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=I. Die Hydrachniden (Wassermilben).= Von Prof. Dr. +P. Kramer+ in

Halle.

Geschichtliches. -- Stellung der Süsswassermilben zu den übrigen

Milben. -- Beschreibung der äussern Gestalt von _Piona flavescens_.

-- Die hauptsächlichsten inneren Organe der _Hydrachnidae_. -- Die

typischen Gruppen der Wassermilben, durch Beispiele erläutert. --

Geographische Verbreitung und Lebensweise. -- Entwickelung, erläutert

an _Nesaea fuscata_, _Diplodontus filipes_ und _Hydrachna globosa_.

-- Anhang: Tabelle zur Bestimmung der bis jetzt unterschiedenen

Gattungen 1–50

=II. Kerfe und Kerflarven des süssen Wassers, besonders der stehenden

Gewässer.= Von Dr. +E. Schmidt-Schwedt+ in Berlin.

Einleitende Bemerkungen. -- Vergleich mit den Wassersäugetieren.

-- Besondere Wichtigkeit von Atmung und Bewegung. -- 1. _Käfer_:

a) Taumelkäfer. -- b) Schwimmkäfer. -- c) Kolbenwasserkäfer. -- d)

Parnus, Cyphon, Donacia. -- 2. _Zweiflügler_: Larven und Puppen. --

Kennzeichnung derselben: a) Mücken: _Culex_, _Anopheles_, _Dixa_,

_Corethra_, _Mochlonyx_, _Chironomus_, _Tanypus_, _Simulia_. --

b) _Phalacrocera._ -- c) Stratiomyden. -- d) _Eristalis._ -- 3.

_Schmetterlingslarven_: _Paraponyx_, _Hydrocampa_, _Cataclysta_.

-- 4. _Netzflüglerlarven_: a) Frühlingsfliegen: _Limnophilus_,

_Polycentropus_, _Hydropsyche_. -- b) _Sialis_, _Sisyra_. --

5. _Geradflüglerlarven_: a) Libellen: _Agrion_-, _Libellula_-,

_Aeschna_-Gruppe, _Calopteryx_, _Gomphus_. -- b) _Eintagsfliegen_:

_Chloëon_, _Caenis_. -- c) _Afterfrühlingsfliegen_: _Nemura_.

-- Gegensatz der Netzflügler und Geradflügler hinsichtlich des

Wasserlebens zu den übrigen Ordnungen. -- 6. _Schnabelkerfe_: a)

Hydrometriden. -- b) _Notonecta_, _Plea_. -- c) _Corisa._ -- d)

_Nepa_, _Ranatra_, _Naucoris_. -- _Schlussbemerkungen_: Hinweis auf

die Kerfe des Meeres. -- _Anhang_: Tabelle zu annähernder Bestimmung

der Kerflarven des Süsswassers 51–122

=III. Die Mollusken des Süsswassers.= Von +S. Clessin+ in Ochsenfurt.

Einteilung der Mollusken. -- Wohnorte und Gewohnheiten. --

Entwickelung und Alter der Mollusken. -- Anpassungsfähigkeit der

Mollusken. -- Die Mollusken der Tiefenfauna. -- Höhlen-Mollusken. --

Die Perlenmuschel 123–150

=IV. Die deutschen Süsswasserfische und ihre Lebensverhältnisse.= Von

Dr. +A. Seligo+ in Heiligenbrunn bei Danzig.

Das Wasser als Lebenselement der Fische. -- Das Süsswasser. --

Ausbreitung der Süsswasserfische. -- Umgrenzung des zu besprechenden

Gewässergebietes. -- Der Ursprung der Cypriniden und Salmoniden. --

_Aufzählung_ der im Gebiete vorkommenden Arten der Knochenfische,

Ganoidfische und Neunaugen und die Verbreitung derselben. -- Die

_Organe_ der Fische und ihre _Verrichtungen_: Haut, Schuppen, Glanz,

Farbe. -- Wirbelsäule. -- Körperform. -- Ortsbewegung, Flossen,

Muskeln. -- Leibeshöhle, Zwerchfell, Brusthöhle, Herz, Leber,

Nieren, Milz. -- Mundhöhle und Bezahnung. -- Kiemen. -- Atmung

und Sauerstoffbedürfnis, Fischregionen der Gewässer. -- Darm und

Magen. -- Verdauung. -- Körpertemperatur, Einflüsse der Temperatur

des Mediums. -- Nahrung, Fütterung, Wachstum. -- Schwimmblase. --

Fortpflanzungsorgane und das Laichen. -- Samenfäden und Eier. --

Fortpflanzung des Aals, des Lachses und der Forellen. -- Künstliche

Fischzucht. -- Teichwirtschaft. -- Einführung ausländischer und

Ausbreitung einheimischer Fischarten auf künstlichem Wege. --

Brutpflege. -- Gehirn und Sinnesorgane: Auge, Hörorgan, Seitenorgan,

Geschmack und Geruch, Tastorgane. -- Fischfang 151–208

=V. Die Parasiten unserer Süsswasserfische.= Von Prof. Dr. +Fr.

Zschokke+ in Basel.

Allgemeines über den Parasitismus. -- Verbreitung der parasitischen

Würmer der Wanderfische. -- Zahl der Arten in den verschiedenen

Organen des Fischkörpers. -- Aufzählung von 29 Fischarten und ihrer

Parasiten. -- _Nematoden_ (_Fadenwürmer_): _Cucullanus elegans_,

_Ascaris acus_, _Agamonema capsularia_. -- _Echinorhynchen_

(_Kratzer_): _Echin. proteus_, _Echin. angustatus_, _Echin.

clavaeceps_. -- _Trematoden_ (_Saugwürmer_): _Distoma laureatum_,

_Dist. globiporum_, _Dist. nodulosum_. -- _Diplozoon paradoxum_,

_Gyrodactylus elegans_. -- _Cestoden_ (_Bandwürmer_): _Caryophyllaeus

mutabilis_, _Cyathocephalus truncatus_, _Triaenophorus nodulosus_,

_Ligula simplicissima_, _Schistocephalus dimorphus_, _Bothriocephalus

latus_ 209–254

=VI. Die quantitative Bestimmung des Plankton im Süsswasser.= Von Dr.

+C. Apstein+ in Kiel.

Einleitung. -- Vertikalnetz. -- Filtrator. -- Konservierung. --

Anwendung der Apparate. -- Volumenbestimmung. -- Vorbereitung zur

Zählung. -- Stempelpipetten. -- Das Hensensche Zählmikroskop. --

Zählung und Protokoll derselben. -- Ein Beispiel zur Methodik 255–294

=VII. Die Fauna des Süsswassers in ihren Beziehungen zu der des

Meeres.= Von Dr. +Otto Zacharias+ in Plön (Holstein).

Das Vorkommen von marinen Gattungen im Süsswasser. -- Reliktenseen.

-- Eine Meduse als Bewohnerin von Strandseen auf Trinidad.

-- Einwanderung von Meerestieren in den Ortoire-Fluss. --

Freischwimmende Muschellarven (_Dreyssena polymorpha_) im Süsswasser.

-- Die Verbreitung der kleinen Wasserfauna durch „passive Wanderung“.

-- Der Süsswasser-_Monotus_. -- Die „_Fauna relegata_“ des Professors

Pavesi. -- Der Transport kleiner Wasserorganismen durch Schwimmvögel,

Wasserkäfer und strömende Luft. -- Hakenborsten und Klebzellen der

Würmer als Anheftungswerkzeuge. -- Das Wandern der Wasserschnecken

und Muscheln. -- Spezialisierte Haftorgane bei Protozoen

(_Difflugia_) 295–312

=VIII. Über die wissenschaftlichen Aufgaben biologischer

Süsswasser-Stationen.= Von Dr. +Otto Zacharias+ in Plön

(Holstein).

Die Begründung der „Biologischen Station“ zu Plön. -- Vorteile

eines solchen Forschungsinstituts. -- Die pelagischen Organismen

des Grossen Plöner Sees. -- Die besonderen Aufgaben von

Süsswasserstationen. -- Die Winterfauna unserer Binnenseen.

-- Beobachtung der Wasserinsekten und der im Wasser lebenden

Larven von Landkerbtieren. -- Erforschung der eigentümlichen

Fortpflanzungsverhältnisse mancher Turbellarien und Oligochäten.

-- Faunistische Exkursionen und vergleichende Untersuchungen. --

Praktische Gesichtspunkte. -- Beschreibung der Plöner Station. -- Die

Erforschung der böhmischen Gewässer durch Prof. Anton Fritsch 313–331

=IX. Das Tierleben auf Flussinseln und am Ufer der Flüsse und Seen.=

Von +Fr. Borcherding+ in Vegesack.

Einleitende Bemerkungen. -- Die Säugetiere an und in dem Süsswasser.

-- Die Brutvögel. -- Die Gäste auf dem Frühjahrs- und Herbstzuge.

-- Die Sumpfschildkröte, _Emys europaea_ Gray. -- Die Anuren und

Urodelen des süssen Wassers. -- Die Fischfauna eines Flusses, eines

Geest- und eines Moorsees. -- Die Mollusken an und in den Gewässern.

-- Die niedere Tierwelt 333–369

Die Hydrachniden (Wassermilben).

Von Prof. Dr. =P. Kramer= in Halle a. d. S.

Die Hydrachniden oder Süsswassermilben gehören mit ihren auf dem Lande

lebenden Verwandten jenem unermesslichen Heere spinnenartiger Tiere

an, welche im Systeme der Zoologen den Namen Acarida tragen, und deren

Formenreichtum bei einem gewissen gemeinsamen Grundzug der Gestalt ein

ausserordentlich grosser ist.

Noch bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts waren es im ganzen nur

wenige Milben, auf welche sich die Aufmerksamkeit der Beobachter

gelenkt hatte. Sie gehörten zumeist den auf dem Menschen und den

Haustieren lebenden Schmarotzern an und wurden um der Krankheiten

willen, die sie hervorrufen, beachtet und beschrieben. Die erste

grössere Arbeit über andere Acarida lieferte erst der sorgfältig

beobachtende und scharfblickende dänische Naturforscher O. Fr. Müller+,

indem er im Jahre 1781 eine grosse Zahl der in Dänemark einheimischen

Süsswassermilben abbildete und die vortrefflichen Abbildungen

durch kurze Erklärungen erläuterte. So war es also gerade die uns

beschäftigende Milbengruppe, welche zuerst mit einer für lange Zeit

unerreichten Vollständigkeit behandelt worden ist.

Manches Jahrzehnt hindurch geschah darnach für die nähere Kenntnis der

Acariden wenig Entscheidendes. Erst die Arbeiten +Dugès’+ 1834 und des

Forstrats +C. L. Koch+ 1837–1850 bezeichnen einen neuen wesentlichen

Fortschritt. So brachte namentlich des ersteren eingehende Darstellung

die Kenntnis der Entwickelung von _Hydrachna globosa_, während

letzterer durch die grosse Zahl der von ihm beobachteten Milben, unter

denen sich auch sehr zahlreiche Süsswassermilben befanden, zuerst

überhaupt eine Vorstellung von dem Reichtum der Milbenklasse gab, wenn

auch freilich die nicht hinreichende Genauigkeit seiner Abbildungen und

Beschreibungen dem Systematiker noch heute viel Mühe bereitet.

In der neuesten Zeit ist den Acariden ein immer grösseres Interesse

entgegengebracht worden, wenn auch lange noch nicht in dem Masse,

als es die in mehr als einer Hinsicht merkwürdige Lebens- und

Entwickelungsgeschichte derselben verdient. Allerdings sind die

Beobachtungsobjekte meist sehr klein und schwierig zu behandeln und

daraus mag sich der im ganzen langsame Fortschritt unserer Kenntnis

über diese Tiergruppe erklären. Die Süsswassermilben bilden aber

noch die am wenigsten Schwierigkeiten bietende Gruppe und laden

durch ihre zierliche Gestalt und Munterkeit des Wesens, auch durch

verhältnismässige Grösse zur Beobachtung ein. Auch sind sie fast

überall reichlich zu finden, wo nur irgend fliessendes oder stehendes

Wasser Jahr für Jahr vorhanden ist.

Die meisten anderen Milben bleiben unserem Auge in der Regel verborgen,

obwohl es kaum einen Ort geben dürfte, wo einem genaueren Beobachter

nicht irgend ein charakteristischer Vertreter dieser Tiergruppe

begegnete. Zumeist möchte wohl eine feuchte Umgebung dem Leben dieser

der Mehrzahl nach zarten Geschöpfe günstig sein, aber doch wird man

auch an den kahlen, in trockenster Luft des Sommers am Wege liegenden

Steinen nicht umsonst nach einer mit zierlichem Stechapparat versehenen

blauroten Acaride (_Bryobia speciosa_) suchen, der sich noch manche

Vertreter unserer zierlichen Panzermilben (_Oribatidae_) anschliessen.

Milben finden sich unter Laub und Steinen, im Moose und auf den

Blättern der Bäume, auf und unter ihrer Rinde und im anbrüchigen

Holze, auf und unter der Haut zahlreicher kalt- und warmblütiger

Tiere, auf den Federn der Vögel, ja sogar in denselben: wo sich nur

überhaupt irgendwelche Nahrung darbieten mag, sei sie natürlichen oder

künstlichen Ursprungs, überall begegnen wir Milben, ihre Leibesgestalt

oft in wunderbarer Weise dem Aufenthaltsort anpassend und ihre

Lebensgewohnheiten einrichtend nach den Bedingungen, die derselbe

bietet.

