23. (24) Oberkiefer sichelförmig, ohne Zähne auf der Innenseite;
Beine mit gesonderter Kralle, also sechsteilig.
Fast immer zwei Krallen _Dytisciden_ (Fig. =5=, 2–4).
24. (23) Oberkiefer mit deutlichen Zähnen oder doch Höckern auf
der Innenseite. Tarsus und Kralle nicht gesondert, Beine
also fünfgliedrig. Nie zwei Krallen
_Hydrophiliden_ (Fig. =6=, 6 und 7).
[LVIII] Die weitere Unterscheidung der unten folgenden Gruppen siehe
teilweise im Text.
[LIX] Die eingeklammerten Zahlen weisen auf den Gegensatz hin.
[LX] Die jüngsten Larven sind zwar ohne Flügelansätze, aber durch
ihre sonstige Ähnlichkeit mit den +ungleich+ häufigeren älteren
Larven, die solche Ansätze haben, leicht kenntlich. Übrigens
lassen sich die Larven der vier ersten Gruppen auch abgesehen
von den Flügelansätzen durch die oben gekennzeichneten Merkmale
der Mundbildung, der Kiemen und Endanhänge von den folgenden
Larvengruppen unschwer unterscheiden. Zu Hilfe kann man noch
nehmen, dass die Larven dieser vier Gruppen alle Netzaugen und
grosse, wohl entwickelte Beine mit fast immer (oder immer?)
teilweise gegliederten Tarsen haben und dass Brust- und
Hinterleibsringe meist deutlich in ihrer Bildung von einander
unterschieden sind.
[LXI] Die Gattungen sind unschwer durch die Ähnlichkeit mit den
erwachsenen Tieren zu bestimmen.
[LXII] Kiemen steht in der Tabelle der Kürze wegen statt
Tracheenkiemen.
[LXIII] Meines Wissens kommen nur bei _Philhydrus testaceus_
Afterbeine vor und zwar stehen sie am dritten bis siebenten
Hinterleibsring.
[LXIV] Hierher gehören eigentlich auch wegen ihrer Kiemen _Berosus_
(Hydrophilide), _Cnemidotus_ und _Pelobius_ (Dytisciden).
Von den Gyriniden, _Sialis_ und _Sisyra_ unterscheidet sich
_Cnemidotus_ dadurch, dass auch an den Brustringen Kiemen
stehen, _Pelobius_ durch bluterfüllte echte Kiemen an der
Unterseite der Brust und _Berosus_ durch die besondere
Oberkiefer- und Beinbildung (S. 24) der Hydrophiliden.
Litteratur.
[1] Zum Bestimmen der im Wasser lebenden Käfer wie der Käfer
überhaupt ist zu empfehlen der betreffende Band der „Fauna austriaca“,
nämlich =Redtenbacher=: „Die Käfer“. Wien 1858. Die Litteratur über die
Käferlarven und Käferpuppen ist übersichtlich zusammengestellt in =M.
Rupertsberger=, „Biologie der Käfer Europas“. Linz 1880. Für unsern
Zweck sind fraglos am wichtigsten die Arbeiten =Schiödtes=, welche in
der Naturhistorik. Tidsskrift von =Kröyer=, Kopenhagen, erschienen sind
und zwar in den Jahrg. 1862, 1864, 1867, 1872. Der Text ist teilweise
dänisch, teilweise lateinisch; die wichtigste Auskunft geben übrigens
schon die vorzüglichen Abbildungen. Nicht unterlassen möchte ich,
gleich hier auf die unser ganzes Gebiet behandelnden älteren Werke von
=Rösel v. Rosenhof=, =Réaumur= und =De Geer= hinzuweisen.
=Rösel=, „Monatlich herausgegebene Insektenbelustigungen“. 1746 bis
1761.
=de Réaumur=, Mémoires pour servir à l’histoire des Insectes. Paris
1734–42.
=de Geer=, Mémoires pour servir à l’histoire des Insectes. Stockholm
1752–78. (Deutsch von =Götze=. Nürnberg 1778–83.)
