19) /Handlexikon österreichischer Künstler und Kunstverwandten/,
herausgegeben mit kaiserlicher Unterstützung von /Dr. Heinrich
Kábdebo/. Wien, 1880. Verlag der österreichischen Kunst-Chronik.
Liefg. I. Lex. 8. 32 Stn.
Die biographischen Schriftsteller Oesterreichs, deren umfassendster
und verdienstvollster Wurzbach, haben zwar ihre Studien auch auf die
Künstler ausgedehnt; aber doch war die Forschung nur eine stückweise.
So viel interessantes Material sie zu Tage gebracht, so reicht es
doch zu einer systematisch zu bearbeitenden Geschichte der Kunst und
Künstler in Oesterreich nicht aus, weil niemand darauf ausgieng, die
Quellen systematisch auszubeuten, alles zu erlangende urkundliche
Material zu prüfen und zu sichten, alle Daten die urkundlich
festgestellt werden können, aus den Archiven auszuziehen, nicht
blos jene, die zu gerade vorliegenden Arbeiten nöthig waren. Dies
beabsichtigt der Verfasser des Buches, dessen erste Lieferung hier
vorliegt, nachdem er, wie die Einleitung besagt, diesen Plan seit 1871
unablässig verfolgt „trotz einer Unsumme von Aergernissen, Anfeindungen
und materiellen Opfern“ und auf diese Weise das rohe Material zu 21000
Biographieen gesammelt, deren einzelne freilich nicht mehr als den
Namen, andere aber mehrere Actenfascikel umfassen. Allein die Lücken
dieses reichen Materials zu ergänzen und es zu bearbeiten, übersteigt
die Kraft des Einzelnen, der Verlag eines solchen Werkes bietet
seine Schwierigkeiten, und so gibt der Verfasser nunmehr als einen
Vorläufer des großen Künstlerlexicons das hier begonnene Handlexicon,
welches ungefähr 10-12000 Künstler vom 15. Jhdt. bis heute umfassen
und insbesondere auch die sonst so stark vernachlässigte Periode
des 18. Jhdts. berücksichtigen soll. Der Hauptzweck ist der, über
jeden bedeutenden Künstler, der in Oesterreich gelebt, die nöthigen
Aufschlüsse und ein Verzeichniß der Quellen zu geben, die über dessen
Wirksamkeit berichten; als fernerer Zweck erscheint aber auch jener,
Namen festzuhalten, die bis jetzt in der Kunstgeschichte noch gar nicht
erschienen, damit sich die fernere Detailforschung ihrer bemächtige.
Außer den Archiven Wiens, insbesondere der Akademien, sind dazu die
Tauf- und Sterbematrikeln von etwa 800 Pfarr- und Standesämtern
benützt, zahlreiche sonstige Urkunden und die bereits weitläufige
Literatur ausgezogen.
Daß ein derartiges Werk als zuverlässiges Nachschlagebuch
hochwillkommen sein muß, liegt auf der Hand, und es ist deshalb freudig
zu begrüßen, daß kaiserliche Unterstützung das Erscheinen möglich
machte, wie in ihr ja auch die Bürgschaft für die Gewissenhaftigkeit
und Sorgfalt der Bearbeitung liegt. Ueber jedes derartige Werk kann
nur referiert werden; es ist nicht möglich, in alle Einzelheiten dem
Verfasser zu folgen und ihn zu kontrolieren. Es hat deshalb auch
keinen Zweck, den Hinweis nicht blos auf das Buch, sondern auch auf
solche auszudehnen. Man muß einer Publication, welche kaiserliche
Unterstützung gefunden, mit Vertrauen entgegenkommen. Deshalb sei auch
über die Art, wie der Verfasser seine Aufgabe gelöst hat, nur bemerkt,
daß aus dem vorliegenden Bruchstücke große Brauchbarkeit des Buches
durch praktische Anordnung und gedrängte Kürze der Form sich ergibt.