Bei der immer noch vorhandenen sehr unvollständigen Kenntnis auch

unserer heimatlichen Milben ist es noch nicht möglich gewesen, eine

sogenannte natürliche Anordnung dieser Tiere vorzunehmen, d. h. eine

solche, bei welcher die Abstammung, die gegenseitige Verwandtschaft

ausschlaggebend ist, doch heben sich schon einige grössere

Verwandtschaftskreise aus dem Schwarm der überhaupt hierhergehörigen

Tiere ab. So bilden die soeben schon erwähnten Panzermilben, denen

jeder Sammler am häufigsten im Moose begegnet, einen in sich völlig

abgeschlossenen Stamm. Sie sind reine Landbewohner, und wenn man

auch in jüngster Zeit im Meere einige Vertreter gefunden haben

will, so ist das doch mit Vorsicht aufzunehmen. Ebenso stellen die

_Gamasidae_, diejenigen Milben, zu welchen die auf den Dungkäfern so

häufig scharenweise anzutreffenden braunen Acariden gehören, eine wohl

abgeschlossene Gruppe dar. So vielgestaltig aber auch die Wohnstätten

derselben sind, in das Wasser ist doch keins davon hinabgestiegen. Zwar

hat man einen ihrer Vertreter in den wohl gewiss mit Wasser stets und

reichlich bespülten Nasengängen einer Seehundsart aufgefunden, auch

haben eifrige Naturforscher unter den durch die Flutwelle regelmässig

überspülten Steinen des Seestrandes einige Gamasiden entdeckt, aber

wirkliche Wassertiere haben wir damit doch nicht vor uns. Nicht besser

steht es mit den zahllosen Geschlechtern der die Haut und die Federn

der Vögel oder die Haare der kleinen Säugetiere bevölkernden Milben

(_Sarcoptidae_) oder denjenigen, welche dem grossen Stamm der durch die

Mehlmilbe gekennzeichneten Acariden (_Tyroglyphidae_) angehören. Wenn

sie auch meist der Feuchtigkeit als einer notwendigen Voraussetzung

ihres Lebens bedürfen, so sind sie doch niemals Bewohner unserer Teiche

und Flüsse geworden. Einzig und allein diejenige Gruppe unter den

Milben, denen ich die allgemeine Bezeichnung Vorderatmer gegeben habe,

weil sie ihre beiden kleinen Luftlöcher ganz vorn an dem kegelförmig

hervorspringenden Mundabschnitt führen, bietet uns Beispiele von auch

dem Leben im Wasser angepassten Milben dar. Diese Vorderatmer werden

am besten durch die so häufig in unseren Gärten am Fusse der Obstbäume

anzutreffende Samtmilbe (_Trombidium fuliginosum_) veranschaulicht.

Trombidiumartige Milben also sind es, welche in grosser Zahl die süssen

Gewässer, nur mit wenigen Arten die See bewohnen.

Eine Naturgeschichte dieser Hydrachniden muss vor allen Dingen ein Bild

der äusserlich wahrnehmbaren Gestalt entwerfen und so mag sich denn

zunächst darauf die Aufmerksamkeit richten.

Ein Zug mit dem Fangnetz durch das klare Wasser eines Teiches

fördert in der Regel ausser zahlreichen kleinen Krustern auch manche

undurchsichtige und durchsichtige Hydrachnide zutage. Wir entnehmen

eine Milbe der letzteren Sorte, es ist eine _Piona flavescens_, und

betrachten sie, nachdem sie in ein Uhrgläschen übergeführt ist,

zunächst mit der Lupe.

[Illustration: Fig. 1.

_Piona flavescens_, von der Seite gesehen.]

Der rundliche Rumpf ist, wie wir bald bemerken, ungeteilt, oben

hochgewölbt, unten abgeflacht, so wie Fig. 1 es zeigt. Bei den meisten

Hydrachniden hat er diese Gestalt, nur ausnahmsweise treffen wir einen

flachen Rumpf, einen stark in die Länge gezogenen, oder einen durch

besondere Anhänge am hinteren Rande ausgezeichneten. Der vorderen

Hälfte der Unterfläche entspringen die acht Füsse.

Wie schlank und zierlich sind diese hellen völlig durchsichtigen

Füsschen, die das Tier oft in ganzer Länge von sich streckt und so eine

Zeit lang still und unbeweglich liegen bleibt, um mit einem plötzlichen

Ruck eine Strecke fortzueilen. Wieder liegt es still da und fängt nach

einer kurzen Ruhe an langsam auf dem Grunde fortzukriechen. Jetzt eilt

es wieder, sich wie im Wirbel überschlagend, in hastiger Bewegung eine

Strecke fort, um bald zu ruhen, bald langsam im Wasser zu wandeln.

Betrachten wir die einzelnen Füsse noch genauer, so fallen besonders

an den hinteren Paaren lange, seidenglänzende Haarborsten auf,

welche gedrängt stehen und leicht beweglich sind. Die zahlreichsten

bemerken wir am vorletzten und drittletzten Gliede der beiden hinteren

Fusspaare. Es sind dies die für unsere Süsswassermilben ganz besonders

charakteristischen Schwimmborsten, und von ihrer Anzahl, ihrer Breite

und Stellung hängt zum grossen Teil die Gewandtheit und Schnelligkeit

ab, mit der sich die Tierchen im Wasser bewegen. Als Regel können

wir annehmen, dass bei den erwachsenen Milben die vorderen Füsse nur

wenige, die hinteren dagegen zahlreiche Schwimmborsten führen, und dass

wiederum an jedem Fusse, der überhaupt welche besitzt, das vorletzte

Glied die meisten, die dem Körper näheren Glieder immer weniger

solche Borsten tragen. Ausnahmen von dieser Regel sind allerdings

beobachtet. So bemerkt man, dass bei einer der grössten einheimischen

Arten, einer der schnellsten und gewandtesten Schwimmerinnen, _Eylaïs

extendens_, welche als tiefrote Jägerin die Wasser durcheilt, das

vierte Fusspaar gar keine Schwimmborsten besitzt. Das Tier hat sich

daher gewöhnt, den letzten Fuss jeder Körperseite beim Schwimmen ruhig

nach hinten gestreckt zu tragen. Diese Haltung giebt ein untrügliches

Erkennungsmittel für die soeben namhaft gemachte, in unseren

stillstehenden Gewässern häufigere Milbe ab. Einigen Wassermilben

fehlen die Schwimmborsten sogar gänzlich. Sie sind dadurch gezwungen,

eine durchaus kriechende Lebensweise zu führen, und leben meist im

Schlamme verborgen.

Wie wenig übrigens der Besitz oder Mangel von Schwimmborsten

eine Verwandtschaft zwischen manchen in diesem einen Punkte

übereinstimmenden Milben mit sich bringt, beweisen zwei Gattungen,

deren Vertretern die Schwimmborsten fehlen, nämlich _Bradybates_ und

_Limnochares_ (die Tiefschreiter und Schlammfreunde). Diese Milben

sind in ihrer ganzen Erscheinung ausserordentlich verschieden von

einander. Erstere möchte wohl als das Urbild einer, der Lebensweise im

Wasser angepassten Samtmilbe angesehen werden können, so vollständig

wiederholt sie Zug um Zug die Gestalt dieser Landmilbe. Ganz anders

bietet sich _Limnochares_ dem Beobachter dar. Ein unförmlicher

linsengrosser roter Klumpen, welcher mühsam von den auffallend kurzen

dünnen Füssen fortgeschleppt wird und das langgezogene schnabelförmige

Mundstück beim Zurückziehen ganz in sich aufzunehmen vermag, ist sie

ganz darauf angewiesen, dass die Tragkraft des Wassers ihre Muskeln bei

der Fortbewegung ihres Leibes unterstützt.

Hervorgehoben mag noch werden, dass das Schwimmborstensystem

am ausgebildetsten bei den Hartmilben des süssen Wassers, den

Hartschwimmern, deren hervorstechendste Gattung _Arrenurus_

(Hartschwanz) ist, gefunden wird. Hier zeigt jeder der beiden

Hinterfüsse eine doppelte Reihe solcher Borsten.

Steht es nun auch gewiss fest, dass die Schwimmfertigkeit durch die

Schwimmborsten wesentlich bedingt ist, so beweist doch die Beobachtung

derjenigen Milben, welche die tiefen Regionen des Genfersees bewohnen,

dass damit die Frage nach den Gründen des Schwimmens noch nicht ganz

erledigt ist. Dort im Genfersee, und vermutlich auch in anderen sehr

tiefen Seen der Schweiz, hat Prof. +Forel+ in den tiefsten Schichten

eine Hydrachnide gefunden, welche sich trotz aller vorhandenen

Schwimmborsten nicht imstande zeigt, den Boden zu verlassen und

schwimmend die Oberfläche zu erreichen. Wird eine solche Milbe in

ein noch so flaches Gefäss gethan, so vermag sie nur auf dem Boden

zu kriechen. Wird ihr, wenn man sie an die Oberfläche gezogen

hat, der Unterstützungspunkt genommen, so sinkt sie trotz allen

Fussbewegungen, die sie ausführt, doch auf den Boden zurück. Offenbar

hat sie sich unter dem Einfluss des bereits erheblichen Wasserdrucks

auf dem Boden des Genfersees entwöhnt, von ihren Schwimmborsten

einen richtigen Gebrauch zu machen, sie hat ihre Füsse niemals im

Schwimmen geübt und hat so, trotz den vorhandenen Schwimmborsten,

die zum Schwimmen notwendigen kräftigen Bewegungen dauernd verlernt.

Es scheint also auch ein richtiger Gebrauch der sonst zum Schwimmen

hinreichend ausgerüsteten Füsse vorausgesetzt werden zu müssen,

damit die Schwimmborsten eine dem Wasser hinreichenden Widerstand

entgegensetzende Fläche bilden und so die Fortbewegung bewirken können.

Wir wenden uns nun wieder der Gestalt unserer _Piona_ zu. Während

die gewölbte Oberseite derselben dem beobachtenden Blick ausser den

deutlich wahrnehmbaren dunklen Augenpunkten wenig bietet, wird er,

nachdem man die Milbe auf den Rücken gelegt hat, bei Betrachtung der

Unterseite von einigen besonderen Organen gefesselt.

Auf der Bauchfläche bemerkt man nämlich vier von einander getrennt

stehende härtere Hautplatten, und an jeder sind zwei Füsse

eingelenkt[I]. Bei näherer Betrachtung ergiebt es sich, dass jede der

Platten aus zwei mit einander verschmolzenen Plättchen zusammengesetzt

ist und dass jedes der acht Plättchen die Gelenkhöhle für das Hüftglied

je eines der acht Füsse trägt. Wir nennen die Plättchen die Hüftplatten

der Füsse oder die Epimeren. Unsere _Piona flavescens_ lässt erkennen,

dass die Hüftplatten für die beiden vierten Füsse, rechts und links,

die umfangreichsten sind. Das ist nicht immer der Fall. Überhaupt

finden wir in der Ausbildung und gegenseitigen Gruppierung dieser

Epimeren eine so ausserordentliche Mannigfaltigkeit, dass nicht mit

Unrecht die hieraus sich ergebenden Unterschiede zur schärferen

Trennung der Gattungen verwendet worden sind.

[I] Vergleiche auch Fig. 3 _e_ S. 39.

Zwischen den Epimeren der beiden vorderen Füsse befindet sich der

Mundapparat, in der Regel gestützt durch eine vermutlich als Unterlippe

zu deutende, erhärtete Platte. Diese Platte trägt zunächst die meist

fünfgliedrigen Taster.

Dieselben dienen wohl hauptsächlich dem Gefühlssinn, werden aber

auch zum Festhalten der Beute benutzt. Die Mundöffnung selbst wird

in der Regel in der Tiefe eines oben offenen, eine kurze Halbröhre

darstellenden kopfähnlichen Anhangs gefunden, in welchem sich als

wesentlichstes Mundwerkzeug die Kaukiefer eingelassen finden. Diese

Kiefer bilden einen wichtigen Anhalt zur Unterscheidung grösserer

Abteilungen unter den Süsswassermilben, indem sie bei einigen Gattungen

eingliedrig sind und die Gestalt eines kräftigen nach vom gerichteten

Stachels haben, bei anderen dagegen aus zwei Gliedern bestehen, von

denen das zweite einer mit der Spitze nach oben gewendeten Klaue oder

Kralle gleicht. Ganz derselben Verschiedenheit begegnet man auch bei

derjenigen Gruppe der Landmilben, welche ich bereits oben als die

den Süsswassermilben am nächsten stehende bezeichnet habe, bei den

Trombididen.

Was für Gliedmassen oder Teile ausserdem noch zu dem Mundapparat

gehören, ist noch durch weitere Beobachtungen genauer zu erforschen.

Es giebt nach Ansicht einiger Beobachter noch ein zweites Kieferpaar,

welches dieselben in gewissen verhärteten Stäbchen entdeckt zu haben

glauben, während andere diese Deutung jener Stäbchen leugnen. Es

ist daher auch die verwandtschaftliche Stellung der Milben durchaus

noch nicht allgemein festgestellt. Die einen, z. B. +G. Haller+,

wollen sie zu den krebsartigen Tieren ziehen, indem das Vorhandensein

einer grössern Anzahl von Kiefern dafür geltend gemacht wird. Die

anderen sind der Meinung, dass die Milben den spinnenartigen Tieren

zuzuzählen sind. Sicherlich kann hierüber lediglich aus anatomischen

Gründen ein sicheres Urteil nicht gezogen werden, vielmehr muss

die Entwickelungsgeschichte ein entscheidendes Wort mitsprechen.

Vielleicht gelingt es zunächst aus den an Gamasiden noch anzustellenden

Beobachtungen, hierüber mehr Licht zu verbreiten.

