Ich halte in meinen Händen die dunkle Frucht der Erkenntnis und
benenne sie: Frucht des Todes.
Das Wort Tod hat drei Laute und leichthin fügt es die tanzende Lippe
des Menschen.
Gelächterbewimpelt, ein Ozeandampfer, brauset das Leben vorüber.
Im Wellenpalmblatt seines Kielwassers schaukeln wir auf, beklommene
brüchige Kähne.
Unkundig sind und schwer befallen, die da den Tod in der Ferne
suchen.
Es trägt der Erkennende seinen Tod mit sich fort durch die
Maskenwanderungen der Erde.
Er kennt weder Eile noch Vor- noch Rückwärts und schwebet in
unermeßlichem Ausgleich.
Leben und Tod sind ineinander verschlossen, Sein und Nichtsein
gebären sich auseinander.
Ich hege diesen meinen Tod wie ein köstliches Gewächs und nähre ihn
mit meinem Leben.
Er verzweigt sich als Baum in alle Glieder meines Wesens und trägt
lastende Früchte.
Die bunten Sommervögel des Lebens nisten in seinem Geäst und sein
Laub schüttelt der Nachtwind,
Aber unter dem Zelt meiner Stirne breitet sich seine schwarze Krone,
mich ganz zu erfüllen.
LIED DES ENTSPRUNGENEN
(Aus der symphonischen Dichtung »Die Straße«)