1. Philologische Zoologie.

Vorerst tritt mit einer gewissen Geschlossenheit nur die +philologische

Zoologie+ auf den Plan. Die Erstausgabe von Aristoteles war unter

Anleitung von +Th. Gaza+ 1497 zu Venedig erschienen. Neben Aristoteles

wurden indes Plinius, Älian, Oppian u. a. als gleichwertig betrachtet.

Verehrung des Altertums befahl ihr Studium, ohne daß man die Tatsachen

zu kontrollieren gerüstet gewesen wäre. +P. Gyllius+ schrieb Älian

zusammen, +Massaria+ verfaßte einen Kommentar zu Plinius’ IX. Buch

(1537), +Longolinus+ einen Dialog über die Synonymik der Vogelnamen

in den klassischen Sprachen und im Deutschen. Reifere Früchte dieser

Richtung sind indes erst über die späteren Jahrhunderte zerstreut,

und als solche sind besonders zu erwähnen ein Kommentar zu der

Aristotelischen Schrift über die Teile der Tiere von +Furlanus+ (1574),

die Ausgabe der Tiergeschichte von +Scaliger+ (1619), die Ausgabe des

Plinius von +Hardouin+ (1723), des Älian von +Gronovius+ (1744).

Selbstverständlich wirkte auch die Herausgabe von Hippokrates und Galen

auf die philologische Zoologie zurück.

Damit ist die eine Linie gezeichnet, welche schon für die literarische

Darstellung und Wiedergabe neuer Befunde zu Beginn der Neuzeit von

größerer Bedeutung sein mußte, als heute. Eine zweite Linie führt von

der Erneuerung der Anatomie zu der der Zoologie, ohne daß gerade ein

unmittelbarer Zusammenhang, etwa durch die Zootomie, vermittelt würde.

Das grundlegende Werk für die Anatomie der Neuzeit, die ~Corporis

humani fabrica~ von +Andreas Vesal+ (1514-1565), war im Jahre 1543

erschienen. Es gab das Vorbild für alle anatomischen Beschreibungen

und Illustrationen ab. Dadurch gelang es Vesal, den blinden Glauben

an die umfangreichen Werke Galens und damit überhaupt an die

wissenschaftliche Tradition zu brechen. Hatten die Bologneser Anatomen

Galen gegenüber den Arabern hergestellt, so kehrte Vesal, wie es Galen

selbst vorgeschrieben hatte, zur Natur zurück und lehrte aufs neue

die Biologen das wissenschaftliche Sehen. Dabei lehnt er sich in der

obersten Gliederung seines Stoffes noch stark an Galen an und legt der

Anatomie ein System zugrunde, das noch heute nicht nur die menschliche,

sondern auch die vergleichende Anatomie beherrscht (Knochen,

Bänder, Muskeln, Nerven, Sinne, Darm, Respirations-, Zirkulations-,

Urogenitalsystem). Vergessen wir nicht, daß mit dem Buchdruck der

Holzschnitt die bildliche Wiedergabe ermöglichte und damit ein neues

Bindeglied zwischen der Anschauung und der Überlieferung geschaffen

war, dessen das Mittelalter so gut wie ganz entbehrt hatte.

Die Zoologie nahm indes ihren Ursprung von der Beobachtung und

Beschreibung der Gesamttiere und ihren Eigenschaften aus, vom Habitus

und von der Lebensweise. Das literarische Modell lieferte Plinius in

dominierender, Aristoteles nur in untergeordneter Weise. Der Anfang

dieser Periode wird bezeichnet durch ein williges Eingehen auf die

Mannigfaltigkeit der Tierwelt und einen unbegrenzten Drang, unsere

Kenntnis von ihr zu bereichern. Die einheimische, die fernerliegende

und die überseeische Fauna treten nach und nach in den Kreis der

Beschreibung, Abbildung und Vergleichung. Die Ordnung der Objekte

und ihr Bau tritt zunächst zurück, ebenso die Kontrolle älterer

Angaben auf ihre Wahrheit. Mit der Kuriosität der Gegenstände, ihrem

Nutzen für die menschliche Ökonomie und der Absicht, die Angaben

antiker Schriftsteller zu bestätigen, rechtfertigen sich die ersten

zoologischen Bemühungen.

Bei dem Umfang der antiken biologischen Literatur, die im Druck und in

Übersetzungen erschien, wurde die Glanzzeit der Renaissance noch mit

philologischen Diatriben über Hippokrates, Aristoteles, Galen, Älian,

Oppian usw. verbracht, ehe man an die Natur selbst ging. Die Anregung,

die aus jenen Schriftwerken entsprang, ist nicht zu unterschätzen, aber

ihre Festlegung im Druck errichtete zunächst nur ein Bollwerk gegen die

naive Naturforschung. Als diese durchbrach, setzte sie sich wesentlich

nur mit dem Inhalt, nicht aber mit der Methodik des Altertums

auseinander, und dem Fortblühen des Geisteslebens der Renaissance

warfen sich bereits erhebliche Widerstände entgegen.

Geschichte der Zoologie · 第 36 / 75 题