Die hier folgenden Zusammenstellungen sind aus zum größten Theil
gedruckten Urkunden oder Monographieen geschöpft und behandeln in
alphabetischer Reihenfolge diejenigen Städte und Klöster Schlesiens,
wo es dem Verfasser nicht möglich gewesen, eingehendere archivalische
Studien zu machen. Darum mögen auch Angaben über schlesische Künstler
des vorigen Jahrhunderts, in Ermangelung früherer, diesmal nicht
ausgeschlossen bleiben.
/Falkenberg/ (Regierungsbez. Oppeln). Das im Renaissancestil
aufgeführte und weithin sichtbare Schloß an der Ostseite der
Kreisstadt, beschrieben in Schlesiens Vorzeit II, 14, wurde 1589-92
unter Balthasar Pückler von Groditz, Besitzer der Herrschaft seit
1581, von den Maurermeistern /Jakob Westphal/ und /Hans
Czerr/ aus Jägerndorf erbaut, resp. um einen Stock erneuert, für
welchen Bau ihnen gegeben wurde „an Geld 775 [Symbol: Reichstaler],
Korn 2 Malter, Gerste 2 Schffl., Erbsen, Hirse, Haidekorn je 1 Schffl.,
Butter 4 Tönnchen, Rinderkäse oder Quärge 50 Schock, Kühe 1 Stück,
Schafe 12 St., Fleisch 3 Seiten, Karpfen 3 Schock, Salz 1/2 Schffl.,
Bier 8 Achtel, Tischbier 30 Achtel.“ -- Der betreffende Contract ist
abgedruckt in Schlesiens Vorzeit, 31. Bericht, S. 104-105[137]).
/Freistadt/ (Regb. Liegnitz). /Jost Köpper/ von der
Freistadt[138], /Maler/, wurde 1521 in Görlitz Bürger, zog aber
heimlich davon. (Bürgercatal. v. G.)
/Glatz/ (Hauptstadt der Grafschaft G.). Innerhalb der Jahre 1464
und 66 malt im dortigen Augustiner-Chorherrenstift Meister /Wilhelm
Kalteysen/ von /Aachen/; pictor sollempnis nennt ihn die
Klosterchronik. (Zeitschr. für Gesch. etc. Schlesiens X, 140.) --
1679 lebte der Maler /Caspar Paumgarten/ in Glatz. (ebenda 141.)
Der ebendort ansäßige Steinmetz /Wenzel Krobener/ trat 1571
mit dem Magistrate von Brieg in Unterhandlungen wegen Arbeiten am
dortigen Rathhause und erhielt am 18. Sept. 70 [Symbol: Reichstaler]
auf Abschlag. (Brieger Rechnungsb. von 1563.) -- Das Schloß in Glatz
wurde 1557 von Meister /Lorenz Krischke/ errichtet. (A. Schultz,
Schlesiens Kunstleben II, S. 17, nach Aelurius’ Glaciographia.)
/Gr. Glogau/ a. d. Oder. Ein /Cunczelinus murator/ wird genannt als
Zeuge in einer Urkunde von 1326. (Liber cum cruce, p. 18.) -- Am
Rathsthurme arbeiteten 1678, resp. 1720, die Zimmermeister /Caspar
Mücker/ aus Bunzlau und M. /Freudenberg/ aus Breslau. (Minsberg,
Glogau II, 144 ff.) -- Ein /Maler/ aus Breslau -- leider ist der Name
nicht angegeben -- vollendete nach mehrjähriger Arbeit 1493 für das
Glogauer Domkapitel einen Schnitzaltar (unam novam tabulam) für den
Chor. Man hatte dem Künstler dafür 150 ungar. Floren gegeben. (Annales
Glogovienses, S. 64.) -- Ein Madonnenbild (1518) von /Lucas Cranach/ in
der Collegiatkirche erwähnt Büsching in seiner „Geschäftsreise durch
Schlesien“, S. 107. -- /Melchior Heinrich/ von /Freiberg/, /Maler/ zu
Glogau, malte 1595 die Kanzel der Dorfkirche zu Diebau (Kr. Steinau)
laut Inschrift. -- Im städtischen Archiv zu Brieg befindet sich eine
Urkunde von 1710, worin die Geschwornen und Aeltesten des löblichen
Mittels der /Goldschmiede/, /Maler/ und /Bildhauer/ zu Großglogau
Joh. Ferd. /Schamaranski/ und George Anton /Nicke/ bekennen, daß
letzterer, Malerältester, am 14. Nov. mit seinem „Lehrknaben“ Joh.
