, auf die
sich c. 28,1-4 bezieht, liegen 20 Jahre früher, und v. 7 ff. bilden
gar keine eigentliche Rede, sondern enthalten die Schilderung einer
wahrscheinlich im Tempelvorhof vorgefallenen Szene.
Es kann sich also nur um nachträgliche schriftstellerische Verbindung
beider Stücke handeln. Dies kann nach der gangbaren Vorstellung der
Entstehung jesajanischer Schriften nur geschehen sein, als Jesaia das
Stück v. 7-13 niederschrieb, oder als er die Sammlung der einzelnen
vorliegenden Stücke vornahm. Die erstere Annahme ist an sich sehr
unwahrscheinlich. Denn es ist nicht wohl denkbar, dass Jesaia als
Einleitung zu dem kurzen Stücke v. 7-13 eine fast gleich lange Rede
gesetzt habe, die sich inhaltlich auf ganz andere Umstände und Zeitlage
bezieht. Denn die Trunkenheit der Priester und Propheten bildet doch
nur den Ausgangspunkt und Hintergrund der Szene, während sich die
eigentlichen Auseinandersetzungen auf ganz andere Dinge beziehen (v.
12). Vor allen Dingen aber sollte man erwarten, dass dann der Prophet
irgendwie auf seine Einleitung Bezug genommen hätte. Da dies aber
nicht geschehen ist, so ist auch an eine engere schriftstellerische
Verbindung zwischen v. 1-4 und v. 7-13 nicht zu denken.
Aehnliche Einwände erheben sich gegen die Annahme ~Duhms~, dass Jesaia
die Verbindung zwischen v. 1-4 und v. 7 ff. erst später hergestellt
habe, als er die einzelnen Stücke unseres Buches zu einer Sammlung
vereinigte. Welche Gründe sollte wohl der Prophet gehabt haben, diese
inhaltlich und zeitlich so fern liegende Drohrede mit den andern so eng
zusammengehörigen Stücken zu vereinigen, und dieselbe als Einleitung
an die Spitze derselben zu stellen. Denn ein besonderer Grund musste
doch dafür angegeben werden können, aus dem Jesaia dieses Stück aus
der Zeit vor der Zerstörung Samarias mit den aus der Sanherib-Zeit
stammenden Stücken verbunden haben könnte. Nun ergiebt sich aber aus
einem Vergleich dieses Stückes mit den übrigen Abschnitten
1. dass in den sämmtlichen übrigen Stücken auch nicht ein einziges Mal
ausser in c. 28,7, auf c. 28,1-4 Bezug genommen wird.
2. dass c. 28,1-4 in inhaltlicher Beziehung völlig andersartig ist
als die sämmtlichen anderen Stücke. In letzteren handelt es sich, wie
wir gesehen haben, um politische Dinge; der Grund aller Drohungen ist
das wider Jahwes Willen geplante und vollzogene Bündnis mit Aegypten.
In c. 28,1-4 wird dagegen als Ursache des Unterganges von Samaria die
sittliche Verkommenheit seiner Bewohner angeführt, die sich in ihrer
Völlerei kundgiebt.
Die einzige Beziehung hat das Stück c. 28,1-4 zu den Versen 7 und 8
dieses Kapitels, und zwar auch nur darin, dass in v. 7 und 8 auch
von Trunkenen die Rede ist. Allein diese Beziehung ist doch eben nur
sehr äusserlich und kann deshalb eher einem Redaktor als dem Jesaia
selbst zugetraut werden. Ein solches Armutszeugnis dürfen wir doch dem
Jesaia nicht ausstellen, dass er nicht eine selbstständige Einleitung
zu seiner Sammlung habe herstellen können, sondern dass er dazu ein
möglichst wenig passendes Stück aus früherer Zeit gewissermassen
an den Haaren herbeigezogen habe. Es spricht auch noch ausser den
inneren Gründen ein äusserer Umstand dafür, dass c. 28,1-4 nicht von
Jesaia, sondern von einem späteren Redaktor an die Spitze der Sammlung
gestellt sei, das sind die beiden unechten Verse 5 und 6. Wären v.
