An Linné schließt in mancher Hinsicht ein Forscher an, der hinwiederum
in anderen Beziehungen einzig dasteht durch die mannigfache Ausdehnung
seiner Studien sowohl, wie durch sein tiefes und eigenartiges
Verständnis für die Zoologie als Wissenschaft. Es ist dies +P. S.
Pallas+ (_geboren 1741 in Berlin, studierte in Leyden, reiste in
England, doktorierte 1760 und folgte 1767 einem Rufe nach Petersburg,
da er in Berlin nicht beachtet wurde; von 1768 reiste er nach
Sibirien bis zum Baikalsee und setzte seine Reise fort bis 1794; nach
vorübergehendem Aufenthalt auf seinen Gütern in der Krim kehrte er 1810
nach Berlin zurück und starb 1811_). Der Name von Pallas ist besonders
bekannt als der desjenigen Zoologen, der die erste große Ausbeute aus
Sibirien brachte. Freilich war ihm schon eine stattliche Zahl von
Reisenden, aber mit wechselndem Schicksal in diese noch unbekannten
Regionen vorangegangen, Messerschmidt, Gmelin, Bering, Steller (der
Entdecker des ausgestorbenen Borkentieres), Güldenstedt, Amman, deren
Vorarbeiten er zum Teil benutzte. Doch ist er glücklicher gewesen,
als die meisten seiner Vorgänger, im Erfolge seines Sammelns, wenn
auch seine groß angelegten Werke nicht zu Ende gediehen sind, da er
nebenbei auch ungeheure botanische, ethnographische und linguistische
Materialien zu sammeln und zu verarbeiten hatte. So besteht denn
der Zuwachs, den er der Zoographie brachte, besonders darin, daß
er die kleinen von Buffon vernachlässigten Säugetiere eingehend
beschreibt. Was aber der Zoologie zugute kam, das war weniger die
Verarbeitung seiner Reisen, als die früheren Arbeiten, zu denen ihm
die holländischen und englischen Sammlungen die Materialien geliefert
hatten. In Holland war es, wo er 1766 seinen ~Elenchus zoophytorum~
herausgab. In diesem Werk vertrat er zuerst eine richtige Auffassung
des Polypenstocks als eines Einzeltieres und gab die systematische
Übersicht der Zoophyten überhaupt. Nach der Menagerie des Prinzen von
Oranien schilderte er eine Menge von Tieren, namentlich Afrikas, die
Buffon unzugänglich waren. Auch bekämpfte er die Stufenleiter der
Lebewesen und faßte die Tierwelt im Sinne eines reich verzweigten
Stammbaumes auf. Ferner übte Pallas Kritik an Linnés Klasse der
Würmer, nachdem er schon zu Beginn seiner Studien durch Versuche
und Beobachtungen den Beweis zu erbringen gesucht hatte, daß die
Eingeweidewürmer von außen in den Wirt gelangten. Pallas hat es
verstanden, beinahe an allen Punkten, die zu seiner Zeit die Zoologie
besonders intensiv beschäftigten, wichtige Beiträge zu liefern
und dabei fast alle übrigen beschreibenden Naturwissenschaften
zu bereichern, auch wenn über dem Abschluß seiner Hauptwerke ein
Verhängnis schwebte, das den Ertrag seiner Arbeit nicht zu voller
Geltung kommen ließ.