Sebastian /Neubert/ erschienen sei und bekannt habe, dieser habe
seine 5 Jahre ausgestanden und sich in Allem aufrichtig und ehrlich
verhalten; nunmehr werde er seiner Lehrjahre ledig gesagt und allen
Berufsgenossen empfohlen. Unterzeichnet ist dies Document von dem
Oberältesten (Goldarbeiter), wobei Wappen (im Schilde und auf dem Helme
ein Vogel mit Ring im Schnabel und G. S.), und dem Malerältesten,
wobei das allgemeine Malerwappen; auf dem Helme aber zwischen Geweih
eine weibliche Figur. -- Ein /Münzmeister/ Konrad von Glogau wird 1310
erwähnt. (Minsberg I, 181.)[139]
/Hirschberg/ (Regb. Liegnitz). Im Buche der Petrusfigur eines
Schnitzaltars zu Wünschendorf bei Lähn (1865 in Breslau renoviert) hat
sich der Maler durch folgende Inschrift verewigt: hec tabula consumata
est per me /David Grossmann pictorem de Hirsberc/ aō. partus
virginei M.CCCC.LXI. die XVI. Februarij. Deo gratias.[140] -- 1479, 15.
Oct. richtet der Rath von Hirschberg an den von /Danzig/ einen
Brief, worin er den Steinmetzen /Martin Frey/, der Schlösser,
Kirchen und Thürme köstlich gebaut und allenthalben seine Meisterschaft
bewährt habe, für den Bau der dortigen Marienkirche empfiehlt.
(Schles. Kunstleben, S. 40.) -- Die Orgel in der kath. Pfarrkirche zu
Hirschberg erbaute /Casparini/, während /Röder/, Erbauer der
Magdalenenorgel zu Breslau, die in der Gnadenkirche 1725-27 errichtete.
(Knie, Uebersicht der Dörfer etc., S. 837.) Adam Horatius Casparini
stammte aus /Padua/, verfertigte 1709, resp. 1715, die Orgeln
zu Bernhardin und Christophorus in Breslau. (Schles. Vorz. II, 260.
261.); auch in Görlitz hat er gearbeitet. -- In H. arbeitete am Anfange
des 18. Jahrh. der /Glockengießer/ Ch. Friedr. Seifert. (Schles.
Vorz., 29. Ber., S. 66.)
/Hoyerswerda/ (in d. Wendei). In der sehr alten Pfarrkirche soll
sich das Epitaphiumsbild eines Herrn von Maltitz mit der Darstellung
„Christus segnet die Kinder“ erhalten haben, woran sich ein Monogramm
in der Art des Dürer’schen (nur daß statt D Ↄ steht) nebst
der Inschrift fecit 1582 zeige. (Katal. d. Wolf’schen Sammlung in der
Bibl. d. Lausitz. Gesellsch. z. Görlitz, S. 151.)
/Löwen/ (bei Brieg). 1663, resp. 1689, arbeiteten dort die Maurermeister
Georg /Pfalman/ und Adam /Scholtze/. (Urkunden der Brieger
Bauhandwerker-Lade.) -- 1257 wird erwähnt ein /Walterus monetarius/ de
Lewin. (Reg. z. schles. Gesch., Nr. 955.) Andere Münzmeister des 13.
Jahrh. finden sich: 1261 /Arnold/ in /Löwenberg/ (ebenda Nr. 1091),
1290 /Petzmann/ in /Schweidnitz/ (Reg. d. Bresl. Staatsarchivs).
/Münsterberg/ (Regb. Breslau). Dem /Maler/ Herzog Karls[141]
gibt die Stadt Brieg 1536 2 Flor. für Entwürfe zu den neuen Gebäuden an
den Brotbänken; wahrscheinlich hieß er /Laubener/, wie der Name
des gleichzeitig in dieser Stadt beschäftigten Künstlers lautet. (Urk.
v. Br., S. 200.)
/Namslau/ (Regb. Breslau). Die kath. Pfarrkirche soll 1401 von
Meister /Peter Steinmetz/ erbaut worden sein; doch kann ich
diese Angabe nicht urkundlich erhärten. -- Um 1471 lebte daselbst
Meister /Niclas der Maler/. (Zeitschr. X, 142.) Denkmäler
mittelalterlicher Malerei und Holzsculptur finden sich mehrfach in der
Umgegend von Namslau in den Dörfern Altstadt, Strehlitz, Proschau,
Belmsdorf, Kreuzendorf.
/Oels/ (Regb. Breslau). Ein Maler Nicolaus de Olsina (vgl. A.
Schultz, Bresl. Malerinnung) wird zum Jahre 1401 erwähnt im Anzeiger
1875, Sp. 74. An der Pfarrkirche haben um 1456 gebaut die Maurer Nic.
