So wissen wir, daß schon Wu-Wang, der Ahnherr der +chinesischen+
Tschendynastie (ca. 1150 v. Chr.), einen „Park der Intelligenz“
anlegte, der noch im 4. Jahrhundert v. Chr. bestand und Säugetiere,
Vögel, Schildkröten und Fische enthielt.
Die Vorstufe des biblischen Schöpfungsberichts sowie die Lehre
von der Sintflut und den vier Elementen finden sich schon bei den
+Babyloniern+. Der Verstand hat seinen Sitz im Herzen, die Leber ist
das Zentralorgan fürs Blut, das in Blut des Tages (arterielles?)
und der Nacht (venöses?) unterschieden wird. Wo die Körperteile des
Menschen aufgezählt werden, wird die Reihenfolge vom Kopf bis zu
den Füßen beobachtet. Modelle einzelner Eingeweide, in Terrakotta
nachgebildet, verraten nicht nur Kenntnis der Anatomie in Babylon,
sondern auch den Zusammenhang mit der altetrurischen Plastik. Die
Existenz von Tierärzten mit geregelten Standesverhältnissen, wie sie
die Codices Hammurabi melden, lassen auf den hohen Stand der Tierzucht
schließen. Eine stattliche Anzahl von Tiernamen verzeichnet die
Keilschrifttafel von Onima. Bedenkt man, daß für andere Zweige der
Wissenschaft Babylon den Ägyptern, den Hebräern und den griechischen
Küstenbewohnern maßgebend war, so wird auch ein gewisser Bestand
zoologischer Erfahrung mit überliefert worden sein.
Aus der weit jüngeren Kultur +Assyriens+ kennen wir eine
„Jagdinschrift“, die wahrscheinlich auf Asurnasirabal Bezug hat
(884-860 v. Chr.), und die davon zu berichten weiß, daß der König
allerlei Tiere in seiner Stadt Asur zusammenbrachte: „Kamele sammelte
er, ließ sie gebären. Ihre Herden zeigte er den Leuten seines Landes.
Einen großen Pagutu hatte der König aus Ägypten dahin gesandt. Von den
übrigen vielen Tieren und den geflügelten Vögeln des Himmels, der Jagd
des Feldes, den Werken seiner Hand ließ er den Namen sowie alle übrigen
zur Zeit seiner Väter nicht aufgeschriebenen Tiernamen aufschreiben,
ebenso ihre Zahl.“ Ferner ist nachgewiesen, daß zu Sardanapals Zeiten
(ca. 670 v. Chr.) in Assur eine Menagerie bestand mit gesonderten
Zellen für Kamele, Pferde, Esel, Ziegen, Maultiere, Rinder, Schafe,
Hirsche, Gazellen, Hasen, Vögel. Noch zu den Zeiten griechischer
Überlieferung stand Uruk als Ärzteschule in hohem Ansehen, welches
schon 1980 v. Chr. Universitäts- und Bibliotheksstadt war.
Reichlicher fließen die Quellen für die Fühlung +Ägyptens+ mit
der organischen Natur. In alter Zeit herrschten die Sitten der
Leichenzerstückelung und der Skelettpräparation, die erst durch das
Eindringen der Einbalsamierung aus Nubien verdrängt wurden. Damit war
die Möglichkeit für Anatomie von Menschen und Tieren abgeschnitten.
Neben der Aufzählung der menschlichen Körperteile vom Kopf zum Fuß geht
eine solche nach ritueller Ordnung her. Das Herz ist Sitz der Vernunft.
Der Papyrus Ebers (ca. 1550 v. Chr.) bringt die ersten Berichte über
die Entwicklung des Skarabäus aus dem Ei, der Schmeißfliege aus der
Larve, des Frosches aus der Kaulquappe. Tierhaltung, Tierzucht und
Tierverehrung blühten hier auf. Besonders interessiert das Heer von
Parasiten und veranlaßte zu näherer Erforschung der niederen Tierwelt.
