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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der 1791 erschienenen Buchausgabe
so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Zeichensetzung
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schwer verständlich, dennoch wurden diese unverändert übernommen.
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[Illustration: Donna Feliciana.
_Ch. Sambach del._ _Cl. Kohl Sc. N._
]
DIE
HARPYEN
VON
MADRIT,
ODER DIE
POSTKUTSCHE.
AUS DEM SPANISCHEN
DES VERFASSERS DER DONNA RUFINA.
_Wien_,
gedruckt und verlegt von Ignaz Alberti.
1791.
Inhalt.
Seite
DIE HARPYEN VON MADRIT. 3
ERSTE SPAZIERFAHRT. 37
ZWEYTE SPAZIERFAHRT. 93
DRITTE SPAZIERFAHRT. 140
VIERTE SPAZIERFAHRT. 160
_DIE
HARPYEN
VON MADRIT,
ODER
DIE POSTKUTSCHE._
Sevilla, eine alte Stadt in Spanien, die Hauptstadt Andalusiens, die
Schatzkammer der Reichthümer im südlichen Indien, die Vaterstadt
der edelsten und erlauchtesten Familien, erzeugte auch zwey schöne
Schwestern. Ihr Vater hatte in einer indischen Expedition sein Leben
eingebüßt, und so lebten sie denn als arme, verlassene Waisen in
Gesellschaft ihrer Mutter, die sich als Wittwe kümmerlich behalf;
denn sie hatte mit ihrem Manne zu Havana zugleich all ihr Vermögen
verloren. Ihre letzte Hoffnung bestand in einigen kleinen Schulden,
die sie in Sevilla stehen hatte, und die ihr nun heraus bezahlt werden
sollten. Es gelang ihr auch nach Wunsche, und sie beschloß, ihren
Wohnsitz, und ihre Lebensart zu ändern, und zwar bevor sich das Gerücht
vom Tod’ ihres Gemahls weiter verbreitet haben würde. Sie konnte noch
nicht mit sich selbst überein kommen, ob sie Granada oder Cordova
vorziehen sollte; und mitten in dieser Verwirrung trat eine ihrer
ältesten Freundinnen zur Thür herein, der sie auch alsobald ihren
Entschluß sammt den Schwierigkeiten, die sich fänden, vortrug. Das
Mütterchen hatte manches in der Welt erfahren, und sprach der ehrlichen
Frau bald Muth ein.
„Liebe Theodore,“ sagte sie (so hieß unsre Wittwe), „es freut mich, daß
Sie mir so treuherzig begegnet; und ich -- dabey nahm sie eine tüchtige
Prise Spaniol -- und ich will eben so unbefangen reden; denn ich habe
manche Schule durchlaufen, und habe Sie herzlich lieb. Wenn Sie eine
Reise machen will, so fahre Sie nicht auf dem Teich’ auf und nieder;
man kommt nicht weit. Granada und Cordova sind schon breite Ströme, auf
denen sich eine schöne Spazierfahrt machen, und nebenbey ein tüchtiger
Hecht an die Angel kriegen läßt. Sie wimmeln von Kaufleuten, Notarien;
sie haben alle Edelleute und vermögliche Bürger; aber was sind sie
wohl gegen Madrit, gegen die Residenz des Hofes? -- Ein Dorf. Was
sag’ ich ein Dorf? -- Eine elende Bauernhütte. Madrit ist ein großes
Meer, auf dem der Kahn, wie das Kriegsschiff, fortkommt, und auch ein
kleines Boot nicht zurück bleibt. Alle Fremden versammeln sich dort;
wer sich verstecken will, findet dort seinen Schlupfwinkel; es ist so
groß, so belebt; mit einem Worte: wer sein Glück machen, wer aus dem
Staube kriechen will, muß dort anfangen. Wie manche niedere Abkunft
ist dort umgekauft worden, und hat für altes adeliges Geblüt gegolten!
Alle Wunder und Verwandlungen geschehen dort. O Theodore, du hast ja
gewonnen Spiel! Der Himmel hat dir so hübsche Dingerchen zu Töchtern
gegeben. Wären sie mein, die lieben Närrchen; jede sollte mir so viel
Ausbeute liefern, als eine Goldgrube in Indien.“
„Ich hatte nur eine Nichte, mit der ich nach Madrit ging. Sie hatte
nichts, als ein Paar schwarze Augen, und eine angenehme Stimme; aber
ein gelehriges Köpfchen hatte sie, das sich in all und jedem nach mir
richtete. Dafür ging auch alles wie am Schnürchen. Was gab es da nicht
für Dublonen, für Gallakleider, für Perlen, für Schmuck? Wo war ein
Fest, dem wir nicht beygewohnt hatten? Kurzum, sie war der Abendstern,
der in Madrit schimmerte wir hatten alles in Überfluß, und hätten es
noch, wenn sich die Hexe nicht Narrheiten in den Kopf gesetzt hätte.
Da vergaffte sie sich in einen Hauptmann, der sie und mich ins Unglück
stürzte. Gott verzeih’ ihm die Sünde, dem garstigen Kerl! Zuerst
schwatzte er uns alles ab, was wir zusammen gebracht hatten, und am
Ende kostete er sie gar ihr junges Leben. So ein Mädchen, das sein
Glück in der Residenz machen will, muß gar nicht verliebt werden. Wenn
nun erst du mit deinen zwey bildschönen Mädchen nach Madrit kommst, was
kannst du dir erst versprechen? Was können sie nicht mit ihren übrigen
angenehmen Eigenschaften für Glück machen? -- Der ganze junge reiche
Adel wird dir nachlaufen. Je mehr ihr diesen Herrchen schmeichelt,
desto untertäniger werden sie vor euch herum kriechen. Könnt’ ich dir
Gesellschaft leisten, du würdest sehen, wie gut ich dir immer mit
Rath und That an die Hand gehen würde. Ich hab’ aber schon über zwey
Drittheile meines Lebens verlebt, und bereite mich nun in der Stille
zu einem seligen Ende. Dafür will ich dir aber einen ausführlichen
Unterricht niederkritzeln, und wie eine kleine Hausapotheke mitgeben,
in der du alles finden wirst, was Zeit und Umstände fordern.“
Die gute Alte weinte noch einige Thränen, und nahm von ihrer Freundinn,
die sie nun vor ihrer Zusammenkunft in Elysium nicht mehr zu sehen
Hoffnung hatte, den zärtlichsten Abschied. Sie hielt auch Wort, und
schickte den kleinen Entwurf, von dem wir eben gehört haben, und
der Theodoren in der Folge wirklich manche gute Dienste that. Die
Reisegesellschaft bestellte sofort ihre Plätze auf dem Postwagen von
Sevilla, versah sich mit einer ansehnlichen Guarderobe, und fuhr
fröhlich nach Madrit ab.
