1. Buffon.

An der Schwelle des Aufschwunges der französischen Zoologie begegnet

uns +Buffon+, ein Zeitgenosse Linnés. _G. L. Leclerc, nach seiner

Besitzung in der Bourgogne +de Buffon+ genannt, später in den

Grafenstand erhoben, geboren 1707, wurde nach mathematischen Studien

1733 Mitglied der Pariser Akademie, 1739 Intendant des Pflanzengartens,

unterstützt von dem jüngeren Arzt +L. M. Daubenton+ (1716-1799) und

anderen Mitarbeitern. 1749 erschien die ~Histoire naturelle~, 1778 die

~Epoques de la nature~; er starb 1788._ Im Anschluß an Leibniz und

die Enzyklopädisten empfand Buffon das Bedürfnis, die Tierwelt dem

Weltganzen als Teilerscheinung einzugliedern, und zwar nicht nur als

Teil des Bestandes, sondern des Entstehens der Welt. Ausgehend vom

feurigen Zustand des Erdballes, entwarf er eine Entstehungsgeschichte

der Erde, die in der Geologie revolutionierend wirkte trotz oder

vielleicht wegen ihres stark hypothetischen Charakters. Auf dem

Schauplatz der Erdoberfläche entwirft er die erste ins Große gehende

Übersicht der Faunen, insbesondere der kontinentalen, deren Charakter

er zuerst festlegt und auf erdgeschichtliche Erscheinungen zurückführt;

so läßt er sie mit der Abkühlung der Pole dem Äquator zu wandern

und setzt die Konstitution der Lebewesen im einzelnen mit ihren

Lebensbedingungen, natürlichen Grenzen, Klima usw. in Zusammenhang.

Durch Urzeugung läßt er im Anschluß an die Materialisten kleinste

organische Teile entstanden sein (man würde vor 50 Jahren gesagt haben:

Zellen; heute: Biophoren), aus denen heute noch Protozoen hervorgehen

sollten. Dieselben organischen Moleküle sollten als Überschuß der

Nahrung des erwachsenen Organismus zu den Zeugungsstoffen werden, die

Entwicklung wäre dem Kristallisationsprozeß zu vergleichen. Damit wurde

Buffon zum Epigenetiker und Vorgänger C. Fr. Wolffs. Neben dieser

hypothetischen Kosmogonie verdanken wir Buffon aber die Schilderung

der Organismenwelt, die für die ganze Folgezeit mustergültig ist und

bleiben wird. Einer der ersten Prosaschriftsteller Frankreichs, hat

er der Naturbeschreibung ihre eigentliche Form gegeben. Während man

z. B. von der Vogelwelt vor ihm nur sehr wenig gute Darstellungen

besaß, hat er die lebendigsten und stimmungsvollsten Bilder entworfen;

ebenso sind seine Beschreibungen der Säugetiere wahre Kunstwerke,

vorab die des Menschen, der vor Buffon niemals Gegenstand einer

speziellen, die mannigfachen Erscheinungen und die Beziehungen zur

Außenwelt gleichmäßig berücksichtigenden Naturgeschichte gewesen ist.

Das Bild Buffons ist lange Zeit durch seine Stellung zu Linné und der

Systematik verdunkelt worden. Dessen Vereinfachung des Ausdruckes für

eine Lebensform und ihren Reichtum fand bei Buffon keine Gnade. Seine

Polemik gegen Linné, die dieser unbeantwortet ließ, und gegen die

Künstlichkeit der Formen der Systematik ist uns heute verständlicher,

weil wir wiederum mehr die Klüfte sehen, die die Lebewesen der

Gegenwart voneinander trennen. Und doch mußte Buffon vor dem, was an

Linnés System natürlich war, insofern kapitulieren, als er später die

Beschreibungen verwandter Arten aneinanderreihte. Und die Annahme einer

Verwandtschaft des Ähnlichen trat ihm sowohl wie Linné in späteren

Jahren immer mehr in den Vordergrund, so daß er zur Überzeugung kam,

wenn man Pflanzen- und Tierfamilien zulasse, so müsse man auch den

Menschen und die Affen zu derselben Familie zählen, ja annehmen,

daß alle Tiere nur von einem abstammen, das im Laufe der Zeit durch

Vervollkommnung und Degeneration alle Formen der übrigen Tiere erzeugt

habe. Buffon hat der Zoologie unvergleichliche Dienste durch die

Popularisierung und die Form, in der sie geschah, getan. Das Erscheinen

der Naturgeschichte erregte in ganz Europa das größte Aufsehen; Fürsten

und Völker versenkten sich in sie und an ihrer Hand in die Rätsel

der belebten Natur. Es war sein Werk, daß während der Französischen

Revolution die Blüte unserer Wissenschaft kaum eine Unterbrechung

erfahren hat.

Daubenton ergänzte Buffon durch die sorgfältigsten Beschreibungen

von Habitus und Anatomie der höheren Tiere, durch eingehendere

Vergleichungen des Skelettes der Säugetierabteilungen, als sie zuvor

üblich waren. +Lacepède+ (1756 bis 1825), unter Anlehnung an Linné und

Buffon zugleich, ist als der Ergänzer von Buffons Arbeit nach der Seite

der Ichthyologie bemerkenswert.

Geschichte der Zoologie · 第 50 / 75 题