Flimmerembryo von _Distoma laureatum_.]

Über die Lebensgeschichte der die Süsswasserfische bewohnenden

Distomeen ist uns fast nichts bekannt. Sie wird wohl wie diejenige

verwandter Formen durch mehrere provisorische Wirte führen und für

ein und dieselbe Art aus verschiedenen Generationen zusammengesetzt

sein. Parasitische und freie Zustände werden mit einander wechseln,

bis sich endlich ein junges geschlechtsloses _Distoma_ entwickelt hat,

das eingeschlossen in einen letzten Zwischenwirt, wie beim Leberegel

unserer Rinder und Schafe, in den Darm des Hauptwirtes gelangt. Die

Fruchtbarkeit der in Frage stehenden Saugwürmer ist eine gewaltige.

Bei dem abscheulichen Ausbeutungssystem, das den Parasitismus nun

einmal charakterisiert, können Stoffe zur Ausarbeitung der Eier in

Hülle und Fülle aufgenommen werden. So wird der weitern Verbreitung

der schmarotzenden Spezies starker Vorschub geleistet. Die mit einem

kleinen Schalendeckel versehenen Eier werden mit dem Kot des Wirtes an

die Aussenwelt abgegeben. Vom _Distoma laureatum_ Zed. der Salmoniden

berichtet uns +v. Willemoes-Suhm+, dass den ins Wasser gelegten

Eiern nach Verlauf von 34 Tagen ein grosser, bewimperter Embryo mit

schwarzem Augenfleck entschlüpfte (Fig. 38). Bei _Distoma globiporum_

ist nach demselben Gewährsmann der länglich-runde Embryo ebenfalls

stark bewimpert. Er besitzt Seitengefässe und trägt an einem Ende ein

saugnapfartiges Gebilde, aus dessen Mitte sich ein konischer Zapfen

erhebt. Der Embryo von _D. folium_ ist herzförmig mit rudimentärem

Mundnapf, Seitengefässen und Flimmerüberzug. Auch die erste Jugendform

von _D. nodulosum_ aus dem Magen von Hecht, Zander, Barsch etc. zeigt

ähnlichen Bau. In seinem schwarzen Pigmentfleck ist deutlich eine

rundliche Linse erkennbar. Der Embryo von _D. tereticolle_ besitzt

im Exkretionsapparat deutliche Flimmerläppchen. Über die weiteren

Schicksale all dieser bewimperten, freischwimmenden Jugendstadien der

Süsswasserdistomeen wissen wir leider fast gar nichts. Speziell ist

es uns sehr oft unbekannt, in welchen Zwischenwirt eingeschlossen sie

endlich in den Darmkanal des definitiven Wirtes übertragen werden. In

manchen Fällen mag der letzte Zwischenwirt dem Kreis der Mollusken

angehören. So lebt die noch geschlechtslose Larve von _D. globiporum_

Rud. in dünnwandigen Cysten weitverbreiteter Wasserschnecken (_Limnaea

stagnalis_, _Planorbis marginatus_, _Succinea putris_ etc.). Es können

übrigens auch die Süsswasserfische die Rolle von Zwischenträgern von

Trematoden gegenüber anderen Geschöpfen -- Raubfischen, Wasservögeln --

spielen.

In der grossen Mehrzahl der Individuen des Flussbarsches ist

die Wandung der Schwimmblase durchsäet mit kleinen, kugeligen,

starkwandigen, opalescierenden Cysten. Sie umschliessen larväre

Trematoden mit gut entwickeltem Mundnapf, an dessen Seite zwei

bohnenförmige Organe -- Drüsenausmündungsstellen -- liegen. Auch ein

hinterer Bauchnapf lässt sich nachweisen. Der Leib ist reichlich mit

Kalkkörperchen durchsetzt; er umschliesst einen kurzen gegabelten

Darm. Es sind diese Larven mit dem Namen _Tetracotyle_ belegt

worden. Ähnliche junge Saugwürmer siedeln sich nicht selten im Auge

verschiedener Fische, Barsch, Quappe, Zander, Karpfen, an, wo sie

als _Diplostomum_ beschrieben worden sind. Eine Kapsel fehlt ihnen.

+v. Nordmann+ fand in der Linse einer Quappe 290 solcher Würmer, im

Glaskörper 157.

