95) /Freiburg/ i. Br. Die hiesige „Untere“ oder St.
Martins-Pfarrkirche wird im Augenblick einer Restauration unterworfen,
indem einige Zopfeinbauten entfernt, die Gipsgewölbe durch Holzdecken
ersetzt und die Fenster mit gemalten Scheiben geschmückt werden.
Beim Entfernen der Tünche fanden sich im südlichen Seitenschiffe
Bruchstücke von Wandmalereien, die einen gewissen Schwung verrathen
und wol dem 15. Jahrhundert angehören, sowie eine große Anzahl Wappen,
die wahrscheinlich Epitaphien sind. Die Säulen sind ebenfalls mit
Bildern geschmückt, und in einer bisher durch einen Beichtstuhl
verdeckten Nische fand sich eine Resurrectio, die mindestens in das 14.
Jahrhundert zurück datiert, mit den Donatoren. Es ist anzunehmen, daß
die ganze Kirche, -- früher den Barfüßern-Franciskanern gehörig, -- mit
Fresken geschmückt war. Es ist zu hoffen, daß Schritte zur möglichsten
Erhaltung der Bilder gethan werden.
96) Wie die „N. Zürich. Ztg.“ meldet, übernimmt der
Einwohner-Gemeinderath von /Solothurn/ die auf der berühmten
/Madonna von Holbein/ haftende Schuld von 12000 Fr. unter der
Bedingung, daß die ganze Gemäldesammlung des Kunstvereins für 80000 Fr.
assekuriert) in das Eigenthum der Einwohnergemeinde übergehe; immerhin
ist dem Kunstverein die Aufsicht über die Sammlung vorbehalten.
Diese Madonna, schreibt der Solothurner Korrespondent der genannten
Zeitung, hat eine schicksalsreiche Vergangenheit. Bis zum Jahre 1856
fristete sie ihr Dasein unbeachtet und unverstanden in einem Winkel der
Allerheiligen-Kapelle in Grenchen, nachdem sie früher, wahrscheinlich
bis Ausgang des 17. Jahrhunderts, eine Zierde der St. Ursus-Kirche
gewesen war. Zuerst soll Hr. Bischof Lachat auf den hohen Werth des
Gemäldes aufmerksam gemacht haben; allein zwei Maler entdeckten das
am Bilde angebrachte Monogramm H. H. und suchten sich möglichst
rasch in den Besitz des Gemäldes zu setzen, was ihnen auch um einen
geringen Preis gelang. Die Restauration übernahm der nun verstorbene
Eigner in Augsburg. Zu spät kamen die Grenchener zur Einsicht, welch
herrlichen Schatz sie verloren, und strengten einen Prozeß an, der aber
endgültig zu Gunsten des Kunstvereins entschieden wurde. An diesen war
nämlich inzwischen das Eigenthumsrecht gegen die Verpflichtung der
Erstattung der Restaurationskosten abgetreten worden. Diese übernimmt
der Gemeinderath; ihm, sowie Hrn. Fürsprech J. Amiet, der in Wort und
Schrift („H. Holbeins Madonna von Solothurn und deren Stifter“) für
die Erwerbung des Gemäldes gewirkt, gebührt der Dank der Schweizer
Kunstfreunde; dieses Juwel bleibt nun Solothurn für immer erhalten.
(D. Reichs-Anzeig., Nr. 178.)
97) /Schieben./ Vor einigen Tagen fand ein hier wohnhafter
Arbeiter beim Torfstechen in einem Torfstiche bei Frankenheim einen
alterthümlichen, vergoldeten, dreischneidigen Dolch.
(Norddeutsche Allgem. Zeitung, Nr. 310.)
98) Anfangs des Monats Juli d. J. wurden in der Nähe von Osten
in Hannover, beim Abtragen eines Sandhügels, nicht tief unter
der Oberfläche, frei im Sand liegend, nach Mittheilung des
numismat.-sphrag. Anzeigers Nr. 7 eine Anzahl von Goldstücken, Thalern
und Thalertheilen verschiedener Gepräge mit der Jahreszahl 1617-1654
gefunden, die zwar vom Umlaufe wenig abgenützt sind, aber durch
Oxydation stark gelitten haben.