1-4 von Anfang an eng mit v. 7 ff. verbunden gewesen, so wäre es kaum
denkbar, dass sich zwischen v. 4 und das וגם אלה v. 7 jene beiden
Verse eingedrängt hätten. Ist aber die Verbindung von v. 1-4 mit v. 7
ff. erst vom Redaktor hergestellt, dann stammen jedenfalls auch die
dieselbe herstellenden Worte von ihm, und wahrscheinlich ist dann
überhaupt v. 7 f. eine für jene Verbindung vom Redaktor hergestellte
Umarbeitung einer etwas anderen jesajanischen Einleitung zu der v. 9
ff. geschilderten Szene im Tempelvorhof. Denn es ist schon im ersten
Teile der Abhandlung hervorgehoben worden, dass v. 7 f. wahrscheinlich
nicht so, wie wir sie haben, von Jesaia niedergeschrieben worden sind.
Eine jesajanische Einleitung hat sicher vor v. 9 ff. gestanden, weil
dieselben sonst unverständlich wären und keinen Eingang hätten. Aber
der Redaktor hat wahrscheinlich das darin von der Trunkenheit der
Priester und Propheten Gesagte stark betont und weiter ausgemalt,
um einen möglichst engen Anschluss an v. 1-4 zu erhalten, und hat
dagegen Manches weggelassen, was uns vielleicht für das Verständnis
von v. 9 ff. wertvoller gewesen wäre. Ob aber die Verbindung von
c. 28,1-4 mit den übrigen Stücken dadurch entstanden sei, dass in
der jesajanischen Aufzeichnung erzählt war, wie der Prophet sich im
Streite mit den trunkenen Jerusalemiten auf die ehemalige Weissagung
über Samaria und auf ihre vor Augen liegende Erfüllung berufen hat,
wie ~Hackmann~[9] annimmt, lässt sich nicht mehr ausmachen.
Nötig ist diese Annahme keineswegs, da die späteren Sammler durchaus
keine Rücksicht auf die Chronologie nahmen, und für denselben zur
Aufnahme des Stückes z. B. auch das חוי im Anfange sehr wohl
ausschlaggebend gewesen sein kann.
So viel scheint mir wenigstens erwiesen zu sein, dass der Anfang
der zusammengehörigen jesajanischen Stücke unseres Buches nicht
mehr erhalten, sondern von einem anderen durch das allerdings auch
jesajanische, aber unserm Zusammenhange fremdartig gegenüberstehende
Stück Jes. 28,1-4 ersetzt worden ist.
Aber auch die übrigen sachlich zusammengehörigen Stücke können so, wie
sie uns vorliegen, trotz ihres grossen sachlichen Zusammenhanges und
ihrer strengen zeitlichen Reihenfolge nicht als eine von Jesaia selbst
hergestellte Sammlung angesehen werden. ~Duhm~ vertritt allerdings
diese Meinung. Er sagt[10]: „Ich halte es für möglich, dass Jesaia die
Stücke, die wir jetzt von c. 28,1 an lesen, die sich recht gut als eine
durch Jesaias eigene Hand redigierte Schrift auffassen lassen, in ihrer
dem Anschein nach beispiellos korrekten chronologischen Reihenfolge
zusammengestellt habe; diese Schrift geht dann mindestens bis c. 30,17
umfasst aber vielleicht auch noch c. 30,27-31,9.“
Aber ~Duhm~ vermag es selbst nicht, diese seine Ansicht für alle
jesajanischen Stücke innerhalb des von ihm angenommenen Rahmens
durchzuführen.
Das ist zunächst bei dem Stücke c. 30,6 f. der Fall. Das Stück trägt
die Ueberschrift:
משא בהמות גנב
Hätte dieses Stück ursprünglich dicht neben c. 30,1-5 gestanden, so
wäre nicht einzusehen, wie diese Ueberschrift gerade zwischen v.
