Der große, hohe, dunkle Saal, nur von vier oder fünf Kerzen
erleuchtet, bei deren Licht die Ärzte die Verwundeten besichtigten,
war buchstäblich voll. Die Krankenträger brachten fortwährend
Verwundete, legten sie nebeneinander auf die Diele, auf der es
schon so eng war, daß die Unglücklichen sich stießen und einer in
des andern Blute lag, und holten neue. Die auf den nicht besetzten
Stellen der Diele sichtbaren Blutlachen, der fieberheiße Atem von
einigen Hunderten Menschen und die Ausdünstungen der Träger erzeugten
einen eigentümlichen, drückenden, dicken, übelriechenden Dunst, in
dem die Lichte an den verschiedenen Enden des Saales trübe brannten.
Stöhnen, Seufzen, Röcheln, bisweilen durch einen durchdringenden
Schrei unterbrochen, erfüllte den ganzen Saal. Die »Schwestern«
schritten mit ruhigen Gesichtern und mit dem Ausdruck thätiger,
praktischer Teilnahme, nicht mit dem des wertlosen, frauenhaften,
krankhaft-thränenreichen Mitleids, bald hierhin, bald dorthin durch
die Reihen der Verwundeten mit Arznei, mit Wasser, mit Binden, mit
Charpie, und tauchten zwischen blutigen Mänteln und Hemden auf. Die
Ärzte knieten mit aufgestreiften Ärmeln vor den Verwundeten, in deren
Nähe die Feldscher Lichte hielten, und untersuchten, befühlten, und
sondierten die Wunden, ohne auf das schreckliche Stöhnen der Dulder zu
achten. Einer der Ärzte saß in der Nähe der Thür an einem kleinen Tisch
und trug in dem Augenblick, da Galzin ins Zimmer trat, bereits den
532ten Verwundeten in die Liste ein.
Iwan Bogajew, Gemeiner der dritten Kompagnie des S..-Regiments,
_fractura femuris complicata_, rief ein anderer vom Ende des Saales
her, indem er das zerschossene Bein befühlte. Dreh' ihn um.
O weh, Väterchen, mein liebes Väterchen! schrie der Soldat und flehte,
man möchte ihn nicht anrühren.
_Perforatio capitis!_
Ssemjon Neferdow, Oberstleutnant im N..-Infanterieregiment. Sie müssen
ein wenig Geduld haben, Oberst, sonst geht es nicht: ich lasse Sie
sonst liegen, sprach ein dritter, indem er mit einem Häkchen in dem
Kopfe des Oberstleutnants hin- und hertastete.
Ach, nicht doch! O, um Gotteswillen, schneller, schneller, um ...
A--a--a--a--a!
_Perforatio pectoris!_ ... Sewastjan Ssereda, Gemeiner ... von welchem
Regiment? ... Lassen Sie das Schreiben: _moritur_. Tragt ihn weg, sagte
der Arzt, und ging von dem Soldaten fort, der mit brechenden Augen
dalag und schon röchelte.
Vierzig Mann, als Träger verwendete Soldaten, standen an der Thür, um
die Verbundenen ins Lazarett, die Toten in die Kapelle zu tragen, und
betrachteten von Zeit zu Zeit schwer seufzend dieses Bild ...