Man kann auch Spuren einer zoologischen Klassifikation darin erblicken,
daß gewisse Tierzeichen zugleich als Gesamtbezeichnungen galten. So
erhielt man vier größere Abteilungen, die zugleich den vier Elementen
entsprachen, und zwar:
1. abgezogenes Tierfell = Quadruped Erde
2. Gans = Vogel Luft
3. Fisch = Wassertier Wasser
4. Wurm = alle niederen Tiere Feuer
Es existieren zahlreiche Tierzeichen, die eine nähere Präzisierung
von etwa 30 höheren Tieren verraten, ferner werden gegen 20 Parasiten
namhaft gemacht. Eine tiefere wissenschaftliche Verarbeitung dieses
schon recht stattlichen Wissens fand jedoch nicht statt.
Die +jüdische+ Zoologie ist im Alten Testament und für die spätere
Zeit in den nicht genau zeitlich zu bestimmenden Schriften des Talmud
niedergelegt.
Das erste Buch Mose enthält die Schöpfungsgeschichte in einer Form,
die an die babylonische anschließt und die ins 6. Jahrhundert v. Chr.
datiert wird. Stärker als in anderen antiken Schriftwerken wird die
Eigenart einer jeden Tierform betont. Der Schöpfungsakt ist ein
Willensakt Gottes, der im übrigen die geschaffene Lebewelt sich
selbst überläßt, aber den Menschen nach seinem Ebenbilde schafft,
zum Herrn über die gesamte Schöpfung, und zwar Mann und Weib. „Wie
der Mensch allerlei lebendige Tiere nennen würde, so sollten sie
heißen.“ Als Tiere werden die Vögel des Himmels, die Wale und allerlei
Wassertiere, die Tiere der Erde, Vieh, Gewürm aufgezählt. Bei Anlaß
der Sintflut wird eine Neuschöpfung erspart, indem die Land- und
Lufttiere, in Noahs Arche gesammelt, die Katastrophe überdauern.
Unterscheidungen in reine und unreine Tiere, Opfervorschriften,
Tierplagen, Vorschriften der Tierzucht verraten keine eigenartige, den
vorderasiatischen Völkern sonst etwa fremde Verhältnisse praktischer
oder theoretischer Art zwischen Mensch und tierischer Lebewelt. Zu
ausführlicherer Aufzählung von Tierarten geben die Speisegebote (III.
Mose 11) Veranlassung, gleichzeitig auch zu allgemeinere Gruppen
zusammenfassenden Unterscheidungen (Spaltung der Hufe, Wiederkäuer,
Flossen und Schuppen besitzende Wasserbewohner). Die Vogelwelt wird in
einzelnen Charakterformen aufgezählt, wobei die Fledermaus einbezogen
ist und die eßbaren Insekten (Heuschrecken) angeschlossen werden. Vor
ihnen werden die Haustiere, hinter ihnen die wilden kleinen Säugetiere,
mit Einschluß der Amphibien und Reptilien, erwähnt. In einer zweiten
Aufzählung wird die Reihenfolge: zahme und wilde Säuger, Wassertiere,
Vögel innegehalten. Zu irgendwelcher wissenschaftlicher Betrachtung
der Tierwelt kam es nicht, auch schlossen die Anschauungen über die
Berührung unreiner Tiere und Unreinheit des Toten jede anatomische
Beobachtung aus.
Die Zoologie des Talmud zeigt weder ein einheitliches Bild, noch ein
wissenschaftlicheres Gepräge als die übrige vorderasiatische Zoologie;
darin finden sich Gemengteile griechischen Wissens mit den bekannten
des Alten Testaments verschmolzen.
Die gesamte jüdische Zoologie ist für die Entwicklung der
wissenschaftlichen Zoologie von großer historischer Bedeutung geworden,
nicht weil von ihr fruchtbare Neuerungen ausgegangen wären, sondern
weil sie als Grundlage christlich-dogmatischer Anschauungen zu jenen
Widerständen gehörte, die erst von der Neuzeit überwunden wurden.