aus einer Münchener Handschrift des 14. Jahrh.
Auf dem letzten Blatte (92b) des Cod. lat. Monac. 4350 aus St. Ulrich
und Afra stehen folgende Verse gegen die Bettelmönche:
Fratres currentes per mundum dona petentes
Sunt cunctas gentes in mundo decipientes.
Quosdam ligentes (_sic_), quosdam pugunt (_sic_) quasi sentes
Et quasi serpentes acuunt ligwas quoque dentes,
Ut sint rodentes comedentes atque bibentes,
Ventres implentes, dominabus sicque placentes,
Omnia colentes, mendaciter semper agentes.
Car infelices monachi faciunt meretrices
Sanctas ancillas, quoniam supponitis illas.
O turpes fratres, vos curritis per civitates
Et mendicatis universaque rogatis,
Ova, frumentum, sagimen, caseos centum,
Nummos pro panno, tamen hoc fit quater in anno.
Auf dieses in Form und Inhalt gleich mangelhafte und nur als
Stimmungszeugnisß zu beachtende Stück folgt ein etwas besseres
Frühlingslied:
1. Estas jam redit florida
Yemps quam nuper horrida
Tempus instat amabile
Mentis necans omne vile:
rosas ferens et lilium
fugarat in exilium.
cunctisque delectabile,
flores nunc juvenescunt.
2. Dulcis garritus avium
Aromatumque swavium
Flores depingunt gramina,
Juueno (sic) oblectamina
en resonat in nemore,
erbe redolent more.
per prata currunt agmina
et vetera vanescunt.
3. Hec omnia sunt vanitas
Clara cujus amenitas
Ista nobis dat gaudia,
Sed remanent perennia
unius respectu virginis,
solem obumbrat radiis.
que non sunt transitoria,
viceque sempiterna.
Amen.
/Berlin./ /W. Wattenbach./
Die heraldischen Kronen auf Siegeln des niederen Adels.
Daß sich, im Sinne des Mittelalters zu sprechen, zu Helm und Schild
geborene Personen auf ihren Siegeln statt des Helmes wol auch der Krone
bedienen, ist an und für sich auffallend genug; denn was soll, so fragt
man billiger Weise, das bildliche Zeichen hoher, königlicher Würde
im Wappenbilde eines sicherlich nicht zur Fülle der Macht berufenen
Mannes? Aber auch Frauen führen bekanntlich die sogenannten Rangkronen
über dem Wappenschilde, und es hat sich sogar in der Neuzeit das
Herkommen gebildet, nicht den Helm, sondern die Krone hauptsächlich in
den Siegeln des schönen Geschlechtes zur Verwendung zu bringen.
Ich beabsichtige nun keineswegs, über diesen Gegenstand, dessen
Erörterung ich den Sphragistikern überlassen möchte, Vermuthungen
auszusprechen; wohl aber erlaube ich mir, auf ein in ziemlich gut
erhaltenem Abdruck vorliegendes Siegel aufmerksam zu machen, weil
dasselbe ein ungemein frühes Beispiel einer, über den Schild einer
weder zum Fürsten-, noch zum Herrenstande zählenden Persönlichkeit
gestellten, heraldischen Krone ist.
Es handelt sich um das Siegel eines graduierten Klerikers. Dasselbe
hängt an einer im Generallandesarchive zu Karlsruhe befindlichen
Originalurkunde 1480 (verbis) montag nach Katharinentag (Nov. 27.),
Sect. Ueberlingen-Pfullendorf, Conv. XIII.
Der Siegler, „Cunradus Gaͤb, lerer der recht, vicarj des hofs
zu Costenntz und pfarrer zu Sulgen“, bringt, in Gemeinschaft mit
dem zuerst genannten und in rothem Wachse siegelnden Abte Johann
von Salmansweiler, zwischen dem Abte des Klosters Königsbronn und
dem Priester Michael Setzing, Leutpriester zu Pfullendorf, einen
gütlichen Vergleich über Novalzehenten zu Stande. Sein Siegel ist
ein gewöhnliches Rundsiegel in grünem Wachs, unbedeutend größer als
die Mehrzahl der damals vom niederen Adel geführten Siegel, ungefähr
von der Größe eines Zweimarkstückes. Das Wappenbild ist ein von
rechts nach links gezogener Schrägbalken, die Schildform die damals
übliche halbrunde. Zur Bezeichnung des Unterschiedes von Farbe und
Metall ist der Schild zierlich gegattert, so zwar, daß in den hiedurch
gebildeten, sehr fein gezogenen Quadrätchen je ein Kreuzchen zu stehen
kommt. Der Schild steht gerade. Ueber demselben befindet sich in
völlig deutlicher Ausprägung eine Krone mit fünf Zacken, von denen
jede in ein Dreiblatt endigt (sog. Laubkrone). Ueber die in der Mitte
befindliche Zacke hebt sich aber, unverkennbar als Kleinod (zimier),
ein Federbusch, der nicht auf den Schild aufgesetzt ist, sondern, so
zu sagen, aus der Mitte der Krone emporsteigt. Der Schild ist von
einem gut stilisierten, mehrfach gebrochenen Spruchbande umgeben.
