FUSSNOTEN:

[102: St. Trudpert, ehemaliges Benedictinerkloster im jetzt badischen

Bezirksamte Staufen.]

[103: /Span/, m., pl. /Spän/, Streitigkeit, Zwist; /spänig/, streitig,

Schmeller II, 670.]

[104: vergangen; Schmeller II, 423.]

[105: nach Bedürfniß, so viel nöthig; Schm. I, 539.]

[106: ihn.]

[107: /Leumde/, aus mittelhochd. liumunt, liumet, Ruf, öffentliche

Meinung, Leumund; Schm. I, 1472.]

[108: /dwill/, aus mhd. /die wîle/ (während, da); zusammengezogen:

dieweil.]

[109: belangen.]

[110: Entsagung, Verzicht; Schm. II, 1105. Dr. /Fr./]

Mäßigkeitsvertrag.

Fünf 1609 in Paris sich aufhaltende deutsche Edle errichten unter sich

ein Bündniß gegen zu vieles und ungesundes Weintrinken unter Androhung

einer bedeutenden Geldstrafe.

„Khundt vnndt zue wissen, sey jedermenniglich, daß vff heutt Dato

ann dem heiligen Ostertag, Altten Calenders, die Wohlgebornen Herrn

und Edlen, Herr Albrecht Güntter, der Vier Grauen des Reichs, Grauen

zu Schwartzburg vnnd Hohnstein, Herrn zu Arnstatt, Sondershaußen,

Leuttenberg, Lohra vnnd Clettenberg etc. Christoph Moritz Freyherr

zu Herberstein etc. Seyfridt Herr vonn Küttlitz etc. Adam Andreä

Rideßel vonn Camburg, Fürstl. Speürischer Rath, ober Ampt- vnnd

Lanndtshauptmann auff Magdenburg vnnd Lanndeckh etc. vnnd Sambson

Schöer(?) von Schwartzenburg, Fürstlicher Württenbergischer bestellter

Rüttmeister vnnd Hauptmann etc. Sich mit einannder vereinbartt und

verglichen, daß kheiner (biß wider auff khünfftigen Ostertag wann mann

zehlen württ 1610.) vber eine Mahlzeitt (deß Tags nicht mehr dann zwo

gerechnet) auff daß höchste mehr nicht dann ein maß wein trinkhen soll,

vnnd zwischen denn Malzeitten mehr nicht denn ein quartt, Weil aber die

Massen jnn Teütschlandt hin vnnd wider vngleich, wollen wür hiermit

diße nach Volgende drey massen Außtrukhenlich genannt vnnd verstanden

haben, Namblichen die Reinisch, Württembergisch, und Elßäßisch, da

sy einannder biß auff Vngeuahr ein klein gläßlin voll gleich seindt,

etc. All anndere Starkhe getrankh wie die Namen haben mögen, hiemit

Außtruckhenlich verbotten und außgenommen sein sollen mehr nicht dann

ein klein Trünckhgleßlin voll, Ohne wasser vnnd Büer, Es wehre dann,

daß einer Kranckh vnnd Ime ein annder tranckh geordnet würde. Es solle

auch khein theül dem Anndern macht haben Mehr zu Erlauben etc. Auff dem

fahll aber einer oder der Annder sich überreden lüesße, oder obgemelte

zwo masß, vnnd die quartt zusamen Sparen oder auff einmahl trinckhen

woltte, der solle hiemit vnnd Inn Crafft diß Verbunden vnnd schuldig

sein denn Anndern obgemeltten, Jedem Insonnderheitt, /Drey hundert

Reichsthaler/ Inn specie zu geben, nicht allein auff einmahl,

sondern so offt er solches vber tritt. Wür versprechen Vnnß auch gegen

einander, Bey vnnßern gewisßen Eydt vnndt Ehren, Da es einer oder der

Annder Vbersehe vnndt nicht hüeltte, daß er schuldig sein soll, denn

andern ein solches zu gestehen vnnd anzuzeigen. Da aber einer oder der

annder Außflüchten suchen woltte, vnnd annderst v̈berwißen würde, Der

soll schuldig vnnd verbunden sein, Obgemelte Summa Doppelt zu geben,

vnnd so offt daß er solches thuett etc. Die weil wür aber Aller seitz

Verpflichte Lehen Leuth vund Diener seindt, allß wollen wür hiemit dem

Churfürsten vonn Sachsen, Hertzog vonn Württenberg, vnnd dem Bischoff

von Speur, oder da einer hie zwischen Inn Annderer Fürsten Diennst

Kheme, Allein Jre Taffel außgenommen haben etc. Solches stehet vnnd

vest zu haltten, Auch hiemit alle Außreden, Außflüchten vnnd Lüst, so

Menschen erdenckhen mögen außgenommen haben. Dessen wür vnnß mit Mundt

vnnd handt, auch crafft dieser schrifft gegen einannder Verbunden vnnd

Verlobt.

