Ich kann meinen Worten nicht mehr entfliehn, o Gott,
sie kommen zu mir auf den Brücken, die Tag und Abend verbinden,
es können meine Lippen die kostbaren Worte nicht
mehr umklammern wie Schätze,
so daß nun jeder sie ergreift und hinhält
in den Bezirk seines zernagenden Lichtes. --
Alle Gebilde haben ihre Namen,
ein jegliches redet seine Sprache in allen Zungen der Erde,
selbst Du, o Gott, enträtst nicht Deines Wortes.
Ich aber will die nicht, so da lärmen und allen gemein sind.
Ich unterwinde mich aus ihren Umgitterungen
meine fastenden Hände emporzudrängen, daß Du mich lehrest
alle die Dinge, die wortlos und ungeboren
noch nicht in Zeit getaucht sind und schweben zwischen Dir und mir.
Und meine Stimme ertönt an den Toren des Abends:
Ist es das Rauschen Deines Mundes, oder die Schlankheit meiner
Geliebten,
daß ich bin wie ein Gefäß und schamlos überfließe vor jedem?
Was ist es, das mich erfüllt wie ein Antlitz und ich vermag nicht
es zu erlösen mit meinen Gesang, daß es lebe und wandle?
Siehe, ich suche Dich, Gott, jenseits der menschlichen Wasser,
in den Gebärden der Dinge, daß Du mir Antwort sagest,
und ich entsetze mich, Du möchtest plötzlich
hinschütten auf meine Torheit den Lawinensturz Deines Lachens.
Denn ein Zecher bin ich an Deinen Bänken, o Gott,
und kann mich nicht lösen aus der Umarmung der Dinge,
die Du wie bunte Netze gestellt hast rings um mich her,
daß ich nimmer genese von der Unwissenheit Deines Anfangs.
Doch über das Nackte der Dinge streuest Du aus die Saat Deines
Mundes,
und alle singen ihr einfältiges Ich und sind und kreisen
und Du schreitest unter ihnen wie ein Gärtner oder ein Hirte.
Mir aber täte not ein Zuchtmeister meiner Gedanken
und für meiner Brände Springflut ein Herd und sorgliche Wartung,
denn uferlos ist meine Rede unter den Menschen,
die einander heimsuchen und tausendfacher Gespräche pflegen.
Versage mir nicht, o Gott, Einkehr in Deine Gebilde!
Unbändig bin ich und bin außer mir und reiße mein Gewand ab.
Ich zerbreche Deine Satzung, wer da kann, begreife meine Nacktheit.
Meine entfalteten Hände umtasten seit je Dich, den Verwandten,
und streifen an alle die Dinge, die noch der Zeugung bedürftig
jenseits der Worte wohnen und jenseits ihrer Vernichtung.
Ich bin voll von ihnen, o Gott, und weiß nicht sie zu erfassen
und bin ein Tanzender ohne Bewußtsein, mitten in ihrem Geheimnis.
Es ertönt meine Stimme!
Es ragen empor meine Schläfen!
Ich strecke meine Hände nach Dir in die schwarzen Flüsse der Nacht.