Ein ehrengerichtlicher Spruch aus dem 16. Jahrhundert

Wolfgang von Honneck Comentur des deutschen Hauses zu Freiburg,

Hans Albrecht von Anwyl, Bürgermeister daselbst, Hans Wilhelm von

Liechtenfels und Erhart von Falkenstein erklären, im Namen gemeiner

Herren und Gesellen der löblichen Gesellschaft zum Ritter, daß

beleidigende Aeußerungen des Abtes Melchior zu St. Trudpert[102] gegen

den Freiherren Anthoni zu Stauffen, nach den von dem Abte gegebenen

Erklärungen, keinem Betheiligten an Ehre, Herkommen, Stand und Leumund

nachtheilig sein sollen.

1550, December 22.

Zu wyssend vnd khundt sy menigklichem mit disem brieff, nach dem

sych spaͤnn[103] vnd irrung zugetragen zwischen dem wolgeborenen

| herren, herren Anthonien freyherren zu Stouffen an einem vnd dem

erwürdigen vnd geistlichen herren, herren Melchior | abte des gotzhußes

zu sant Trutprecht am anderen teil von wegen etlicher wortt, die

sich vff den acht vnd zweinzigen (sic!) tag | des Monats Marcii

nechst verschinen,[104] als man etliche spaͤnnige hoͤltzer

besichtiget, von dem genantten hern abte wider den gemelten herren

von Stouffen geredt haben solle, welche wortt der gedacht herr von

Stouffen fuͤr schmelich vffgenommen, den herren abbt rechtlich

darum zu suchen willens gewest. Vnd aber derenhalben fuͤr vnß

herren vnd gesellen der loblichen geselschafft zum Ritter, vermoͤg

der ordnung, vff huͤt dato khomen, daruff man sy zu beiden teillen

notturfftig[105] gehoͤrt. Demnach aber der vorgenant her abbt die

selbige wortt nit dermassen, das sein wyll vnd gemiett inne[106]

den herrn von Stouffen an seinen eeren, herkomen vnd guͤten

leimbdten[107] zu verletzen ye willens gewest, auch noch sein wyll

vnd gemiet nit sye, sonder, was er geredt, habe er als ein altter,

bedagtter man vß vnbedachtem beweglichen gemiett gethonn, verantwurt

hett, vnd woͤlle ime, herren von Stouffen, alle eer, lieb vnd

diennst, wie bißher bewysenn, daruff den die parthien vff vnnser

fruͤntlich bitt vnd ansuͤchen dise sachen vnnß heim gestellt

haben, dwill[108] wir dann in des herren abbts verantwurttung, das sein

wyll vnd gemiett den hern von Stouffen darmit an seiner eeren, herkomen

vnd gutten leimbdten zu verletzen nit gewest, genugsam gehoͤrtt, so

haben wir durch vnseren güetlichen spruch ertheiltt, das dise wortt

keinem teil an seinen eeren, herkomen, standt vnd guͤten leimbdten

nachteilig sein sollen, auch hiemit deren halben gericht, vertragen

vnd vereinbartt sein, also das kein theill den anderen deren halben

wytter suͤchen[109], weder inner noch vsserthalb rechtens beschweren

woͤlle. Das sy vnnß zu beiden teilenn by guͤtem glauben, eren vnd

würde zugesagt vnd versprochen haben mit verzyhung[110] aller gnaden

vnd freyheitten. Deß zu vrkhundt so haben der erwürdig, die edlen und

vesten, herr Wolffgang von Honneck, Comenthur alhie zu Fryburg im

tutschen huß, Hannß Albrecht von Anwyll, dieser Zeit Burgermeister

der statt Fryburg, Hannß Wilhalm von Liechtenfels vnd Erhartt von

Falckenstein im namen vnd von wegen gemeiner herren vnd gesellen der

loblichen gesellschaft zum Ritter ire eigne insigell zu vnd an disen

brieff thonn hencken, der geben ist vff den zwein und zweinczigistenn

tag des monats Decembris im jar als man zalt nach Christi vnsers

lieben herren vnd erloͤsers geburtt tusendt fuͤnffhundert vnd

fuͤnffzig.

Perg.-Orig. mit 4 Siegeln, von denen indeß nur noch zwei (v.

Lichtenfels und v. Falkenstein) gut erhalten.

Karlsruhe. Großh. General-Landes-Archiv: Urkundensection St. Trudpert,

Convolut 36.

/Karlsruhe./ /v. Weech./

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) Neue Folge · 第 26 / 177 题