Indeß wir sie hinfahren lassen, ist es billig, daß wir die zwey
Töchter Theodorens, die doch eigentlich unsere Hauptheldinnen sind,
näher kennen lernen. Die ältere -- Feliciane hieß sie -- war zwischen
achtzehn und neunzehn Jahren; ihr Antlitz war nach dem schönsten
Ebenmaße geformt; sie hatte schwarze Haare, pechschwarze Augen, schön
geschlitzte Nasenlöcher, einen reitzenden kleinen Mund, frische
lüsterne Lippen, und kleine, enge, schneeweiße Zähne. Ihre Wangen
hatten, ohne das, was die Kunst hinzu that, eine gesunde Röthe; ihr
Blick war mild, und ihre Stimme war der feinste Silberton. Diese hatte
sie auch nicht ganz ungebildet gelassen; sondern ein Musikmeister hatte
sie so weit gebracht, daß sie zur Harfe oder Guitarre verschiedene
Lieder so schmelzend singen konnte, daß es Wunder wirkte. Dabey war
sie die reitzendste, leichteste Tänzerinn, die man sich vorstellen
kann; man hätt’ ihr stundenlange zusehen können.
Die andere Schwester, welche Louise hieß, war nun ein Jahr jünger als
Feliciane; sie war ein wenig brunetter, hatte hell funkelnde Augen,
die wie Blitze wirkten. Nase, Mund und Zähne waren ein wenig kleiner,
als die ihrer Schwester, aber sie verloren nichts dadurch, sondern
gewannen vielmehr einen eigenthümlichen Reitz. Sie war nicht so schlank
aufgeschossen, aber dafür war sie lieblich, rund und kernicht. Sie
tanzte und spielte auch die beyden Instrumente ein wenig besser, als
ihre Schwester; wenn sie aber beyde spielten, war man in Verlegenheit,
welcher man den Vorzug geben sollte.
Mit diesen zwey Töchtern steuerte nun Theodore fort, wie ein Corsar,
der mit einem festen Schiff’, und zwey Kanonen, denen nichts
widerstehen kann, vom Lande stößt.
Der Mutter lachte das Herz vor Freuden, wenn sie die zwey Lämmchen,
die sie zum Schlachtaltare führte, so allerliebst vor sich sitzen sah,
und schmiedete nun unablässig an Planen, die sogleich auf die Bahne
gebracht werden sollten.
Von Felicianen wußte man weiter keine Narrheit, die sie begangen hätte,
als einige kleine Begünstigungen, die sie dem artigen Tanzmeister
für seine Mühe mit Anstand nicht wohl abschlagen konnte. Ihre Mutter
drückte ein Auge zu, da es nun schon vorbey war; dafür schärfte sie
ihr aber nun Standhaftigkeit und Widersetzlichkeit ein, und hoffte
von Louisen, sie würde ihre Erstlinge so reichlich an Mann bringen,
daß damit beyde bezahlt wären, wie ein Vogelkrämer manchmahl ein Paar
Rebhühner theuer verkauft, weil das eine um desto fetter ist, als das
andere.
Nun blieb Theodoren nichts mehr übrig, als daß sie ihren Töchtern
Nahmen gab, und sich selbst einen anständigen beylegte; denn diese
Vorsicht hatte ihr die Alte als höchst wichtig eingebunden. Da es
nun schon einerley war, welchen sie wählte, beschloß sie sich in die
vornehmsten Familien des Königreichs einzulügen. Sie nannte daher ihre
älteste Donna Feliciana von Toledo; für die zweyte zog sie den Nahmen
aus dem Hause Alba mit Haaren herbey, und sich selbst nannte sie mit
Erlaubniß des Herzogs Donna Theodora von Cordona. Mit diesen prächtigen
und wohlfeilen Nahmen geziert, erreichte die Gesellschaft das Stadtthor
von Toledo. Sie packte nun ihre zwey Fräulein und ihr weniges Geräth
ab; denn sie hatte fast alles zu barem Gelde gemacht, weil sie sich
dann in Madrit ganz neu einrichten wollte.
Sie brachten die Nacht ziemlich unbequem zu, und bezogen den nächsten
Morgen eine ansehnliche Wohnung in der Degenstraße. In demselben wohnte
ein alter Cavallero, der in der Erwartung einer Seneschallstelle für
die Dienste, die er Seiner Majestät geleistet hatte, hier schon ein
ganzes Jahr zubrachte. Es plagte ihn mit unter manchmahl die lange
Weile, und er war denn sehr zufrieden, so artige Nachbarinnen zu
erhalten. Er war auch ohne Verzug so höflich, sich ihnen zu allem, was
sie befehlen würden, anzutragen. Sie dankten ihm für diese besondere
Gefälligkeit, da sie nun weiter in keiner Verlegenheit wären, als wie
sie einen anderen Miethwagen bestellen könnten, der sie den folgenden
Tag nach Madrit brächte. Der Cavallero nahm auch sogleich dieß Geschäft
über sich, und sie fuhren in seinem eigenen Wagen nach Madrit ab.
Der Kutscher führte sie durch die Straße de la Merced in die
Tolederstraße, von da kamen sie ans Thor von Quadalaxara, und in die
Goldschmidgasse[A], und endlich auf die allberühmte große Straße
(_calle mayor_). Da besann sich Theodore, daß diese Straße die Rennbahn
sey, von der sie nun auf einem Chariot (_Galera_) auslaufen müßte, um
ihr Seeräuberhandwerk zu treiben. Ohne lange zu berathschlagen, hielt
sie so wohl nach ihrem eignen Urtheile, als nach den weisen Ermahnungen
ihrer alten Freundinn, dafür, daß die Gegend um St. Sebastian von
der Madriter Jugend am häufigsten besucht werde, theils weil hier
das Theater wäre, theils weil diese Gegend, wie ihr der Kutscher zu
ihrem größten Ärgernisse sagte, hierum manche Damen von zweydeutigem
Gelichter bewohnten. Theodore ging über diesen Umstand hinaus, und
beschloß, ihren Wohnsitz nicht weit von hier aufzuschlagen. Da sie aber
dem Kutscher keinen Argwohn geben wollte, hieß sie ihn noch ein wenig
weiter fortfahren, und so kamen sie durch die Hieronymusstraße in die
Fürstenstraße. Als sie beyläufig in der Mitte derselben seyn mochten,
sahen sie auf einem ganz artigen Hause einen Anschlagzettel an der Thür
kleben. Theodore ließ anhalten, und las, daß ein geräumiges Gelaß zu
vermiethen sey. Sie ließ den Wagen an das Haus fahren, und fragte, in
welchem Stockwerke das Gelaß sey. Man sagte ihr, daß es zu ebner Erde,
nur einige Stufen von der Hausthür, kurz, gerade so wäre, wie sie es
nach ihrem löblichen Plane wünschen könnte. Sie ward denn mit der Magd,
einem alten verdächtigen Figürchen, das ihnen die Wohnung gezeigt
hatte, sogleich über den Preis einig, und ließ sich die Schlüssel geben.