[2] Eine umfassende Zusammenstellung der Litteratur über
die Metamorphose der Dipteren giebt =Fr. Brauer=, „Die Zweiflügler
des kaiserlichen Museums zu Wien“ (Denkschr. d. k. k. Akad. d. Wiss.
Bd. 47. Wien 1883). Dort sind auch die Larven systematisch gruppiert
und kurz geschildert. Für die eucephalen Larven ist wegen seiner
vortrefflichen Abbildungen besonders zu empfehlen: =Fr. Meinert=,
„Eucephale Myggelarver“ (Vidensk. Selsk. 6 Räkke naturvidensk. og math.
Ath. III 3). Kopenhagen 1886.
[3] Abbildungen der Wasserraupen finden sich in =v.
Praun=, „Abbild. u. Beschreib. europäischer Schmetterlingsraupen“.
Herausgegeben von =E. Hoffmann=, 1874. Vergl. auch =Sorhagen=,
„Kleinschmetterlinge der Mark“.
[4] Für Phryganiden, Ephemeriden und Perliden sind mit
Vorteil zu benutzen die Werke von =F. J. Pictet=, 1) Recherches pour
servir à l’histoire et à l’anatomie des Phryganides. Genf-Paris 1834.
2) Histoire naturelle des insectes neuroptères. Genf-Paris 1841–1843.
Ferner ist für beide Ordnungen zu empfehlen: =Fr. Brauer=, Neuroptera
austriaca. Wien 1857. Eine Anzahl Beschreibungen und Muster für genaue
Beschreibung der Larven und Puppen der Phryganiden findet man in:
=Klapalek=, „Metamorphose der Trichopteren“. Prag 1888.
Für die Bestimmung der entwickelten Insekten ist besonders zu nennen:
=Mc. Lachlan=, A monograph revision and synopsis of the Trichoptera of
the European Fauna. London 1874–80.
[5] Die Ephemeriden nebst ihren Larven sind sehr eingehend
behandelt in: =Eaton=, A revisional monograph of recent Ephemeridae.
(Transact. of the Linnean Society.) London. Zoology. N. S. 3. 1888. Das
Werk enthält zahlreiche Tafeln über die Larven.
[6] Zur Bestimmung der Gattungen der Wasserwanzen dürften
die allgemeinen systematischen Handbücher ausreichen, z. B. das von
=Ludwig-Leunis=. Zur Unterscheidung der Arten sind die Arbeiten von
=Fieber=, besonders „Hemiptera europaea“, zu empfehlen.
Die Mollusken des Süsswassers.
Von =S. Clessin= in Ochsenfurt.
Unsere Gewässer, von der kleinsten Pfütze bis zu den grössten Seen und
von der spärlichsten Quelle bis zu den wasserreichsten Flüssen, werden
von Mollusken verschiedener Gattungen bewohnt. Aber obwohl die in den
Gewässern vorkommenden Arten meist in reicher Individuenzahl auftreten,
fallen sie dennoch dem nicht geübten Beobachter nicht so leicht ins
Auge und es bedarf selbst der gewandte Sammler in der Regel besonderer
Instrumente, um lebende Mollusken in grösserer Anzahl zu fangen. Leere
Gehäuse werden dagegen oft in reicher Menge an gewissen Lokalitäten
angeschwemmt gefunden.
Die Mollusken spielen im Haushalte der Natur eine wichtige Rolle, indem
sie faulende Pflanzenstoffe, welche in den Gewässern sich ansammeln,
verzehren und dadurch die Wasser rein erhalten. Die Mehrzahl der
Arten werden ihrer geringen Grösse und verborgenen Lebensweise wegen
leicht übersehen, doch beherbergen unsere Gewässer auch grosse, recht
ansehnliche Arten, namentlich aus der Klasse der Muscheltiere, die
bezüglich ihrer Entwickelungsgeschichte noch besonderes Interesse
bieten.
Einteilung der Mollusken.
