Überrascht stammelte Amareller. „Wird wohl decht so sein!“

Laut, allen Anwesenden vernehmlich sprach der Richter: „Das ischt eben

die alte und ewig dumme Geschichte. Ihr Bauern haltet immer _männliche_

Hunde, Dörcher und fahrendes Volk immer Weibchen. Und da wundert ihr

Bauern euch dann, und könnt nicht begreifen, daß eure Hofhunde fremde

Leute lautlos einlassen! Geschieht euch ganz recht! Also der Hofhund hat

nicht gemeldet, gut. Habt ihr irgend ein Anzeichen an den Außenseiten

gefunden?“

Servaz verneinte diese Frage und verwies auf die völlig intakt

gebliebenen Fenstergitter.

Langsam ging der Richter von Fenster zu Fenster des Erdgeschosses und

zog einen zusammenlegbaren Maßstab aus der Tasche, mit welchem er die

Sprossenentfernung im Gitter maß.

Staunend sagte Amareller. „Mit Verlaub, Herr Richter, durch selle Gitter

wird decht keiner durchschlupfen können!“

„Du schweigst, bis du wieder gefragt wirst!“ erwiderte der Richter,

namens Ehrenstraßer und prüfte dann die Vergitterung auf etwaige

Konstruktionsfehler, worauf der Befehl erfolgte, es sollen sich alle

Anwesenden in den Flur des Hauses begeben. Nun widmete der Richter seine

ganze Aufmerksamkeit dem Boden rings um das Gehöfte, und suchte nach

Spuren und Fußabdrücken. Um das Haus ist der Boden kiesig, fest, nichts

zu finden. Doch schon in geringer Entfernung wird der Boden,

entsprechend dem bezeichnenden Gehöftnamen (Hemmern = Nißwurz,

moos-sumpfiger Grund) weich, und der Richter hatte nicht lange zu

suchen, da stieß er auch schon auf Abdrücke von Schuhen im moosigen

Boden, eine Fährte von überraschenden Eigenschaften. Einmal finden sich

die Abdrücke stark nach auswärts gerichtet, wodurch der Richter

kombinierte, daß der Erzeuger dieser Fährte Plattfüße habe. Die nächste

Prüfung der Fährte warf aber die Vermutung, daß sie vom Diebe herrühren

könnte, über den Haufen, denn die Fährte geht gemäß den Abdrücken im

weichen Boden auf das Haus zu, nicht von demselben weg.

Der Richter wurde von diesem Faktum einigermaßen überrascht und ging der

Fährte entgegen, weiter in den Moorboden hinein, bis sie sich auf den

zur Sicherung der Passanten gelegten Pfadbrettern verlor.

Ist diese Fährte nun die zum Hause führende, so muß jene, welche vom

Hause wegzieht, gefunden werden. Mit der größten Sorgfalt und

Gründlichkeit suchte der Richter nach der Weggangsspur, er mühte sich

ab, und verwendete alle seine Amtserfahrung für diese Suche, doch

vermochte er nicht einen vom Hause führenden Fußabdruck zu finden. So

kehrte Ehrenstraßer denn zur zuführenden Spur zurück, und hob mehrere

Abdrücke mit charakteristischen Nägeleindrücken aus dem Boden aus, um

sie mit größter Sorgfalt zwischen mitgeführten Pappendeckeln zu

verwahren, und eingebunden der Feldtasche einzuverleiben, die der

Untersuchungsrichter ähnlich wie die Offiziere solche umgehängt tragen,

an der linken Hüftenseite trägt.

Nun wurde der Protokollführer gerufen und demselben alles Einschlägige

über die gemachten Wahrnehmungen diktiert. Zur größten Verwunderung der

Bauern ließ sie der Richter nun einzeln vor das Haus treten, wobei

Ehrenstraßer scharf auf die Formation der Füße achtete. Nicht einer von

den Leuten, auch nicht vom Gesinde, hat Plattfüße.

Der Richter schickte die überflüssig gewordenen Nachbarn nach Hause und

nahm nun die Dienstboten einzeln vor, welche nach der Meinung des

Amareller verdächtig sein müssen, weil die Fenstergitter unbeschädigt

geblieben sind.

Gleich dem ersten Knecht maß der Richter mit dem Zollstab das

Querdurchmaß des Kopfes, das zur Hälfte der Mund des grenzenlos

Überraschten betrug.