Leider ist die Legende nicht sonderlich wohlerhalten; doch lese ich
mit völliger Sicherheit: S’. CONRAD GÄB und dazu als Schluß noch ein
Wort, welches aller Wahrscheinlichkeit nach licentiati heißen wird,
alles in kleinen gothischen Buchstaben, damaliger Druckschrift ähnlich.
Ueber das Herkommen des Konrad Gäb ist mir Näheres nicht bekannt.
Er wird zum Jahre 1484 als Doctor Conrad Gäb, Vicarius des Bischofs
Otto von Constanz, in der Zimmerischen Chronik I, 486 genannt. In
Freiburg in Breisgau saß schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts das
siegelfähige Geschlecht der Geben, welches vielfach in der Zeitschrift
für Geschichte des Oberrheins (Band XII, XIII, XVII, XXX) genannt
wird. In Schreiber’s Urkundenbuch der Stadt Freiburg II, 1, Taf. VII,
34 findet man die Abbildung des Siegels Cuͦnradi dicti Geben zum
Jahre 1370, durch welche, in Verbindung mit den Siegelbeschreibungen
der genannten Zeitschrift, die Uebereinstimmung des Wappenbildes der
Freiburger Familie mit jenem des Constanzer Generalvicarius außer Frage
gestellt wird. Ohne hieraus einen genealogischen Zusammenhang stricte
deducieren zu wollen, glaube ich doch die Wahrscheinlichkeit eines
solchen annehmen zu müssen. Der Licentiat oder Doctor Konrad Gäb führt
also sein Familienwappen und über demselben eine Krone, als das älteste
mir bekannte Beispiel der Anwendung einer heraldischen Krone über dem
Wappenschilde eines Mittelfreien.
/Karlsruhe./
/Dr. Frhr. Roth v. Schreckenstein./
Ueber Kronen.
Bemerkungen zu dem Siegel des Dr. Konrad Gäb.
Das in vorhergehendem Aufsatze beschriebene Siegel ist jedenfalls
sphragistisch hochinteressant, und es ist lebhaft zu bedauern, daß der
Herr Verfasser uns nicht in die Lage setzen konnte, eine Abbildung
desselben zu geben. Das Interesse liegt in der schwer erklärbaren
Bedeutung der Krone; doch möchten wir der Bezeichnung derselben als
„/heraldische Rangkrone/“ nicht zustimmen. Sie hat kaum Bezug
zum Rang des Siegelführers; aber es können auch Rangkronen nicht
als „heraldisch“ bezeichnet werden, wenn schon dies in unserer Zeit
geschieht.
[Illustration: Fig. 1.]
[Illustration: Fig. 2.]
[Illustration: Fig. 3.]
Das Mittelalter kannte allerdings bereits Rangkronen und wendete
sie auch in Verbindung mit der Heraldik an, aber nur für wirkliche
Kronenträger und in der ihrem Range entsprechenden Form. Wir finden
kaiserliche und königliche Wappen, bei denen statt des heraldischen
Helmes mit der Helmzier die Krone auf dem Schilde steht, und können
im 15. Jahrh. einen feststehenden Typus für die Kaiserkronen finden,
der merkwürdiger Weise scheinbar in gar nichts mit der wirklichen
Kaiserkrone übereinstimmt, aber nicht blos in Verbindung mit der
Heraldik auftritt, sondern der gesammten Kunst des 15. Jahrh. angehört.