Sie gingen ins erste Gemach, und fanden eine ältliche Wittwe auf
einem kleinen Polsterstuhle sitzen, die einen langen Rosenkranz in
der Hand hielt, und eben ihre Abendstunden bethete. Sie saß ganz
gravitätisch da, und ein Paar große Augengläser, die sie unter dem
kleinen Häubchen fest gemacht hatte, gaben ihr ein noch ehrwürdigeres
Ansehen. Sie stand sogleich auf, als sie Fremde kommen sah, und grüßte
sie mit vieler Höflichkeit; als sie aber erst die zwey Mädchen näher
erblickte, umarmte sie beyde mit einem lauten Jubel, und schrie:
„So schöne Engelchen sollen wir ins Haus kriegen? Das ist ja gar
allerliebst! Wollen Sie wirklich bey mir wohnen? -- Nu, das freut mich
herzinniglich. Sie können unmöglich von Madrit seyn; denn sonst müßt’
ich ja längst von so schönen Gesichtern gehört haben.“
Theodore antwortete, daß sie gar nicht irre, und daß sie gerade aus
Mexico in Neu-Spanien kämen.
„Dacht’ ichs nicht gleich,“ sagte die Alte, indeß sie den langen
Rosenkranz in die Tasche schob, und die Augengläser abnahm -- „dacht’
ichs nicht gleich, daß sie aus einem andern Welttheile kommen, die
Schätzchen? Ich bitte, setzen Sie sich; meine Töchter schlafen noch
sorgenlos; das junge Völkchen schläft immer gern.“
Die drey Mexicanerinnen gehorchten, und begannen über den Preis des
Gelasses zu sprechen. Das Mütterchen erklärte ihnen sofort, daß das
Haus nicht ihr gehöre; daß sie aber fünf Monathe befugt wäre, die
leeren Wohnungen zu vermiethen; eigentlich gehöre das Gelaß einer ihrer
Freundinnen, die sich nur auf eine kurze Zeit aus der Residenz entfernt
hätte; indessen wolle sie sie doch bald zufrieden stellen, und mit
dem Hausherrn sprechen, der ein friedliebender reicher Ritter wäre,
der sich gern gegen jedermann gefällig bewiese. Sie sagte ihnen auch
gleich, wie weit sie sich einlassen dürften. Sie kamen auch wirklich
überein, gaben sich den gewöhnlichen Handschlag zum Zeichen, und nun
traten aus einem Nebensaale zwey Damen, beyläufig von demselben
Alter, und beynahe eben so schön, als unsre Heldinnen. Sie waren erst
zur Hälfte gekleidet, in reinen weißleinenen Überröcken, und kleinen
Mützchen von grüner Seide, die ihnen gar lieblich ließen. Die Haare
waren aufgelöst, und schwammen großen Theils um die Schultern. Sie
waren über die schönen Mexicanerinnen beynahe betroffen, grüßten sie
aber doch ungemein artig; und als sie gar hörten, daß sie bey ihnen
unter einem Dache wohnen würden, bezeugten sie außerordentliche Freude
darüber. Indessen muthmaßten beyde wechselseitig wohl, mit wem sie die
Ehre zu sprechen hätten, obschon sie sichs nicht im geringsten abmerken
ließen. Donna Theodora von Cordona bewunderte noch die geschmackvolle
Einrichtung von Stephaniens, des alten Mütterchens, Wohnung, und
beschloß, ihr Gelaß eben so einrichten zu lassen.
So hätten wir denn nun unsre schönen Sevillanerinnen glücklich nach
Madrit gebracht, hätten sie mit Wohnung versehen, hätten die Wohnung
mit einem ansehnlichen Sümmchen eingerichtet; sie hätten sittsame
Bettgardinen, Fußteppiche, weiche Stühle, einen bequemen Sopha, und ein
Paar Putztische. Nun fehlt denn nichts mehr, als eine Gelegenheit, den
ersten Tritt mit Anstand’ und Aufsehen in die große Welt zu thun, und
in diesem Meere, wie sich die Alte zu Sevilla ausgedrückt hatte, den
ersten Pfundhecht zu angeln.
Zum Glücke fiel ein Festtag im Dreyfaltigkeitskloster vor, dessen
Kirche alles zu besuchen pflegte, was Schimmerndes und Artiges am Hofe
lebte. Zu diesem Feste nun führte sie Donna Stephanie, und um es ihnen
bequemer zu machen, miethete sie einen von den bekanntesten Wagen, die
sonst immer ihre Töchter zu haben pflegten. Feliciane und Louise hatten
schon zwey gewöhnliche Kleider genommen, erkundigten sich aber noch
glücklich vor der Abfahrt bey ihren Nachbarinnen, wie sie sich putzen,
und überhaupt benehmen müßten; und da sie schöner waren, als diese,
hatten sie nun durch den treulichen Unterricht, den sie erhielten,
viel vor den andern voraus. Sie kamen denn zum Feste, und da um das
Kloster ein Umgang gehalten wurde, nahmen sie ihren Platz bey einem der
vier Altäre, die in den vier Ecken standen. Hier mußte alles bey ihnen
vorüber, und allem, was in Galla war, standen sie gerade im Gesichte.
Unter den vielen Edelleuten, die nun vorüber gingen, kamen auch vier --
aus Cordova waren sie -- die das Antlitz der zwey schönen Schwestern
sehen konnten; denn sie hatten, als diese vorüber gingen, die Schleyer
gelüftet.
Unter ihnen war Don Fernando Antonio, ein rascher Jüngling von fünf
und zwanzig Jahren, schön gebildet, und seit einigen Monathen Herr
von zwey Majoratgütern, die ihm jährlich ein beyläufiges Sümmchen
von vierzehn tausend Ducaten abwerfen mochten. Er lebte nun am Hofe
vollauf, und bezahlte für die drey anderen, die ihn begleiteten. Als
sie nun zu den Sevillanerinnen kamen, banden sie bald ein Gespräch mit
ihnen an, und Donna Louisa von Alba sprach so sanft, so launig, so
schmelzend, so fein, daß Don Fernandos Liebeszunder Feuer fing. Sein
Herz war fort, wie die Taube aus dem Schlage; er hätte gern unablässig
geplaudert; aber er mußte ihr aus Artigkeit Raum lassen, den Umgang zu
sehen, und als dieser vorüber war, nahm er mit höchstem Widerwillen
Abschied; denn gern wär’ er diesem andalusischen Engel nimmer von der
Seite gewichen. Die schlaue Theodore merkte den Spuk sogleich, mengte
sich ins Gespräch, fragte ihn, mit wem sie zu reden die Ehre hätte,
und gab ihrer Tochter einen sprechenden Wink, die Beute ja nicht
fahren zu lassen. Die Damen gingen zur Kutsche, und fuhren nach dem
Prado, von dem sie spät zurück kamen; denn alles, was am Hofe glänzte,
hatte sich dort versammelt. Auch Don Fernando fand sich ein. Er
erkannte den Wagen, in dem die schöne Zauberinn mit ihren Freundinnen
fuhr, und sprang flink an den Schlag, um im Anschauen seiner Louise
vollends ein Narr zu werden. Die Dämmerung brach immer stärker ein.