„Abtreten! Der nächste vor!“ lautete der Befehl. Ein schmächtig gebauter

junger Bursche trat heran, der nun den rechten Arm über den Kopf

emporstrecken mußte. Rasch wurde nun dem Burschen der Kopf nebst dem

emporgestreckten Arme in der Quere gemessen, und das Resultat machte

den Richter stutzig, denn es betrug der Kopfdurchmesser inklusive Arm

genau 14 cm und dieselbe Distanz weisen die Sprossenentfernungen auf.

Für den Untersuchungsrichter ist dadurch klargelegt, daß dieser Bursche

durch die Gittersprossendistanz durchschlüpfen kann und daß das Gitter

mit 14 cm Sprossenentfernung kein Hindernis für ein Eindringen von außen

bildet. Ist der Bursche daher der Dieb, so brauchte er nicht von außen

einzusteigen.

Eine Kopfmessung der übrigen erachtete der Richter zwecklos, nachdem die

Gittersprossenentfernung die Möglichkeit eines Eindringens von außen

gewährleistet. Die Untersuchung wurde nun auf das Haus im Innern und die

Truhe ausgedehnt.

Viel bot der Lokalaugenschein nicht. Der Richter fand, daß die Truhe wie

ein Koffer geöffnet werden konnte, wenn man den Deckel aufschlug. Rostig

und alt war das Schloß; kaum geeignet, einen besonderen Widerstand zu

leisten; ebenso alt und morsch war das Truhenholz. Ehrenstraßer besah

sich die Stelle genau, wo der unbekannte Dieb mit einem Instrument

eingesetzt haben mußte, um den Deckel aufzusprengen. Deutlich ist zu

sehen, daß ein Stemmeisen knapp neben dem Schlosse zwischen dem obersten

Rand der Vorderwand und dem Deckel eingeführt wurde, das Holz zeigt den

betreffenden Abdruck des Werkzeuges und läßt erkennen, daß auf das Heft

des Werkzeuges ein Druck nach unten ausgeübt worden sein mußte. Das

Eisen hat also gleichzeitig in die Vorderwand der Truhe hinunter, mit

dem Schneidende aber auch hinauf auf den Innenteil des Truhendeckels

gedrückt und sohin die Öffnung des Deckels erzielt.

Diese Wahrnehmung ergänzte eine weitere Nachforschung, welche ergab, daß

um das Mal, welches das Eisen in das Brett drückte, das Holz sehr stark

im Gefüge war. Der Eindruck läßt erkennen, daß das Eisen vorne schmäler

gewesen sein muß.

Sorgfältig prüfte der Untersuchungsrichter nun auch die Innenseite des

aufgesprengten Deckels und fand, daß an der Wirkungsstelle, wo das

Eisenende den Druck ausübte, eine Figuration vorhanden ist, die zackig

nach abwärts läuft. Sofort kombinierte der Richter, daß das Werkzeug

kein normales Stemmeisen gewesen sein könne, eher eine Art

Schraubenzieher, dessen eine Ecke an der Schneide abgebrochen sein

mußte. Dieses Eckenteilchen war aber nicht zu finden, so sehr sich

Ehrenstraßer auch abmühte. Nun wurden die Entfernungen der Druckstellen

gemessen und die Resultate dem Protokollführer diktiert. Ohne das

Instrument selbst zu haben, ist zu konstatieren, daß die Schneide jetzt

38 mm breit ist, daß sie vor dem Abbrechen der Ecke 41 mm breit war und

daß das Stemmeisen 94 mm von der Schneide gegen das Heft hin gemessen,

eine Breite von 54 mm haben mußte.

Weitere Erfolge konnten nicht erzielt werden. Gleichwohl nahm der

gewissenhafte Richter nun noch die Verhöre der Dienstboten vor und zwar

wurde zunächst die Küchenmagd Gretl, eine kräftige junge Person,

citiert, die zitternd in der Verhörstube erschien.

Ehrenstraßer richtete die üblichen Vorfragen an die Person in

hochdeutscher Sprache, bekam aber keine Antwort, daher er die Fragen im

Dialekt wiederholte. Jetzt verstand ihn die Magd und gab ihr Nationale

an.