5 und 6 hineingekommen wäre. Denn auch v. 1-5 reden von dem Zuge
nach Aegypten, gehören also äusserlich und innerlich ziemlich eng
zusammen, und kein Mensch würde v. 6 f. für ein besonderes, für sich
bestehendes Orakel gehalten haben. Man müsste also erwarten, dass
dann die Ueberschrift vor v. 1 stünde. ~Duhm~ findet es daher
wahrscheinlich, dass das Stück einst, wegen seiner Stichwortüberschrift
neben c. 21. 22 gestanden habe und erst von dem letzten Redaktor
hierher versetzt worden sei. Ob sich nicht eine andere, ebenso
befriedigende Erklärung dafür wird finden lassen, werden wir nachher
sehen; hier soll nur festgestellt werden, dass das Stück v. 6 f. sich
nicht ursprünglich direkt an v. 1-5 angeschlossen haben kann.
Zweifelhaft erscheint es ~Duhm~ ferner, ob das Stück c. 29,13 f. die
Fortsetzung zu v. 9 f. bildet. Die einleitenden Worte: der Herr sprach,
scheinen ihm auf einen andern, vielleicht historischen Zusammenhang
hinzuweisen, aus dem der Sammler das Stück herausgebrochen hat. Dass
sein Inhalt für seine Zuweisung zur Periode Sanheribs spricht, ist
an sich noch kein Beweis für die Ursprünglichkeit seiner jetzigen
Stellung. Denn wir haben auch jetzt noch an anderen Stellen des
Jesaia-Buches Stücke, die jener Periode zugehören. Es handelt sich
hier nicht um den Inhalt, sondern um die Form des Anschlusses. Und da
muss doch gesagt werden, dass die einleitende Formel „und es sprach
der Herr“ nicht zum direkten Anschlusse von v. 13 f. an v. 9 f. passt.
Denn diese Formel würde, falls sie von Jesaia zur Verbindung der beiden
Stücke geschrieben wäre, beide zu einem Ganzen verbinden. Dass das aber
nicht geht, ist bereits im ersten Teile der Abhandlung gezeigt worden.
Das einzige Stück, welches ausser dem eben besprochenen noch eine
scheinbare Verbindung mit dem vorhergehenden aufweist, ist c. 28,14 ff.
Aber auch hier zeigt grade die Art dieser Verbindung, dass dieselbe
nicht von Jesaia zum Zwecke des direkten Anschlusses von v. 14 ff.
an v. 7-13 hergestellt sein kann. Denn die Verbindung von v. 14 ff.
mit dem Vorhergehenden durch לכן ist ungeschickt und verdunkelt den
Sinn. Es ist oben gezeigt worden, welche Schwierigkeiten dieses לכן
den Auslegern bereitet, und zu welchen gezwungenen Erklärungen es
geführt hat. Denn einmal enthält das Stück v. 14 ff. selbst in v. 15
die Begründung zu der folgenden Drohung, auf die auch ausdrücklich in
v. 18 Bezug genommen wird; andrerseits ist aber in v. 7 ff. von einer
solchen Begründung, auf die doch das לכן weisen müsste, gar keine Rede.
Daher ist das לכן entweder nachträglich vom Redaktor hergestellt, oder
weist, was noch wahrscheinlicher ist, auf einen anderen Zusammenhang
hin. Denn es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass ein Sammler, der doch
sonst jesajanische Stücke ohne besondere Verknüpfung aneinandergereiht
hat, ohne Grund diese unpassende Verbindung hergestellt haben sollte.
So ergiebt sich uns also, dass grade die Stücke, die mit dem
vorhergehenden schriftstellerisch verbunden zu sein scheinen, eben um
dieser Verbindung willen nicht von Jesaia selbst so zusammengestellt
sein können, sondern dass ihr Eingang vielmehr auf einen anderen,
als ihren jetzigen Zusammenhang hinweist. Doch ehe wir auf die Frage
eingehen, welches etwa ihr ursprünglicher Zusammenhang gewesen sein
könne, müssen wir uns noch mit den übrigen jesajanischen Stücken
befassen. Es sind die Stücke: c. 29,1 ff., 29,9 f., 29,15, 30,1
ff., 30,8 ff., 31,1 ff. Alle diese Stücke stehen ohne irgendwelche
schriftstellerische Verbindung neben einander.
