Wunderbarerweise fand der Bootsmann sehr rasch den Linkser, man hatte
ihn nur noch nicht ins Bett gelegt, er lag vielmehr im Korridor auf dem
Fußboden und beklagte sich vor dem Engländer:
»Ich müßte« -- spricht er -- »unbedingt zwei Worte dem Kaiser sagen.«
Der Engländer lief zum Grafen Kleinmichel und machte Lärm.
»Kann man denn so! Wenn er auch einen Schafpelz trägt, so hat er doch
eine Menschenseele.«
Den Engländer jagte man sogleich wegen dieser Bemerkung fort -- damit er
nur nicht wage, an die Menschenseele zu erinnern. Darauf aber sagte ihm
irgend jemand:
»Geh' du lieber zum Kosak Platow -- er hat einfache Gefühle.«
Der Engländer traf Platow an, der jetzt wiederum auf der Kouschette lag.
Platow hörte ihm zu und erinnerte sich des Linksers.
»Wie denn, Brüderchen« -- spricht er -- »ich bin sehr nahe mit ihm
bekannt; ich habe ihn sogar an den Haaren gezogen; ich weiß nur nicht,
wie ich ihm in einer so unglücklichen Lage helfen kann, weil ich schon
ausgedient habe und völlige Entlassung erhielt. Jetzt achtet man nicht
mehr auf mich. Du aber laufe möglichst rasch zum Kommandanten Skobelew,
er ist in der Macht und gleichfalls auf diesem Gebiet erfahren -- er
wird irgend etwas tun.«
Der Bootsmann ging auch zu Skobelew und erzählte alles: was für eine
Krankheit der Linkser hat und woher sie stammt. Skobelew spricht:
»Ich verstehe diese Krankheit, nur können sie die Deutschen nicht
heilen, da braucht man vielmehr einen Arzt aus dem geistlichen Stande,
weil die in diesen Sachen heranwachsen und zu helfen vermögen; ich werde
sogleich den russischen Arzt Martyn-Solskij dahin schicken.«
Als aber Martyn-Solskij nur eben ankam, war der Linkser schon am
Sterben, weil sein Nacken an der Eingangstreppe zerschlagen worden war.
Und er vermochte nur eines vernehmlich zu sprechen:
»Sagt dem Kaiser, daß man bei den Engländern die Gewehre nicht mit
Ziegel reinigt. Mögen sie auch bei uns sie nicht so reinigen, sonst,
behüte Gott, sollte ein Krieg werden, so taugen sie nicht zum Schießen.«
Und mit dieser Wahrheit bekreuzte sich der Linkser und starb.
Martyn-Solskij ging sogleich, dies dem Grafen Tschernyschow zu
berichten, damit der es dem Kaiser hinterbringe. Graf Tschernyschow aber
schrie ihn an:
»Wisse« -- spricht er -- »deine Brech- und Abführmittel, mische dich
aber nicht in das, was nicht deine Sache ist -- in Rußland gibt es dafür
Generäle.«
Dem Kaiser hat man es so auch nicht gesagt, und diese Reinigung der
Gewehre ward fortgesetzt bis zum Krimkriege. Als man damals die Gewehre
lud, wackelten die Kugeln in ihnen hin und her, weil die Läufe mit
Ziegel gereinigt waren. Da erinnerte Martyn-Solskij den Tschernyschow an
den Linkser. Graf Tschernyschow aber spricht:
»Geh zum Teufel, >Plesirspitze<, mische dich nicht in das, was nicht
deine Sache ist, sonst werde ich ableugnen, daß ich von dir hierüber
hörte -- dann wirst du selber hereinfallen.«
Martyn-Solskij dachte nach: in der Tat wird er ableugnen, und so schwieg
er auch.
Hätte man aber die Worte des Linksers zu seiner Zeit dem Kaiser
hinterbracht, so hätte der Kampf mit dem Feinde in der Krim eine ganz
andere Wendung genommen.