Auf der Unterseite unserer Milben begegnen wir nun noch der

Geschlechtsöffnung und der Afteröffnung. Umfangreich, wenigstens beim

weiblichen Geschlechte, ist die erstere, meist punktförmig klein die

zweite, jedoch fehlt letztere nirgends, wie irrtümlich behauptet

worden. Die Geschlechtsöffnung ist bei den allermeisten Gattungen

von eigentümlichen, entweder napfartigen oder porenartigen Gebilden

begleitet, welche meist neben ihr zu Gruppen vereinigt auf besonderen

verhärteten Plättchen aufgestellt oder in die weiche Haut eingebettet

sind, in einzelnen Fällen aber auch auf der innern Fläche der die

Öffnung schliessenden Klappen ihren Platz gefunden haben. Die Abbildung

dieser Gebilde, wie sie sich beim Männchen und Weibchen von _Nesaea

fuscata_ finden, in Fig. 3 _i_ und _k_, giebt wohl eine hinreichend

deutliche Vorstellung davon. Stehen diese sogenannten Haftnäpfe neben

der Geschlechtsöffnung, so dürften sie kaum noch ihrem Zweck als

Haft- oder Tastorgan genügen, finden sie sich dagegen auf der innern

Deckklappenfläche, so ist ihre Funktion noch unbeeinträchtigt.

Die einzelnen Gattungen der Wassermilben zeigen in der Zahl, Anordnung

und Grösse dieser Näpfe eine so ausserordentliche Verschiedenheit,

dass sie hierdurch häufig mit grosser Leichtigkeit von einander

unterschieden werden können. Es gehören diese Haftnäpfe zu einer

ganz besonders charakteristischen Eigentümlichkeit gerade unserer

Süsswassermilben, so dass es gerechtfertigt erscheint, noch einen

Augenblick bei ihnen zu verweilen. Es sind offenbar umgebildete

Oberhautporen. Betrachtet man nämlich die Oberfläche einer

Süsswassermilbe genauer, so findet man dieselbe mit einer Anzahl

regelmässig verteilter grösserer Porenöffnungen versehen, welche

meistens zu kleinen, häufig aber auch sehr umfangreichen Hautdrüsen

führen. Bei sehr vielen Milben ist die nächste Umgebung einer solchen

Pore verhärtet, so dass dort eine kleine Platte in die Haut eingelassen

scheint, auch wird die Öffnung regelmässig von einer Haarborste

begleitet. Diese Hautdrüsen mögen wohl eine Flüssigkeit absondern,

welche anderen Wassertieren Ekel erregt, so dass sie die Wassermilben

nicht verspeisen mögen. Hat man doch beobachtet, dass unsere Milben von

den Fischen verschmäht werden. Welchen Vorrat an solcher Flüssigkeit

diese Hautdrüsen, wenn sie enorm entwickelt sind, enthalten, lässt sich

bei den Hartmilben (_Arrenurus_) erkennen. Wird eine solche in Spiritus

gelegt, so fährt nach kurzer Zeit der Drüseninhalt wie ein langer sich

kräuselnder Faden aus der Pore hervor, so dass die ganze Milbe völlig

eingewickelt wird. Nun ist es wohl nicht falsch geurteilt, wie bereits

oben angedeutet wurde, wenn wir annehmen, dass die Haftnäpfe auf der

Unterseite des Hinterleibes ursprünglich solche Hautdrüsenöffnungen

gewesen sind. Die ursprünglichen Drüsengebilde sind aber in Haftorgane

umgewandelt und dementsprechend hat sich die Öffnung samt der Platte,

in welcher sie steht, umgestaltet. Meistens bemerkt man noch deutlich

innerhalb des Umrisses eines solchen Napfes die Porenöffnung. In

anderen Fällen ist sie aber auch schon geschwunden, was darauf

hindeutet, dass das Organ seine Funktion wieder eingebüsst hat.

Wenn ich soeben bemerkte, dass diese Haftnäpfe eines der wesentlicheren

Merkmale unserer Süsswassermilben darstellen, so ist damit dennoch

nicht gesagt, dass es unter ihnen nicht auch solche gäbe, die überhaupt

dieser Organe entbehrten. Die Mannigfaltigkeit der Formen, die wir

allerwärts im Tierreiche finden und die dem ordnenden Zoologen oft

so viele Schwierigkeiten entgegenstellt, findet sich auch bei den

winzigen, das süsse Wasser belebenden Acariden. Die Kräfte der Natur

lassen sich in kein Schema und System zwingen, sondern gestalten die

Formen nach den vorhandenen Lebensbedingungen aus. So mag es denn wohl

sein, dass die Masse der das süsse Wasser bevölkernden Milben aus

mehreren verschiedenen Hauptstämmen erwuchs, deren Ursprung wir nicht

mehr deutlich unterscheiden können. Der eine Stamm, der namentlich

alle schwimmenden Süsswassermilben umfasst, hat Haftnäpfe auf der

Bauchfläche erzeugt, der andere, zu denen einige kriechende Gattungen

zu rechnen wären, hat solche Näpfe nicht hervorgebracht. Es ist auch

bemerkenswert, dass die ersten Larvenstadien, also die eben dem Ei

entschlüpften Jungen, keine Haftnäpfe besitzen.

Im Vorhergehenden sind die wesentlichsten Organe und die

hauptsächlichsten Erscheinungen der äussern Gestalt kurz berührt. Es

wird später sich noch Gelegenheit bieten, manches, was jetzt übergangen

werden musste, so z. B. die besonderen Kennzeichen und Abzeichen

der Männchen im Gegensatz zu den Weibchen, zur Sprache zu bringen

und so das Bild der äussern Gestalt zu vervollständigen. Auch die

Beschaffenheit der äussern Körperhaut, ob sie hart oder weich ist, ob

glatt oder mit Fortsätzen versehen, hat wohl für die Beurteilung der

äussern Gestalt im weitern Sinne Bedeutung, kann jedoch in einer nur

kurz schildernden Darstellung bloss andeutungsweise berührt werden.

Ebenso ist es mit dem Grössenverhältnis der Glieder zum Rumpfe,

indem nur erwähnt werden kann, dass der Rumpf wie bei _Atax_ gegen

die ungemein grossen Füsse fast verschwindet, während bei anderen

Gattungen, wie beispielsweise _Axona_, die Füsschen kaum über den Rand

des Rumpfes hervorragen. Dies Alles und manches Andere würde einer

Spezialgeschichte der Hydrachniden Stoff zu ausführlichen Betrachtungen

geben. Wir aber verlassen die äussere Gestalt und wenden uns einer

weitern wichtigen Angelegenheit zu, der Darstellung der inneren Organe.

Die inneren Organe sind in neuester Zeit mehrfach eingehend beobachtet

und beschrieben worden. Wir finden in der Regel eine sehr feine, nach

hinten sich erweiternde Speiseröhre, deren vorderer Abschnitt zu einem

Saugapparat umgewandelt ist, indem Muskelstränge sich an der obern und

untern Röhrenfläche ansetzen, welche diesen Teil des Organs abwechselnd

erweitern und verengern können. Der Magen ist sehr umfangreich und

besitzt bis fünf blindsackartige Ausstülpungen, deren Oberfläche mit

einer Schicht von Leberzellen ausgerüstet ist. Der Enddarm ist in der

Regel wiederum ein Kanal von ziemlicher Enge. Die Speiseröhre steht in

ihrem vordersten Abschnitt in Zusammenhang mit den nicht unerheblichen

Speicheldrüsen. Diese sind in der Regel in mehrfacher Anzahl vorhanden,

führen jedoch immer nur jederseits zu einer einzigen Ausflussöffnung.

Der Enddarm seinerseits nimmt in seinem letzten Abschnitt den

Ausführungsgang der charakteristischen Exkretionsdrüse auf, welche

bei allen Milben zu einer so ausserordentlichen Entwickelung gelangt

ist. Diese Drüse liegt oberhalb des Magens und besitzt einen längeren

Hauptstamm, welcher sich etwa in der Mitte des Rückens in zwei Äste

gabelt. Da der Inhalt dieser Exkretionsdrüse merklich durch die Haut

der Mehrzahl der Hydrachniden hindurchschimmert, so hat sie von jeher

die Aufmerksamkeit der Beobachter erregt, aber auch solche, die auf die

Färbung der Milben ein allzugrosses Gewicht legten, oft irregeführt, da

je nach der Füllung der Farbeneindruck ein sehr verschiedener sein kann.

Das Atmungssystem wird bei den Hydrachniden durch zwei in

ausserordentlich zahlreiche Tracheenfäden auseinanderfahrende

Tracheenstämme dargestellt, welche in einem Paar von Luftlöchern

ausmünden. Diese letzteren liegen zwischen den Einlenkungsstellen der

Kiefer in einer kleinen Platte. Der Hauptstamm jeder Trachee ist mit

einem Spiralfaden versehen, während die zarten Tracheenfäden selbst

keine solchen besitzen.

Das Tracheensystem tritt auch bei den Hydrachniden gerade so wie bei

allen anderen Milben, wo es überhaupt zur Ausbildung gelangt, erst nach

der ersten Häutung auf, die sechsfüssigen Larven besitzen noch keine

Andeutung davon. Die Luftatmung der Wassermilben giebt uns hier nun

Veranlassung, einen kurzen Blick auf andere luftatmende Wassertiere zu

werfen.

Vergleicht man das Betragen der hierher gehörigen verschiedenen,

dem niedern Tierreich angehörenden Bewohner des süssen Wassers, so

bemerkt man bald einen sehr in die Augen fallenden Unterschied. Die

Wasserkäfer z. B. und die Mehrzahl der Wasserwanzen vermögen nur kurze

Zeit zu tauchen. Immer wieder müssen sie die zum Atmen nötige Luft

unmittelbar aus der über dem Wasser stehenden Atmosphäre schöpfen und

deshalb häufig die Oberfläche aufsuchen. Auch vielen Mückenlarven geht

es nicht besser, sie fahren unruhig bald in die Höhe, bald in die

Tiefe. Dagegen sind die in das Wasser eingewanderten Milben völlig

und ausschliesslich Wassertiere geworden. Sie bleiben stets unter der

Oberfläche, trotzdem dass sie ein ausgebildetes Luftatmungssystem

besitzen. Sie hüllen sich auch nicht etwa, wie zahlreiche Uferkäfer und

die merkwürdige grosse Wasserspinne (_Argyroneta aquatica_), in einen

dichten Mantel von Luft, den sie unausgesetzt mit sich führen und immer

wieder erneuern, sondern leben gerade wie die Larven von zahlreichen

Libellen, Frühlingsfliegen und Mücken nur und allein im Wasser. Ihr

Luftröhrensystem ist trotzdem, dass sie niemals die Oberfläche

aufsuchen, mit Luft durchaus angefüllt. Es weist uns diese Beobachtung

auf einen wohl noch nicht ganz aufgeklärten Naturvorgang. Die Frage,

auf welche Weise die Luft in die Atmungskanäle der Süsswassermilben

gelangt und wie sie sich, nachdem sie etwa durch Atmen verbraucht

worden ist, wieder erneuert, ist es, welche dabei noch der Lösung

harrt. Unter ganz ähnlichen Verhältnissen atmen die durchsichtigen

Larven der bei uns häufigen Büschelmücke (_Corethra plumicornis_).

Bei dieser hat der bekannte Zoologe +A. Weissmann+ zuerst beobachtet,

dass in den beiden grossen Paaren von Luftsäcken, welche dem Tier zur

Aufrechterhaltung des Gleichgewichts beim Schwimmen zu dienen scheinen,

die Luft während eines bestimmten Zeitpunktes der Entwickelung ganz von

selbst auftritt, ohne dass in der Wandung jener Blasen auch nur die

geringste Öffnung vorhanden wäre oder irgend eine Verbindung derselben

mit der Oberhaut des Tieres bestünde. Die Luftfüllung tritt plötzlich

auf und verbleibt dann in den Blasen. Bei den Wassermilben, welche nach

der ersten Häutung zahlreiche Tracheen besitzen, könnte es vielleicht

ebenso sein, indem die Luft sich ganz von selbst innerhalb der vorher

mit Flüssigkeit angefüllten Luftkanäle bildet. Denn es ist in der That

schwer denkbar, dass die im Wasser verteilte Luft sich in die feine

Ausmündungsstelle der Luftkanäle eindrängen könne, um von da aus in die

zuletzt überaus feinen Fäden zu gelangen. Ein Saugapparat ist bisher

an den Atmungsröhrchen noch nicht beobachtet und allein ein solcher

könnte die Luft dazu vermögen, die Flüssigkeit aus den Luftröhren zu

verdrängen. Genug, wir erwarten von der Zukunft hier, wie noch für so

manche Vorkommnisse, eine befriedigende Erklärung der Thatsachen.

Die Hydrachniden sind getrennten Geschlechtes. Die samenerzeugenden

Organe des Männchens sind wohl in der Regel paarig und haben

einen gemeinsamen Ausführungsgang, welcher mit einem besondern

Begattungsorgan versehen ist. Die Eierstöcke der Weibchen sind zwar

auch paarig, jedoch sind sie mit ihren Enden derart verschmolzen,

dass sie ein einziges ringartiges Organ darstellen; die beiden

Eileiter sind jedoch zunächst getrennt und bilden erst kurz vor der

Geschlechtsöffnung einen kugeligen Uterus.

Das Nervensystem besteht in einem zentralen sogenannten Schlundganglion

und den von diesem ausgehenden Nervensträngen. Das Schlundganglion

wird der Länge nach von der Speiseröhre durchsetzt, wodurch es in ein

oberes und ein unteres geteilt wird, die indes so nahe an einander

gerückt sind, dass sie eine gemeinsame Masse bilden, an welcher keine

Schlundkommissur auffindbar ist[II].

[II] Dr. v. Schaub, „Anatomie von Hydrodroma“, p. 29.

Vom obern Schlundganglion gehen die Nerven zu den Augen und

den Mundteilen, von dem untern dagegen zu den Füssen und den

Geschlechtsorganen. Die Nervenfäden spalten sich übrigens häufig und

lösen sich mit Ausnahme der Augennerven in eine Fülle von überallhin

sich verbreitenden Nervenfasern auf.

Das Nervensystem möge uns noch einen Augenblick länger fesseln. So

klein und zum Teil winzig unsere Süsswassermilben auch sind, so

entbehren sie doch der die Aussenwelt auffassenden Sinne nicht.