Wie weit diese Unterscheidung etwa in das 14. Jahrh. hinaufgeht, können
wir zur Zeit nicht feststellen; im 15. finden wir sie gegeben und sehen
darin die Grundlage der „Rangkronen.“ Die Königskrone unterscheidet
sich bei allen Darstellungen -- Ausnahmen aus Mißverständnissen
oder besonderen Gründen vorbehalten -- jener Zeit, auch wo sie in
Verbindung mit der Heraldik auftritt, von der Kaiserkrone dadurch,
daß sie ein einfacher, mit Laubzacken besetzter Reif ist, während
die Kaiserkrone Bügel hat, die sich über dem Kopf wölben. Wenn es
nun auffallen muß, daß diese typische Form der Kaiserkrone keine
Aehnlichkeit mit der wirklichen hat, so hat dies seinen Grund darin,
daß die wirkliche Kaiserkrone sehr wenigen Künstlern je selbst zu
Gesicht kam und auch dem Volke unsichtbar war, da sie ja der Kaiser
selbst nur bei der Krönung trug, so daß die Künstler sich deshalb ein
typisches Bild machten, an welches auch das Volk sich derart gewöhnte,
daß es selbst in officiellen Darstellungen auftritt. Wenn wir absehen
von dem alten Holzschnitte[234] vom Beginn des 15. Jahrh., welcher
die Reichskleinodien vor Augen führt und „Kaiser Karls Krone“ so,
wie sie Fig. 1 in einer Hälfte dargestellt erscheint, abbildet, so
ist in vielen späteren Bildern eine der bischöflichen Mitra ähnliche
Form wiedergegeben; so insbesondere bei Wohlgemuth, welcher in der
Schedel’schen Chronik consequent die Kaiser und Könige in der Krone
unterscheidet. Wir erhalten davon ein deutliches Bild durch die
zwei Figuren, welche wir der Darstellung des deutschen Reiches und
seiner Glieder entnommen haben (Fig. 2) und die den Kaiser und den
König von Böhmen zeigen. Grünenberg gibt in seinem Wappenbuche eine
Darstellung der Kaiserkrone, welche auch im wesentlichen mit der Krone
übereinstimmt, die Kaiser Friedrich IV. auf seinem Grabmale in der
St. Stephanskirche zu Wien trägt (Fig. 3). Es ist dieselbe Hauptform,
welche später, am Schlusse des 16. Jahrh., der sog. „österreichischen
Hauskrone“ gegeben wurde, die, dem Kaiser dienend, nicht
Reichseigenthum, sondern solches des österreichischen Kaiserhauses war,
also auch außer der Krönung zur Verfügung stand und noch heute als
österreichische Kaiserkrone betrachtet wird. Wie entstand diese Form?
Betrachten wir (Fig. 4) die deutsche Kaiserkrone, so zeigt sich, daß
sie in nichts mit jener auf Friedrichs IV. Grabstein übereinstimmt, als
daß ein Kreuz oberhalb der Stirne steht, von welchem ein Bügel nach
rückwärts geht. Aber wir sehen neben der Hülse, in welcher der letztere
an der Rückwand und ebenso an der Vorderwand befestigt ist, noch zwei
solche etwas schräg stehende Hülsen. In diesen mag je ein flacher
Bügel befestigt gewesen sein, der als oberer Rand je eines halben
Käppchens von Sammt oder Seide diente und sofort das Charakteristische
der typischen Künstler-Kaiserkrone auch an der echten erscheinen läßt,
so daß es klar wird, wie die Künstler ihr Bild der bloßen Erinnerung
der Wirklichkeit entnahmen, indem sie nur die 8 Schildchen der echten
Krone, die sie nie nahe gesehen, in Laub umwandelten. Während die erste
uns bekannte Darstellung, die sich einigermaßen der echten Kaiserkrone
nähert, in dem Nürnberger Heilthumsbuch von 1493 enthalten ist (Fig.
5), zeigen selbst jene Siegel Kaiser Maximilians I., bei welchen
eine Krone statt des Helmes auf dem Schilde ruht, nur den Typus der
Bügelkrone, wie er populär war. Auf einem vom Kaiser verbreiteten
Flugblatte von 1508 erscheint am Fuße das Wappen Fig. 6.
[Illustration: Fig. 4.]
[Illustration: Fig. 5.]