Der Wohlstand forderte, daß er sich entfernte, indessen beschloß er
doch nicht eher nach Hause zu gehen, bis er ihr den ersten Besuch
abgestattet hätte. Er nahm denn einen von den drey Freunden zu sich,
der ihn begleiten sollte, und nun strichen sie, wie verlorne Schafe,
immer vor der Wohnung auf und nieder, bis seine Schöne ans Fenster kam,
und ihn einzutreten ersuchte. Das ließ er sich nicht zwey Mahl sagen;
er ward von Mutter und Tochter mit besonderer Artigkeit empfangen;
das Gespräch währte mit größter Lebhaftigkeit von beyden Seiten, so
lang’ er nur immer mit Ehren bleiben konnte, und er schied endlich
nur, nachdem er die Erlaubniß erhalten hatte, sich den nächsten Tag
wieder einzustellen. Er kam nun immer öfter; man begegnete ihm immer
mit Höflichkeit, aber auch immer mit mehr Zurückhaltung, je näher er
trat. Das konnt’ er in die Länge nicht aushalten, und er beschloß, sich
der Mutter zu erklären. Er beschwor sie, ihr Vorwort bey dem Herzen
ihrer Tochter einzulegen, und ihn nicht länger wie einen Fisch ohne
Wasser schmachten zu lassen. Er vermaß sich hoch, daß seine Liebe wie
die hellste Wachsfackel brenne, und daß er in seinem eignen Feuer
aufgehen müsse, wenn sie ihn nicht bald lösche, und dergleichen andere
auserlesene Floskeln mehr. Die schlaue Theodore lächelte, und hörte den
Strom seines Herzensgusses recht gern fortrauschen.
„Don Fernando,“ sagte sie endlich, „ich bin zu sehr Mutter, und denke,
ob es mir gleich vielleicht nicht zusteht, zu vortheilhaft von meinen
Kindern, als daß ich mich zu sehr wundern sollte, daß Ihnen das Mädchen
gefallen hat. Sie sind aber -- nehmen sie mirs doch immerhin nicht
übel, Don Fernando -- Sie sind wie alle junge Herren mit dem ersten
Blicke verliebt geworden, und haben vielleicht noch gar nicht erwogen,
wer der Gegenstand sey, in den sie sich vergafft haben. Sie haben sich
vermuthlich in der Person getäuscht, und ich bekenne, daß ich selbst
es bin, die dieses Mißverständniß veranlaßt hat. Ich bin, -- obschon
ich Ihren Stand und Charakter nicht im mindesten betasten will --
ich bin für ein Frauenzimmer, für eine Fremde, für eine Mutter mit
meiner Einladung zu rasch gewesen. Ich hatte eigentlich aus langer
Weile gewünscht, bald einige anständige Bekanntschaften zu machen.
Ich muß Ihnen denn sagen, daß Louise und Feliciane die Töchter eines
sehr angesehenen Cavaliers aus Mexico sind, der sein Vermögen und sein
Leben auf einer Reise über Meer eingebüßt hat, so daß wir nun von
einem Gnadengehalte leben. Sie sehen denn, daß ich Ihnen nur darum den
Zutritt gestattet habe, weil man am Hofe gern gesellschaftlich lebt.
Ich zweifle an der Aufrichtigkeit Ihrer Erklärung nicht; aber wenn Ihre
Absichten wirklich ernsthaft, das heißt, auf eine Verbindung gerichtet
sind, so müssen Sie sich mir deutlicher erklären, wie ich mich Ihnen
erklärt habe.“ Über diese letzte Erklärung war Don Fernando ein wenig
betreten: ein Heirathsanschlag war ganz und gar nicht in seinem Plane
gewesen, und sein Feuer war für den Augenblick wirklich ein wenig
zurück geblasen. Er faßte sich aber schnell, und antwortete: „Donna
Theodora, ich war um keine weitere Auskunft Ihres Standes verlegen; die
ehrwürdige Gegenwart Ihrer selbst, und Ihrer liebenswürdigen Töchter
war mir genug. Ich zweifle an keinem Ihrer Worte; aber meine Absicht
war nur -- ich muß es als Ehrenmann unverhohlen gestehen -- Donna
Louisa zu dienen, und wünschte für meine aufrichtigen Dienste die Bande
der Liebe, -- nicht der Ehe zur Belohnung.“
„Don Fernando,“ wollt’ ihm die Mutter in die Rede fallen --
„Erlauben Sie,“ fuhr er fort: „ich scheue diesen engen Knoten, und
hab’ ihn mir in meinem Plan’ in eine ziemlich weite Entfernung hinaus
gesetzt, obschon ich mich dann dazu bequemen werde, um doch einen
Erben meines Vermögens, das nicht unansehnlich ist, zu haben. Ich bin
Edelmann, und kann schweigen; Sie können vollkommen auf mich bauen, daß
Donna Louise durch meine Neigung zu ihr, und durch die Begünstigung
meiner Liebe nichts von ihrem guten Nahmen verlieren wird. Mit einem
Wort’, ich liebe sie unaussprechlich, und bin bereit, alles für sie zu
thun, was mir meine Liebe gebeut, und was mir Klugheit gestattet.“
Donna Theodora stutzte nicht wenig schon beym ersten Anpochen die Thür
der Ehe verschlossen zu finden, das war ein starker Streich, und sie
war in den tieferen Geheimnissen ihrer Kunst noch zu sehr Schülerinn,
als daß er sie nicht hätte betäuben, und von jedem ferneren Versuche
zurück schrecken sollen. Sie merkte zugleich auch zu deutlich, daß
Fernando festes Fußes zu Werke gehe, als daß sie auf Wankelmuth oder
Übergewicht der Leidenschaft hätte rechnen sollen. Sie hätte doch gern
geantwortet, und wußte nicht, wo sie eigentlich einlenken sollte. Sie
suchte denn lange herum, bis sie ein Wort fand, und sagte endlich:
„Bester Don Fernando, ich muß Ihnen nur aufrichtig gestehen, daß ich
mir im Herzen selbst nichts anders vorgestellt habe, als daß Louise
ungeachtet all’ meiner Vorstellungen sich am Ende doch von ihrer
Leidenschaft würde hinreissen lassen. O Gott, wer kann ein Mädchen
hüthen? -- wenn Sie mir ihr Wort geben, mich nicht zu verrathen, so“ --
„O ich bitte, reden sie,“ sagte Fernando.
„Louise hat ihr armes Herzchen an Sie schon eingebüßt. Was wir das
Mädchen nun peinigen und aufziehen!“ --
Fernando wußte wohl, wie er diese Antwort aufzunehmen habe, und war
innigst vergnügt, daß er die Sache so glücklich zu Ende gebracht hätte.
Er war nun der glücklichste Mensch von der Welt, nahm Theodoren bey
beyden Händen, und schwor ihr, daß er sich gewiß dankbar bezeugen
werde. Er gab ihr auch zum Anfange eine Kette von zweyhundert Thalern
am Werthe, die er am Halse trug. Er hing sie der Alten um den
ihrigen, und führte sie zu den zwey Schwestern hinüber, deren jeder
er einen Ring von eben so großem Werthe gab. Er stand auch nicht
länger an, seinen Platz bey Louisen einzunehmen. Ein bedeutender Wink
der Mutter, und der kostbare Ring machten das schöne Mädchen zur
zahmsten Taube. Sie brachten den Tag vergnügt zu, und den nächsten
frühen Morgen schickte er ihr eine reiche Bettdecke, eine Art von
Galanterie, die einzig in ihrer Art ist. Dieß Geschenk schickte er
durch seinen Haushofmeister, der auch Theodoren eine kleine Rolle
von funfzig Escudos in Golde überreichen mußte. Das war ein Jubel und
ein Frohlocken im Hause! -- Theodore dankte dem alten Mütterchen von
Sevilla tausend Mahl, und wünschte ihr für die guten Lehren, die sie
ihr vor ihrer Abreise gegeben hatte, ein seliges Ende zur Belohnung.