Die im Wasser lebenden Conchylien gehören zwei sehr verschiedenen
Klassen an. Die eine besteht aus Tieren, welche einen Kopf mit Fühlern
und Augen haben, die gewöhnlich an der Basis der Fühler sitzen, im
übrigen aber jenen der Landschnecken, der Klasse der Gasteropoden
oder Bauchfüssler ähnlich sind. Sie haben mit wenig Ausnahmen (Genus
_Ancylus_ Geoff. und _Velletia_ Gray[LXV]) eine gewundene Schale, und
ist das Gehäuse zuweilen mit einem Deckel verschlossen. Die zweite
Klasse die Muscheltiere, Bivalven oder Zweischaler, haben keinen
Kopf und keine Augen; das Tier besteht nur aus einem sackartigen
Körper, dessen unterer, ausdehnbarer Teil als „Fuss“ die Bewegung
vermittelt. Den Körper umhüllen auf jeder Seite zwei buchblattartig
am Rücken angeheftete Kiemen und wird das ganze Tier von einem Mantel
umschlossen, dessen Ränder entweder ganz frei bleiben, oder teilweise
zusammengewachsen sind; im letztern Falle hat der Mantel einen Schlitz
am Vorderteile des Tieres zum Durchgange des Fusses und eine Öffnung
für die Anal- und Atemröhre. Die Schalen der Bivalven sind nicht
gewunden, sondern bestehen aus zwei gleichgrossen Klappen, die durch
ein elastisches Band, das Ligament, verbunden sind und sich nur wenig
öffnen können. Das Tier ist an den gegenüberstehenden Enden durch zwei
sehr starke Muskeln (die Schliessmuskeln), welche zugleich das Öffnen
der Schalen regeln, und durch einen kleinen Wirbelhaftmuskel an die
Schale angeheftet sind.
[LXV] Bezüglich der Arten und Genera verweise ich auf meine Werke:
„Deutsche Excursions-Mollusken-Fauna“. 2. Aufl. Nürnberg 1884,
Bauer & Raspe, und „Molluskenfauna von Österreich-Ungarn und
der Schweiz“. Nürnberg 1890, Bauer & Raspe.
[Illustration: Fig. 11.
_Dreissena polymorpha._]
Die meisten Süsswassermuscheln sind freibeweglich; nur eine Art unserer
heimischen Arten heftet sich durch einen Byssus (einen Büschel spröder
Haare) an anderen Gegenständen an (_Dreissena polymorpha_ Pallas Fig.
11).
Die Genera der nicht gedeckelten Süsswasserschnecken sind durchweg
Lungenatmer. Sie haben sehr verschiedene Formen, indem der Modus des
Aufwindens der Umgänge sehr mannigfaltig ist. Die meisten Arten haben
eine rechtsgewundene Schale, nur die Genera _Amphipeplea_, _Physa_ und
_Aplexa_ winden ihre Umgänge nach links. Ferner besitzen die Genera
_Limnaea_, _Physa_, _Aplexa_, _Amphipeplea_ ein mehr oder weniger
erhöhtes Gewinde, nur Genus _Planorbis_ rollt seine Umgänge in platter
Form auf, für welche der Name „Tellerschnecke“ sehr bezeichnend ist.
Die Genera _Ancylus_ (Fig. 12) und _Velletia_ haben eine napfförmige
Schale, von denen diejenige des ersteren Genus einer Jakobinermütze
sehr ähnlich ist; bei beiden beschränkt sich die Windung des Gehäuses
auf eine geringe Neigung des Wirbels nach rechts oder links. Die
meisten Arten haben eine rauhe Schale, an welcher die Zuwachsstreifen
deutlich erkennbar sind. Nur Genus _Physa_ und _Aplexa_ haben glatte,
glänzende Gehäuse.
[Illustration: Fig. 12.
_Ancylus fluviatilis_ mit Tier.]
Die Deckelschnecken, mit Ausnahme des Gen. _Vivipara_, bestehen aus
kleinen Arten. Alle sind mit Kiemen zur Wasseratmung ausgerüstet.
Gewöhnlich bleiben die Kiemen in der Kiemenhöhle verborgen, nur Genus
_Valvata_ (Fig. 13) besitzt die Fähigkeit, die federförmige Kieme
auszustülpen und frei hervortreten zu lassen.
[Illustration: Fig. 13.
_Valvata piscinalis_ mit Tier.]