„Hast du in der vergangenen Nacht etwas Besonderes wahrgenommen?“ frug

der Richter.

Die Magd wechselte die Farbe, ward bleich, dann wieder rot, ein Beben

lief durch den ganzen Körper, eine unverkennbare Angst war vom Gesicht

abzulesen. Stotternd beteuerte Gretl: „Ich hab' ganz gewiß nichts

g'stohlen!“

„Das glaub' ich ja auch! Aber du mußt mir schon sagen, was du in dieser

Nacht beobachtet hast. Ischt jemand eingestiegen?“

„Sall woaß ich nuit!“

„Ischt jemand an deiner Thür' vorbei?“

„Sall schon!“

„Und was ischt dann geschehen?“

„Ich kann's nicht sagen, ich hab' zu fest g'schlafen und bin erst wach

worden, wie's vorbei war!“

„Was war vorbei?“

Zögernd und in großer Scheu gestand die Dirn, daß sie beim Erwachen

einen Strohkranz um den Kopf hatte.

„Hast du einen Burschen in der letzten Zeit abgewiesen?“

Gretl nickte.

„Welcher Bursch' war das?“

„Der Seppel, seller, der heute von Enk gemessen worden ischt mit'm Kopf

und Arm!“

„Also ischt jener Seppl dir aufsässig, er verfolgt dich?“

„Ja, sall ischt schon so!“

„Liegst du allein in der Schlafkammer?“

„Es liegt noch die Stalldirn drinnen in der Nacht!“

„Und diese hat auch nichts gehört?“

„Nein!“

„Hast nichts gefunden, was der Seppl in der Schlafkammer zurückgelassen

hat?“

„Decht wohl! Ein rotes Tüchel hat er vergessen!“

Jetzt wußte der erfahrene Richter den Sachverhalt genau, den er der

Dirne aufzählte: „Der abgewiesene Seppel wollte sich an dir rächen! Er

ischt heute Nacht mit einer rot verhüllten Laterne[1] in die Kammer

geschlichen und ihr Dirnen habt fest geschlafen. Zum Hohn und Spott hat

der Seppel dir den Strohkranz auf den Kopf gelegt, den du beim Erwachen

vorgefunden hast.“

„Sall ischt richtig! Ich bitt', gnä' Herr, verzählen Sie's nicht

weiter, die Schand' ischt zu groß!“ bat die Dirne flehentlich.

„Schon gut! Vom Einbruch hast du nichts wahrgenommen?“

„Nichts, gnä' Herr!“

Das Verhör der Stalldirne ergab nur die Bestätigung, daß der Strohkranz

vorgefunden wurde. Vom Einbrecher selbst fehlt jede Spur. Die

Untersuchung wie das Protokoll wurden geschlossen und die

Gerichtskommission verließ den Hemmernmooshof und dessen laut um sein

verlorenes Geld jammernden Besitzer.

* * * * *

In seiner kahlen, dürftig mit den allernotwendigsten Geräten, wie Tisch,

Stuhl, kleines Waschservice und Aktenständer möblierten Kanzlei im

kleinen Gerichtsgebäude des Bergstädtchens präparierte der

Bezirksrichter Ehrenstraßer sorgfältig die zu Amt gebrachten,

ausgehobenen Spuren, die inzwischen eingetrocknet sind, doch die Nägel

und Schuheiseneindrücke deutlich zeigen. Sie werden dem Akt einverleibt,

der nun ruhen muß, bis der berühmte Zufall seine ersehnte Rolle zu

spielen beliebt. Schon wollte der Richter den Akt dem Rubrum „Buchstabe

A“ einverleiben, da fiel Ehrenstraßer ein, die Angelegenheit doch nicht

mit der heutigen, nahezu ergebnislosen Untersuchung auf sich beruhen zu

lassen. Der Amtsdiener Perathoner, ein kugelrundes Männchen, das in der

Körperfülle im schreienden Gegensatz zur mageren Gage stand, erhielt

Befehl, den Gendarmeriewachtmeister zu holen, und geschäftig wie immer,

eilte der Diener zur Kaserne.

Ehrenstraßer erledigte inzwischen einen Citoakt in seiner ruhigen,

gewissenhaften Weise. So still ist's in dem kahlen, schlechtgetünchten

Raum, daß das Kritzeln der Feder auf dem ziemlich rauhen Aktenpapier,

sowie das Summen einiger nach Freiheit lüsternen Fliegen an den

geschlossenen, vorhanglosen Fenstern das einzige Geräusch geben.