Es versteht sich von selbst, daß er seine Wohlthaten nicht an Louisen
allein verschwendete, sondern auch Mutter und Schwester wie Igel
an ihm sogen. Er ward immer verliebter, und stellte sich beynahe
mit jedem Tage herrlicher ein; es war nun kein Spectakel, daß diese
liebenswürdige Familie nicht zuerst gesehen, keine Mode, die sie
nicht unter den ersten getragen hätte. Er hatte zwey Wagen, und der
weniger bekannte, an den vier rasche Rappen gespannt waren, stand ihnen
vollkommen zu Befehle. Sie fuhren auch bald die eine, bald die andere,
den ganzen Tag, Straß’ auf, Straß’ ab.
Man kann sich wohl leicht vorstellen, wie ihre zwey schönen
Nachbarinnen über den schönen Fortgang ihres Glückes mochten gestutzt
haben; indessen da sie jene von allen Leckerbissen, die Fernando’s
Haushofmeister im Überflusse verschaffte, mit naschen, und sie
wechselsweise an jeder Spatzierfahrt Theil nehmen ließen, gaben sie
sich wieder zufrieden, und begnügten sich damit, daß sie sich der
schönen Welt in einer so auffallenden Gesellschaft zeigen konnten.
Acht Monathe verflogen so in Saus und Braus, und Don Fernando hatte in
dieser kurzen Zeit an Schmucke, Kleidern, Freudenfesten, und so weiter
über zwölf tausend Escudos versplittert. Während dieser Zeit hatte sich
aber auch nicht einer gefunden, der sich um Felicianen beworben hätte;
denn keiner wagte es, sich an des verschwenderischen Fernando Seite
sehen zu lassen. Das war freylich ein Umstand, der sein Unangenehmes
haben mochte, und es wär’ allerdings angenehmer gewesen, wenn sich noch
ein zweyter schön befiederter Papagey in ihren Schlingen verfangen
hätte: unterdessen gebrach es Felicianen im Wesentlichen an nichts,
und sie konnte sich immer mit der Hoffnung eines ähnlichen, vielleicht
noch glücklichern Looses trösten.
Eines Tages hatte Theodora, ihre Familie, und die zwey schönen
Nachbarinnen beschlossen, auf den Prado, einen Spaziergang, auf dem
auch S. Majestät Philipp der zweyte immer zu jagen pflegten, zu fahren.
Sie hatten Don Fernando davon Part gegeben; er both sich aber nicht
zu ihrem Begleiter an, sondern ließ ihnen nur melden, daß er ihnen
gute Unterhaltung wünsche, daß er aber, so unlieb es ihm wäre, eines
dringenden Geschäfts halber nicht in ihrer Gesellschaft seyn könne;
indessen würde sie sein Haushofmeister mit allem, was sie befählen,
versehen. Sie fuhren denn nach dem Prado, und wir wollen uns nach Don
Fernando umsehen.
Er hatte wirklich diesen Tag einen Contract von Wichtigkeit zu
schließen, und seine drey Freunde waren nach Alcala zu einem
Stiergefechte gereist. Er hatte denn den ganzen Tag über lange Weile,
schlenderte verdrießlich die Straße auf und nieder, lehnte sich unter
die Hausthür, kam, was er sonst nie that, zur Mittagsstunde pünctlich
nach Hause, und warf sich nach Tische auf sein Ruhebett, weil ihm
durchaus nichts einfallen wollte, womit er sich den Unmuth verjagen
konnte.
Vor beyläufig zwey Jahren war Don Fernando in einem Spielhause zu
Cordova bey einer Wette mit einem Ritter in Hader gerathen. Dieser war
sehr entrüstet; Don Fernando hatte aber mehrere Bekannte bey sich, und
wagte es daher, seinen Gegner über seine Hitze aufzuziehen, und ihn
lächerlich zu machen. Der Cordovese ward noch zorniger, um desto mehr,
da er eine Memme war, und es nicht wagte, Fernando einen Zweykampf
anzubiethen. Er faßte denn von der Stunde einen unversöhnlichen
Groll gegen unsern Fernando, und schwor ihm Rache, auf was immer für
einen Weg er sie erreichen würden. Seine eigentliche Absicht war
Meuchelmord; da aber Fernando immer in der großen Welt lebte, und immer
wenigstens drey Bediente bey sich hatte, war all sein Auflauern immer
vergeblich gewesen. Er war aus Verdrusse nach Portugall gegangen;
da er aber hörte, daß sich Fernando nun zu Madrit befände, eilte er
wieder dorthin, um seinen Plan endlich einmahl auszuführen. Um nicht
erkannt zu werden, ließ er sich den Bart wachsen, und schloff in ein
Pilgerkleid. Nun ließ er Fernando nimmer aus den Augen. Wie wir wissen,
war dieser bisher keinen Tag ohne Gesellschaft gewesen; daß er es aber
diesen Tag sey, hatte der fromme Pilger ausgespähet. Er bettelte auf
der Straße Almosen, und ging ungehindert zu Fernando’s Hausthür hinein.
Fernando wohnte in seinem Hause ganz allein; das Hausgesinde hatte
gegessen, und hielt die Sieste; der Pilger konnte denn ungestört bis
auf Fernando’s Zimmer dringen. Dieser schlummerte noch immer sanft
fort; der Pilger schlich leise bis ans Schlafgestell, zückte den Dolch,
tauchte ihn sechs Mahl in sein Herz, und entfloh.
Das Hausgesinde erwachte allgemach, und ging an seine Arbeit;
niemand ahndete den Unglücksfall. Erst nach einigen Stunden kam der
Haushofmeister, auf Fernando’s Zimmer, schlug die Jalousien auf, und
sah seinen Herrn im Blute liegen. Er stand vor Schrecken wie eine
Bildsäule da, und machte endlich Lärmen. Alles weinte und jammerte, und
konnte nicht begreifen, wie der Mord geschehen konnte, da sie doch alle
-- fest schliefen. Ihr Schmerz war indessen nicht von langer Dauer, und
sie faßten bald sammt und sonders den Entschluß, sich die Belohnung,
auf die sie für ihre treuen Dienste allerdings Anspruch machen zu
können glaubten, und die ihnen nun aus Mangel eines Testaments entgehen
würde, selbst zu verschaffen, und dann heimlich abzuziehen, um allen
Verdacht des Mordes von sich abzulehnen. Wie klug diese Berechnung
gewesen sey, leuchtet so ziemlich von selbst ein. Indessen ward der
Anschlag, dem der Herr Haushofmeister in eigener Person beytrat, an der
Stelle ausgeführt, alle Kasten, Kisten, Kästchen und Kistchen geöffnet,
alles, was sich an Geld’ und Geschmeide fand, nach Billigkeit getheilt,
und jeder zog nun hin, wo er sich am sichersten glaubte.