Gesichts- und Gefühlssinn haben sogar eine hohe Entwickelungsstufe

erreicht. In der Regel finden wir bei den Hydrachniden zwei Paare

von Augen. Diese stehen entweder weit von einander getrennt, wie

bei jener oben genauer besprochenen _Piona_, oder sie sind auf der

Mitte des Vorderrückens dicht an einander gestellt, so dass sie an

die Augen der Weberknechte (_Phalangidae_) erinnern. Mag nun die

Anordnung die eine oder die andere sein, jedesmal findet sich in

einem Milbenauge eine Linse, welche das Licht nach einem hinter ihr

gelegenen Punkte bricht, und eine becherförmig gestaltete Netzhaut

mit dunklem Pigment, welche die Lichteindrücke zur Empfindung bringt.

Der Sehnerv leitet dieselben dann dem oben erwähnten Gehirn zu. Ob

nun die Milbe wohl einen Gesamteindruck von ihrer Umgebung durch

ihre Augen gewinnt? Jedenfalls kommt bei Beantwortung dieser Frage

der allgemeine Stand des Seelenlebens in Betracht und nicht bloss

die physikalische Vollkommenheit des Sehapparats. Dass sie aber

scharfe und deutliche Eindrücke durch ihren Gesichtssinn erhalten,

scheint mir aus der grossen Raschheit hervorzugehen, mit welcher die

Mehrzahl der Süsswassermilben, welche des Schwimmens kundig sind,

entgegenstehenden Hindernissen ausweichen. Allerdings wird hier, wie

auch sonst wohl vielfach im Tierreiche, der Gesichtssinn offenbar durch

den sehr entwickelten Tastsinn unterstützt. Bei unseren Milben sind

Tastorgane in ganz ähnlicher Weise, wie bei den übrigen Gliedertieren,

über den ganzen Körper verbreitet und ragen als Haartaster über die

Oberfläche des Leibes hervor. Man wird wohl nicht irregehen, wenn

man die in grosser Regelmässigkeit, wenn auch meist in ziemlich

spärlicher Anzahl auf der Haut der Tierchen allenthalben zerstreuten,

meist kurzen Haarborsten als ebenso viele Tastorgane ansieht. Ebenso

ist ein grosser Teil der auf den Beinen und namentlich den Tastern

befindlichen Haarborsten zu den Fühlhaaren zu rechnen. An zahlreichen

grossen Borsten, welche die ersten Füsse schmücken, hat man die

Einrichtung solcher Fühlhaare genauer untersucht. Die Haarborste steht

in einer kleinen Pore der Oberhaut; sie ist selbst zumteil hohl und

mit lebendiger Substanz ausgefüllt, welche durch die Pore hindurch

mit dem Innern des Milbenkörpers in Zusammenhang steht. Unmittelbar

unter das in der Porenöffnung stehende Ende der Borste hat sich ein

Nervenfaden hinbegeben und dort ein kleines Knötchen gebildet, welches,

sobald durch irgend eine äussere Veranlassung die Borste gedrückt

oder gezerrt wird, durch das untere Borstenende gestreift und in

Mitleidenschaft gezogen werden muss. Hierdurch kommt die Tastempfindung

und zugleich auch jedenfalls eine Ortsbestimmung zu stande. Die

Oberhaut des Tierchens ist, da sie aus einer festen widerstandsfähigen

Masse gebildet ist, an sich einer Empfindung nicht fähig. Dieser

Mangel wird durch jene Tastborsten fast völlig ausgeglichen. Man hat

übrigens auch in dem der Haut von innen anliegenden Zellengewebe

zahlreiche Nervenelemente entdeckt und so ist es auch möglich, dass ein

an irgend einer Stelle auf die weiche und nachgiebige Hautfläche bei

den weichhäutigen Hydrachniden ausgeübter Druck auch ohne besondere

Tasthaare eine Gefühlsempfindung auslöst.

In ganz besonderer Weise sind, wie sich wohl vermuten lässt, die Taster

mit Gefühlshaaren ausgerüstet. Es ist dies um so notwendiger, als die

meist weit vom Munde und auf der Stirnwölbung aufgestellten Augen die

Umgebung des Mundes nicht zu übersehen vermögen. Von den Mundteilen

kann also nur nach bestimmten Gefühlseindrücken gehandelt werden. Diese

werden durch dicht aufgestellte Tasthaare vermittelt.

Ähnlich ist auch die Unterseite der Füsse und zwar namentlich ihrer

Endglieder mit zahlreichen kurzen Haaren versehen, welche beim

Schreiten und wohl auch beim Schwimmen, wie ferner beim Ergreifen der

Beute die Tastempfindungen veranlassen.

So haben die unscheinbaren und auf den ersten Blick willkürlich über

den Körper verstreuten Haarborsten einen wichtigen Beruf.

Ob die Wassermilben Gehörs- und Geruchsempfindungen besitzen, ist nicht

beobachtet. Geschmacksempfindungen werden sie ganz gewiss haben, da es

höchst wahrscheinlich ist, dass sie ihre Beute auch durch den Geschmack

unterscheiden.

Ob man nun auch von einem seelischen Leben unserer Geschöpfe sprechen

darf? Einen bestimmten Charakter hat jedenfalls jede Wassermilbe im

Vergleich mit anderen. Darunter kann ich hier freilich nur die Art

und Weise ihres Betragens verstehen. Die Schnelligkeit, mit welcher

die Bewegungen ausgeführt werden; die Feindschaft oder Freundschaft,

um diese Worte hier zu gebrauchen, welche den übrigen Mitgliedern

einer und derselben Art entgegengebracht werden; die Gewandtheit, mit

welcher eine solche Milbe einer drohenden Gefahr zu entrinnen sucht,

alles dieses, namentlich das Zuletzterwähnte, lassen den Schluss

gerechtfertigt erscheinen, dass wir bei diesen kleinen Geschöpfen ein

verhältnismässig hoch entwickeltes Seelenleben voraussetzen dürfen.

Wenn sich nun auch diese seelischen Regungen wohl zumeist auf den

Erwerb der Nahrung, auf Sicherstellung des einzelnen Tieres und auf

Erhaltung der Art richten, so ist doch das Vorhandensein derselben von

ausserordentlichem Interesse und fordert zu immer neuen Beobachtungen

auf, damit auch für diese niedrigen Geschöpfe die Tiefe und Ausdehnung

des ihnen verliehenen seelischen Lebens immer mehr bekannt werde.

Wir wenden uns nun einer kurzen Besprechung der hauptsächlichsten

Gattungen zu.

An der Hand der oben gegebenen Beschreibung von _Piona flavescens_ und

unter Benutzung der beigefügten Abbildung in Fig. 1 ist jeder leicht

imstande sich eine hinreichend genaue Vorstellung von der Gestalt

einer Hydrachnide überhaupt zu machen. Jedoch wird der Naturfreund,

der es unternimmt, die häufigeren Mitglieder unserer Tierfamilie in

den stehenden und fliessenden Gewässern seiner Heimat genauer zu

betrachten, bald bemerken, dass er in der That recht verschiedenartige

Geschöpfe in sein Aquarium bringt. Wir wollen ihm in dem Nachfolgenden

einige Winke für das Unterscheiden der gesammelten Tierchen geben,

verweisen aber zu einer eingehenderen Betrachtung auf unsern Anhang.

Vieles lässt sich schon mittels einer schärferen Lupe deutlich genug

erkennen, ganz wird es indessen nicht ohne die Zuhilfenahme eines

Mikroskops abgehen. Und gerade die mikroskopische Betrachtung der

hier uns beschäftigenden, zumteil recht kleinen Geschöpfe entfaltet

eine solche Fülle zierlicher Formen vor unseren Augen, dass wir

unwillkürlich von der Begierde ergriffen werden, immer neue Gestalten

einer solchen zu unterwerfen.

Die im Anhang gegebene Tabelle nimmt ihre Merkmale nicht mit Rücksicht

auf die gegenseitige Verwandtschaft der Hydrachniden, sondern mit

Rücksicht auf Deutlichkeit und leichtes Auffassen. Hier dagegen möchte

ich versuchen, die hauptsächlichsten Gruppen herauszuheben.

Betrachtet man die klaren Wasser eines Grabens oder kleinen Teiches

aufmerksam, so geschieht es wohl, dass man ein linsengrosses,

blutrotes, kugelförmig aufgeschwollenes Geschöpf in kräftigem Zuge

durch die stille Flut eilen sieht, lebhafte Wendungen bald hierin

bald dorthin ausführend. Ein schneller Griff mit dem Fangnetz und die

Schwimmerin ist in Gefangenschaft geraten. Wir entlassen sie in eine

bereitgehaltene flache Schale und können sie nun mit blossem Auge

deutlich erkennen und prüfen. Entweder streckt sie den vierten Fuss

jederseits beim Schwimmen unbeweglich nach hinten, oder sie macht auch

mit ihm, also mit sämtlichen acht Füssen lebhafte Schwimmbewegungen.

Im erstern Falle haben wir eine unserer ansehnlichsten und häufigsten

Süsswassermilben vor uns, einen Repräsentanten der oben schon erwähnten

Gattung _Eylaïs_[III]. Die Milbe ist eine arge Räuberin und überfällt

mit ihren kräftigen Füssen und den zwar ausserordentlich kleinen, aber

überaus kräftigen Kiefern, was ihr in den Weg kommt. Sie bildet eine

ganz besondere Abteilung der Hydrachniden für sich, da bei ihr die

Mundöffnung und die damit zusammenhängende Ausbildung der Kiefer eine

ganz eigentümliche geworden ist. Wie eine sorgfältige Betrachtung des

Mundes mit dem Mikroskop lehrt, hat die ganze Gestalt und Anordnung

desselben eine überraschende Ähnlichkeit mit einer Saugscheibe.

Man bemerkt eine kreisrunde Platte, eingerahmt durch einen Kranz

zierlicher Haarborsten, in der Mitte die winzige Mundöffnung tragend,

aus welcher die schwärzlichen Spitzen der Kieferendglieder in Gestalt

zweier scharfer Zähnchen etwas hervorgeschoben werden können. Gegen

diese Zähnchen drücken die kräftigen Taster und Füsse ihre Beute,

welche alsbald die tödliche Wunde empfängt. Betrachten wir das in

ausgewachsenem Zustande bis 4 _mm_ lange Tier von oben her, so wird

man auf dem Vorderrücken, und zwar ziemlich nahe der Mittellinie vier

schwarze, dicht bei einander stehende Augenpunkte gewahr werden. Lösen

wir mit einem scharfen Messer die dieselben tragende Hautstelle ab

und richten nun das Mikroskop auf sie, so erblicken wir die zu den

einzelnen Augen gehörigen Linsen, jede in eine besondere dickwandige

Hautkapsel eingeschlossen. Es giebt nur wenige Hydrachniden, bei denen

die Augen in der angegebenen Art und Weise angeordnet und geschützt

sind. Auffallend ist es und mag hier gleich erwähnt werden, dass die

eben dem Ei entschlüpften jungen _Eylaïs_ weit von einander getrennt

aufgestellte Augenpunkte führen, dass also die soeben erwähnte

eigentümliche und von der Regel abweichende Augenstellung erst in

späteren Stadien ihres Lebens und zwar nach der ersten Häutung

beobachtet wird. Es ist dies eine Thatsache, welche bei Beurteilung

der Verwandtschaft unserer Gattung auch mit Landmilben nicht ohne

Bedeutung ist.

[III] Siehe Anhang.

Hatte die gefangene und in die Glasschale entlassene Milbe, wie eine

kurze Betrachtung bald ergeben wird, auch am vierten Fusse jeder Seite

dichte Büschel von Schwimmborsten, so werden wir eine Vertreterin einer

zweiten wichtigen Gruppe von Süsswassermilben vor uns haben, und zwar

der Gruppe, nach welcher die ganze Familie ihren Namen bekommen zu

haben scheint. Sie ist dann ein Mitglied der Gattung _Hydrachna_[IV],

welche in mehreren sehr stattlichen Arten unsere Gewässer bevölkert.

[IV] Siehe Anhang.

Die Gattung _Hydrachna_ ist ausgezeichnet durch ihre sehr eigenartige

Mundbildung. Keine andere Süsswassermilbe hat einen ähnlich gebauten,

zu einem Stechorgan umgestalteten Schnabel, welcher sanft gekrümmt

in ansehnlicher Länge zwischen den kurzen Tastern hervorragt. Dieser

Schnabel wird durch die Unterlippe gebildet und stellt eine oben

offene Halbröhre dar, ist selbst scharf zugespitzt, dennoch aber nicht

als eine gefahrdrohende Waffe anzusehen, so wenig wie die beiden

haarscharfen messerartigen eingliedrigen Kiefer, welche in jener

Rinne auf- und abgeschoben werden können. Die Milbe scheint nicht

von tierischer Nahrung zu leben, sondern benutzt ihr umfangreiches

Stechorgan dazu, um Pflanzenstiele anzubohren. Ihre Eier wenigstens

legt sie in Höhlungen, welche sie mittels ihres Schnabels in

Blattstiele von Wasserpflanzen eingebohrt hat. Der kugelförmig

aufgetriebene Körper wird von den weit nach vorn gerückten Füssen nicht

besonders schnell durch das Wasser getragen, er scheint sogar häufig

durch sein Gewicht einen hemmenden Einfluss auszuüben, wenigstens wird

oftmals die Unterseite des Tieres beim Schwimmen von oben her sichtbar.

Auch _Hydrachna_ besitzt, gerade wie _Eylaïs_, Augen, welche paarweise

in eine mit wulstigen Rändern versehene, harte Kapsel eingeschlossen

sind, jedoch stehen die beiden Augenpaare weit von einander entfernt.

Die Bauchfläche trägt jederseits von der Geschlechtsöffnung eine Platte

mit zahlreichen Haftnäpfen, jedoch sind letztere klein und unansehnlich.