Ganz in die Arbeit versunken, überhörte der Richter das leise Klopfen

sowie das Aufklinken des Thürschlosses. Erst als eine silberhelle

Mädchenstimme rief: „Lieber Papa!“ hob Ehrenstraßer den Kopf und blickte

auf.

„Ah, mein Herzensschatz! Tritt nur ein, Emmy! Was führt dich zur

Amtszeit zu mir?“

Verlegen, lieblich errötend steht die etwa zwanzigjährige blonde Tochter

aus erster Ehe vor dem Papa, eine hübsche Erscheinung, und in der

Kopfbildung wie in den Augen von unverkennbarer Ähnlichkeit mit dem

Vater. Ob der leisen Rüge, die Emmy in der Frage Papas sogleich empfand,

bat die Tochter, das Eindringen in die Kanzlei zur Amtszeit gütigst

entschuldigen zu wollen.

„Schon gut, Emmy! Du weißt, daß ich während der Amtsstunden

ausschließlich meinem Berufe angehöre und hier Störungen in

Privatangelegenheiten vermieden wissen will. Es muß sonach deinem Besuch

ein besonderes Ereignis zu Grunde liegen! Sprich, mein Kind: Was führt

dich hierher?“

Ehrenstraßer hatte sich erhoben und trat seiner Tochter näher, die

plötzlich die Arme ausbreitete, dem überraschten Vater um den Hals fiel

und an seiner Brust zu weinen begann.

„Emmy Kind! Was soll denn das bedeuten?“

Unter Thränen schluchzte die Tochter: „Verzeih, lieber Papa! Laß mich

weinen an deiner treuen Vaterbrust!“

„Um Gotteswillen! Was bewegt dich so sehr? Was ischt denn vorgefallen?“

Das Mädchen erbebte und weinte heftig, ohne eine Antwort zu geben.

Forschend richtete der Richter seine scharfen Blicke auf die Tochter,

deren Verhalten ihm völlig unfaßbar erscheint.

„Hat es zu Hause Verdruß gegeben, Emmy?“

Die Tochter schüttelte den Blondkopf.

„Ischt dir jemand zu nahe getreten? Ich kann das bei den ruhigen

Verhältnissen in unserm Städtchen nicht glauben. Sprich, mein Kind! Und

vergiß nicht: Ich bin zur Arbeit hier verpflichtet! Sprich!“

„Ich kann nicht, lieber Papa!“ stammelte Emmy.

„O, Weiber! Widerspruch über Widerspruch! Da kommst du mir in die

Kanzlei in einem Zustande, der an Fassungslosigkeit grenzt, suchst eine

Aussprache mit deinem Vater und nun du reden darfst, und sollst, heißt

es: Ich kann nicht reden! Das verstehe, wer will; ich verstehe es

nicht!“

„Verzeihe, guter, lieber Papa!“

Der Richter wurde stutzig und wiederholte die Worte: „Verzeihe, guter,

lieber Papa! Das klingt gewissermaßen verdächtig! Ist im Herzkämmerchen

etwas nicht in der Alltagsordnung, was?“

In großer Verwirrung flüsterte Emmy unter erneuter Umarmung dem Vater

zu: „Verzeih' mir, süßer Papa! Ich kann nichts dafür — Franz!“

Jetzt löste Ehrenstraßer die Umarmung und ernst sprach er: „Was muß ich

hören? Wer ischt Franz? Wie kommt meine engelreine Tochter zu einem

Franz? Wer ischt das? Was hat es gegeben? Ich will nicht hoffen — —“

Abwehrend rief Emmy: „Nein, nein, lieber Papa, wie kannst du nur denken!