Sie hatten sich schon nach allen Himmelstrichen begeben, als einer
von Fernando’s Freunden ihn besuchen wollte, und gerade auf sein
Schlafzimmer ging. Hier sah er das gräßliche Schauspiel, und schrie,
daß alle Nachbarn zusammen liefen. Das Gericht war auch bald bey der
Hand; man wollte ein Verhör vornehmen, aber es war niemand da, den
man hätte verhören können; kein Bedienter war zu hören oder zu sehen,
und die Nachbarn erklärten mit Einer Stimme, daß sie nicht eine Sylbe
von der ganzen Sache wüßten. Es blieb nichts übrig, als daß man in
dem andern Hause, wo er seine Pferde hatte, nachsuchte. Dort fanden
sich auch wirklich vier Lackeyen und ein Kutscher, die aber ebenfalls
von der Sache noch nichts gehört hatten, und auf der Madratze ruhig
schnarchten. Dem überklugen Gerichte schien gerade dieses Schnarchen
ein verdächtiger Umstand und eine List, durch die die Thäter den
Verdacht von sich abzulehnen suchten. Sie wurden durchsucht, und
in des Kutschers Tasche ein Brotmesser gefunden. Die Gerichtsperson
erklärte, daß wider jeden, bey dem sich Waffen fänden, gegründete
Inzüchten vorhanden wären, und folglich auch auf diejenigen, die mit
ihm in vertraulichem Umgange betreten würden, gegründete Verdacht
obwaltete. Kutscher und Bediente mußten denn, was sie sich auch
sträubten, ins Gefängniß wandern. Sie läugneten standhaft, und es war
schon nahe daran, daß sie auf die Folter gebracht werden sollten.
Während all dieß vorging, hatten sich unsere Damen auf dem Prado
sehr gut unterhalten, waren zurück gekehrt, und hatten dem Kutscher
befohlen, vor Fernando’s Hause anzuhalten; die Hiobspost kam ihnen
schon auf dem Wege entgegen; sie konnten ihr aber unmöglich glauben,
und fuhren bis ans Haus. Der Kutscher, der ein Sclave war, brachte
ihnen die Bestätigung des Unglücks; und da er diesen Augenblick
benutzen wollte, um sich in Freyheit zu setzen, lief er hastig davon,
und ließ sie allein stehen.
Theodora, die sich in jedem Schicksale männlich zu fassen wußte, und
die daher in ihrem Leben selten noch in Verlegenheit gekommen war,
wußte sich auch hier gleich Rath zu schaffen. Sie bezahlte den ersten
Vorübergehenden, daß er den Wagen in die nächste Remise führte, deren
Inhaber sie wieder reichlich bezahlte, damit er den Wagen niemanden,
wer es auch immer seyn möchte, ausfolgen ließe. Nun erst eilte sie mit
ihren Töchtern nach Hause, wo sie wie die Wölfe in der Wüste heulten,
und sich ihre schönen Haare ausgerauft haben würden, wenn sie nicht
der Gedanke eines unordentlichen Kopfputzes abgehalten hätte. Indessen
weinten sie bitterlich, und waren erst nach drey bis vier Stunden
wieder zu lachen im Stande.
Theodora konnte doch die ganze Nacht kein Auge zuthun; denn sie dachte
unablässig, wie sie den Wagen mit den vier schönen Rappen in Sicherheit
bringen könnte. Sie ließ ihn auch mit Tages Anbruche von Madrit nach
Illescas führen, wo er verborgen bleiben sollte. Denselben Tag stellte
sich das Gericht auch bey unsern Sevillanerinnen ein, und verlangte
ihre Aussage. Da es aber nicht das mindeste Anzeichen fand, zog es
wieder in Frieden ab. Theodora fand nun nöthig, einen weiblichen
Staatsrath zu versammeln; ihre Töchter, und ihre schönen Nachbarinnen
setzten sich in einem Zirkel; Theodora räusperte sich, und hielt ihnen
folgende Rede.
„Meine Damen,“ sagte sie, „bey dem Lebensplane, den wir uns
vorgezeichnet haben, ist uns nichts nöthiger, als daß wir uns mit
Würde benehmen, damit uns die dreisten Herren Männer nicht auf die
Ferse treten. Wir müssen sie durch unser Benehmen, wie durch eine Art
von Zauberspiele, anzulocken, aber auch zu körnen wissen, so, daß
sie die Schranken nie überschreiten können. Jeder Mann ist bey dem
geringsten Anlasse zudringlich, und ein zudringlicher Mann erkaltet
sehr geschwinde, wenn wir ihn nicht standhaft in den gehörigen Abstand
zurück weisen. Alles, worauf er Anspruch zu machen hat, muß ihm nur
als der höchste Grad freywilliger Begünstigung gewährt werden. Diese
goldene Regel habt ja immer gegenwärtig, meine Kinder, und vergeßt sie
auch dann nicht, wenn ich todt bin, und nur von oben herab auf euch
sehen kann. Der Weg, den wir mit so vielem Glücke begonnen haben, ist
uns durch den Tod des edlen Fernando auf ein Mahl abgeschnitten, und
wir müssen nun einen neuen einschlagen. Der arme Fernando! Wir hätten
noch drey Jahre von seinem Vermögen leben können; aber der Himmel hat
es nicht gewollt, und seine Rathschlüsse sind nicht zu ergründen.
Nun müssen wir vorzüglich den Wagen, der uns von ihm geblieben ist,
zu erhalten suchen; denn in einem Wagen kommt man auf jedem Wege
geschwinder fort: versteht ihr mich? Im Häuslichen mag es immer hier
kleinlich hergehen; der Wagen macht alles wieder gut. Mein Rath ist
denn, daß ihr eine um die andere in demselben eine Spazierfahrt macht,
und wie die Freybeuter irgend einen wackern Kriegsmann anzuwerben
sucht. Unser Wagen muß nun eine Postkutsche seyn, in der auf jeder
Station ein anderer Reisender fährt. Feliciane mag den ersten Versuch
machen.“
Alle fanden den Vorschlag der weisen Theodora vortrefflich; sie
theilten die Stadt ordentlich unter sich in bestimmte Bezirke ein, und
Feliciane machte sich reisefertig.
Fußnote:
[A] Plateria.
ERSTE SPAZIERFAHRT.
Feliciane kleidete sich nun, wie sichs zu einer so wichtigen
Unternehmung ziemte, wobey ihr das übrige Frauenzimmer unter tausend
lustigen Anmerkungen hülfreiche Hand both. Ihr Kleid, das auch nicht
den kleinsten Reitz ihres Wuchses dem Aug’ entgehen ließ, war vom
grünem Atlasse, und sehr einfach gemacht. Ihr schwarzes Haar, das nur
mit einem Bande von derselben Farbe durchflochten war, blieb in schöner
Unordnung, und schien von der Natur gelockt. Sie gefiel sich, wie sie
da vor dem Spiegel saß, so gut, daß sie beynahe an sich selbst die
erste Eroberung gemacht hätte. Nun war sie fertig, und sprang mit so
leichtem Blute in den Wagen, als wohl noch nie in weiblichen Adern
getanzt hatte. Sie war ihres glücklichen Erfolges beynahe gewiß, und
nahm denn die Glückwünsche, die ihr die Fächer ihrer Gesellschaft noch
aus dem Fenster zuwinkten, nur als Ceremonie auf.
