Sie sehnte sich nach einem ruhigen Ausblick in ihre Zukunft. Jetzt war
alles Verworrenheit, seitdem sie sich in Verzweiflung gegen den
Geliebten aufgelehnt, der zu kommen zögerte. Mit aller Gewalt begann sie
den Zufall zu beschwören, der ihre Wege zusammenführen sollte.
Wenige Tage nach des Grafen Abreise erhielt sie von ihm einen Brief aus
Wien.
»Mein geliebtes Vögelchen, eben komme ich von Deiner Mutter. Gott sei es
gedankt, daß ich diesen Weg gemacht habe. Wie soll ich Dir diese Frau
schildern, diese Sanfte, diese Wehrlose. Jetzt besitzt sie die Kraft,
die der Schmerz verleiht und die jede Gabe als ein unverdientes Geschenk
ansieht. In ihrem Gesicht ist das Lächeln der Sonne über viel Wetter und
Verwüstung. Nun hat sie auch den Mann verloren, mit dem sie gut gelebt
hat, und hat das Opfer gebracht, sich von ihrem Jungen zu trennen und
ihn in ein Konvikt zu geben, weil sie sich seiner Erziehung nicht
gewachsen fühlte. Zu keiner Zeit hast Du so sehr in ihrem Leben gefehlt
als gerade jetzt. Mein Täubchen, ich erwarte Dich hier. Laß mich noch
die Vereinigung mitansehen und einige Wochen hier mit Dir verbringen.
Heute will ich mir das kleine Palais besichtigen, von dem uns Adalbert
geschrieben hat. Paßt es Dir, so wollen wir es Dir wohnlich machen. Auch
darüber möchte ich beruhigt sein, wie Du wohnst. Wird es Dir Mühe
machen, mein Gepäck zu versorgen? Gedenkst Du Deine Jungfer mitzunehmen?
Deine Mutter will Dich mit allem versorgen. Mein Liebling, laß mich
stark bleiben. Wäre es besser vielleicht zu gehen, ohne Abschied zu
nehmen? Versprichst Du täglich zu schreiben im Anfang unserer Trennung?
Oh, Du geliebtes Vögelchen. Komm, laß den Alten noch einmal vor Dir
knien, laß mich Deine schmalen Fesseln umspannen mit meinen Bärentatzen
und gib, gib mir das Versprechen, daß Du Dein liebes, launiges -- und
zuweilen erstaunlich gescheites Geplauder mir bis ans Ende der Welt
schicken wirst.