XVI

Die Engländer nahmen den Linkser bei sich auf, den russischen Kurier

aber schafften sie zurück nach Rußland. Obgleich der Kurier einen Rang

hatte und mehrere Sprachen verstand, interessierten sie sich nicht für

ihn, für den Linkser interessierten sie sich aber; und sie begannen ihn

zu führen und ihm alles zu zeigen. Er beschaute ihre ganze Produktion,

sowohl die Metallfabriken wie die Seifen- und Sägewerke, und alle ihre

wirtschaftlichen Einrichtungen gefielen ihm sehr, besonders hinsichtlich

der Lage der Arbeiter. Jeder Arbeiter ist bei ihnen ständig satt und

nicht in Lumpen angezogen, vielmehr jeder trägt geeignete Kleidung und

ist beschuht mit dicken benagelten Stiefeln, damit man sich nirgends den

Fuß verletzen kann, er arbeitet nicht mit irgend einem Brecheisen,

vielmehr mit einem Werkzeug, und er hat Verständnis. Jedem hängt eine

Rechentabelle vor Augen, und unter der Hand hat er eine Abwischtafel:

bei allem, was nur ein Meister macht -- schaut er auf die Tabelle und

vergleicht mit Verständnis, darauf aber schreibt er etwas auf dem

Täfelchen, anderes streicht er aus und führt es akkurat aus: Was mit

Zahlen geschrieben steht, das kommt auch in der Tat heraus. Ist es aber

Feiertag, so nimmt jeder sein Liebchen und in die Hand ein Stöckchen,

und dann gehen sie spazieren, ehrsam, wohlanständig, wie es sich gehört.

Der Linkser schaut auf ihr ganzes Leben, und auf alle ihre Arbeiten,

aber am allermeisten Aufmerksamkeit verwandte er auf einen solchen

Gegenstand, daß die Engländer sehr staunten. Nicht so sehr interessiert

es ihn, wie man neue Gewehre macht, als in welchem Zustand sich die

alten befinden. Überall geht er umher, lobt und spricht:

»Das können auch wir so.«

Wenn er aber zu einem alten Gewehr kommt -- steckt er den Finger in den

Lauf, fährt mit ihm an der Innenwand herum und seufzt:

»Das« -- spricht er -- »ist unvergleichlich besser als bei uns.«

Die Engländer vermochten durchaus nicht zu erraten, was da der Linkser

bemerkt, er aber fragt:

»Kann ich nicht« -- spricht er -- »wissen, ob unsere Generäle dies

irgendwann anschauten oder nicht?«

Man sagte ihm:

»Die hier waren, die müssen es wohl gesehen haben.«

»Wie aber« -- spricht er »waren sie: in Handschuhen oder ohne?«

»Eure Generäle« -- sprechen sie -- »sind ausgeputzt, sie gehen immer in

Handschuhen, so sind sie wohl auch hier so gewesen.«

Der Linkser sagte gar nichts. Plötzlich aber begann er unruhig zu werden

und sich zu grämen und spricht zu den Engländern:

»Ergebenst danke ich euch für alle Bewirtung, und ich bin mit allem bei

euch sehr zufrieden, und alles, was mir nötig war zu schauen, habe ich

schon erschaut, jetzt aber möchte ich möglichst rasch nach Hause!«

Auf keine Weise vermochten sie ihn weiter zurückzuhalten. Zu Lande

konnte man ihn nicht ziehen lassen, weil er keine Sprache kannte, auf

dem Wasser zu schwimmen war aber nicht gut, weil es Herbstzeit war und

stürmisch; er aber bestand darauf: »Laßt mich ziehen!«

»Wir« -- sprechen sie -- »haben auf den Sturmmesser geschaut: es wird

Sturm geben, du kannst ertrinken: das ist ja nicht das, was bei euch der

finnische Meerbusen ist, vielmehr ist da das wirkliche >festländische<

Meer.«

»Dies ist alles einerlei« -- antwortete er -- »weshalb sterben -- alles

ist der Wille Gottes, ich aber wünsche möglichst rasch nach der Heimat

zurückzukehren, weil ich mir sonst eine Art Geistesstörung holen kann.«

Man hielt ihn nicht mit Gewalt zurück: man fütterte ihn, belohnte ihn

mit Geld, schenkte ihm zum Andenken eine goldene Uhr mit »Trepetir«,

gegen die Frische des Meeres einen Friesmantel mit »Windkapuze« auf den

Kopf. Sehr warm kleideten sie den Linkser und führten ihn auf das

Schiff, das nach Rußland fuhr. Dort brachten sie den Linkser am besten

Platz unter, wie einen wirklichen Herrn; er aber liebte es nicht, mit

den übrigen Herrschaften in der Kajüte zu sitzen, und es war ihm

peinlich. Er ging vielmehr auf das Deck, setzte sich unter das »Present«

und fragte:

»Wo ist unser Rußland?«

Der Engländer, den er fragt, deutet ihm mit der Hand oder zeigt ihm mit

dem Kopf, er aber wendet sich mit dem Gesicht dahin und schaut

ungeduldig nach der heimatlichen Seite.

Als sie aus der Bucht ins »festländische« Meer kamen, da überkam ihn

eine solche Sehnsucht nach Rußland, daß man ihn auf keine Weise

beruhigen konnte. Die Wasserströmung war furchtbar, aber der Linkser

geht immer nicht hinunter in die Kajüte -- er sitzt unter dem >Present<,

hat die Kapuze vorgerückt und schaut nach dem Vaterland.

Oftmals kamen die Engländer, um ihn in den warmen Raum nach unten zu

rufen, er aber, damit sie ihn nicht langweilen, begann sogar drauflos zu

schimpfen.

»Nein« -- antwortet er -- »mir ist es besser hier draußen, sonst wird

aus mir unter dem Dach von dem Schwanken noch ein Meerschweinchen

werden.«

So ging er denn die ganze Zeit bis zu einem ganz besonderen Fall nicht

hinunter, und dadurch gefiel er sehr einem Bootsmann, der zum Unglück

unseres Linksers russisch zu sprechen verstand. Dieser Bootsmann konnte

nicht genug darüber staunen, daß ein russischer Landmensch auch so alle

Unwetter aushalte.

»Ein forscher Kerl« -- spricht er -- »der Russe. Laßt uns trinken!«

Der Linkser trank.

Der Bootsmann sagt:

»Noch!«

Der Linkser trank noch, und sie betranken sich.

Der Bootsmann fragt ihn auch:

»Was für ein Geheimnis bringst du von unserm Reich nach Rußland?«

Eine Teufelsaustreibung, und andere Geschichten · 第 67 / 74 题