Sie fuhr auch nicht so ganz auf blindes Glück fort, sondern hatte schon
ihr Augenmerk auf einen tüchtigen Fang gerichtet, den sie an die Angel
kriegen wollte. Es war ein reicher Mailänder, der sich seit kurzer
Zeit am Hof’ aufhielt, und eine Summe von mehr als funfzig tausend
Ducaten zu empfangen hatte, die ihm nach dem Tode eines Vetters, der
keine Kinder hinterlassen hatte, zugefallen war. Er trieb eigentlich
ein Kaufmannsgeschäft, und war übrigens gerade der Mann, von dem man
erwarten konnte, daß es ihm nicht sauer werden würde, die Erbschaft
eben so leicht wieder los zu werden, als er sie gemacht hatte. Horazio,
so hieß er, war beyläufig zwey und zwanzig Jahre alt, hatte eine
einnehmende Bildung, ein derbes, frisches Ansehen, und -- was kein
gleichgültiger Umstand war -- konnte die castillanische Sprache nicht
sehr behende sprechen, obschon er sie sehr gut verstand. Übrigens that
er sich nicht wenig auf seine Geschicklichkeit zu Gute, mit der er die
Laute und die Theorbe spielte. Er pflegte auch immer wie ein echter
Spanier des Abends vor den Fenstern der Damen Ständchen zu halten. Er
wohnte in der großen Alcalastraße, und bewohnte das Haus, an dem ein
großer Garten war, ganz allein. Sein ganzes Hausgesinde bestand aus
zwey Bedienten, einem Pagen, den er von seinem Vetter geerbt hatte,
einer mailändischen Haushälterinn, die die Küche besorgte, einem
Kutscher, der über zwey rothe Friesländer hofmeisterte, und einem
elenden Klepper, auf dem er selbst zu Madrit angekommen war, und um den
sich nun weiter niemand mehr bekümmerte. Über diesen Jüngling suchte
nun Feliciane ihr Netz auszuwerfen.
Die Zeit, die sie zu ihrer ersten Spazierfahrt bestimmte, war sehr
glücklich gewählt. Es war eine schöne warme Nacht, mitten im Julius,
und der Mond schien spiegelhell. Sie nahm eine alte Magd mit sich,
die sie als Duenna kleidete. Über dieß hatten sie auch einen alten
Escudero mitgenommen, der sie nun schon seit längerer Zeit im Hause
bediente. In dieser ausgelernten Gesellschaft fuhren sie beyläufig um
neun Uhr an des Mailänders Hause vorüber. Sie trafen den Zeitpunct so
glücklich, daß der Mailänder eben auf dem Balcon in der angenehmen
Kühle bey dem Abendessen saß. Er hatte nur Beinkleider und ein Wamms
an, und klimperte eben auf der Theorbe. Der Wagen fuhr dicht an der
Mauer des Hauses vorüber, und als er der Thür gerade gegen über war,
rief man mit lauter Stimme: „Halt! Kutscher, halt!“ der Wagen hielt an,
und der Mailänder hörte auf, seine Theorbe zu spielen, um zu hören, was
Feliciane sagte. Er horchte ganz leise, und vernahm folgende Worte:
„Sie bemühen sich vergebens, meine Mutter! und eher würd’ ich mir mit
dem Messer, das ich in der Brieftasche trage, das Leben nehmen, als nur
einen einzigen Schritt vorwärts thun. So hat man mich betrogen? Solche
Fallstricke hat man mir gelegt?“
Nun hörte er eine andere Stimme, welche die Duenna, oder eigentlich
die alte Magd war. Sie sagte: „Meine Beste! fluchen Sie ihrer Mutter
nicht; gehorchen Sie ihr, und machen Sie ihr Alter nicht unglücklich.
Wie viele würden das Glück, das Sie von sich stoßen, mit beyden Händen
ergreifen!“
„Es ist Verrätherey,“ sagte Feliciane wieder; „es ist Grausamkeit, mich
zu dem zwingen zu wollen, was mir unmöglich ist. Niemand hat mit meiner
Freyheit zu schalten. Die Natur hat sie mir gegeben, und ich werde
sie gegen jedermann bis auf den letzten Blutstropfen zu vertheidigen
wissen.“
Bey diesen Worten fing sie bitterlich zu weinen und zu schluchzen an.
Der Mailänder hatte keine Sylbe verloren, und zu gleicher Zeit lehnte
sich der alte Escudero an den Wagenschlag, und sagte: „Mäßigen sie doch
Ihre Stimme, gnädiges Fräulein, sonst laufen uns Leute zusammen, und
meinen am Ende, es sey etwas an der ganzen Sache.“ „Nun denn,“ schrie
Feliciane in einer Art von Verzweiflung, „so ist denn die Flucht mein
letztes Mittel, und ich will sehen, wer im Stande seyn soll, sie zu
hindern.“
Dem Mailänder schien, daß sie nun im Wagen handgemein würden, und er
irrte auch nicht; denn sie rangen wirklich zum Scheine mit einander.
Der Escudero schien sich besonders tapfer zu widersetzen; endlich
gelang es Felicianen doch, aus dem Wagen zu springen, wobey sie, um das
Schauspiel tragischer zu machen, den Mantel und einen Schuh verlor.
Sie sprang gerade in des Mailänders Haus, und schrie: „Dieses Haus,
wem es immer gehören mag, soll meine Freystätte seyn. Es wird mich
aufnehmen, und sollte es eine Löwengrube seyn, so hoffe ich doch mehr
Menschlichkeit darin zu finden, als unter euren Händen.“ Bey diesen
Worten legte Horazio sein Instrument weg, nahm seinen Degen, und eilte
die Treppe hinunter. Feliciane stürzte ihm sprachlos zu den Füßen. Die
Duenna und der Escudero standen stumm da. Nun schien sich Feliciane
aus ihrer Betäubung zu erhohlen. „Unbekannter Ritter,“ sagte sie, indeß
sie immer noch fortweinte, und durchaus Horazio’s Knie umfassen wollte,
-- „unbekannter Ritter, wenn Sie Menschengefühl im Herzen haben, so
erbarmen Sie sich meiner, und lassen Sie mich von Ihren Bedienten
unterstützen; denn meine Nerven sind mir abgerissen; ich kann nicht
aufrecht stehen.“ Horazio ließ sogleich Licht bringen, und befahl die
Hausthür zuzusperren, damit kein Auflauf würde. Man brachte Lichter,
und Horazio erstaunte über Felicianens Schönheit; denn ihr Schmerz
kleidete sie noch ein Mahl so reitzend, und die Stellung, in der sie
hingesunken war, hätte zum Modelle dienen können. Horazio sagte der
Duenna und dem Escudero voll edlen Unwillens, und mit einer Kühnheit,
über die sie als Komödianten nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit
erschrecken konnten, daß sie sich ja nicht einbilden sollten, er werde
diese schöne Dame von ihnen an einen Ort schleppen lassen, gegen den
sie Abneigung trüge; er würde sie vertheidigen, und wenn er darüber
sein Leben einbüßen sollte. „Aber um Gottes willen,“ schrie die Duenna,
und rang die Hände, „was werden wir ihrer Mutter sagen? In ihrer
Gegenwart ist sie mit uns fortgefahren; wo ist sie nun hingekommen?“
„Was kümmert mich das?“ sprach Horazio; „ich bin ihr Beschützer gegen
Gewaltthätigkeit, und für das Übrige mögt ihr sorgen.“ „Nun,“ sagte
Mogrobejo, so hieß der Escudero, „so ist es um mich geschehen; ich darf
mich in Madrit nicht mehr sehen lassen.“ „Nein,“ schrie die Duenna
wieder, „ich kann mich nicht von meinem Fräulein trennen, und sollt’
alles zu Grunde gehen!“ „Ich auch nicht,“ sagte Mogrobejo; „aber
nicht aus einfältiger Liebe, sondern weil es meine Pflicht ist, sie
nicht aus den Augen zu lassen.“ „Alter Verräther,“ schrie Feliciane,
„ihr sollt mich gewiß nicht anders, als stückweise, von der Stelle
bringen. Ich weiche keinen Schritt. Morgen bin ich in einem Kloster,
und vor eurer Boßheit für immer sicher.“ Was wollten sie thun? Der
Escudero kehrte den Rücken, setzte sich in den Wagen und fuhr fort.