/Hoferichter/ und Nic. /Fischer/. (Zeitschr. X, 134.) --
Ueber die bei den fürstlichen Grabdenkmälern betheiligten Künstler gibt
Lübke, Gesch. der deutschen Renaissance, Luchs, schles. Fürstenbilder,
A. Schultz, Schlesiens Kunstleben, Aufschluß. Von dem herzoglichen
Schloßbau aber kennt man bisher die ausführenden Künstler nicht; ich
habe im Anzeiger unter /Brieg/ die Vermuthung ausgesprochen, daß
der Steinmetzmeister /Kaspar Khune/ einer derselben gewesen.
/Ohlau/ (b. Brieg). Das herzogliche Schloß wurde durch /italienische/
Baumeister 1654 wiederhergestellt; sein Erbauer war Georg II. von Brieg
gewesen. (Kunstleben, S. 17.) Das Rathhaus, vielfach (zuletzt 1823)
umgebaut, hat von dem ursprünglichen nichts Besonderes übrig behalten.
Aus einem undatierten Contract über seinen Bau (im Brieger Archiv)
ersieht man, daß es zwei Thürme mit einer, resp. zwei, Durchsichten,
den größeren von einem Kranz mit eichenen Säulen umgeben, haben sollte.
Der Baumeister -- wahrscheinlich war es der 1585 in Brieg gestorbene
/Hans Seiler/ -- sollte 300 [Symbol: Reichstaler] bekommen. (Schles.
Vorz., 39. Ber.) -- 3 Uhrmacher, /Sallat/, /Kraut/ und /Riebe/,
verfertigten bis 1718 das Wahrzeichen von Ohlau, die künstliche Uhr am
Rathsthurme: man sah auf der Seite im NW. den Mondlauf, im NO. beim
Stundenschlage eine Henne, gejagt vom Hahn, im SO. den Tod, der beim
Viertelstundenschlage die Sense bewegt, und im SW. den Herrscher
der Zeit, der bei jedem Stundenschlage das Zepter neigt und den Mund
bewegt.[142] (Knie, a. a. O., S. 889.) Schließlich sei hiebei als
Nachtrag zu den Italienern von Brieg bemerkt, daß die Herzoge Joachim
Friedrich und Johann Georg, Gebrüder, durch eine Urkunde d. d. Ohlau,
1588, 6. Aug. ihren /Baumeister Bernd Niuron/ frei machten „aller
Beschwerung, es sei an Wachen, Geschoß, Ungelden, Steuern etc.“ (Brieg.
Mittelspriv., S. 181.) Er mag auch in dieser Stadt thätig gewesen
sein.[143]
/Reichenbach/ (Regb. Breslau). /Paul Juch/, Maler, nennt
sich unter Anbringung seines Monogramms 1586 am Schülerchor der alten
Pfarrkirche. (Schles. Vorz. 24. Ber. S. 255.)[144] -- Der südliche
Kapellenanbau rührt her von /Balthasar Jentsch/, „Meurer und
kunstreichem Tischler“ aus Liegnitz (1585) (ebenda S. 253). Dieselbe
Kirche besitzt das Grabmal des Maurers /Melchior Friedrich/ (†
1589) mit Monogramm (ebenda S. 255).
/Sagan./ Meister /Hans/ von Sagan malte 1506 die Orgel in
der Klosterkirche der Franziskaner zu /Bautzen/ und erhielt
dafür 14 Mark. (Wirthschaftsbericht des Klosters, abgedr. im N. Laus.
Magaz., Bd. 49, S. 43.) Wahrscheinlich ist dieser Künstler identisch
mit dem bei Schultz, Breslauer Malerinnung, S. 88, angeführten /Hans
Schöneiche/ pictor in Sagano 1509. -- Der 1518 in Görlitz Bürger
gewordene Maler /Caspar Wittich/ nahm um 1530 seinen Wohnsitz
in Sagan. (Vgl. die Maler von Görlitz im 52. Bande des N. Laus.
Magazins.)[145] -- Die Decken der Stiftsbibliothek sind al fresco von
einem Maler /Neunherz/ 1736 gemalt. (Büsching, a. a. O., S. 122.)
/Strehlen/ (Regb. Breslau). Den Steinmetzmeistern /Stephan/
und /Georg/ von Strehlen wird 1405 die Behauung der Steine „zum
obersten Werke“ an der Nicolaikirche zu Brieg verdingt, pro Elle 3
Groschen weniger 2 Heller. (Brieg. Stadtb. I, 121.) -- 1383 bekennen
die Rathmanne von Strehlen vor denen von Schweidnitz, daß /Hensil
Friberg/, Seigermeister daselbst, ihnen verkauft habe einen Seiger
nebst allem Zubehör, wie Glocke etc. Diesen soll er nach Strehlen zu
schicken und einzurichten veranlaßt werden, auch „waz die czwee iar
deme seiger abegeet, daz sol er fulkomen ferrechin.“ (Schweidn. Stadtb.
I, 102.)