An sich ist das Fehlen redaktioneller Verbindung der Stücke nun
freilich kein Grund, ihre Zusammenstellung dem Jesaia abzusprechen.
Es ist im Gegenteil oft der Fehler bei der Erklärung prophetischer
Schriften, dass man eine Verbindung zwischen einzelnen Reden
herzustellen sucht, die nicht vorhanden und nicht beabsichtigt ist.
Aber wenn wir die in Rede stehenden Stücke betrachten, so werden wir
doch zu dem Schlusse gedrängt, dass ~diese~ Stücke in ihrer
jetzigen Gestalt nicht von Jesaia selbst zu einem Buch zusammengestellt
sein können.
Zunächst müssen wir c. 30,8 ff. aus der vermeintlichen Sammlung
ausscheiden. Denn dieses Stück setzt in seinem Eingange unbedingt
einen anderen Zusammenhang voraus, als er in dem vorhergehenden Stücke
gegeben ist. Das Stück beginnt mit den Worten:
Jetzt geh’ hinein, schreib es nieder, und auf ein Buch zeichne es!
Mag der Vers auch nicht mehr ganz in Ordnung sein[11], so bleibt doch
immer bestehen, dass Jesaia aufgefordert wird, „jetzt“ hinein (?) zu
gehen und „es“ aufzuschreiben. Worauf bezieht sich das עתה, und was ist
mit den Suffixen in den Verben gemeint? Da uns das nicht im Folgenden
gesagt wird, so müssten wir erwarten, dass es im Vorhergehenden
irgendwie angedeutet sei. Das Witzwort in v. 7 b kann es nicht sein;
denn erstens stammt es nicht von Jesaia, und zweitens steht es in dem
Stück v. 6 f., das, wie wir gesehen haben, auch nicht ohne Weiteres dem
Zusammenhange angehört. In dem vorhergehenden Stück c. 30,1-5 lässt
sich aber auch nichts zur Erklärung finden. Dann ist aber klar, dass
auch dieses Stück nicht als unmittelbare Fortsetzung des vorhergehenden
von Jesaia niedergeschrieben sein kann.
Die noch übrigen Stücke fordern in ihren Anfängen keine Beziehungen
auf etwas Vorangegangenes. Sie könnten also an sich wohl in ihrer
Reihenfolge von Jesaia zu einer Sammlung zusammengestellt worden sein.
Aber ein anderer Umstand widerspricht dieser Möglichkeit. Würden
wir nämlich die vorherbesprochenen Abschnitte aus dieser Sammlung
herausnehmen, so würde dadurch der sachlich-chronologische Zusammenhang
der Stücke, den wir oben nachgewiesen haben, zerstört werden. Wir kämen
ja auch dann zu der unglaublichen Annahme, dass Jesaia seine eigenen
zusammengehörigen Stücke nur zum kleinen Teil geordnet habe, und
dass es erst einem späteren Bearbeiter gelungen sei, für alle Stücke
die chronologisch-sachliche Ordnung herzustellen. Dieser Annahme ist
jedenfalls die andere vorzuziehen, dass die Zusammenstellung der Stücke
in der Gestalt, in welcher sie uns vorliegen, überhaupt nicht auf
Jesaia, sondern auf einen späteren Sammler zurückzuführen ist.
Zu diesem Resultate werden wir auch noch durch eine andere, etwas
allgemeinere Erwägung geführt. Wenn wir fragen, in welcher Weise
Jesaia die vorliegende Sammlung hergestellt haben könnte, so bieten
sich zur Beantwortung dieser Frage überhaupt nur zwei Möglichkeiten.
Entweder hat der Prophet seine früher vereinzelt und nacheinander
aufgeschriebenen Stücke und Reden in einer späteren Zeit geordnet
und zusammengestellt, oder er hat die in einer früheren Zeit nur
gehaltenen Reden selbstständig reproduziert und zu Papier gebracht.