Im Gegensatze zu den beiden soeben erwähnten Gattungen, denen in

gewissem Sinne noch zwei andere beigesellt werden können, nämlich

_Hydrodroma_ und _Limnochares_[V], weil sie sechsfüssige Larven von

ausgesprochenem Trombidium-Charakter besitzen, bilden die dann noch

übrigen etwa 24 Hydrachniden-Gattungen eine grössere Abteilung für

sich, da sie viel Verwandtschaftliches zeigen und daher zunächst auch

noch zusammengefasst werden können.

[V] Siehe Anhang.

Das Hauptmerkmal dieser Gruppe dürfte wohl darin bestehen, dass die

sechsfüssige Larve einen eignen Typus hat, den ich den Nesaea-Typus

nenne, und welcher durch die Abbildung in Fig. 3 _a_ S. 39 dargestellt

ist. Da jedoch diese Larven nicht immer leicht zu beschaffen sind, so

müssen wir wohl damit zufrieden sein, die Milben nach der Form der

Kiefer näher zu bezeichnen. Als Beispiel für die ganze eben in Rede

stehende Süsswassermilbenabteilung gilt die oben näher beschriebene und

abgebildete _Piona flavescens_. Dieselbe besitzt Kiefer, wie sie in

Fig. 3 _b_ zur Anschauung gebracht sind. Dieselben sind zweigliedrig

und das letzte Glied besitzt die Gestalt einer Klaue, wonach die ganze

Kieferart den Namen klauenförmiger Kiefer erhalten hat. Dieselben

werden von der Milbe so getragen, dass die Klauen mit ihrer Spitze nach

oben schlagen. Die ganze Menge der hierhergehörigen Milben zerfällt

in zwei grössere Heerlager, welche wir am einfachsten nach ihrer

äussern Körperhülle in sogenannte Hartschwimmer und Weichschwimmer

zu trennen haben. Hartschwimmer sind solche Süsswassermilben, deren

Körper durch eine feste, allseitig geschlossene wahre Panzerhaut

geschützt ist, während die Weichschwimmer eine solche Verhärtung der

Haut nicht aufzuweisen haben. Bemerkenswert ist es allerdings, dass

auch die jüngsten, dem Ei entschlüpften Larven der Weichschwimmer,

soweit sie zur Beobachtung gekommen sind, eine wenigstens auf dem

Rücken ziemlich weitgehende Hautverhärtung aufzuweisen haben, welche

sich aber in späteren Stadien wieder verliert. Diese Beobachtung wird

zur Beurteilung der wahren verwandtschaftlichen Verhältnisse künftighin

wohl nicht ganz ausser Acht gelassen werden können.

Zu den Hartschwimmern gehört namentlich die ausserordentlich

artenreiche Gattung _Arrenurus_[VI]. Es scheint keinen Teich oder

See zu geben, für welchen sich nicht eine eigentümliche Art dieser

merkwürdigen Gattung aufweisen liesse. Sie ist ganz besonders der

Aufmerksamkeit wert, weil es nach den bisherigen Beobachtungen den

Anschein hat, als wäre sie besonders der Veränderlichkeit unterworfen.

Grünrote, braune, ja ganz bunte Arten derselben wimmeln häufig durch

einander und bereiten, wenn man nur Weibchen vor sich hat, dem

Untersucher fast unüberwindliche Schwierigkeiten. Diese verschwinden

aber sogleich, sobald die Männchen mit ihren so ganz eigentümlich

gebauten Hinterleibsanhängen zu Gebote stehen.

[VI] Siehe Anhang und Figur 2, _a_, _b_, _c_.

Es bietet sich hier eine passende Gelegenheit, den geschlechtlichen

Unterschieden in der äussern Gestalt, welche bei _Arrenurus_ in

ausserordentlich hohem Masse zu Tage treten, etwas Aufmerksamkeit zu

widmen. Es erscheint wunderbar, dass innerhalb einer und derselben

Tiergruppe diese Unterschiede in so ungleichem Masse ausgebildet

sind, denn während sie bei der eben erwähnten Gattung in einem höchst

bedeutenden Grade vorhanden sind, treten sie bei vielen anderen, die

mit ihr unter nahezu gleichen Bedingungen leben, eigentlich völlig

zurück. Eine Erklärung dieser Thatsachen ist bis jetzt nicht gut zu

erwarten gewesen. Vielleicht lüftet eine fortgesetzte Beobachtung den

über dieser ganzen Frage der geschlechtlichen Formverschiedenheiten

noch ruhenden Schleier. Jedenfalls ist bei _Arrenurus_ diese

Verschiedenheit der Geschlechter am weitesten fortgeschritten und hat

ausser den Füssen, wo sie auch bei anderen Gattungen beobachtet wird,

noch den Rumpf ergriffen, indem ausser ansehnlichen kegelförmigen

Fortsätzen auf dem Rücken namentlich der Hinterrand des Leibes in

mannigfacher Weise umgestaltet ist. In den Abbildungen Fig. 2 S. 24

haben wir einige Formen solcher Schwanzanhänge zur Anschauung gebracht.

Es lassen sich dabei offenbar ganz bestimmte typische Gestalten, die

alsdann in freier Weise variieren, unterscheiden.

[Illustration: Fig. 2.

a _Arrenurus calcarator_.]

[Illustration: b _Arrenurus caudatus_.]

[Illustration: c _Arrenurus albator_.]

So unterscheiden wir eine langgestreckte Schwanzform, wie sie unter

Fig. 2 _b_ von _Arrenurus caudatus_ abgebildet ist, von einer

fischschwanzähnlichen, bei welcher die hinteren Seitenecken in zwei

ansehnliche Zipfel ausgezogen sind, zwischen denen in einer mittleren

Abteilung oft sonderbar gestaltete Fortsätze und Blättchen auffallen.

Ein Beispiel hierfür ist Fig. 2 _c_, _Arrenurus albator_. Eine

dritte Form bietet im ganzen an sich unbedeutendere Anhänge, welche

keine leicht bestimmbare Gestalt besitzen und daher der Beschreibung

Schwierigkeiten entgegenstellen. Einen solchen Anhang zeigt Fig. 2 _a_

von _Arrenurus calcarator_.

Diese Anhänge wie überhaupt die besonderen geschlechtlichen

Eigentümlichkeiten der Gestalt treten erst nach der letzten Häutung des

Tieres hervor und sind auch dann nicht gleich voll entwickelt, sondern

scheinen erst nach und nach ihre endgültige Form anzunehmen. Ausser

durch ihren Schwanzanhang sind die Männchen von _Arrenurus_ noch durch

eine den Weibchen abgehende Bewaffnung des vierten Fusses jeder Seite

ausgezeichnet. Beiden Geschlechtern gemeinsam ist jedoch die bereits

oben berührte starke Ausstattung der hinteren Füsse mit Schwimmborsten,

welche es ihnen ermöglicht, mit ausserordentlich kräftigen Bewegungen

das Wasser zu durcheilen. Ihre Nahrung besteht vornehmlich aus den

kleinsten Bewohnern des süssen Wassers, den Rädertierchen, Daphniden

etc., sie sind leicht in Gefangenschaft zu halten, selbst in sehr

kleinen Aquarien. Drollig nehmen sich beim Schwimmen die Arten mit

einem langen Schwanzanhang aus, indem die verhältnismässig schwachen

Füsse es nicht verhindern können, dass der langgestreckte Hinterleib

gleich einem Pendel fortwährend hin und her schwankt, was dem Schwimmen

einen ungeschickten Anschein verleiht.

Die Grösse der bei uns vorkommenden Arrenurus-Arten ist

ausserordentlich verschieden und schwankt zwischen 2 und ½ _mm_.

Neben dieser sehr artenreichen Gattung _Arrenurus_ sind noch einige

weniger in die Augen fallende harthäutige Hydrachniden erwähnenswert,

so die kleinen bunten Vertreter der Gattung _Axona_[VII]. Sie sind zwar

mit unbewaffnetem Auge kaum wahrzunehmen, zeichnen sich aber einesteils

durch ihre lebhafte Färbung, anderseits aber auch durch die ganz

besonders merkwürdige Gestalt, welche dem vierten Fusse des Männchens

eigentümlich ist, aus. Offenbar ist dieses anhangsreiche Glied dem

Männchen gegeben, um das Weibchen festhalten zu können, doch mag es

auch ein blosser Schmuck sein, der die Weibchen fesselt und anzieht,

wenn man auch zweifelhaft sein könnte, ob diese winzigen Tiere ein so

hohes geistiges Leben entfalten, dass man von Freude am Schmuck bei

ihnen reden kann. Dass jedoch die Milben an und für sich auch tieferen

Gefühlsbewegungen nicht unzugänglich sind, tritt sehr deutlich bei

einer kleinen Landmilbe (_Cheyletus_) hervor, welche ihre in Häufchen

zusammengelegten Eier nicht nur bis zum Ausschlüpfen der Jungen nicht

verlässt, sondern dieselben auch gegen Angriffe tapfer verteidigt.

Wenn dies auch das einzige mir bis jetzt bekannte Beispiel eines

höheren geistigen Lebens bei unserer Tierfamilie ist, so ist es gerade

hinreichend, um überhaupt ein solches bei derselben zu beweisen.

[VII] Siehe Anhang.

Es bleibt nun noch als letzte Gruppe diejenige zu erwähnen übrig,

welche ich im Gegensatze zu den soeben erwähnten Hartschwimmern als die

Weichschwimmer bezeichnet hatte.

Gemeinsames Kennzeichen ist bei den erwachsenen Tieren dieser Gruppe

eine weiche Körperhaut. Die zahlreichen Gattungen derselben bieten

sonst allerdings sehr mannigfaltige Verschiedenheiten, doch dürfte es

selbst dem geübteren Beobachter ziemliche Schwierigkeiten bereiten,

diese Unterschiede zu bemerken.

Als Repräsentant dieser Gruppe muss wiederum jene oben ausführlicher

erwähnte und auch abgebildete _Piona_ dienen, und es mag genügen,

hier auf sie zu verweisen. Nur einen Punkt möchte ich auch bei

dieser Gruppe besonders hervorheben, nämlich noch einmal die

Gestaltverschiedenheiten, welche man zwischen Männchen und Weibchen

derselben Art beobachtet. Hier sind es besonders und vor allem

die Füsse, welche bei beiden Geschlechtern in auffallender Weise

verschieden gestaltet sind, indem die Männchen mancherlei besondere

Anhänge und Umformungen einzelner Fussglieder aufzuweisen haben.

Wie bei zahlreichen Männchen von Insekten sind nämlich die Füsse hier

in Fangorgane umgestaltet, um die flüchtigen Weibchen festzuhalten.

Allerdings findet dies auch nicht bei allen hierhergehörigen Gattungen

statt, auch ist für zahlreiche Arten überhaupt das Männchen noch

nicht beobachtet, wo es aber bekannt geworden ist, da dient zugleich

auch die besondere Gestalt der Füsse zu einer verhältnismässig

leichten Unterscheidung der oft zahlreichen Arten. So muss es als

feststehend gelten, dass die in unseren Gewässern neben der Gattung

_Arrenurus_ am häufigsten vorkommende Gattung _Nesaea_ bei allen ihren

zahlreichen Arten im männlichen Geschlecht ein umgeformtes drittes

und viertes Fusspaar besitzt. Jeder Fuss des dritten Paares hat ein

keulenförmig gestaltetes Endglied, an welchem auch die Kralle eine

von der gewöhnlichen abweichende Gestalt besitzt, wie sie Fig. 3 _g_

von _Nesaea fuscata_ zeigt. Weiter ist, was auch schon bei geringer

Vergrösserung bemerkt werden kann, das drittletzte Glied an den

Füssen des vierten Fusspaares hufeisenförmig eingebogen und trägt

an den Rändern der Einbuchtung einen Kranz starrer und auffallender

Haarborsten (Fig. 3 _h_).

Einer andersgearteten Umgestaltung des vierten Fusses begegnet man bei

den Piona-Männchen. Es würde jedoch zu weit führen, wenn hier noch mehr

in Einzelheiten eingegangen würde.

Jedoch noch einer besonderen Erscheinung, welche bei Männchen und

Weibchen einer kleinen Gruppe von Gattungen beobachtet wird, kann ich

nicht unterlassen Erwähnung zu thun, weil sie zeigt, wie sonderbar oft

die Richtung zu sein scheint, in welcher die Umformung der Gestalt

fortschreitet. Hier handelt es sich auch um eine Eigentümlichkeit

der Füsse. Es ist Regel, dass die Hydrachniden an sämtlichen acht

Füssen deutliche und wohl ausgebildete Krallen tragen. Die Abbildung

Fig. 3 _d_ zeigt eine solche von _Nesaea fuscata_. Jene kleine

Gruppe von Milben, zu denen unter anderen die in unseren Gewässern

häufig gefundene Gattung _Limnesia_[VIII] gehört, hat nun diese Krallen

an den beiden vierten Füssen durchaus eingebüsst. Hier endigt das

letzte Fussglied mit einer stumpfen kegelförmigen Spitze. Allerdings

beobachtet man leicht, dass bei zahlreichen Wassermilben die Krallen

an den vierten Füssen ungleich kleiner sind als namentlich am zweiten

und dritten Fusspaar aber sie sind stets gut ausgebildet und zeigen

auch die für die Gattung charakteristische Form. Wie lässt es sich hier

nun erklären, dass sie bei _Limnesia_ völlig fehlen. Nur als Vermutung

könnte angeführt werden, dass _Limnesia_ das vierte Fusspaar niemals

zum Festklammern des Körpers benutzt, sondern stets in schwingende

Bewegung setzt, sobald sie vom Schwimmen ausruht, vielleicht um das

Wasser um den Leib in Zirkulation zu bringen.

[VIII] Siehe Anhang.]

