Die Finnen sind gestreckt 8 bis 25 _mm_ lang, 1 bis 3 _mm_ breit,
von schwach abgeflachtem Körper. Vorn trägt das Tier einen konischen
Kopfaufsatz, der in zwei seichten Sauggruben schon die künftigen
Haftapparate des erwachsenen _Bothriocephalus_ aufweist. Oft ist
übrigens das Vorderende in den Körper eingestülpt. Der Leib ist solid,
ungegliedert, höchstens die Kutikula zeigt eine starke Querrunzelung.
Gegen hinten wird der Leib in völlig gestrecktem Zustand etwas
schmäler. Auffallend ist der grosse Reichtum von im Körper zerstreuten
Kalkkügelchen (Fig. 44). Die Finnen liegen, von dünnwandigen Kapseln
umschlossen, oft in bedeutender Zahl in den verschiedensten Organen des
Fisches. Speziell häufig treten sie auf in den Wandungen des Schlundes,
in der Leber, in Milz, Nieren, Geschlechtsorganen und endlich, für die
Übertragung wohl am wichtigsten, in der Rückenmuskulatur. Oft trifft
man sie auch frei wandernd in der Leibeshöhle. Die Zahl der Finnen in
einem Fisch kann recht bedeutend werden (50–100); auf das massenhafte
Vorkommen derselben in einer Seeforelle ist schon hingewiesen worden.
Im Wasser leben die Würmchen längere Zeit weiter. Solche Jugendstadien
in den menschlichen Verdauungstractus gebracht entwickeln sich zum
typischen breiten Bandwurm, zum _Bothriocephalus latus_. Es ist dies
besonders durch Experimente an Dorpater und Genfer Studenten bewiesen
worden. Das Wachstum des Kettenwurms im menschlichen Darm ist ein
ungemein rasches; es beträgt unter günstigen Umständen 6 bis 8 _cm_ im
Tag, so dass der Schmarotzer bald nach Metern gemessen und seine eng
verbundenen Proglottiden nach tausenden gezählt werden können. Nach
drei Wochen ungefähr, von der Infektion an gerechnet, werden wieder
reife Eier abgegeben.
Wir erwerben den breiten Bandwurm durch den Genuss ungenügend
zubereiteter Fische. In den Ostseeprovinzen spielt der Hecht vorzüglich
die traurige Rolle des Zwischenträgers; in Genf ist der Hauptsünder
die Quappe. Sie gelangt massenhaft auf den Markt, ihre Leber wird ganz
leicht gebacken als Leckerbissen verzehrt, gerade dieses Organ aber
beherbergt fast regelmässig Bothriocephalus-Finnen. Auch der Barsch
muss in dieser Hinsicht stark angeschuldigt werden.
Ausser den Larven von _B. latus_ wohnen in vielen Süsswasserfischen
noch die Finnen anderer Grubenkopfarten. Im Lachs speziell fand ich
gelegentlich fünf verschiedene Formen solcher jugendlicher Würmer, die
wohl mehreren Arten angehörten, von denen aber weder morphologisch noch
experimentell eine auf den breiten Bandwurm des Menschen bezogen werden
konnte. Die Art und Weise ihres Vorkommens im Fisch war analog den
für die Jugendstadien von _B. latus_ beschriebenen Verhältnissen. Die
Bothriocephaliden scheinen vorzugsweise Fische als Zwischenträger zu
benutzen.
So gewinnt die Annahme +Leuckarts+, dass ein anderer Grubenkopf, der
_Bothriocephalus cordatus_ Lt., der in Grönland häufig den Darm von
Hund, Seehund, Walross, zufällig den des Menschen bewohnt, durch Fische
in seine Wirte eingeschmuggelt werde, sehr an Gewicht.
Litteratur.
1) =G. Brandes=, Die Familie der Holostomiden. Zoolog. Jahrbücher. Abt.
f. Systematik, Geographie u. Biologie der Tiere. Bd. 5.
2) =M. Braun=, Zur Entwickelungsgeschichte des breiten Bandwurmes.
Würzburg 1883.
3) =O. Bütschli=, Zur Entwickelungsgeschichte des Cucullanus elegans.
Zeitschr. f. wiss. Zoologie. Bd. 26. 1876.
4) =G. Bunge=, Weitere Untersuchungen über die Atmung der Würmer.
Zeitschr. f. physiol. Chemie. Bd. 14. 1889.