In letzterem Falle wäre dann die Sammlung gewissermassen wie aus
einem Gusse entstanden. Aber in diesem Falle müssten erst recht
alle einzelnen Stücke der Sammlung unter einander verbunden sein und
auch schriftstellerisch zusammen ein wohl abgerundetes Ganze bilden.
Das kann man aber von den vorliegenden Stücken trotz ihrer korrekten
sachlichen Ordnung nicht behaupten.[12]
Darum müssten sie auf die erstere Art entstanden sein, wenn sie in
ihrer jetzigen Form eine von Jesaia hergestellte Sammlung bilden
sollten. Es ist aber unmöglich, sich alle einzelnen Stücke auf diese
Art entstanden sein zu denken. Ueberhaupt ist diese ganze gangbare
Vorstellung von der Niederschrift wirklich gehaltener prophetischer
Reden schwer zu vollziehen. Man muss ~Hackmann~ Recht geben, dass
es „beinahe etwas ebenso Unnatürliches hat, zu denken, der Prophet
habe seine in der Glut des Geistes geredeten Worte nachher schriftlich
wiederholt, wie wenn man annähme, er hätte sie vorher wie eine zu
haltende Predigt ausgearbeitet.“ So lange wir indessen nicht eine
andere genügende Erklärung für die Aufzeichnung prophetischer Reden
in unsern Prophetenbüchern haben, wird diese Vorstellung wohl weiter
gangbar bleiben. Wir müssen darum auch an dieser Stelle mit ihr rechnen
und hoffen, sie wenigstens für unser Buch zerstören zu können.
Auf diejenigen längeren Reden unserer Stücke, welche deutlich Schuld
und Strafe verkünden, und die auch einen selbstständigen Eingang und
Abschluss bilden, lässt sich vielleicht die angegebene Vorstellung
ihrer Niederschrift anwenden. In ihnen hatte der Prophet dann, entweder
für sich, oder für seine Zeitgenossen und die späteren Geschlechter
deutlich seine Meinung aufbewahrt.
Aber es giebt grade auch unter den uns vorliegenden Stücken solche, bei
denen man für sich allein weder erkennt, an wen sie gerichtet sind,
noch worauf sie sich beziehen; kurze Sprüche, die für sich allein
überhaupt gar keinen Sinn geben.
So hätte sich der Prophet aus der Zeit, in der er den definitiven
Entschluss der Volksleiter, sich mit Aegypten zu verbinden erfuhr,
nur c. 29,15 notiert! Ist es ferner vorstellbar, dass sich Jesaia
als Wiedergabe einer oder mehrerer Reden und heftiger Kämpfe mit
den Volksleitern c. 29,9 f. aufgeschrieben habe לְעֵד עד עולם?! Oder was
mochte wohl Jesaia damit bezwecken, als er, nicht als Rede, sondern in
Form der Erzählung die Thatsache niederschrieb, dass die judäischen
Gesandten auf dem Wege nach Aegypten seien (c. 30,6 f.)? Dieselbe Frage
erhebt sich gegenüher der Schilderung jener Szene im Tempelvorhof c.
28,7 ff. Endlich müssten wir auch annehmen, dass die jetzt in ihrem
Anfange unvollständigen Stücke schon bei ihrer ersten Aufzeichnung
von Jesaia so unvollständig niedergeschrieben wären, da es sonst
unbegreiflich wäre, warum er sie nicht vollständig in seine Sammlung
herübergenommen hätte. Aus allen diesen Gründen ist die Annahme, dass
Jesaia die vorliegende Sammlung aus einzelnen früher selbstständigen
Stücken hergestellt habe, unzulässig, und damit ist überhaupt die
Sammlung der Stücke in der uns vorliegenden Gestalt durch Jesaia selbst
unerklärlich.
So hat uns also nicht nur die Untersuchung der einzelnen Stücke
auf ihren Zusammenhang untereinander, sondern auch die Erwägung
allgemeinerer Art zu demselben Resultate geführt, dass die inhaltlich
zusammengehörigen Stücke unseres Buches, so wie sie uns jetzt
vorliegen, nicht von Jesaia zusammengestellt sein können.