Das Gewinde ist bei diesen Schnecken ein kreiselförmiges (Gen.
_Vivipara_ und _Valvata_) oder ein mehr oder weniger getürmtes,
nur Gen. _Neritina_ und _Lithoglyphus_ haben ein kurzes, wenig
hervortretendes Gewinde und eine starke Schale und weite Mündung; die
Oberfläche der Arten des Gen. _Neritina_ ist mit hübschen netzartigen
Zeichnungen bedeckt.
Die frei beweglichen Muscheln gehören zwei Familien an. Die grossen
Arten gehören in die Familie der Najaden. Diese haben offenen Mantel,
zwei gleichgrosse Kiemen und an der Mundöffnung jederseits zwei
Mundlappen; der Mantel ist an seinem Rande am Hinterteile mit einem
Kranze dunkelgefärbter Papillen besetzt. Die Kiemen dienen zugleich
als Brutbehälter, haben gitterförmige Abteilungen, die, wenn Brut
vorhanden, mit einer ungeheuren Anzahl von Embryonen besetzt sind.
Die kleineren Zweischaler der Familie _Cycladidae_ haben geschlossenen
Mantel, und je eine Anal- und Atemröhre, welche mehr oder weniger über
den Mantelrand hervortritt.
Wohnorte und Gewohnheiten.
Die ungedeckelten Wasserschnecken der Familie der Limnaeiden halten
sich den grössten Teil des Tages auf dem Grunde der Gewässer im
Schlamme auf, und ziehen die meisten Arten stehende Gewässer vor; nur
wenige Spezies finden sich in fliessenden Wassern, für welche sie wegen
ihrer dünnen, zerbrechlichen Schale wenig geeignet sind. In fliessenden
Wassern kommt in der Regel nur _Limnaea peregra_ vor. -- Die übrigen
Limnaea-Arten, die Spezies der Gen. _Physa_, _Aplexa_, _Amphipeplea_
und _Planorbis_ bewohnen nur stehende Gewässer.
Die Limnaeen (_Limnaea stagnalis_, _auricularia_, _ovata_, _palustris_)
steigen bei heiterem, warmem Wetter an Wasserpflanzen an die Oberfläche
des Wassers und kriechen, die Fusssohle nach oben gerichtet, das
Gehäuse untergetaucht, ebenso sicher dahin, als wenn sie an einem
festen Gegenstande kröchen. Wahrscheinlich saugt sich die Sohle an der
auf dem Wasser aufstehenden Luftsäule an, da die Tiere sich jederzeit
plötzlich zu Boden fallen lassen können. -- Das Aufsteigen der Limnaeen
an die Oberfläche wird mit dem Bedürfnisse der Tiere, Luft zu atmen,
in Verbindung gebracht, da die Limnaeiden mit Lungen ausgerüstet sind,
während die mit Kiemen versehenen Deckelschnecken nie an die Oberfläche
kommen. Die Limnaeen haben jedoch dieses Bedürfnis nur bei heiterem
Wetter und bei erhöhter Temperatur des Wassers ihrer Wohnorte.
[Illustration: Fig. 14.
_Aplexa hypnorum._]
Eine Aplexa-Art (_Apl. hypnorum_ Fig. 14) besitzt sogar die Fähigkeit,
plötzlich vom Grunde des Wassers an die Oberfläche aufzutauchen, von wo
sie sich nach einigen Sekunden ebenso schnell wieder zu Boden fallen
lassen kann.
[Illustration: Fig. 15.
_Vivipara vera_ Fr.]
Die gedeckelten Wasserschnecken der Genera _Vivipara_ (Fig. 15),
_Bythinia_ und _Valvata_ leben im Schlamme der Gewässer, und zwar meist
in stehenden, höchstens in sehr langsam fliessenden Wassern. -- Die
Arten der Genera _Neritina_ und jene der Familie der Melaniiden leben
nur in bewegtem Wasser, in welchem sie sogar stark flutende Stellen
bevorzugen, für welche die Neritinen durch ihr kaum hervortretendes
Gewinde und ihre weite Mundöffnung vorzugsweise geeignet erscheinen,
weil sie den Fluten wenig Fläche darbieten. -- Die Bythinellen (Fig.