Horazio nahm aber seinen schönen Gast an der Hand, und führte ihn
in einen niedern Saal, der zunächst bey ihnen war; die Duenna ging
langsam nach. Das Herz schlug ihm laut, als ihm die schöne Unbekannte
durch einen matten Druck der Hand Dank sagte. Sie setzten sich, und
Feliciane wußte ihren Kummer durch so manigfaltige reitzende Bewegungen
zu äußern, daß Horazio’s Seele die ganze Tonleiter der Empfindungen
hinauf kletterte, und er endlich in folgende Worte ausbrach: „Reitzende
Unbekannte, wie glücklich bin ich, daß ich dazu bestimmt war, Sie aus
der dringendsten Gefahr zu befreyen! Wie überglücklich wär’ ich, wenn
ich Sie vor allen weiteren Verfolgungen sicher stellen könnte! Rechnen
Sie aber darauf, daß ich nichts unversucht lassen werde, diesen hohen
Zweck zu erreichen, der mich von nun an ganz allein beschäftigen soll.
Mein ganzes Haus steht Ihnen unumschränkt zu Befehle; Sie können da so
lange verborgen bleiben, als es Ihnen räthlich scheinen wird. Wohin
Sie es immer verlangen, werde ich Sie bringen. Ich bin Edelmann, und
denke auch edel. Ihre Tugend läuft bey mir keine Gefahr; und nur wenn
es zu Ihrem eigenen Besten nöthig ist, daß ich Ihre Geschichte erfahre,
wünsche ich sie zu hören, so hohen Antheil ich auch an Ihrem Schicksale
nehme.“
Während dieser ganzen Rede hatte Feliciane von einem prächtigen Ringe,
den Horazio am Finger trug, und dessen Billanten sie allzu schön
anfunkelten, kein Aug’ abgewendet. Er mußte an ihren Finger herüber
kommen, und gehe es, wie es wolle; das war nun einmahl beschlossen.
„Ich finde keine Worte,“ sagte sie „mit denen ich Ihnen bezeugen
könnte, was in meinem Herzen vorgeht. Die Vorsicht hat mich Ihnen
zugeführt, großmüthiger Mann! hätten Sie sich nicht durch mein Unglück
rühren lassen, so wär’ ich jetzt schon ohne Rettung verloren. Die
nähmliche Großmuth, die Sie zu meiner Befreyung angetrieben hat,
wird Sie auch auffordern, die Rechte einer Freystätte, für die ich
Ihr Haus nun ansehe, nicht zu verletzen. Ich werde von Ihrer Güte
Gebrauch machen, und werd’ Ihnen so lange hier lästig fallen, als
es unumgänglich nöthig seyn wird.“ „Um Sie vollends zu beruhigen,“
sagte Horazio, „will ich nicht einmahl im Hause hier bleiben, sondern
mich bey einem Verwandten aufhalten, bis Sie mit Ihrer Mutter
ausgesöhnt sind.“ „Nein, durchaus nicht!“ fiel ihm Feliciane in die
Rede; „Sie müssen hier bleiben; denn ich will sie überzeugen, daß ich
unumschränktes Vertrauen in Sie setze. Wenn man käme, und mich mit
Gewalt fortführen wollte, wer würde mich vertheidigen?“ „Was für ein
Befehl könnte mir auch willkommener seyn?“ sagte Horazio.
Er hatte sein Abendessen, wie wir wissen, noch nicht eingenommen, und
da ihn eben ein Bedienter daran erinnerte, suchte er Felicianen zu
bewegen, daß sie mit ihm einige Erfrischungen nähme. Sie war ihm zu
viel Dank schuldig, als daß sie ihm nicht hätte Gesellschaft leisten
sollen, und er wußt’ es durch seine unwiderstehliche Beredtsamkeit
gar dahin zu bringen, daß sie aß und trank, wie ein kummerloser
Mensch. Sie sah zu deutlich, wie sehr sie auf ihren Wirth Eindruck
gemacht hatte, als daß sie diese Episode in ihr Schauspiel nicht hätte
einrücken sollen. Horazio war nun schon so über und über verliebt, daß
er nicht mehr im Stande war, auch nur dem geringsten Verdachte gegen
die Wahrheit der Geschichte Platz zu geben. Er war der einzige am
Tische, der keinen Bissen aß, und doch machte ihn dieser Umstand nicht
aufmerksam.
Er hätte nur gar zu gern Nahmen, Stand, und die Geschichte der Dame
erfahren; er durfte es aber nicht wagen, die Wunde wieder aufzureißen,
und ihren Kummer etwa zu verdoppeln. Es war nun hohe Zeit, dem Fräulein
Ruhe zu gönnen, die ihr so nöthig schien. Er begleitete sie denn selbst
in das Gemach, das er für sie und Banuelos, die Duenna, hatte bereiten
lassen. Er tröstete sie noch mit den zärtlichsten Ausdrücken, und begab
sich in das obere Stockwerk. Es läßt sich denken, daß Horazio und
Feliciane die Nacht in ganz verschiedenen Betrachtungen zubrachten.
Horazio konnte kein Auge zuthun, und sann unablässig auf Mittel, ihre
Verbindlichkeit zu fesseln, und ihre Liebe zu verdienen. Feliciane aber
weidete sich an dem glücklichen Erfolge ihrer List, und erwog, wie
sie dieses Haus mit dem möglich größten Gewinne in möglich kürzester
Zeit verlassen könnte. Sie berathschlagte sich mit ihrer wohlerfahrnen
Banuelos, und überließ sich endlich einem gesunden, ungestörten
Schlummer. Was sie in ihrem Rathe beschlossen haben, werden wir hören.