99) Die Antiquariatshandlung von Ludwig Rosenthal in München ist jüngst
in den Besitz einer sehr merkwürdigen Handschrift der ersten Hälfte
des 15. Jahrhundert gelangt, welche durch ihre schönen Miniaturen und
eine große Ansahl kostbarer Holzschnitte in künstlerischer Beziehung
von großem Interesse und auch durch ihren Text in sprachlicher und
religiöser Beziehung wichtig ist, so daß sie nach an uns gelangten
Mittheilungen die erste Stelle unter Schätzen ähnlicher Art in jeder
großen Bibliothek oder Museum einzunehmen verdient. Sie hat die
Ueberschrift: „Gulden püchlein von unser lieben frawen Maria“ (in
Prosa) gefolgt von: „Von vnser lieben frawen lob. Hie hebt sich an die
guldeni Schmyt zu teutsch“ (Konrad’s von Würzburg Gedicht: die goldene
Schmiede). Diese Perg.-Handschrift hat 228 Seiten mit gothischer
Schrift. Beigebunden ist ein Blatt mit einem Ablaßbrief, geschrieben
von einem Dominikaner, datiert von Nürnberg 1405. Der gothische
Originaleinband von Leder zeigt gepreßte, ornamentale Verzierungen,
Blumen, Thiere u. s. w. und ciselierte Buckeln und Eckbeschläge. Das
Buch hat eine Höhe von 215 mm. und eine Breite von 155 mm; es ist
geschmückt durch 3 Miniaturen (Höhe 185 mm., Breite 140 mm.), 13 große
Holzschnitte (H. 182-190 mm. Br. 120-125 mm.) und 64 andere von 70 mm.
Höhe u. 60 mm. Breite, welche Scenen aus dem Leben der heil. Jungfrau
und Jesu darstellen. Die Zeichnungen und das Colorit erinnern an die
Augsburger Schule, in deren Art die Heiligenscheine und Verzierungen
in Gold ausgeführt sind (s. die Notizen über diese Schule bei Weigel
und Zestermann). Die Holzschnitte sind natürlich der Hauptschatz des
Buches, da sie aus der Zeit vor 1450 stammen, welche Jahreszahl sich am
Ende des Gulden püchlein findet.
100) Eine Ausstellung älterer kunstgewerblicher Gegenstände, ähnlich
derjenigen in Münster, bezw. den früheren Ausstellungen in Köln
und Frankfurt a. M. und den bezügl. Abtheilungen der Ausstellungen
zu München, Hannover und Leipzig, wird demnächst in /Lübeck/
stattfinden. Bei der großen Anzahl solcher Gegenstände, die in den
Kirchen und Sammlungen der Stadt, sowie im Privatbesitz ihrer Bürger
noch immer vorhanden sind, wenn auch Jahrhunderte schon von dem Schatz
der Vorzeit gezehrt haben, hofft man auf ein äußerst interessantes
Ergebniß des Unternehmens, dem es sicherlich an Zuspruch nicht fehlen
wird. Die Ausstellung wird am 4. September in den eigens für diesen
Zweck restaurierten unteren Räumen des ehemaligen Burgklosters eröffnet
werden; die Dauer derselben ist vorläufig auf etwa 3 Wochen festgesetzt.
101) Der Dombaumeister Voigtel hat folgenden 69. /Baubericht über den
Fortbau des Domes zu Köln/ erstattet:
Die Bauarbeiten am Kölner Dome, seit dem Jahre 1877 auf die
Ausführung der beiden Steinhelme der Thürme und die Restauration des
im Mittelalter erbauten Theiles des südlichen Thurmes beschränkt,
haben bei ausreichenden Arbeitskräften und bei andauernd günstigen
Ergebnissen der Dombau-Prämienkollekten am Schlusse des Jahres 1878 den
im Betriebsplane vorgesehenen Abschluß erreicht.
