1879. Nº 2. Februar.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Deutsche Gläser im germanischen Museum.
[Illustration: Fig. 1.]
Wenn überhaupt in Bezug auf die Geschichte des deutschen Handwerkes
und der Industrie noch eine große Reihe von Studien nöthig ist, ehe
alle Erscheinungen sich auch historisch begründet darstellen, so gilt
dies insbesondere von der Geschichte der Glasindustrie. Allerdings ist
bereits eine Anzahl von Urkundenauszügen veröffentlicht, aus denen
hervorgeht, daß da und dort in Deutschland während des Mittelalters
Glashütten bestanden, deren Menge war aber gewiß weit größer, als
die geringe Zahl der bis jetzt nachgewiesenen, und sicher wird nun,
nachdem die Aufmerksamkeit durch mehrere Versuche, das vorhandene
Material zu einer Geschichte des Glases zusammenzustellen, darauf
hingelenkt ist, da und dort noch ein und der andere Ortsname mit
Jahreszahl aus den Archiven zu Tage treten, um uns über das Bestehen
von Glashütten zu unterrichten. Diese Nachrichten gehen bis jetzt in
das 14. Jahrh. zurück. Wir erkennen jedoch aus denselben nicht, ob es
sich um eine erst damals entstehende Industrie, ob um eine lange geübte
handelt. Bekannt ist, daß bunte Glasperlen, daß farbige Glaseinlagen
in Goldschmiedearbeiten in germanischen Gräbern gefunden werden. Die
fortgeschrittene Technik läßt uns annehmen, daß dieses Glas importierte
Waare ist. Ist dies aber auch sicher der Fall mit braungrünen
Glasgefäßen, wie jenes in Fig. 1 abgebildete, das aus einem in der Nähe
von Ulm gefundenen alemannischen Todtenbaum genommen ist, der mit dem
Glase seinen Weg in das germanische Museum gefunden? Sind auch diese
Gläser spätrömische Fabrikate, oder sind sie in Glashütten gefertigt,
die etwa schon in karolingischer Zeit da und dort im Walde bestanden?
Wir haben im Jahrgang 1877 unseres Anzeigers, Sp. 228 ff. auf die der
heil. Hedwig zugeschriebenen geschliffenen Gläser hingewiesen und
geglaubt, andeuten zu dürfen, daß wir, wenn auch etwa orientalischer
Ursprung nicht ausgeschlossen ist, abendländisches Fabrikat, also
natürlich deutsches, des 13. Jahrh. darin zu erkennen glauben. Gehören
etwa jene schweren, dicken, grünen Gläser, die freilich keinen
Schliff zeigen, in dieselbe Periode? Manche derselben mit ihren
aufgeschmolzenen Rosettchen scheinen trotz der Schwere in weit späterer
Zeit entstanden zu sein.
Leider ist nicht zu hoffen, daß sich urkundliche Nachrichten aus
dem Mittelalter über das Fabrikat selbst finden werden, das ja, mit
Ausnahme der geschliffenen Gläser, wol nur dem ordinärsten Bedürfnisse
diente, wie ähnlich auch die Thonwaaren des Mittelalters. Aus den bis
jetzt veröffentlichten Nachrichten läßt sich nicht /nachweisen/,
ob Hohlglas (d. h. Glasgefäße) und Tafelglas (d. h. Butzenscheiben)
allenthalben neben einander gefertigt wurden, ob alle, ob nur einzelne
und welche Farbengläser für die Glasmalerei bei uns hergestellt wurden.
Wir sind darin bis jetzt nur auf Schlüsse angewiesen.
Das einheimische, da Feld-, dort Waldglas genannte, Produkt suchte im
Mittelalter wohl den Weg zur Kunstform nicht. Als nach dem Schlusse
desselben die deutsche Glasindustrie jenen Weg einschlagen wollte,
gieng sie auf Imitation der Venetianer hinaus, und die Produkte
dieser Thätigkeit gelten heute jedenfalls als Venetianer, ohne daß
wir feststellen können, welche derselben die deutschen Imitationen
sind. Was das Mittelalter betrifft, so bilden Gemälde und Miniaturen
die einzigen Anhaltspunkte, um hinsichtlich der Glasgefäße zu zeigen,
welcher Art die damals im Gebrauche befindlichen waren. Sie zeigen sich
uns aus diesen Quellen derart einfach, daß wir nicht zweifeln dürfen,
eigenes, einheimisches Fabrikat dargestellt zu sehen, da man kaum solch
gewöhnliche Waare aus der Fremde bezogen haben kann.
