Und während sie mit ihrem Fühlen zu ihm eilte, willenlahm aber sitzen

blieb, tat der dort, Mensch von Fleisch und Blut oder Traumgesicht,

einen Schritt, zagend einen zweiten -- und plötzlich lag er zu ihren

Füßen. Sie fühlte seines Hauptes Schwere, die Wärme seines Atems, das

Zucken seines Leibes ...

»Mutter! Mutter! Liebe liebe Mutter!«

Da ließ sie die in wirrem Empfinden zaghaft ausgestreckte Hand auf sein

Haupt niedergleiten -- und er, er umschlang sie, und küßte, küßte sie

warm und innig auf den zuckenden Mund. O, so küßt das Leben! Küßt die

Liebe!

Und draußen im Flur rief und jubelte eine liebe helle Stimme: »Ist es

denn wahr? Ist es denn wirklich wahr?«

Aufflog die Tür -- und die schlichte Stube war ein Himmelreich auf

Erden.

Und das kleine einsame Häuschen eine Insel der Seligen inmitten des

brausenden Meeres von Habgier und Selbstsucht, selbstherrischen

Begehrens und sich selbst aufzehrender Triebe, Lavaströmen gleich

hervorbrechend aus viel Millionen verblendeter Menschen, die da glauben

an ein Menschheitsglück ohne Liebe und ohne Ideale.

Weihnachtserzählungen · 第 10 / 10 段