Die Steinhelme beider Thürme, bis zur Höhe von 32,050 m. über das
Deckgesims der Octogone versetzt, sind im Laufe des Monats Mai 1879
bis zur Hälfte ihrer Gesammthöhe aufgebaut und darf deren Vollendung
im Laufe des Jahres 1880 nunmehr bestimmt in Aussicht genommen werden,
da der kubische Inhalt der zu bearbeitenden und zu versetzenden
Hausteine mit der zunehmenden Höhe der Helmpyramiden stetig abnimmt.
Nach Vollendung der zwischen den Horizontalgurten eingefügten Maßwerke
der Helmrosetten verbleibt als Hauptarbeit für die Verzierungsarbeiter
in den Werkhütten die Ausführung von 192 Kantenblättern der Helmgräte
und die Bearbeitung der 8 m. hohen, die Helme krönenden Kreuzblumen,
während von den Profilarbeiten nunmehr noch 368 laufende Meter der
Helmgräte fertig zu stellen sind.
Nachdem im Winter 1877/78 der Sockel am Fuße des südlichen Thurmes
erneut und die Konstruktion des 50 m. hohen Baugerüstes an der West-
und Südseite des südlichen Thurmes im Frühjahre 1878 vollendet
war, begannen die Restaurationsarbeiten daselbst in der Höhe des
2. Stockwerkes mit dem Aushauen der durch die Witterungseinflüsse
vollständig zerstörten Fialen, Gesimse und Maßwerke. Wenngleich
der hohe Grad der Verwitterung des im Mittelalter zu den Dombauten
ausschließlich verwendeten Drachenfelser Gesteins, namentlich an der
Westseite des südlichen Thurmes, durch den Augenschein erkennbar
war, so fand sich nach Errichtung der Gerüste und bei der genauen
Untersuchung des baulichen Zustandes eine so ausgedehnte und
gleichmäßige Verwitterung der gesammten Ornamentik, daß von einer
theilweisen Erhaltung derselben Abstand genommen werden mußte, und
sich die Nothwendigkeit ergab, sowohl die frei abgelösten Fialen,
Wimberge und Kreuzblumen, Fenstermaßwerke und Fensterrippen, wie auch
die dem Mauerwerk der Thurmpfeiler angearbeiteten Gesimse, Maßwerke,
Profilstäbe und Krönchen sämmtlich auszuhauen resp. abzunehmen und in
dem jeder Verwitterung widerstehenden, sehr harten Obernkirchener Stein
zu erneuern.
So zeitraubend und kostspielig die Restaurationsarbeiten am südlichen
Domthurme durch diese allseitige Verwitterung der Ornamentik auch
geworden sind, so wenig ist die Standfähigkeit der Thurmpfeiler selbst
hiervon berührt, da die glatten Blendquadern den atmosphärischen
Einflüssen während dreier Jahrhunderte einen ungleich besseren
Widerstand geleistet haben, und die ca. 2 cm. betragende Abarbeitung
der Köpfe der Blendquadern bis auf den völlig gesunden Stein, bei einer
Dicke der Umfassungswände der Thürme daselbst von ca. 4 m. für die
Stabilität des Thurmmauerwerks ohne jede Bedeutung ist.
Zu Anfang Mai 1879 hat nach Errichtung der Lehrgerüste die Einwölbung
der Thurmhalle im Erdgeschosse des südlichen Thurmes mit der
Konstruktion des für den Durchzug der Glocken bestimmten Kreuzgewölbes
begonnen, das bei einer Grundfläche von 7 m im Quadrat um einen
Schlußstein von 3,60 m lichter Weite gewölbt ist.
Nachdem die Einwölbung dieser Thurmhalle beendet und der Fußboden
darüber auf den Entlastungsgewölben verlegt sein wird, kann die
Aufstellung der neuen, in der Mannhardtschen Fabrik zu München
gefertigten Thurmuhr im 1. Stockwerke des südlichen Thurmes erfolgen.
Die neue Domuhr schlägt Stunden und Viertelstunden sowohl an den großen
im Glockenstuhle aufgehängten alten Uhrglocken, wie auch gleichzeitig
an den kleineren, im Innern der Kirche befindlichen Glocken, und
gibt auf zwei in der Vorhalle und in der Kirche angebrachten großen
Zifferblättern die Zeit an.