16) finden sich nur in Quellen an Steinen sitzend; die _Vitrella_-Arten
kommen ausschliesslich in Höhlengewässern vor. -- _Velletia lacustris_
lebt in stehendem, _Ancylus fluviatilis_ und verwandte Arten nur in
fliessendem Wasser. Doch findet sich erstere zuweilen auch in Bächen,
während Ancylus-Arten auch in Seen vorkommen.
[Illustration: Fig. 16.
_Bythinella austriaca_ Frf.]
[Illustration: Fig. 17.
_Anodonta mutabilis v. cellensis_ Chem.]
Die Muscheln stecken am Grunde der Gewässer im Schlamme, in dem sie
fast völlig eingebettet sind, so dass nur das hintere Ende frei
ins Wasser hervorragt. Sie saugen das Wasser durch die Mundöffnung
am vordern Ende der Muschel ein, lassen dasselbe durch den Körper
zirkulieren und stossen es durch die Atemöffnung am hintern Ende wieder
aus. Wenn man eine Muschel rasch aus dem Wasser nimmt, schliesst sie
ihre Schalen und das Wasser spritzt dann, oft in ziemlich lebhafter
Weise, durch die Atemöffnung aus. Beim Einblick in helles nicht
tiefes Wasser kann man die im Schlamme steckenden Muscheltiere leicht
bemerken. Man gewahrt jedoch nur die mit Cirren am hintern Mantelrande
besetzte Atem- und Analöffnung. Schiebt man vorsichtig ein Rütchen in
diese Öffnung, so schliesst das Tier die Schalen, und die Spitze des
Rütchens wird mit eingeklemmt. Mit dem Rütchen lässt sich dann die
Muschel aus dem Schlamme ziehen, wenn man dieselbe fangen will.
Die Muscheln (s. Fig. 17) heften sich in fliessendem Wasser mit dem
ausgestreckten Fusse in den unter der Schlammschicht befindlichen
festen Boden. Ihre Bewegungsfähigkeit ist eine sehr geringe,
und ihr ruckweise erfolgender Marsch erstreckt sich nur auf 1–2
_m_ Länge. Derselbe wird durch Ausstrecken und Einziehen des
Fusses bewerkstelligt; bei letzterer Operation wird die Muschel
nachgeschleift, wobei sie im Schlamme eine Furche zurücklässt, an
welcher man die Länge und Richtung des Marsches erkennen kann. Die
kleineren Muscheln der Familie der Cycladen leben ebenfalls frei
beweglich im Schlamme. Nur eine Art unserer Süsswassermuscheln,
_Dreissena polymorpha_, heftet sich durch einen Byssus an andere im
Wasser liegende feste Gegenstände an, und wechselt dann ihren Standort
nicht mehr bis zu ihrem Tode. Die Muscheln sitzen oft in ganzen Klumpen
zusammen und verstopfen beispielsweise leicht Wasserleitungsröhren,
wenn sie in selbe gelangen. -- Das Festsitzen dieser durch ihre
dreieckige Form auffallenden Muschel ist die Veranlassung zur
Verschleppung in die nord- und westeuropäischen Gewässer geworden:
Ursprünglich in den Flüssen heimisch, welche ins Schwarze Meer münden,
wurde sie durch Schiffe, an deren Planken sie sich angehängt hatte,
an die Küsten der Ost- und Nordsee, sowie des Atlantischen Meeres
verschleppt, und gelangte von hier wieder durch Flussschiffe in
alle grösseren ins Meer mündenden Flüsse, von welchen sie in deren
Nebenflüsse vordrang. Durch den Donau-Main-Kanal war es ihr sogar
möglich, die Wasserscheide zwischen Rhein und Donau zu überschreiten
und in die obere Donau zu gelangen, wo ich im Jahre 1868 das erste
Exemplar fand. Einige Jahre später wurde sie bei Deggendorf beobachtet
und so wird sie nun sicher die Donau abwärts wandern, bis sie wieder
das Schwarze Meer, ihren Ausgangspunkt, erreicht hat.
Entwickelung und Alter der Mollusken.