[Illustration: Fig. 2.]
Eine Form, die uns im 14.-16. Jahrh. hin und wieder begegnet, ist
eine nach oben sich konisch erweiternde, wobei die Gefäße am unteren
Theile mit Batzen besetzt sind. Die Farbe ist ein mehr oder minder
gelbliches, trübes Grün. Ein solches Glas, das die Spuren der Erde, in
welcher es gelegen, an sich trägt, und das wol noch dem Mittelalter
angehören mag, ist das hier in Fig. 2. in halber Originalgröße
dargestellte.
[Illustration: Fig. 3.]
Aber auch die Gemälde des 16. und 17. Jahrh. zeigen uns, daß in
Deutschland neben den vornehmen Venetianern mit ihrem durchsichtigen,
farblosen Materiale, die nun die Hauptrolle spielen, immer noch
hellere und dunklere grüne Gläser mit Batzen im Gebrauch blieben, die
als deutsche Fabrikate zu betrachten und aus ähnlichen primitiven
Glashütten hervorgegangen sein dürften, wie jene mittelalterlichen.
Wir finden jedoch eine größere Mannigfaltigkeit der einfachen Formen.
Das germanische Museum besitzt einige Dutzend solcher Gläser in
Original, für welche freilich eine Datierung nicht versucht werden
darf; theilweise sind sie von sehr beträchtlicher Dicke und deshalb
auch sehr dunkel in der Färbung, ohne daß jedoch aus ihrer Stärke
geschlossen werden dürfte, daß sie älter sind als andere, dünnere,
selbst sehr dünne und leichte. Von letzteren geben wir hier in Fig. 3
eine Gruppe in halber Naturgröße. Die verehrten Leser kennen alle die
heute noch, allerdings meist sehr abgeschwächt, in elegantem Fabrikate
dargestellten „Römer.“ Sie erkennen den in beträchtlicher Größe sich
zeigenden Humpen. Sie sehen aber auch ein mit Reifen umlegtes Fäßchen.
Unsere Sammlung zeigt, daß die Glasmacher, wol erst jene des 17.
Jahrh., noch weiter giengen und allerlei Thiere, wie Bären, Mäuse u.
A. fertigten. Selbst eine Trompete aus solchem grünen Glase, die einen
ganz guten Ton hat und recht wohl als Blasinstrument dienen kann, ist
im Museum.
/Nürnberg./ /A. Essenwein./
Hausordnung für die 12 Chorschüler in der Spitalschule zu Nürnberg vom
Jahre 1343.
(Schluß.)
Avch sol vnter den zwelf korschulern allweg ein epistler vnd ein
ewangelier sein vnd wer niht priester werden wil, den sol man zu
korschuler niht nemen. vnd wenn ein priester stirbt, so sol man dem paz
gelersten vnd aller endlichstem,[57] der vnter den zwelf korschulern
ist, die selben pfruͤnt leihen. Wer aber daz ein erberger[58]
bewerter man koͤm, der die pfruͦnt pezzern wolt vnd das spital
gefodern[59] moͤht, dem moͤht man die pfruͤnt verleihen.
Die korschuler suͤllen auch einem schulmaister in dem kor helfen
singen, wenn er sie fodert, pey sechs hallern.
Avch suͤllen sie mess vnd tagczeit gleich mit einander singen, niht
daz ainer sing vnd der ander zu seh, sie suͤllen pey einander vor
dem puch sten.
So sol ir dheiner in dem kor in der priester stuͤl niht sten, noch
vber dez stifters grab niht lainen.[60]
Avch sol dhein korschuler in den sagrer[61] niht geen on des custers
vrlaub, denn[62] die zu der mess ministriren muͤzzen oder der
probst, wenn er fragen muz, waz man singen sol.
So sol ir dheiner auf holczschuhen niht gen in die kirchen noch
vͦber den ganck vͤber die siechen.
Auch suͤllen die korschuler allweg mit plozzem haupt gen vnd sten in
dem kor vnd in den processen von dez heligen creutz tag inuencio auf
dez heligen creutz tag exaltacio, pey sechs hallern.
So sol man den korschulern an ainem gepanten tag[63] niht von milch zu
ezzen geben, sunder von oͤle.
Avch sol dhein korschuler dhein stechmesser niht tragen newr[64] ein
protmezzer, bey sechs hallern von ydem tag.
