Als die +französische Zoologie+ können wir einen Ausschnitt aus der
Geschichte unserer Wissenschaft bezeichnen, der im Zeitraume von etwa
1750-1860 sich vorwiegend in Paris abspielt. Daß Zoologen sich zu
gemeinsamer Arbeit verbündeten (z. B. Ray, Willughby, Lister), oder
Schüler die Werke der Lehrer herausgaben oder an ihnen mitarbeiteten,
kam ja auch sonst vor. Aber eine Organisation unserer Wissenschaft an
einem Ort durch mehrere selbständige Forscher und auf die Dauer von
vier Generationen hin, verbunden mit einer entsprechenden Wirkung nach
außen, das war ein geschichtliches Ereignis, das einzig dasteht und
daher eine einheitliche Betrachtung erheischt.
Der Schauplatz dieses Ereignisses bildete das erste und zeitweise
hervorragendste naturwissenschaftliche Institut Mitteleuropas. Aus
einem im 15. Jahrhundert zu pharmazeutischen Zwecken angelegten
Garten entwickelte sich ein botanischer Garten, der, 1635 von den
Ärzten Ludwigs ~XIII.~ neu organisiert, neben den Heilmitteln auch
Exemplare aller naturhistorischen Kuriositäten enthalten sollte.
Dieser „Garten des Königs“, später „Pflanzengarten“ genannt,
diente schon früh auch als Mittelpunkt zoologischer Bestrebungen.
Duverney war sein erster Anatom, du Fay, Buffons Vorgänger,
ruinierte sich an diesen Sammlungen. Reiche Schenkungen flossen
ihnen im 18. Jahrhundert zu. 1793 wurde er durch Verordnung des
Nationalkonvents reorganisiert, mit einer Bibliothek versehen, zwölf
Unterrichtskurse an ihm eingerichtet und ihm die Bezeichnung „Museum
für Naturgeschichte“ beigelegt. In der Revolutionszeit bildete er
einen kleinen Freistaat, dessen Selbstherrlichkeit niemand anzutasten
wagte. Ja sogar Napoleons Maßregeln widersetzte sich das Museum
gelegentlich mit Erfolg, und 1815 wurden die Sammlungen auf A. von
Humboldts Intervention gegen jeden Eingriff geschützt. Die Blütezeit
fällt ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts. Später wurde die
Vereinigung aller Zweige der Naturgeschichte ein Hindernis für die
Konkurrenz mit spezieller ausgebildeten Anstalten des Auslandes.
Abgesehen von den Publikationen der einzelnen noch zu nennenden
Autoren, nahmen am Pflanzengarten große und vorbildliche literarische
Unternehmen ihren Ursprung. So die ~Encyclopédie Méthodique~
(begonnen 1782, aufgehört 1832), die ~Annales~ (später ~Mémoires~)
~du Museum~ (1802), die ~Annales de Sciences naturelles~ (1824).