Der plastische Schmuck der Domkirche hat im Laufe des Jahres 1878
durch Aufstellung der großen Figuren nebst Baldachinen und Konsolen in
der Vorhalle zwischen den Westthürmen einen neuen Zuwachs erhalten;
auch sind die Reliefs, wie die kleinen sitzenden Heiligenfiguren
in den Bogenlaibungen der Seiteneingänge im Nordportal in den
Bildhauer-Ateliers so weit fertig gestellt, daß deren Einfügung im
Laufe dieses Sommers erfolgen kann.
Die im Mittelalter unausgeführt gebliebenen 48 Schlußfialen zur
Bekrönung der Baldachine über den großen Figuren an den Säulen des
Mittelschiffes im Lang- und Querschiffe konnten gleichfalls in Angriff
genommen werden, und es hat die Aufstellung dieser aus französischem
Kalkstein gearbeiteten zierlichen Fialen seit Anfang Mai d. J. begonnen.
Das Aufziehen der sämmtlichen Domglocken mittels hydraulischer Presse
ist in der Zeit vom 13. Juli bis 7. August 1878 durch die kölnische
Maschinenbau-Aktiengesellschaft zu Bayenthal ohne jeden Unfall
zur Ausführung gekommen, und es gelangte die 540 Centner schwere
Kaiserglocke am 7. August v. J. auf die Höhe des 55 m. über dem
Fußboden der Kirche belegenen neuen eisernen Glockenstuhls.
Nach mehrfachem Probeläuten, wobei sich die Stabilität des neuen
Glockenstuhls allseitig bewährt hatte, indem eine Uebertragung
von Stößen weder auf die Blechbalken des Unterbaues, noch auf die
Umfassungswände des südlichen Thurmes bemerkt wurde, erklang am 26.
September 1878, gelegentlich der Feier der Enthüllung des Standbildes
König Friedrich Wilhelm’s III., beim Einzuge Ihrer Majestäten des
Kaisers und der Kaiserin in die Stadt Köln, zum ersten Male wieder seit
dem im Jahre 1876 erfolgten Abbruche des alten hölzernen Glockenstuhles
das nunmehr nach Einhängung der Kaiserglocke aus fünf großen Glocken
bestehende und nahezu 50,000 kg. wiegende Domgeläute.
Neben der Ausführung der Steinkonstruktion zu den Thurmhelmen und
den großen Kreuzblumen ist die rechtzeitige Vollendung der Thürme
wesentlich von der Aufstellung der letzten drei Gerüstetagen abhängig
und erfordern diese umfangreichen und in einer Höhe von 160 m. über dem
Erdboden den Sturmwirkungen in erhöhtem Maße ausgesetzten Baugerüste
eine besonders solide und sorgfältige Konstruktion und Ausführung.
Da das Aufschlagen von Gerüsten in solcher Höhe erfahrungsgemäß nur bei
gutem Wetter und völliger Windstille geschehen kann, so lassen sich nur
die Sommermonate von Mai bis September für derartige Rüstungsarbeiten
mit Sicherheit in Aussicht nehmen, und es bleibt somit die Aufgabe der
Bauleitung, im Laufe dieses Sommers die fünfte und sechste Gerüstetage
zu vollenden, um dann im Jahre 1880 nach Errichtung der siebenten und
achten Gerüstetage die Krone beider Helme zu versetzen.
Als planmäßiger Reinertrag der 14. Dombau-Prämienkollekte ist
die Summe von 557,000 m. in die Kasse des Central-Dombauvereins
geflossen; es beträgt der für das Etatsjahr vom 1. April 1878/79
von Seiten der Vereinskasse zum Fortbau des Domes in die Königliche
Regierungshauptkasse eingezahlte Betrag im Ganzen 630,000 m.
Laut Nachweisung der Regierungs-Hauptkasse zu Köln sind für den Dombau
zu Köln verausgabt im Etatsjahr 1. April 1878/79 im Ganzen 780,842 m.
32 pf.
Verantwortliche Redaction: Dr. /A. Essenwein/. Dr. /G. K.
Frommann/.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei /U. E. Sebald/ in Nürnberg.
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