So sol kein korschuler niht weyter ermel tragen, denn daz moz, daz man
in geben hot vnd dheinen offen langen slitz tragen hinten noch vorn in
den langen roͤcken.
Vnd suͤllen in dheiner processen keinen kappenczipphel[65] vmb daz
haupt niht winden vnd in der kirchen sunderlichen slehticlichen[66] gen
als ziemlich ist dez gotzhaus diner. vnd suͤllen auch allweg latein
reden in irr stuben vnd in irr slafkamern.
Avch suͤllen sie niht reden mit den fremden mayden, die da wazzer
holen von dem prunnen, weder in dem hoff, noch vnter dem tor vnd in der
kirchen mit den frawen pilden bey nacht.
Wenn sie am suntag, veirtag drey mess singen oder vier on selmess, daz
stet in dem sagrer geschriben vnd an dem puch ffolij.
Avch sol allweg nach der tertz zeit[67] der oberst sacrist vnd der
vnter versiculator[68] den hern zu altar ministriren als lang vncz
die andern die suppen gezzen haben. Dar nach sol der vnterst sacrist
vnd der ander versiculator den priestern zu altar dinen vncz auf
die tagmesse.[69]
Vnd der oberst sacrist sol bey dem sagrer pleyben.
Ez sol auch nyemant dheinen sluͤzzel haben zu dem pulpid[70] in dem
kor, do die pucher innen ligen denn der custer vnd der oberst sacrist
vnd der wochner.
Nota. wo die /trew/ stet, daz suͤllen die korschuler halten bey
der trew vnd suͤllen die andern stuck sust halten, wer daz vͦber
vert[71] vnd nicht helt, den sol der probst pfenden oder peuchen.[72]
Aber[73] der custer vnd der pfleger mugen sie dor vͤmb verkeren.
Wenn ein korschuler seumig ist an der leczen[74] on dez schulmeisters
vͦrlaub, den sol der schulmeister ie als off peuchen.
Der schulmeister vnd der probst suͤllen die korschuler dor zu
halten, daz sie stille sein, sunderlich ob dem tisch, daz sie allwegen
sweigen.
Der schulmaister vnd der probst suͤllen auf den leser merken, der
zu tisch list, daz er oͤrdenlich lese vnd niht valsch vnd wenn der
schulmeister spricht: Tu autem, so sol der leser aufhoͤren.
Die korschuler suͤllen daz gracias sprechen mit dem schulmeister.
Item so gibt man den korschulern zwu suppen von inuencio sancte crucis
vncz auf exaltacio sancte crucis, ein vor tisch, die andern nach
tisch. vnd die andern zeit im jar newr ain suppen vor tisch. vnd
man gibt in allweg zu einer suppen einen firdung[75] smalcz vnd sechs
spital prot. [_spätere Nachschrift_. In der vasten gibt man in kein
suppen....]
Item so mag der spitalmeister den korschulern einen cleinen knaben
halten ob er wil, oder er mag in niht halten, wenn er aber einen knaben
halten wil, der sol einhaiczzen vnd tun wez not ist, als in ein pfleger
heizt oder der kornschreiber vnd der kelner. Er sol auch allweg die
orgeln treten.
Nota. Wenn der spitalmeister ein cleinen knaben den korschulern halten
wil, der izzet, waz den korschulern vͤber wirt,[76] dar zu gibt
man im prot. Welchem korschuler er den pett,[77] der gibt im alle
cottemmer drey pfenning. So liegt er pey dem ministriren oder wo in
der spitalmaister heizzet ligen.
Item der korschuler sol dheiner vͤber velt niht gen on dez custos
vnd des spitalmeisters vrlaup.
Item wenn ein korschuler ein vnzucht tet[78] ez wer zu pett oder zu
tisch oder wo daz wer, so sol in der spitalmeister dor vͦmb heizzen
peuchen. wer aber die vnzucht groz, so sol er im vrlaub geben.[79]
Vmb aller heiligen tag sol man der korschuler stuben einhaiczzen.
Item wenn es gar kalt ist, so suͤllen die cleinen schuler in der
korschuler stuben lernen. Wenn ez aber niht vast[80] kalt ist, so
suͤllen sie lernen in der schul.
Aus dem Leitbuche des Neuen Spitals (Bl. 37 bis 43) im Nürnberger
Stadtarchiv.
/Döbeln./. /W. Loose./