Die meisten Wasserschnecken sind Zwitter; wenigstens die nicht
gedeckelten Arten, also insbesondere die Limnaea- (Fig. 18),
Planorbis-, Physa-, Ancylus-, Velletia- und Amphipeplea-Arten. Bei
_Limnaea peregra_ habe ich mehrfach beobachtet, dass ganze Ketten,
6–8 Individuen, bei der Begattung zusammenhingen. -- Bei den
Deckelschnecken, wenigstens bei _Vivipara_, lassen sich männliche
und weibliche Formen unterscheiden, ebenso nach +Hazay+[LXVI] bei den
Muscheln der Familie der Najaden. Ich halte dies jedoch noch immer für
sehr zweifelhaft, bis weitere verlässliche Beobachter und Anatomen
dieses Verhältnis bestätigt haben.
[LXVI] „Mollusken-Fauna von Budapest“. Kassel 1881, Theodor Fischer.
Die Wasserschnecken legen Eier; nur bei den Vivipara-Arten entwickeln
sich die jungen Individuen schon im Muttertiere, so dass sie bereits
mit einem etwa aus zwei Umgängen bestehenden Gehäuse ausgestossen
werden. Auch die Arten der Familie _Cycladidea_ stossen ihre Jungen
schon als fertige Muscheln aus.
Die Schnecken und Muscheln sind schon fortpflanzungsfähig lange bevor
sie ausgewachsen sind. Die im Mai ausgekrochenen Jungen der Limnaea-
und Planorbis-Arten begatten sich noch im selben Herbste, obwohl sie
ein Alter von 3–4 Jahren erreichen.
[Illustration: Fig. 18.
_Lim. palustris v. corvus._]
Die Eier werden in Schnüren oder in Paketen an Steinen, Wasserpflanzen
oder häufig sogar auf die Gehäuse anderer Individuen derselben Art
abgesetzt, so z. B. bei _Limnaea ampla_. +Hazay+ hat auf den Gehäusen
dieser Art 8–12 Eierschnüre gefunden, so dass das Tier nur mühsam
sich fortbewegen konnte. -- _Limnaea auricularia_ setzt 20–25 _mm_
lange, 7–8 _mm_ breite raupenförmige Eierschnüre ab, welche 80–150
Eier enthalten, die kugelrund sind und 1 _mm_ Durchmesser haben. Der
Eidotter ist weisslichgelb und wird während der Furchung hellweiss.
-- _Limnaea stagnalis-variegata_ Hazay setzt eine Eierschnur von
45–55 _mm_ Länge ab, die 110–180 Eier enthält; die Eierchen sind
länglich-oval und 1½–2 _mm_ gross. Der Dotter ist strohgelb, das
Eiweiss wasserhell; _Aplexa hypnorum_ legt den Laich in ganz flachen
rundlichen Scheiben von 4–7 _mm_ Durchmesser und ⅔ _mm_ Dicke, mit den
Enden gegeneinandergeheftet, ab. Die Zahl der Eier wechselt zwischen
20–50. -- _Planorbis corneus_ legt ebenfalls eine 25 bis 30 _mm_ lange,
5 _mm_ breite, glatte, an den Enden zusammengeheftete Eierschnur ab.
Zahl der Eier 45–70.
Die Entwickelung des Embryo beansprucht bei Gen. _Limnaea_ gewöhnlich
20, bei _Planorbis_ und _Physa_ nur 15, bei _Bythinia_ 25 Tage. Je nach
der Temperatur des Wassers wird der Entwickelungsprozess beschleunigt
und verzögert. +Hazay+ hat beobachtet, dass bei Laich der _Limnaea
palustris var. Clessiniana_ die Embryonen sich schon in 12 Tagen
entwickelten.
Die jungen Tiere wachsen ziemlich rasch und erlangen vier bis sieben
Umgänge schon im ersten Jahre, jenachdem sie mehr oder weniger
frühzeitig im Jahre als Laich abgesetzt wurden. Das grösste Wachstum
entfällt auf das erste und zweite Jahr und nimmt dasselbe dann von Jahr
zu Jahr ab. Im Herbst und Winter erfolgt nicht das geringste Wachstum.