Ich kenne meine Pflicht! Aber —“

„Was aber?“

Verwirrt stammelte Emmy: „Franz, der Sohn des Cementfabrikanten

Ratschiller, hat mich begleitet auf dem üblichen Spaziergang und hat

mich —“

„Nun?“

„..... hat mich gefragt, ob ich seine Frau werden möchte! Verzeihe mir,

lieber Papa!“

„So? Das ischt ja das Allerneuste! Und der junge Mann scheint nicht zu

wissen, bei wem man zuerst in solchen Angelegenheiten anfrägt?“

Errötend lispelte Emmy: „Verzeihe, Papa! Franz wollte zuerst meine

Meinung wissen, er kommt dann gewiß zu dir, um deinen Segen zu

erbitten!“

„Ei, der Tausend! Also perfectum est! Ich muß sagen: Eine solche

Selbständigkeit hätte ich meiner sanften Emmy gar nicht zugetraut! Du

hast dem Cementmenschen also schlankweg dein Jawort gegeben?“

„Doch nicht, lieber Papa! Ich habe nur gesagt, Franz solle um deinen

Segen bitten!“

„Ach, du liebe Einfalt vom Lande!“ lachte der Richter auf.

„Bitte, bitte, lieber Herzenspapa, sei nicht böse, und gieb uns deine

Einwilligung!“ flehte in holder Verwirrung die Tochter.

„Adagio, lento tempo, Kind! Ein alter Jurist überstürzt nichts! Und im

tempo furioso wird nicht geheiratet. Der alte, goldene Juristenspruch:

„Quis, quid, ubi, quibus auxilius, cur quomodo, quando“ gilt auch in

diesem Falle!“

„Papa, ich verstehe kein Wort von dem gelehrten Zeug!“

Ehrenstraßer lächelte. „Das glaub' ich gern! Doch genug nun von der

überraschenden Sache! Geh' heim, Emmy, wir werden darüber schon noch

reden!“

„Bitte, Herzensväterchen, bitte schön!“ schmeichelte das Mädchen.

„Nur nicht pressieren, Kind! Ich höre Stimmen im Warteraum, es wird der

citierte Wachtmeister kommen! Verlaß mich nun, Kind, mich ruft die

Pflicht! Adieu, Emmy!“

Das Mädchen küßte Papa herzhaft und wirbelte dann zur Thüre hinaus.

„Eine schöne Bescheerung! Aber ein gutes Kind ischt Emmy doch, denn von

dem Werber weg ischt sie zum Vater gelaufen! Eigentlich ganz natürlich,

ich bin ihr ja der einzige und nächste, hm, der einzige dürfte ich

gewesen sein!“ murmelte der Richter und klingelte dann.

„Herr Bezirksrichter befehlen?“ fragte der eintretende Diener.

„Ischt der Wachtmeister da? Soll eintreten!“

„Zu Befehl, Herr Bezirksrichter!“ rief Perathoner und schob seine

Kugelgestalt ins Vorzimmer hinaus.

Gleich darauf trat der stämmige Gendarmeriewachtmeister, der wohl in

Uniform war, jedoch nur das Seitengewehr und statt des Federnhutes das

gewöhnliche Dienstkäppi trug, salutierend ein und stellte sich

militärisch stramm vor dem Richter auf. „Herr Bezirksrichter befehlen?“

„Mein lieber Wachtmeister! Sie werden vom Gendarmen, der heute mit auf

Kommission beim Amareller war, bereits erfahren haben, daß wir nicht

viel Erfolg hatten. Ich will den Akt nun nicht schlummern lassen,

vielleicht kann seitens der Gendarmerie gelegentlich eine wertvolle

Wahrnehmung gemacht werden. Ich möchte Sie daher dahin verständigen, daß

nach dem Befund der erbrochenen Truhe im Hemmernmooshofe das gebrauchte

Werkzeug sehr wahrscheinlich ein Schraubenzieher mit einer abgebrochenen

Ecke gewesen ischt. Achten Sie und die Ihnen unterstellte Mannschaft bei

Requisitionen, Besuchen und sonstigen Patrouillen auf ähnlich

beschaffene derartige Werkzeuge und erstatten Sie mir dann sogleich

Anzeige.“

„Sehr wohl! Haben Herr Bezirksrichter sonst noch Befehle für mich?“

„Nein! Ich danke Ihnen!“

Mit militärischem Gruß trat der Wachtmeister ab. Der Richter wollte sich

weiter seiner Arbeit widmen, doch parierten die Gedanken nimmer, die

sich mit der überraschend gekommenen Verlobung beschäftigten. So quälte

sich Ehrenstraßer ab, einen Akt fertig zum Expedit zu stellen und

endlich legte er die Feder nieder und ging nach Hause.

Bergrichters Erdenwallen · 第 9 / 40 题