Als Urgeschichte unserer Wissenschaft sondert sich dasjenige Stadium
ab, in welchem +Völker längst entschwundener Zeiten, Naturvölker
unserer Tage, niedere Schichten der Kulturvölker und Kinder+
übereinstimmen. Eine bestimmte Aufmerksamkeit gegenüber der Eigenart
lebender Wesen fehlt; demgemäß auch eine bestimmte Bezeichnung und
Beachtung unterscheidender Merkmale. Im Gegenteil, dem Tier werden
seine spezifischen Eigenschaften genommen und es wird als Karikatur
menschlichen Wesens erfaßt, wie in der Tierfabel. Daneben bildet
es ein Stück des erweiterten Hausrates, als den der Urmensch die
Natur betrachtet, wird auf Nutzen und Schaden geprüft, ja, auch in
kultische Gebräuche einbezogen. Erst wo der Mensch sich das lebende
Tier und seine Produkte dienstbar macht und in Zusammenhang mit
Pflanzenkultur entsteht Tierzucht, eine der ältesten und tiefsten
Quellen für zoologische Beobachtung. Löst sich aus der +Kulturpraxis+
die Tierkenntnis an diesem Punkte ab, so ist eine andere Quelle für
sie in +Jagden und Reisen+ zu suchen. Eine dritte rinnt aus der
+Medizin+, besonders der Kenntnis des menschlichen Körpers und seiner
Teile, endlich auch aus der +Opferschau+. Aber auch allgemeinere
Beziehungen knüpfen den Anfang der Zoologie an Urzeiten und Urzustände,
religiöse Vorstellungen über die Zusammensetzung der Körperwelt, über
Veränderungen in ihr, über Entstehung der belebten und unbelebten
Welt überhaupt. Ja, diese +außerhalb der Tierkenntnis entstandenen+,
der kosmologischen Spekulation entspringenden +Verallgemeinerungen+
kehren mit zwingender Notwendigkeit wieder und teilen sich mit den
Interessen der Praxis wie Tierzucht und Medizin zeitweise in die
Beherrschung zoologischen Wissens auch späterer Zeiten. Dieses erste
Entwicklungsstadium der Zoologie, das mit einer gewissen Regelmäßigkeit
sich wiederholt, hat seine ältesten bleibenden Spuren bereits in
Denkmälern der westasiatischen Völker hinterlassen.