Während der letzten Wachstumsmonate wird der letzte frische Anbau des
Gehäuses verdickt und die Mündung verstärkt.
Die Lebensdauer der Limnäen erstreckt sich im höchsten Falle auf 4–5
Jahre; nur wenige erreichen jedoch dieses Alter. Die Jahre, welche
die Mollusken zum Ausbau ihres Gehäuses brauchen, lassen sich an den
Jahresabsätzen deutlich erkennen, da diese Tiere gleich den Insekten,
Lurchen etc. einen Winterschlaf halten. Schon im Hochsommer wächst das
Gehäuse, dessen Weiterbau im Frühjahr sofort nach dem Erwachen aus dem
Winterschlafe, meist im Monat April, beginnt, nicht mehr weiter; die
Zeit bis zum Eintritt der Winterruhe wird dazu benutzt, die Mündung
des Gehäuses durch Ablage einer Schmelzschicht zu verstärken, damit
dieselbe beim Einbohren in den Schlamm nicht beschädigt wird. Die
Jahresabsätze sind daher an den Gehäusen, durch die meist nach aussen
durchscheinenden Verstärkungsschichten, leicht zu erkennen, und lassen
sich aus der Zahl dieser Absätze die Jahre, die das Tier bis zur
Vollendung des Gehäuses braucht, ablesen. Die Limnäen weisen zwei bis
drei solcher Absätze, unter Umständen sogar deren vier, auf. _Limnaea
peregra_ hat in der Regel nur drei; ich habe jedoch auch aus höheren
Lagen im Gebirge stammende Gehäuse dieser Art mit vier Jahresabsätzen
gefunden, so dass anzunehmen wäre, dass die kürzere Sommerperiode
höher gelegener Lokalitäten die Lebensdauer verlängert. -- _Limnaea
auricularia_ und _ovata_ sterben meistens schon im zweiten Jahre
ab, _Limnaea palustris_ (Fig. 18) gewöhnlich im dritten. _Planorbis
corneus_, _marginatus_ und _carinatus_ vollenden ihre Gehäuse im
dritten und leben selten länger als 3–3½ Jahre; _Planorbis albus_,
_spirorbis_ und alle kleineren Arten dieses Genus sterben in der Regel
schon im zweiten Jahre. _Amphipeplea glutinosa_ lebt nur ein Jahr.
Unter allen Wasserschnecken werden die Limnäen am meisten von
Schmarotzertieren gequält, so dass die allermeisten derselben meist
schon, bevor die Schale ausgewachsen ist, zu Grunde gehen. +Hazay+
sagt hierüber folgendes: Keine einzige der Limnäen, welche das dritte
und vierte Lebensjahr erreicht hat, bleibt von denselben verschont; in
diesem Alter fallen alle denselben, wie einer allgemein herrschenden
Alterskrankheit, zum Opfer. Im zweiten Lebensjahre bereits finden sich
einzelne Sporocisten an dem Darm und der Leber als längliche gelbe
Schläuche vor, im dritten Lebensjahre sind dies schon massenhafte
Schlauchbündel, welche alle inneren Organe bedecken, die ganze Leber
erfüllen, langsam Herz und Lungenwand durchsetzen, so dass endlich
das Tier absterben muss. Dieser Zustand der Tiere macht sich durch
auffallende Trägheit und durch eine starke gelbe Färbung bemerkbar.
Zieht man solche Tiere aus dem Gehäuse, so erscheint unter der Haut
das ganze Innere des Körpers als gelbe Masse, alle Organe sind von
Sporocistenbündeln belegt und von der Leber ist keine Spur mehr
vorhanden.
Die Vivipara-Arten setzen keinen Laich ab; die Eier entwickeln sich im
Muttertiere bis zu Gehäusen von 11 _mm_ Länge und 7 _mm_ Breite, welche
etwa 3½ Umgänge zählen (_Vivipara hungarica_ Hazay, l. c. p. 91). Die
Schalen solch junger Tiere haben eine dichte Spiralstreifung und sind
die Streifen mit an einander gereihten rundlichen Wärzchen besetzt, von
denen manche kurze Borsten tragen. +Hazay+ fand im Uterus des Weibchens
der genannten Art sechsundvierzig schon mit Schale und Binde versehene
junge Tierchen und sehr viele Eier in allen Stadien der Entwickelung.