Diese Kronen bei kaiserlichen Wappen sollen aber Kaiser- und keine
Königskronen sein, sie sollen des Kaisers Rang bezeichnen, wenn auch
das Grabmal Friedrichs IV. ähnliche Kronen auf anderen Schilden
zeigt. Bei dem Wappen von Alt-Oesterreich steht der Herzogshut auf
dem Schilde (Fig. 7) und trägt merkwürdiger Weise auch die Helmzier,
die eben zum Helm gehört, nicht zur Krone. In ähnlicher Weise, wie
hier der Herzogshut angewendet ist, tragen die Wappen der Päpste und
Bischöfe die Tiara und Mitra, das Wappen des Dogen von Venedig den
Dogenhut u. s. w., /um den Rang zu bezeichnen/. Aber während diese
Darstellungen bis in das 15. Jahrh. hinaufgehen, ist uns kein Beispiel
bekannt, daß Dynasten oder niederer Adel damals schon Rangabzeichen
mit dem Schilde verbunden hätten, noch weniger, daß sie das Zeichen
eines Ranges, den sie nicht besaßen, also eine Königskrone, als
Rangabzeichen gebraucht hätten. Als nach dem Mittelalter die Sitte
allgemein wurde, Rangabzeichen mit den Wappen zu verbinden, war es
auch nicht die Königskrone, welche jene Herren führten, sondern ein
ihnen eigenthümliches, je ihren speziellen Rang ausdrückendes Zeichen,
welches wir, weil es mit einer Königskrone Aehnlichkeit hat, als
„Grafenkrone“ oder „Freiherrenkrone“ bezeichnen. Für deren Entstehung
kann aber unser Siegel des Dr. Gäb doch keinen Anhaltspunkt gewähren;
denn die Krone dieses Siegels ist eine Königskrone, also keine, welche
den Rang des Dr. Gäb bezeichnete.
[Illustration: Fig. 6.]
Wenn es somit auch nicht schwer fällt, die vom Herrn Verfasser des
vorhergehenden Aufsatzes gewählte Bezeichnung umzustoßen, so ist es um
so schwieriger, die Bedeutung der Krone in diesem Siegel festzustellen.
In der Heraldik kommt die Krone (Königskrone) als Schildfigur häufig
vor. Als eigentliches Helmkleinod sie gesehen zu haben, erinnern wir
uns nicht; wohl aber kommt sie oft genug als Hülfskleinod, ähnlich
wie die Federkörbe, Wulste u. dgl. vor. Dafür erscheint sie bei dem
vorliegenden Siegel zu groß, da der Federbusch sie nicht ausfüllt.
Sollte nur der Siegelstecher sie in die Breite gezogen haben, weil
im Mittelalter jedes Feld durch die Figuren entsprechend gefüllt
sein mußte, ein Grundsatz, der jedem Maler oder Bildschnitzer für
jede Composition ebenso galt,[235] wie dem Heraldiker für die
Schildzeichnung, und den auch jedes schöne Siegel bezüglich der
Darstellung, ob diese nun eine heraldische war oder nicht, zur Geltung
bringt?[236] Unbedingt überzeugend ist allerdings diese Erklärung
nicht. Ist es etwa besser, anzunehmen, daß Gäb einer Bruderschaft
oder einem Orden angehörte, deren Symbol die Krone war? etwa einer
Bruderschaft der Himmelskönigin? Führte er deshalb eine Königskrone im
Siegel? die Krone der Himmelskönigin? Sollte aber auch die Krone nichts
anderes sein, als ein vom Künstler der Form des Siegelfeldes wegen ins
Breite gezogenes Hülfskleinod, so ist die Darstellung des Kleinodes
ohne Helm als Siegelbild höchst interessant, wenn auch nicht ohne
Parallelbeispiele.
[Illustration: Fig. 7.]
Zum Schlusse noch ein Wort über die Bezeichnung der Rangkrone überhaupt
als „heraldische“. Diese Bezeichnung erscheint uns, so allgemein sie
auch ist, nicht zutreffend. Heraldisch sind doch nur Schildfigur und
Kleinod, etwa Schildhalter. Sie sind eine heraldische Illustration des
Familiennamens. Der Rang des Trägers gehört in ein anderes Gebiet. Der
Träger führt seinen Rang eben so wohl wie seinen Namen; /er kann
also mit seinem Wappen die Rangbezeichnung verbinden/; sie wird
aber dadurch nicht Theil des Wappens, sondern Zugabe zu demselben, wie
sie auch nicht Theil des Monogramms oder des Buchstabens wird, wenn
der Träger seine Rangbezeichnung dem Namensinitial beifügt, eben so
wenig als man bei Verbindung von Ordensabzeichen mit dem Wappen diese
als heraldisch bezeichnen kann, während gewiß zur Darstellung der
persönlichen Verhältnisse diese Verbindung eben so berechtigt ist, als
jene des Rangabzeichens mit dem heraldischen Abzeichen des Trägers. Die
Verbindung der Darstellung sonstiger persönlichen Verhältnisse mit der
heraldischen Illustration des Namens geht ja auch bis in das 15. Jahrh.
hinauf. So führen verschiedene Nürnberger Ketzel die Zeichen ihrer
Pilgerfahrt an das heilige Grab als Beizeichen zum Wappen und auch die
Verbindung der Ordensketten und Ordensinsignien findet sich schon in
jener Zeit.
/A. Essenwein./