Ritter Lage schreibt: »Mein heiliges Lichtchen soll am Silvesterabend
nicht noch einsamer brennen, als es ohnehin leuchtet. Ich will bei ihm
sein. Du! Du!
Leo ter Mählen hat mir erzählt. Hat mir ein Wort von Dir gesagt, wie es
eben nur das Licht von Lage in seinem Herzen hegen kann: ›Ich will mein
künftiges Leben so formen, als ob ich Ritter Lages Gattin sei und die
Ehre seines Namens zu hüten hätte.‹ –
Und nun sage ich Dir, der ich immer tölpelhaft in Dein Leben eingriff,
Dich mit bösen Worten kränkte, wo Du die Liebe selbst verkörpertest,
und Dich schlug, wenn ich Dich hätte streicheln sollen, daß Du mich
nicht so hart strafen darfst, Gitti. –
Nicht freveln darfst Du – nicht einsam bleiben.
Um Deiner selbst willen nicht, Du starkes, schönes, geliebtes Geschöpf.
_Das_ soll meine Strafe sein, daß ich Dich inmitten der Deinen sehen
muß an der Seite eines kraftvollen Gatten, dem Du gesunde Kinder
schenkst …
Gitti, um eines boshaften, siechen Mannes willen, der Deine Liebe
hundertfach kränkte und verletzte; und der sie zum Schlusse nicht
einmal annimmt aus Deinen reinen Händen … Gitti, – nicht um
meinetwillen darfst Du verkümmern in Einsamkeit und Öde von Lage …
Laß Dich herausreißen von einer starken, vornehmen Männlichkeit,
verschwende keinen Gedanken mehr an mich.
Wenn mein Leiden größere Fortschritte machen sollte, so will ich mich
selbst in Haus Lage vergraben, wenn Du es verlassen hast. Dein Geist,
Gitti, bleibt ja doch darinnen und wird sich meinem brennenden Heimweh
zugesellen …