Im Anschluss an die soeben, wenn auch nur in flüchtigen Umrissen

gegebene Übersicht der Hauptformen unserer Süsswassermilben möge ein

kurzes Wort über ihren Aufenthalt, ihre Verbreitung und allgemeine

Lebensweise folgen. Zwar sind auch über diesen Punkt die Beobachtungen

nur wenig umfassend, aber so weit sie ein Urteil zulassen, darf

man wohl sagen, dass die Hydrachniden stehende klare Gewässer den

fliessenden vorzuziehen scheinen. Auch trifft man in grösseren

Wasserbecken, deren Ufer durch die offenbar von Wind und Wellenschlag

herrührenden zerstörenden Einflüsse des Wassers mit absterbenden

Pflanzenresten bedeckt, auch häufig mit moderndem Schlamm überzogen

sind, viel seltener Milben an, als in den kleinen mit dichtem

Wasserpflanzengebüsch durchsetzten Weihern und Teichen. Hier, wo die

kleinen Kruster, wie Daphniden und Cyclopiden, ihr Wesen treiben, wo

die Mücken und zarten Netzflügler ihre Eier massenhaft ablegen, wo

zahllose Infusorien an den Wasserpflanzen auf- und niederfahren, da

finden unsere zumeist vom Raube lebenden Hydrachniden ein geeignetes

Jagdgebiet, welches sie in allen Stadien ihrer Entwickelung in meist

rastloser Eile durchlaufen, den Beobachter in Erstaunen setzend über

die Ausdauer und Kraft ihrer Muskeln, welche, am Tage und oft auch

des Nachts angestrengt, dennoch nicht ermüden und in gleichmässiger

Schnelligkeit den Körper von Ort zu Ort führen. Doch ist es nicht nur

die Reichhaltigkeit der Nahrung, es ist auch die bald höher steigende

Temperatur solcher stehenden Gewässer, welche offenbar unseren Milben

sehr angenehm ist. Beobachtet man doch, dass, wenn im Hochsommer die

kleinen Wasserbecken bis auf zwanzig und mehr Grad erwärmt werden,

die Scharen, namentlich der Arrenurus-Arten, ganz ausserordentlich

anwachsen. Wie die Ameisen im Sonnenbrand nur um so rastloser ihren

Zwecken und Pflichten nachgehen und für den Beschauer ein Schwindel

erregendes Gewimmel hervorbringen, so jagen sich die roten, grünen und

bunten Hartschwimmerarten durch die untergetauchten Wasserpflanzen

und fallen massenhaft dem Sammler ins Netz. Übereinstimmend hiermit

ist die von einem Beobachter gemachte Bemerkung, dass die höher im

Gebirge gelegenen Teiche gewöhnlich arm an Wassermilben sind, weil

die Temperatur derselben selbst im Sommer eine verhältnismässig

niedrige ist. Dass die Milben allerdings auch in kaltem Wasser gut

zu leben vermögen, beweist der Umstand, dass man schon sehr früh

im Jahre, wenn das Eis noch auf dem Wasser steht, reichliche Beute

findet und zwar nicht bloss erwachsene Tiere, sondern solche auf allen

Entwickelungsstadien. Daher ist es wohl möglich, dass die niedrigere

Temperatur der Gebirgsteiche die den meisten Milben zur Nahrung

dienenden Kruster, sowie andere zartere Geschöpfe, die von ihnen

verfolgt werden, nicht recht zur Entwickelung kommen lässt, so dass

das Fehlen zahlreicher Milben erst hieraus zu erklären wäre. Diese

letztere Ansicht wird vielleicht durch eine Beobachtung unterstützt,

welche aus südlicheren Gegenden stammt, wo überhaupt wohl auch in

kühlerem Wasser reicheres Leben zu finden ist, so dass auch Milben

darin nicht zu darben brauchen. So hat der französische Naturforscher

+Th. Barrois+ während einer der Erforschung der Azoren gewidmeten

Reise eine Hydrachnide beobachtet, über deren Lebensgewohnheiten er

sich folgendermassen auslässt: „Ich fand diese Art stets in rasch

fliessendem, wenig tiefem Wasser der Quell- und Sturzbäche, welche von

den Bergen herabkommen, um entweder in einen See, was indessen nicht

oft vorkommt, oder sogleich ins Meer sich zu ergiessen, und deren Bett

zahlreiche Kieselsteine enthält. Obgleich die Tiere sehr gute Schwimmer

sind, so habe ich sie niemals mit dem Netz gefangen; sie leben vielmehr

auf der Unterseite der Steine, wo sie in Gruppen von fünf, sechs,

zehn und noch mehr zusammen sich in die Löcher der basaltigen Laven

festsetzen, um nicht von dem Strome mit fortgerissen zu werden. Die

Temperatur dieser Bäche und Flüsschen ist sehr niedrig und steigt auch

im August und September höchstens auf 15½°. Die Verbreitung dieser Art

in vertikaler Richtung bietet grosse Unterschiede. Ich habe sie fast

unmittelbar am Meer gesammelt und auch in einer Höhe von 800 Metern“.

Hierbei wird noch eines besonders merkwürdigen Umstandes wie folgt

gedacht: „Obwohl die beobachtete Milbe in grosser Menge in gewissen

Giessbächen lebt, welche sich in Seen ergiessen, so findet sie sich in

diesen Seen selbst niemals. Zur Erklärung dieses gewiss auffallenden

Vorkommnisses lässt sich Folgendes etwa anführen: Unsere Hydrachnide

liebt sehr flache, sprudelnde, reine Gewässer. Man trifft sie niemals

in Lachen. Nun sind die Seen ruhig und führen weniger klares und

reines Wasser als die Bäche, denn die darin befindlichen Steine sind

meist mit einer mehr oder weniger dicken Schicht von Schlamm bedeckt,

welchen man sehr selten an den von den Milben besetzten Lavaschlacken

der Bäche findet. Vor allem muss man aber in dem Temperaturunterschied

der Seen und Bäche den Grund für die Abwesenheit der Milben in den

ersteren suchen. Denn in dem See steigt die Wassertemperatur wohl um

9° höher als in dem Zufluss. Der schroffe Wechsel der Temperatur wird

denjenigen Milben, welche von dem Bache mit in den See hinabgerissen

werden, verderblich, denn sie sind überhaupt sehr empfindlicher Natur.

Es ist mir mehrere Male bei meinen Ausflügen vorgekommen, dass ich

versucht habe, sie lebend heimzubringen, aber fast regelmässig fand

ich sie trotz aller Vorsicht tot vor“. So empfindlich wie die soeben

angeführte Bewohnerin der Azoren sind nun freilich die meisten unserer

Hydrachniden nicht. Zumal gegen erwärmtes Wasser zeigen, wie schon

erwähnt, die meisten der unsere Kleingewässer, namentlich die Teiche

und Weiher, bewohnenden Milben eine starke Widerstandsfähigkeit.

Jedoch wird es noch immer ausgedehnter Beobachtungen bedürfen, um die

Einflüsse der Temperatur auf das Leben unserer Wassertiere genauer

kennen zu lernen.

Mit den Azoren ist wohl die von Europa fernste Station, auf welcher

Süsswassermilben beobachtet worden sind, genannt worden. Steht es

überhaupt mit der Kenntnis der Acariden in den aussereuropäischen

Ländern ziemlich schlecht, so sind die Gebiete, in denen man sich nach

den im süssen Wasser lebenden Milben umgesehen hat, im wesentlichen

in Europa zu suchen und auch da sind noch die meisten Strecken

unerforscht. Es folgt fast naturgemäss aus diesem Umstande, dass

das Wissen über diese Tiergruppe ein in jeder Beziehung durchaus

lückenhaftes sein muss. Allerdings scheinen ja, und das gilt auch

von sehr zahlreichen Landmilben, die einzelnen Gattungen und Arten

sehr grosse Verbreitungsgebiete zu besitzen, aber dennoch ist noch

überall das Fehlen gewisser an anderen Orten vorkommender Formen ausser

Zweifel, und es trifft auch hier die Wahrnehmung zu, dass der Süden an

Formen reicher ist, als der Norden.

Halten wir eine Überschau ab über die Gegenden, welche überhaupt

nach Süsswassermilben durchsucht sind, so sind zu nennen zahlreiche

schwedische Gewässer (durchforscht von +C. J. Neuman+), ein Teil

der norditalienischen (d. v. +J. Canestrini+ und +A. Berlese+), die

Schweizer Seen (d. v. +G. Forel+ und +G. v. Haller+), die nordöstlichen

Gebiete Frankreichs (d. v. +J. Barrois+) und manche Gebiete

Deutschlands (d. v. +C. L. Koch+, +Koenike+, +Kramer+).

Wie es aber bei einer erst beginnenden Erforschung einer Tierklasse

fast natürlich ist, haben sich die meisten Beobachtungen zunächst

auf die äussere Erscheinung der Hydrachniden gerichtet, die

Lebensbeziehungen dagegen sind zum grösseren Teil noch übersehen

worden. Dennoch lässt sich Einiges auch bereits jetzt hierüber sagen.

Zunächst hat sich wohl als unzweifelhaft ergeben, wie auch schon

weiter oben betont worden ist, dass die Hydrachniden auf Grund ihrer

Entwickelungsgeschichte in zwei Gruppen gesondert werden können, welche

sich durch die Lebensweise ihrer sechsfüssigen ersten Larven ergeben.

Die eine Gruppe besitzt Larven, welche Gestalt und Lebensweise der

Trombidiumlarve zeigen, die anderen nicht. Man kann es nämlich wohl

als Regel aufstellen, vorbehaltlich freilich einer erst in Zukunft zu

gewinnenden ganz allgemeinen Bestätigung, dass die trombidiumartigen

Milben während ihrer ersten Jugend vom Blute anderer Tiere, namentlich

der Insekten, leben und sich daher an solche ansaugen. Erst nachdem

sie die erste Häutung überstanden haben, führen sie nicht mehr ein

parasitisches, sondern ein freies Leben. Solche Lebensweise führen nun

die Jungen von _Hydrachna_, _Eylaïs_ und _Limnochares_ und, soweit

ich sehe, auch von _Hydrodroma_, einer schön scharlachroten, ziemlich

ansehnlichen Wassermilbe. Die Beobachtungen sind bei den soeben namhaft

gemachten Acariden noch keineswegs in gleichem Masse vollständig, ganz

abgeschlossen dürften sie vielmehr nur bei der Gattung _Hydrachna_

sein, jedoch unterliegt es keinem Zweifel mehr, dass bei allen die

Übereinstimmung in der Hauptsache der Entwickelung, der parasitischen

Lebensweise, eine sehr weitgehende ist.

Die Jungen von _Hydrachna_ bleiben von dem Augenblick des Ausschlüpfens

aus dem Ei im Wasser, dagegen steigen die der drei anderen Gattungen

möglichst bald an die Oberfläche und machen ausgiebigen Gebrauch

von ihren Rennbeinen, indem sie mit einer fast staunenswerten

Geschwindigkeit auf dem Wasser und den Pflanzen des Ufers auf und ab

eilen, um Insekten zu suchen, welche sie besteigen können. Die Larven

von _Limnochares_ nehmen z. B. die ebenfalls auf der Wasseroberfläche

lebenden Schreitwanzen zu erwünschten Nährtieren und bohren sich in

die weichen Chitinskelettpartien ein. Bei den Larven von _Hydrodroma_

bot sich noch ein anderes Schauspiel, als ich Gelegenheit hatte, einen

auskriechenden Schwarm von jungen Tieren zu verfolgen. Nachdem sie an

die Oberfläche des Wassers emporgekommen waren und ich die Tierchen

sammeln wollte, um sie an Blattläusen sich festsaugen zu lassen, musste

ich zu meinem Erstaunen bemerken, dass sie die Fähigkeit besassen in

mächtigen Sprüngen fortzuhüpfen. In kurzer Zeit war daher der ganze

Schwarm zerstreut und den Blicken völlig entschwunden.

Die sechsfüssigen Larven der übrigen Hydrachniden leben, im Gegensatze

zu den eben namhaft gemachten, frei schwimmend im Wasser und nähren

sich vom Raube. Sie besitzen daher eine dieser Lebensweise angepasste

Gestalt, welche zwar ebenfalls von der künftigen des erwachsenen Tieres

abweicht, aber namentlich in der Bildung der Füsse ganz verschieden

ist von den Larven obiger Arten. Eine bemerkenswerte Ausnahme von

dieser Lebensweise beobachten wir nur bei einigen Arten der Gattung

_Atax_[IX]. Von den bisher bekannten sieben oder acht Arten dieser

Gattung führen etwa drei oder vier ein vollständig freies Leben,

während die anderen Arten sich einer ausschliesslich parasitischen

Lebensweise ergeben haben. Diese Arten hausen von Generation zu

Generation zwischen den Weichteilen der Teich- und der Malermuschel und

verlassen ihr Wohntier wahrscheinlich nur während ihrer Larvenzeit,

um ein neues aufzusuchen. Dabei sei gleich erwähnt, dass durch das

parasitische Leben sich eine bestimmte Veränderung ihres Organismus

eingestellt hat, wenigstens möchte ich dieselbe damit in ursächlichen

Zusammenhang bringen. Während nämlich die frei lebenden Hydrachniden

sämtlich, soweit die Beobachtungen reichen, ein wohl ausgebildetes

Atmungssystem haben, fehlt den parasitischen Atax-Arten jede Spur von

Tracheen und der mit den Luftlöchern in Verbindung stehende Hauptstamm

ist auf ein ausserordentlich geringfügiges Stückchen zurückgebildet,

so dass man fast von einem vollständigen Fehlen desselben reden

kann. Ob es nun der Aufenthalt in einer so schleimigen und luftarmen

Flüssigkeit, wie sie die Muscheln erfüllt, mit sich gebracht hat, dass

das Atmungsorgan ausser Thätigkeit gesetzt wurde und daher verkümmerte,

darüber eine bestimmte Ansicht auszusprechen scheint noch nicht der

rechte Zeitpunkt gekommen zu sein.

[IX] Siehe Anhang.