Zue wahrer Vrkhundt haben wür diß Verbündtnus mit vnsern angebornen

Rinng Püttschiren vnd eignen Hannden becräfftigt vnnd vollenzogen.

Datum Pariß den 16/26 Aprilis anno 1609.“

Folgen die 5 Siegel und eigenhändigen Unterschriften der obengenannten

5 Herrn:

/Albrecht Günther/ /Christoff Moriz/

Graff zu Schw. u. Honst. Freih. zu Herberstin

/Seyfriedt/

Herr vonn Kittlitz

/Andre Ridesell/ /Samson Schöer/

von Camburg vonn Schwartzenburg

Oberster Leytenannt Ritmeister vndt Hauptmann

Aus dem Rudolstädter Archiv.

/B. Anemüller/.

Samuel Karoch von Lichtenberg.

Ueber diesen Vorläufer der Humanisten und seine wunderlichen Verse

habe ich in der Zeitschrift f. d. Gesch. des Oberrheins im 28. Bande

gehandelt. Es ist nicht unwichtig, daß derselbe trotz seines sehr

mangelhaften Lateins und seines possenhaften Auftretens doch es zu

einer gewissen Berühmtheit gebracht hat. Ich bemerke deshalb hier, was

mir damals entgangen war, und worauf mich Herr Dr. Geiger aufmerksam

machte, daß dieser Samuel auch in den Epistolis obscurorum virorum

vorkommt. Magister Conrad von Zwickau schreibt ep. 13: „Per deum valde

jucundum est amare mulieres, secundum illud carmen Samuelis poete:

Disce bone clerice -- conservare“. Zarncke, Die deutschen Universitäten

im Mittelalter S. 87, hat dasselbe, mit noch einer Zeile am Schluß,

aber ohne den Namen des Verfassers. Noch merkwürdiger aber sind die

Worte Magistri Philippi Sculptoris ep. 25: „Tempore meo fuit tantum

unus poeta, qui vocatus fuit Samuel; et nunc solum in ista civitate

sunt bene viginti.“ Boecking, Opp. Hutteni VII, 463 im Index biogr.

verweist auch auf Habich in Progr. Gymn. Goth. 1860, nach welchem in

einer Gothaer Hs. außer dem Dialogus inter adolescentem et virginem

auch f. 297-300 enthalten ist: „Samuelis de monte rutilo epistola

missiva et petitoria omnes paene scholarium miserias lucide declarans.“

Die möchte auch vielleicht der Mittheilung nicht unwerth sein.

/Berlin./ /W. Wattenbach./

Hochzeitbrief eines Scharfrichters.

Hoichwirdighe Fürstin Wollgeborne Gnetighe Fraw. E f g magh Ich

Deroselben vndertheniger Diener in Vnderthenigkeit nitt verhalten

waßgestalt Ich nun durch Zufuegungh Gottes vnd freunde Raith meyne

Tochter Elisebeth an eynen erbarn Gesellen vnsers beruffs eheligh

versprochen. Vnd darab[111] derselben hochtzeitligen ehrtag gliptz[112]

Gott vff dinxstagh den Zehenden dises Monatz alhie zu Essen an vnser

Behausungh gern halten solle. Dweilh[113] nun Ich armer Diener zu E. f.

g. aller gnad vnd Beystandtz mich gentzlich getroeste, Alß Glangt an E

f g Meyn vnderthenigh hohe fleissigh bitt. Die wollen myr vnd meyner

Tochter zu derselben hochzeitligen Ehrtag so gnetiglich erscheinen. Vnd

denselben mitt gnaden hilffen leisten etc. Daß bin Ich armer Diener in

aller vndertheniger Vermugenheit sampt meynem Ehetumb[114] die taghe

unsers Lebens widrumb zuuerschulden geflissen. Weis Gott der E f g

zu langen Zeiten in hohem furstlichen stande gesundt vnd glückseligh

erhalte.

Datum am 6^{ten} July Anno etc. 601.

E. F. G. Vndertheniger gehorsamer Diener

Hanß Bernhers. Scharpffrichter.

Dieser Brief ist gerichtet an die gefürstete Aebtissin des kais.

freiweltlichen Stiftes von Essin (Essen). Er stammt wahrscheinlich

aus dem Besitze des Archivars Kindlinger, (vgl. Annalen des Vereins

f. nassauische Alterth. XI, 336 f.), der ihn mit andern Essen’schen

Akten an Bodmann abgetreten zu haben scheint, von welchem er (1830) mit

dessen archivalischen Sammlungen käuflich an Habel übergieng.

/Miltenberg./ /Conrady./

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) Neue Folge · 第 27 / 177 题