der schönen Dorothee. Mit Anbruch des Tages stand der Indianer auf,
schlug die Fensterbalken auf, und nahm den Korb wahr. Er setzte die
Augengläser auf, und sah zu seiner größten Verwunderung dieses große
Kind in dem Korbe liegen. Sein erster Gedanke war wirklich, daß es
ein Findelkind sey, das man ihm vors Haus gebracht hätte, und er rief
seinen Bedienten, daß er es herab nehmen, und vor ein anderes Haus
legen solle. Der Bediente konnte nicht sehen, was im Korbe wäre, weil
der Korb so hoch hing, und schnitt den Strick ab, um den Korb mit den
Händen aufzufangen; das Kind fiel aber mit solcher Gewalt herunter, daß
es den armen Bedienten zu Boden warf. Das Kind selbst schlief so sanft,
daß es selbst von dieser Erschütterung nicht erwachte. So wehe sich der
Bediente gethan hatte, brach er doch in ein lautes Gelächter aus, als
er das Kind erblickte. Er trug es mit Hülfe seines Herrn in die Stube,
und hier bemerkten sie erst einen Zettel, den es im Busen stecken
hatte. Er lautete: „Die Mutter dieses Kindes hat es Armuths halber
in ihren Armen hierher getragen, und bittet, sich seiner anzunehmen.
Übrigens ist es schon seit einiger Zeit getauft.“ Der Indianer und der
Bediente suchten es zu wecken; sie kitzelten und kneipten es; alles
war aber vergebens. „Wahrhaftig,“ sagte der Indianer; „ich habe noch
kein Kind gesehen, das einen so gesunden Schlaf gehabt hätte.“ Indessen
kamen sie doch bald auf die Vermuthung, daß dieser unnatürliche
Schlummer die Wirkung eines Schlaftrunkes sey. Erst gegen Mittag kam
Thadeo zu sich; und als er seinen lächerlichen Aufzug erblickte, und
sah, daß er in einer ganz fremden Wohnung sey, fing er zu schreyen
an, daß der Indianer und sein Bedienter herbey liefen, die ihm denn
erzählten, in was für einem Zustande sie ihn gefunden hätten. Er
schnaubte vor Wuth, und schwor allen, die an dieser Beschimpfung Theil
hätten, sie zu vernichten. Er ließ sich Kleider bringen, und machte
sogleich Anstalt, um Dorotheen mit ihrer ganzen Gesellschaft in Verhaft
nehmen zu lassen. Sie war aber schon längst zu Illescas, wo sie mit
ihren Mitschwestern überein kam, nach Granada zu reisen, um dort neue
Abenteuer, die ihrer würdig wären, aufzusuchen.
Wie lange sie dieselben fortsetzten, meldet die Geschichte nicht: so
viel läßt sich vermuthen, daß sie sich bald von einander zu trennen
genöthigt sahen, welches sie um so leichter thun konnten, da jede schon
in Schäfchen ins Trockne gebracht hatte.
_ENDE._