Wenn uns die parasitischen Atax-Arten schon darauf führten, von

der Auswanderung von einem Wohntier auf ein anderes zu reden,

so dürfte es an der Zeit sein, überhaupt die Verbreitung der

Süsswassermilben aus ihren doch meist eng begrenzten heimatlichen

Wasserbecken in andere etwas näher zu betrachten. Ich komme dabei

auf die Beobachtungen des Dr. +Th. Barrois+, die er auf den Azoren

gemacht hat, noch einmal zurück. Er traf dort zwei Gattungen an und

unter diesen eine, welche ja allerdings allgemein verbreitet ist,

deren Arten aber nicht gerade zu den allergewöhnlichsten gehören.

Er fand stets sehr zahlreiche Exemplare der diesen beiden Gattungen

angehörigen Milben in den dortigen Bächen an. Dies hatte wohl seinen

Grund darin, dass die Gewässer der vulkanischen Azoren in der ersten

Periode des Bestehens dieser aus dem Ozean aufgetauchten Inseln wohl

noch völlig unbevölkert gewesen sind. Erst nach und nach werden

dorthin verschlagene Süsswasserbewohner von dem neuen Gebiet Besitz

genommen und frei von aller Konkurrenz sich rasch vermehrt haben.

Wie lässt es sich wohl erklären, dass sich auch die immerhin zarten

Wassermilben dabei beteiligten? Unter allen Umständen wird die

Verbreitung derselben dorthin auf mechanische Ursachen zurückzuführen

sein. Durch irgend einen Besucher oder Bewohner eines schon von ihnen

besetzten Süsswasserbeckens muss ihre Überführung in ein von ihnen

noch nicht bewohntes vermittelt worden sein, sobald der natürliche

Lauf der Gewässer auch bei Überschwemmungen die neue Heimat mit der

alten nicht in Verbindung zu setzen vermochte. Als Dr. +Barrois+,

um über die Verpflanzung seiner Sperchon-Arten nach den Azoren ins

Klare zu kommen, die dortigen Gewässer aufmerksam durchforschte,

fand er ausser den Milben vor allen Dingen zahlreiche Wasserwanzen

von der Gattung _Corixa_ vor. Die Wasserwanzen können, wie sämtliche

entwickelte Wasserinsekten, lange Stunden ausserhalb des Wassers

leben, denn sie sind ja eigentlich Lufttiere und gehen nur um ihrer

Nahrung willen ins Wasser. Sie machen auch grosse Flüge, namentlich

bei Nacht, um aus einem Becken in ein anderes zu gelangen, wobei sie

wahrscheinlich einem scharfen und sicheren Geruch folgen. Solche

fliegende Wasserinsekten werden unter Umständen ganz ebenso, wie

Schmetterlinge und Heuschrecken, vom Winde erfasst und aufs Meer

hinausgetrieben, wobei sie wohl meist zu Grunde gehen, gelegentlich

aber auch einsam daliegende Inseln erreichen, deren Gewässer sie dann,

wenn es gerade mit befruchteten Eiern beladene Weibchen waren, nun

mit ihrer Nachkommenschaft bevölkern können, vorausgesetzt, dass die

Lebensbedingungen sonst ihrem Körper entsprechen. Auf diese Art und

Weise werden die Wasserwanzen wahrscheinlich nach den Azoren gekommen

sein.

Nun haben schon häufig Beobachter bemerkt, dass die zur Larvenruhe

gelangten noch unentwickelten Milben sich an solche Wasserwanzen, wie

eben beschrieben, anheften, um daselbst ihre Verwandlung unter dem

Schutze der alten Larvenhaut durchzumachen. So kann es leicht gekommen

sein, dass eine Wasserwanze, welche solche Larven von Wassermilben

an sich trug, vom Winde nach den Azoren verschlagen wurde. Wenn

dann die angeheftete Wassermilbenlarve während der gewiss längeren

Reise nicht ganz austrocknete, so wird sie, nachdem ihr Träger eine

neue Heimat in irgend einem Gewässer der Azoren gefunden hatte,

dort nach einiger Zeit ausschlüpfen und, wenn Männchen und Weibchen

gleichzeitig hinübergetragen worden sind, ihre Art in den Flüsschen

der Azoren weiter fortpflanzen müssen. Nun hat Dr. +Barrois+ bemerkt,

dass die in Larvenruhe verfallenen Larven des ersten Stadiums gegen

Austrocknung mehr Widerstand entgegensetzen, als es der sonst sehr

zarte Körper der Hydrachniden vermag, und dass daher obige Art und

Weise die wahrscheinlichste sei, wenn man sich die Verbreitung der

Süsswassermilben über das Meer hinüber erklären will. Gewiss ist

dies wohl eine Möglichkeit, aber doch keineswegs eine so einzig

gültige, dass man annehmen müsste, die ersten Larven der Wassermilben

hätten überhaupt die Gewohnheit angenommen, sich namentlich an

Süsswasserinsekten festzusetzen, um dort ihre Larvenruhe abzumachen,

und diese Gewohnheit bringe es nun mit sich, dass die während der

Larvenruhe gegen das Austrocknen besser gewappneten Tiere von den

ausfliegenden Wasserinsekten auch dorthin transportiert würden,

wohin sie auf gewöhnlichem und ihrer Organisation entsprechendem

Wege nicht gelangen könnten. Es sind die Möglichkeiten, eine weit

entfernte Station zu erreichen, so mannigfaltige, dass es unserem

Ermessen nach noch nicht thunlich ist, zu betonen, dass es die auf

den Azoren gefundene _Corixa_ ist, welche zu der Zeit, wo sie selbst

durch Zufall die Azoren erreichte, auch die Sperchon-Art mit nach

dem neuen Aufenthaltsorte hinüberbrachte. Es ist ja gewiss, dass

im Verlauf der Jahrtausende, welche seit dem Auftauchen der Azoren

aus dem Meere verstrichen sind, oftmals eine _Corixa atomaria_ von

Portugal hinübergeführt sein kann und dass immer einmal wieder ein

_Sperchon glandulosus_ an ihr angeheftet gewesen sei. Wenn man diesen

Umstand aber immer wieder durchdenkt, so wird man immermehr zu der

Überzeugung sich hinneigen, dass diese Möglichkeit ja allerdings

wohl vorliegt, dass aber ebensosehr auch Wasservögel, welche, wie

+Barrois+ in einer Anmerkung selbst hervorhebt, an ihren Füssen und

Schnäbeln so häufig Reste von Pflanzen aus süssem Wasser mit sich

führen, die Vermittler sein können, ja, dass es nicht bloss Larven zu

sein brauchen, welche in die neue Heimat hinübergeführt worden sind,

Larven, die der Gefahr der Unfruchtbarkeit ausgesetzt sind, sondern in

den feucht bleibenden vegetabilischen Resten im Schnabel und an den

Zehen können die erwachsenen Tiere ebensogut der neuen Heimat zugeführt

werden. Zudem sind auch nicht alle Beobachter darin übereinstimmend,

dass die Wassermilben, wenn sie ihrem feuchten Elemente entnommen

sind, dem Eintrocknen so leicht erliegen. +Claparède+, der bedeutende

Genfer Naturforscher, hat vielmehr an der die Teichmuschel parasitisch

bewohnenden Atax-Art gefunden, dass sowohl Muttertiere als Eier

sehr lebenskräftig sind. In den Muscheln, die wochenlang ausserhalb

des Wassers in der Dürre gelegen und halb ausgetrocknet dem Tode

entgegengehen, fand er die Milben zwar durch Verdunstung erstarrt,

jedoch beim ersten Wasserzusatz sehr schnell wieder lebendig und die

Eier entwickelungsfähig werden.

Es ist also nicht ausgeschlossen, dass die Besiedelung der mitten

im Meere gelegenen Inseln mit Süsswassermilben unmittelbar durch

Überführung fortpflanzungsfähiger Individuen geschehen sei und

noch geschieht. Es wird sogar die Verbreitung der das süsse Wasser

bewohnenden Milben im allgemeinen überhaupt so gedacht werden müssen,

dass erwachsene Weibchen, nicht unbefruchtete und unfruchtbare Larven,

auf mechanischem Wege von Wasserbecken zu Wasserbecken getragen werden

und so ihre Art in Gebieten, wo dieselbe noch nicht vertreten war,

heimisch machen.

Es bleibt uns nun endlich noch ein wichtiger Gegenstand zur Besprechung

übrig, nämlich die Entwickelung des Einzeltieres vom Ei bis zum

erwachsenen Zustand.

Für jedes Lebewesen ist es eine der wichtigsten Aufgaben, seine

Art durch Nachkommen zu erhalten. Daher ist für den aufmerksamen

Naturfreund die Fortpflanzung und Entwickelung des Einzeltieres ein

Gegenstand des grössten Interesses.

Bei den Milben ist nun gerade die Entwickelungsgeschichte noch sehr des

weiteren Studiums benötigt, jedoch ist namentlich für die Hydrachniden

das Beobachtungsmaterial nicht ganz unerheblich, so dass es gelingen

wird, ein Bild des Entwickelungsganges einer Wassermilbe in grossen

Zügen zu entwerfen.

Ich wähle zwei Beispiele, nämlich die Entwickelung der in unseren

heimischen Gewässern häufigsten kleinen rotbraunen Wassermilbe, _Nesaea

fuscata_ Koch, welche für die Mehrzahl aller anderen als Muster dienen

kann; daran mag sich die schon seit langer Zeit bekannte Entwickelung

der kugeligen Wassermilbe, _Hydrachna globosa_ Dugès, anschliessen.

Die Eierchen der rotbraunen Wassermilbe werden in Häufchen bis zu

dreissig und mehr an Wasserpflanzen oder an Steinen des Wassergrundes

gelegt. Es trifft sich wohl, dass man ein Weibchen bei seinem Geschäft

der Eiablage genauer beobachten kann. Es legt die Eier in lockeren

Haufen, dabei meist rückwärts schreitend und sie in schneller Folge

aus dem Körper hervorstossend. Die roten Eierchen sind dabei von einer

sehr dünnen weisslichen Schicht umgeben. Dieses ist die klebrige

Kittsubstanz, welche jedem Ei mitgegeben wird. Schnell quillt dieselbe

im Wasser auf, und während die letzten Eier gelegt werden, hat sich

bei den ersten bereits ein breiter weisser Hof um dieselben gebildet.

Nach Verlauf einiger Stunden sind die Zwischenräume zwischen den Eiern

völlig von der Kittsubstanz ausgefüllt, die Eierchen ruhen jetzt, zu

einem einzigen Häufchen verschmolzen, unter einer im Wasser vollends

erhärtenden Hüllschicht.

Nach gemessener Zeit hat sich aus dem ursprünglichen Eiinhalt der

sogenannte Embryo gebildet, zu gleicher Zeit ist aber auch noch eine

zweite, innere Eihaut entstanden, welche sich nach und nach bedeutend

ausdehnt und sich, weil sie innerhalb der harten äusseren Eischale

keinen genügenden Raum findet, bald in viele Falten legt. Jetzt platzt

die harte äussere Eihaut, die zweite dehnt sich durch Aufsaugen von

Wasser sehr rasch aus und glättet sich vollkommen. So geschieht

es, dass der Beobachter ein neues, sehr viel grösseres Ei aus dem

ursprünglich gelegten hervorgehen sieht. Die Gestalt desselben ist in

Fig. 3 _f_ dargestellt. Ein solcher Vorgang, dass aus einem Ei nicht

ein entwickeltes Tier mit freibeweglichen Gliedmassen hervortritt,

sondern ein zweites Ei, ist bisher bei den Milben nicht selten

beobachtet worden, jedoch scheint er nur bei den Acariden verbreitet zu

sein und zwar bei den trombidiumartigen Milben ganz besonders. So habe

ich ihn bei den oben bereits einmal erwähnten _Cheyletus_ vorgefunden.

Hier entwickelt das Ei eine innere Eihaut, welche an einer bestimmten

Stelle einen scharfen Stechapparat besitzt, der zur bestimmten Zeit die

alte Eihaut durchsticht, um dem sogenannten zweiten Ei den Austritt zu

gestatten. Bei _Nesaea_ fallen die alten Eischalen einfach ab, indem

sie durch die aufschwellende noch in der zweiten Haut befindliche junge

Milbe gesprengt werden.

Ist nun die Larve innerhalb dieser zweiten Eihaut entsprechend

entwickelt, so sprengt sie dieselbe, was etwa nach vierzehn Tagen

geschieht. Für die ausgeschlüpften Larven ist es aber keine leichte

Arbeit, ganz frei zu werden, denn noch trennt die erhärtete

Oberflächenschicht der Kittsubstanz die Tierchen von ihrem Element.

Durch die unruhige Bewegung zahlreicher Füsse wird die innere Masse

der Hüllsubstanz bald zerbröckelt, so dass die immer zahlreicher

ausschlüpfenden Larven durch einander kriechen und drängen; aber noch

ist ein Ausweg nicht gefunden.

[Illustration: Fig. 3.

_a_ Erste Larve von _Nesaea fuscata_, von der Bauchfläche aus

betrachtet -- _b_ Mundschnabel derselben, von der Seite, mit Taster (α)

und Kiefer (β) -- _c_ Fusskralle derselben Larve -- _d_ Fusskralle der

erwachsenen _Nesaea_ -- _e_ Zweite Larve von _Nesaea fuscata_ -- _f_

Aus der gesprengten ersten Eischale tritt das zweite eiförmige Stadium

hervor. Der Embryo mit deutlichem Rücken- und Bauchschild ist von dem

Apoderma umhüllt -- _g_ Endglied des dritten Fusses vom erwachsenen

Männchen der _Nesaea fuscata_ -- _h_ Vierter Fuss desselben Männchens

-- _i_ Weibliche Geschlechtsöffnung von _Nesaea fuscata_ mit den

Haftnäpfen -- _k_ Männliche Geschlechtsöffnung von _Nesaea fuscata_ mit

den Haftnäpfen.]