-- Nach demselben Autor sind die Tiere getrennten Geschlechtes und
lassen sich die Geschlechter an der Form der Schale gut unterscheiden.
-- Die Schalen ausgewachsener Tiere erreichen sieben Umgänge und
erlangen dieselben ein Alter von 8–10 Jahren.
Die Arten der Familien _Valvatidae_ und _Hydrobiidae_ setzen
Laich ab. Sie erreichen ein Alter von 2–3 Jahren. Neritina- und
Lithoglyphus-Arten können nach +Hazay+ ein Alter von 5 Jahren erreichen.
Die Muscheln der Familie der Najaden sind wahrscheinlich Zwitter,
obwohl mehrere Autoren männliche und weibliche Formen an den
Muscheln (vorzugsweise an der mehr aufgeblasenen Form der Schalen)
unterscheiden wollen. Da nämlich die Kiemen als Brutbehälter für die
Eier dienen und strotzend mit denselben gefüllt werden, wird die
Muschel sehr aufgetrieben, während jene Muscheln, die keine Eier in
die Kiemen bringen und aus irgend welchem Grunde vielleicht nicht
fortpflanzungsfähig sind, wenig aufgeblasene Schalen behalten. -- Die
Anodonta- und Unio-Arten produzieren ganz enorme Massen von Eiern, die
aus den Ovarien in die Kiemen gelangen und hier die ersten Stadien
ihrer Entwickelung durchmachen. Bei _Anodonta anatina_ wurden 120000,
bei _An. cygnea_ sogar 400000 Eier gezählt. Die Einlagerung solch
grosser Massen von Eiern kann nicht auf einmal erfolgen. Dieselben
werden allmählich, je nach ihrer Entwickelung, eingeführt und zwar
füllen sich die mittleren Fächer der Kiemen zuerst, denen dann die
gegen die Enden der Muschel zu gelegenen folgen. -- In den Kiemen
entwickeln sich die Eier zu Larven, wozu sie nach +Hazay+ je nach
den Temperaturverhältnissen 2–3 Monate brauchen. -- Die Eihülle wird
erst gesprengt, wenn sich die eigentümlich gestaltete Larvenschale
vollkommen ausgebildet hat. Dieselbe ist von dreieckiger Form und
besitzt in der Mitte der Bauchseite einen kleinen Höcker (Fig. 19).
Ist die Eihülle entfernt, so bilden sich an den Larven Byssusfäden,
mit denen sich die in einem Kiemenfache befindlichen Individuen
derart verwickeln, dass sie wie aneinandergeheftet erscheinen. Die
zusammenhängenden Larvenklumpen werden vom Muttertiere ausgestossen,
und fallen in den Gewässern zu Boden, wo die Byssusfäden der Larven
im Wasser flottieren. Die Byssusfäden verfangen sich an langsam über
dem Schlamme schwimmenden Fischen, hängen sich an dieselben an, bilden
an den Fischen kleine Cysten, in welchen sie sich so lange aufhalten,
bis die junge Muschel soweit ausgereift ist, dass sie nun ohne Schutz,
allein ihre weitere Entwickelung finden kann. +Hazay+ hat an folgenden
Fischarten die Cysten von Najaden gefunden: _Perca fluviatilis_ L.,
_Acerina cernua_ L., _Acerina Schraetzer_ L., _Cottus gobio_ L.,
_Squalius cephalus_ L., _Leuciscus virgo_ Heck., _Rhodeus amarus_
Blain., _Tinca vulgaris_ Cuv., _Carassius vulgaris_ Nils. und _Cyprinus
carpio_ L. -- Die Zeit, während welcher sie als Schmarotzer an Fischen
leben, beträgt nach +Braun+ 70–73 Tage.
[Illustration: Fig. 19.
Junge Muschel von _Anodonta_ zur Zeit, wenn dieselbe aus den Kiemen
ausgestossen wird.
(Vergrössert.)]
[Illustration: Fig. 20.