Es ist in hohem Grade wahrscheinlich gemacht worden -- siehe ausser

+Leuckart+ die Arbeit von +Brandes+ --, dass diese Tetracotylen und

Diplostomen, die ausser Fischen auch Mollusken, Amphibien, Reptilien,

Vögel und Säugetiere infizieren, im Darme des Hauptwirtes -- Reptilien,

Säugetiere und besonders Vögel -- sich zu geschlechtsreifen Vertretern

der Familie der Holostomiden entwickeln. Der bewimperte Embryo dieser

Trematoden sucht einen passenden Zwischenwirt auf und reift in ihm

zur völlig ausgebildeten Holostomiden-Larve heran, die, mit dem

Zwischenträger in den Darm des definitiven Wirtes übergeführt, dort

zum geschlechtlichen Tier auswächst. Ein Generationswechsel wäre

in dieser Lebensgeschichte ausgeschlossen, dagegen wird immer ein

Zwischenwirt aufgesucht. Der Zwischenträger fällt nun bei den sofort zu

besprechenden ektoparasitischen Saugwürmern ebenfalls fort.

Die an der Aussenfläche von Wassertieren, speziell Fischen, lebenden

Polystomeen bedürfen zu ihrer Festsetzung weit kräftigerer Haftorgane

als die entoparasitischen Distomeen. Ist doch für sie die Gefahr,

vom Wirte abgestreift zu werden, eine immer drohende. So wird denn

bei ihnen nicht nur die Zahl der Saugnäpfe bedeutend vermehrt,

sondern es werden dieselben in ihrer Funktion oft noch durch

mannigfaltige Chitinhaken und Borsten unterstützt. Bei diesen mit der

freien Aussenwelt während des ganzen Lebens in Beziehung stehenden

Schmarotzern sind auch Sinnesorgane, besonders Augen, keine Seltenheit,

Bildungen, die bei den Entoparasiten unter den Trematoden höchstens

während der frei schwärmenden Jugendzeit auftreten. Die Polystomeen

bilden meistens nur wenige, aber grosse und oft mit verschiedenen

Anhängen versehene Eier aus. Die denselben entstammenden Embryonen

entwickeln sich am häufigsten ohne Generationswechsel und Wanderungen

zum definitiven Geschlechtstier. Die Eier werden oft mit ihren

Fortsätzen am Wirt befestigt, aus ihnen entspringt ein äusserlich und

innerlich schon hoch differenzierter Embryo. Das für ihn unnötige

Wimperkleid ist schwach, oder gar nicht entwickelt; dagegen besitzt

er schon einfache Haftorgane, die sich meistens später komplizieren.

Die Distomeen liefern ungemein zahlreiche, einfache Embryonen, von

denen wenigstens einige alle mannigfaltigen Wendungen des Geschicks

des entoparasitischen Entwickelungsganges glücklich überstehen werden;

die Polystomeen entlassen aus wenigen, aber dotterreichen Eiern einige

Junge, die im ganzen schon den Eltern ähnlich sind. Zuweilen werden

indessen auch weitergehende Metamorphosen durchlaufen.

In manchen Fällen bietet der Lebensgang der ektoparasitischen

Saugwürmer trotz der direkten Entwickelung Verhältnisse, die zum

eigentümlichsten gehören, was uns tierische Geschichte lehrt. Speziell

unter den Parasiten der Süsswasserfische stossen wir in dieser

Beziehung auf höchst seltsame Vorgänge.

+Zeller+ hat uns in seinen schönen Arbeiten sowohl mit Bau, als mit

Lebensgeschichte des _Diplozoon paradoxum_ Nordm., des fremdartigen

Doppeltieres, bekannt gemacht. Es ist ein Trematode, der häufig an den

Kiemen zahlreicher Süsswasserfische -- Elritze, Quappe, Groppe etc. --

schmarotzt. Im ausgewachsenen, geschlechtsreifen Zustand erscheint der

Körper des _Diplozoon_ als ein x- oder kreuzförmiges Gebilde, das,

wie wir sehen werden, durch die dauernde und enge Verwachsung von zwei

ursprünglich getrennten Wurmleibern entstanden ist. Die Hinterenden

besitzen zwei grosse, in vier Gruben geteilte Haftscheiben, zu denen

sich noch vier starke Klammerpaare gesellen (Fig. 39).

[Illustration: Fig. 39.

_Diplozoon paradoxum_ von den Kiemen der Elritze.]

[Illustration: Fig. 40.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Zweiter Band. · 第 43 / 60 题