Endlich hat eine auch glücklich die äussere Hüllschicht an einer

besonders nachgiebigen Stelle durchbrochen und enteilt in die freie

Flut. Dies glückt zuletzt allen, aber es geht manche Stunde darüber

hin, bis die letzte Milbe dem Gefängnis entronnen ist. Und vielleicht

würde es noch länger dauern, ja mancher gar nicht gelingen, wenn nicht

die Taster unserer jungen Milben auf dieser ersten Entwickelungsstufe

eine von der späteren Gestalt sehr abweichende und für die Sprengung

eines entgegenstehenden Hindernisses sehr geeignete Form und Bewaffnung

hätten (Fig. 3 _b_). Sie sind sehr dick und nehmen eine starke

Muskulatur auf, so dass sie sehr kräftige Bewegungen zulassen. Am

vorderen Ende des letzten der sehr gedrungenen Glieder bemerkt man

eine grosse, stark gekrümmte Hakenkralle, die wie eine Hippe in die

Hüllmasse der Eier einsetzen und dieselbe aufreissen kann. Auf späteren

Entwickelungsstufen werden die Taster schlank und jene Krallen sind

ganz verschwunden. Das Tierchen bedarf ihrer später nicht mehr. Nicht

unerwähnt darf ich hier allerdings lassen, dass es auch Nesaea-Arten

giebt, bei denen die sechsfüssigen Larven die Freiheit nicht mehr

gewinnen, sondern noch unter der Kitthülle ihre nächste Häutung

durchmachen.

Wie es bei den Milben als Regel anzusehen ist -- Ausnahmen sind

ungemein selten --, hat unsere junge Larve (Fig. 3 _a_) nur sechs

Füsse, jederseits drei, mit denen sie das Wasser lebhaft tritt,

um schnell vorwärts zu eilen. Die grossen, als schwarze Pünktchen

hervortretenden Augen bestimmen Richtung und Ziel der kräftigen

Schwimmbewegung.

Wendet man eine hinreichende Vergrösserung an, so bemerkt man bald,

dass diese erste, jüngste Larve auch noch in anderer Hinsicht, nicht

nur mit Rücksicht auf die Taster, gegen die späteren Larvenstufen

recht hervorstechende Verschiedenheiten zeigt, welche schon nach der

nächsten Häutung verschwinden. So ist der ganze Rücken durch eine vorn

breitere, hinten etwas zugespitzte härtere Deckplatte geschützt (Fig.

3 _f_). Eine solche findet sich bei den erwachsenen Tieren zahlreicher

Wassermilbenarten auch nicht mehr andeutungsweise; bei anderen ist ein

geringfügiger Rest übrig geblieben (_Hydrodroma_) und bei einer nur

geringen Anzahl Arten ist die Verhärtung der Rückenhaut eine für alle

Lebensstufen dauernde.

Die Unterseite unserer jungen Larven (Fig. 3 _a_) ist von der der

späteren Larvenstufen und der erwachsenen Tiere zwar auch verschieden,

doch finden sich die auch später beobachteten Verhältnisse im

allgemeinen hier wieder vor. Auffallend ist dagegen, dass die den

Wassermilben so eigentümlichen sogenannten Haftnäpfe hier noch völlig

fehlen. So stellt die erste jüngste Larvenform eine sehr eigenartige

Entwickelungsphase dar und es kommt in der That bei dem Übergang zur

zweiten Larvenform zu einer in jeder Beziehung sehr durchgreifenden

Gestaltveränderung.

Etwa fünf oder sechs Tage, nachdem das Tierchen sich aus der Eihülle

befreit hat, stellen sich die Vorboten dieser Verwandlung ein. Die

Milbe fühlt wohl selbst, dass mit ihr etwas Bedeutsames vorgehen soll

und hängt sich, um die inneren Entwickelungsvorgänge ungestört ablaufen

zu lassen, mit ihren Tastern an irgend einem geschützten Orte fest an.

Die Glieder werden bewegungslos und die innere Körpersubstanz zieht

sich aus ihnen zurück, eine rundliche von der alten Haut umschlossene

eiartige Masse bildend. Ähnliches wiederholt sich später ebenso bei

der zweiten noch eintretenden Häutung und wird auch bei der grossen

Mehrzahl der Land und Wasser bewohnenden Milben beobachtet, wenn es

auch nicht durchaus bei sämtlichen zu einer völligen Zurückziehung des

Körperinhalts aus den Gliedern kommt.

Es gestaltet sich während der jetzt eben in Rede stehenden Larvenruhe

unter der alten Haut eine neue Milbe aus. Man beobachtet deutlich die

neuen Glieder durch die durchsichtige, nun bloss noch einen Schutz

für das zarte neue Geschöpf abgebende bisherige Haut hindurch. Nach

wenigen Tagen ist es soweit, dass das eingeschlossene Tier die Hülle

sprengen kann. Statt einer sechsfüssigen Acaride tritt eine achtfüssige

aus der Larvenhaut hervor (Fig. 3 _e_). Und während vorher die sechs

Füsse ausserordentlich dünn und verhältnismässig kurz waren, fällt

jetzt die Länge der acht neuen Füsse auf. Dieselbe übersteigt um ein

Bedeutendes die Gesamtlänge des Rumpfes und giebt dem ganzen Tier etwas

Schlankes und Zierliches. Das Rückenschild ist bis auf die letzte Spur

verschwunden und auf der Unterseite sieht man ausser den völlig anders

geformten grossen Hüftplatten noch jederseits von der kaum angedeuteten

Geschlechtsöffnung ein schräg gestelltes Plättchen, welches zwei

deutlich ausgebildete kreisrunde Haftnäpfe trägt. Noch ein Blick auf

die Füsse belehrt uns, dass nicht nur reichliche Schwimmborsten die

mittleren Glieder derselben schmücken, zwar noch nicht so zahlreiche

wie beim erwachsenen Tier, aber doch schon genau ebenda aufgestellt wie

bei diesem, sondern dass auch die Krallen eine ganz veränderte Form

bekommen haben. Fig. 3 _c_ zeigt die Kralle der ersten Larve, während

Fig. 3 _d_ diejenige aller späteren Lebensstufen darstellt, besser als

eine Beschreibung es zu geben vermag. Die grösste Veränderung hat aber

der Mundabschnitt erfahren. Der lange Schnabel ist verschwunden und die

Taster sind langgestreckt und schlank, auch fehlt ihnen die scharfe

Kralle, welche den ersten Larven so eigentümlich ist. Einem genaueren

Beobachter entgeht auch nicht, dass die grosse Pore, welche bei

letzterer zwischen den Hüftplatten des ersten und zweiten Fusses stand,

jetzt ganz verschwunden ist. Dies hängt wohl mit der auffallendsten

der inneren Veränderungen zusammen. Jetzt hat nämlich die junge Milbe

zahlreiche Luftröhren bekommen, welche alle von zwei am Grunde der

Kiefer ausmündenden Hauptstämmen ausgehen. Mit dieser Larvenform,

welche in Fig. 3 _e_ abgebildet ist, ist für die Hydrachniden die

letzte Stufe vor der ganz ausgebildeten Form erreicht. Es ist dies

keineswegs Gesetz in dem ganzen Reiche der Acariden, dass zwischen

Ei und erwachsenem Tier nur zwei Larvenstadien eingeschaltet sind.

Vielmehr zeigen zahlreiche Gattungen, namentlich aus den Familien der

Hartmilben und Tyroglyphus-artigen Milben drei und mehr Larvenstadien

zwischen Ei und erwachsenem Tier, so dass es ein interessantes

Gebiet der Forschung ist, entweder die Gründe einer so eingreifenden

Verschiedenheit der Entwickelungsgeschichte innerhalb der Familie der

Acariden darzulegen oder durch richtigere Auffassung der bestehenden

Verhältnisse eine Übereinstimmung der scheinbar verschiedenen

Entwickelungsformen zu erkennen. Bemerkenswert ist es jedenfalls,

dass die Trombidium-Arten eine mit den Hydrachniden im wesentlichen

übereinstimmende Entwickelungsweise zeigen, so dass auch hierdurch

deren nahe Verwandtschaft bestätigt wird. Doch kehren wir noch einmal

zu unserer Larve zurück. Diese war zunächst dadurch ausgezeichnet,

dass die Füsse im Vergleich zum Rumpf ausserordentlich lang, wenn

auch zierlich sind. Dieses Verhältnis ändert sich jedoch bald, indem

die Larve durch sehr reichliche Nahrungsaufnahme schnell und erheblich

wächst, so dass der Rumpf mächtig anschwillt, während die Gliedmassen

unverändert dieselbe Grösse beibehalten und so allmählich immer mehr

gegen den Rumpf zurücktreten.

Bald tritt nun eine neue Pause in der Entwickelung ein. Die Milbe

sucht ein Versteck und versinkt in einen neuen Zustand völliger

Regungslosigkeit, während welcher sich innerhalb der Larvenhaut die

vollständig ausgebildete Milbe entwickelt. Entschlüpft dann der

Larvenhaut das endgültig fertiggestellte Tier, so fällt auch wieder

vor allem der Unterschied in der Längenentwickelung der Füsse auf.

Aber auch in vielen anderen Punkten ist an dem neuen Geschöpfe eine

wesentlich andere Form und Bildung zu bemerken. So sind die Weibchen

nunmehr von den Männchen deutlich zu unterscheiden, während bis

zur letzten Larve ein äusserlicher Unterschied der männlichen und

weiblichen Larven nicht festgestellt werden konnte. Es sind aber

auch abgesehen von diesem Unterschiede in beiden Geschlechtern die

Schwimmborsten an den Gliedern namentlich der hinteren beiden Fusspaare

ausserordentlich viel zahlreicher geworden. Endlich findet man statt

der wenigen Haftnäpfe auf der Unterseite des Hinterleibes nunmehr deren

zahlreiche jederseits in einem Häufchen vereinigt (Fig. 3 _i_ u. _k_).

Ist die erwachsene Milbe nach der letzten Häutung noch verhältnismässig

klein, so bewirkt eine reichliche Nahrungszufuhr bald ein ansehnliches

Wachstum, so dass es namentlich Weibchen bis zu 1½ _mm_ Länge giebt,

während die Männchen meist erheblich kleiner bleiben. Überhaupt ist

bei den Milben das Männchen meistens ziemlich viel kleiner als das

Weibchen, selbst dann, wenn letzteres nicht durch die zahlreichen

allmählich heranwachsenden Eier aufquillt.

Wie lange eine erwachsene Milbe zu leben vermag, ist nur selten

Gegenstand des Experiments gewesen. Ich selbst habe Larven von _Nesaea

fuscata_ einen ganzen Winter hindurch gehalten, ohne dass sie sich

verwandelt hätten. Andere Beobachter haben ähnliche Resultate bemerkt.

Es ist wohl möglich, dass eine Milbe der erwähnten Art mehrere Jahre

hindurch ihr Leben erhalten kann.

Den Beschluss dieser Darstellungen aus der Entwickelungsgeschichte

der Süsswassermilben mag die Lebensgeschichte der _Hydrachna globosa_

machen. Dieselbe ist schon von Dugès in den dreissiger Jahren unseres

Jahrhunderts entdeckt und seitdem oftmals bestätigt worden. Diese

Wassermilbe ist, wie bereits oben gesagt, insofern bemerkenswert, als

aus ihren Eiern junge Larven schlüpfen, welche von den entsprechenden

der Hart- und Weichschwimmer, also auch denen von _Nesaea_ und _Atax_

völlig verschieden sind, dagegen mit den Larven der auf dem Lande

lebenden Trombidien grosse Ähnlichkeit besitzen. Eine derartige Larve,

welche aber nicht zu _Hydrachna_, sondern zu einer Gattung gehört,

welche den Namen _Hydrodroma_ erhalten hat, ist in Fig. 4 abgebildet.

Sie zeichnet sich durch eine mächtige Entwickelung der Kiefer aus und

führt Taster, welche unmittelbar an die Taster aller trombidiumartigen

Landmilben erinnern, dadurch, dass das letzte Tasterglied an dem untern

Ende des vorletzten Gliedes seitlich und nicht am obern Ende eingelenkt

ist. Die Füsse sind mit Krallen bewehrt, welche sich in dieser

Form ebenfalls bei zahlreichen Landmilben, selbst bei Panzermilben

(Oribatiden) wiederfinden. Diese kleinen scharlachroten Larven scheinen

unter allen Umständen ein parasitisches Leben führen zu müssen. So

heften sich die Hydrachna-Larven an Insekten, welche im Wasser leben,

fest. Sehr bevorzugt wird die graue Wasserwanze, an welcher man im

Frühjahr häufig die schon über stecknadelkopfgrossen Parasiten mit

ihrem Kopfe in die weicheren Hautpartien an den Gelenken eingebohrt

findet. Da die völlig ausgewachsene Wassermilbe schon im Juni

beobachtet wird, so wird bereits Anfang Juli das Ausschlüpfen aus den

Eiern stattfinden. Die jungen Milben machen ihre erste Larvenzeit teils

freilebend, so lange nämlich, bis sie ein geeignetes Nährtier gefunden

haben, teils als Parasiten angeheftet an letzterem durch. Diese

letztere Periode erstreckt sich durch den Herbst bis zum Frühjahr.

Während dieser Zeit nimmt die Grösse des Tieres durch unausgesetzte

Nahrungszufuhr dauernd zu, so dass Larven bis zu 2 _mm_ Länge an

den Nährinsekten angetroffen werden. Der Hinterleib dehnt sich dabei

allein aus, während die Gliedmassen keine Grössenzunahme erfahren.

Gewissermassen gestaltet sich das Tier zu einer Vorratskammer von

Nährstoffen um, welche nun im Frühjahr zur Neubildung der zweiten Larve

verwendet werden. In dem aufgetriebenen Hinterleibe bemerkt man, wie in

einem zugeschnürten Beutel ruhend, nunmehr die völlig anders gestaltete

neue Milbe. Dieselbe hat acht Füsse statt der früheren sechs und zeigt

ein verändertes Kopfsegment, ist überhaupt in keiner Weise vergleichbar

der ersten Larve.

[Illustration: Fig. 4.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Zweiter Band. · 第 9 / 60 题