Die Tulaer Meister, die ein erstaunliches Werk verrichtet hatten,
beendeten in dieser Zeit grade nur eben ihre Arbeit. Die Boten kamen
keuchend zu ihnen gelaufen, die einfachen Leute aber aus dem neugierigen
Publikum kamen überhaupt nicht bis ans Ziel, weil sie aus Ungewohntheit
unterwegs ihre Beine verloren hatten und hingestürzt waren, und dann
auch aus Furcht, um Platow nicht vor die Augen zu treten, sich nach
Hause geschlichen, ja, und wo es sich grade traf, sich versteckt hatten.
Als aber die Kuriere herbeigaloppiert kamen, fingen sie sogleich zu
schreien an, und wie sie sahen, daß die Meister nicht öffneten, begannen
sie sofort ohne Zeremonie die Riegel an den Läden abzureißen; die Bolzen
saßen aber so fest, daß sie nicht im Geringsten nachgaben; sie rissen an
den Türen, die Türen waren aber von innen zugeriegelt mit eichenen
Riegeln. Da nahmen die Boten einen Balken von der Straße, stemmten ihn
nach Art der Feuerwehrleute unter den Dachsattel und schoben das Dach
von dem kleinen Hause auf einmal weg. Sie nahmen das Dach ab und selber
stürzten sie sogleich zu Boden, weil von den Meistern im engen Häuschen
von der ununterbrochenen Arbeit in der Luft eine solche »Schweißspirale«
entstanden war, daß der Ungewohnte, der aus der frischen Luft kommt,
kein einziges Mal atmen kann.
Die Boten schreien:
»Was macht ihr denn, ihr, so und so, ihr Pack, daß ihr uns auch noch mit
einer solchen >Spirale< zu betäuben wagt! Habt ihr etwa keinen Gott
mehr?«
Die aber antworten:
»Wir sind ja sogleich fertig. Wir schlagen soeben noch das letzte
Nägelchen ein, und wenn wir es eingeschlagen haben, dann werden wir
unsere Arbeit selber hinaustragen.«
Die Boten aber sprechen:
»Er wird uns bis dahin lebendig auffressen und nichts zum Gedächtnis der
Seele zurücklassen.«
Die Meister aber sagen:
»Er wird nicht Zeit haben, euch zu verschlucken, weil, bis ihr
gesprochen habt, bei uns auch schon dieser letzte Nagel eingeschlagen
ist. Lauft und sagt, daß wir die Sache sogleich bringen.«
Die Boten liefen, waren aber nicht überzeugt -- sie glaubten, daß die
Meister sie betrügen würden; und deshalb liefen sie zwar so rasch sie
konnten, sie schauten sich aber ständig um; die Meister kamen aber
hinter ihnen her und eilten so sehr, daß sie sich sogar nicht völlig
angekleidet hatten, wie es sich gehört, um vor einer wichtigen
Persönlichkeit zu erscheinen, sie schlossen vielmehr noch im Gehen die
Haken an ihren Röcken. Zwei von ihnen trugen überhaupt nichts in Händen,
der dritte aber, der Linkser, hielt im grünen Futteral die zarische
Schatulle mit dem englischen stählernen Floh.
X
Die Boten laufen zu Platow und sprechen:
»Da sind sie jetzt selber hier!«
Platow spricht sogleich zu den Meistern:
»Ist es fertig?«
»Alles«, antworten sie, »ist fertig!«
»Gebt her!«
Sie gaben es.
Die Equipage war aber bereits angespannt, und Fuhrmann und Vorreiter an
ihrem Platz. Die Kosaken setzten sich sogleich schon neben den Fuhrmann
und erhoben die Nagaiken über ihn, und so ausholend halten sie sie auch.
Platow riß das grüne Futteral ab, öffnete die Schatulle, nahm aus der
Watte die goldene Tabaksdose heraus, aus der Tabaksdose die brillantene
Nuß -- und sieht: der englische Floh liegt dort wie er war, aber außer
ihm ist nichts weiter da.
Platow spricht:
»Was ist denn das? Wo ist denn eure Arbeit, mit der ihr den Kaiser
erfreuen wolltet?«
Die Waffenschmiede antworten:
»Da ist auch unsere Arbeit!«
Platow spricht:
»Worin ist sie denn beschlossen?«
Die Waffenschmiede antworten:
»Wozu das erklären? Alles ist hier vor Eurem Blick -- schaut nur selber
zu!«
Platow zuckt die Achseln und schreit:
»Wo ist aber der Schlüssel zum Floh?«
»Aber da« -- antworten sie -- »wo der Floh ist, da ist auch der
Schlüssel, in derselben Nuß!«
Platow wollte den Schlüssel fassen, die Finger waren aber bei ihm zu
kurz und zu dick; er bemühte sich lange Zeit -- konnte aber auf keine
Weise weder den Floh erfassen, noch das Schlüsselchen zu dem Uhrwerk in
seinem Bauch. Plötzlich erzürnte er sich und begann zu schimpfen auf
kosakische Art.
Er schrie:
»Was habt ihr denn, ihr Halunken, gar nichts getan, ja dazu noch am Ende
gar die ganze Sache verdorben! Ich werde euch den Kopf abreißen!«
Die Tulaer geben ihm zur Antwort:
»Ganz umsonst beleidigen Sie uns so -- wir müssen von Ihnen, als dem
Abgesandten des Kaisers, alle Beleidigungen erdulden. Deswegen aber,
weil Sie an uns zweifelten und glaubten, daß wir sogar den kaiserlichen
Namen zu betrügen fähig seien -- werden wir Ihnen jetzt das Geheimnis
unserer Arbeit nicht eröffnen. Geruhen Sie doch dieses Ding zum Kaiser
zu bringen -- er wird erkennen, was für Leute er an uns hat, und ob er
sich unserer zu schämen braucht!«
Platow schrie:
»Nun, so lügt ihr denn, ihr Schufte! Ich werde mich aber von euch nicht
so trennen, vielmehr wird einer von euch mit mir nach Petersburg fahren,
und ich werde schon von ihm herausbekommen, was eure Schlauheiten sind!«
Damit streckte er die Hand aus, faßte mit seinen kurzen Fingern den
schieläugigen Linkser am Kragen, so daß bei ihm alle Haken vom Rock
abflogen, und stieß ihn zu sich in den Wagen, zu seinen Füßen.
»Sitze hier« -- spricht er -- »bis nach Petersburg, wie ein Pudel. Du
wirst mir alle verantworten. Ihr aber«, spricht er zu den Boten, »jetzt
heida! Sperrt nicht das Maul auf, damit ich übermorgen in Petersburg
beim Zaren bin!«
Die Meister wagten nur für ihren Kameraden einzutreten: »Wie denn, Sie
werden ihn von uns so ohne ein >Tugament< wegführen? Ihm wird es
unmöglich sein, zurückzukommen!« Platow aber zeigte ihnen statt der
Antwort nur die Faust, eine so furchtbare -- sie ist rotbraun, ganz mit
Narben bedeckt, und irgendwie zusammengewachsen -- und drohend spricht
er: »Da habt ihr das >Tugament<!« Den Kosaken aber schrie er zu:
»Heida, Kinder!«
Die Kosaken, die Fuhrleute und die Pferde -- alles begann gleichzeitig
zu arbeiten, und man entführte den Linkser ohne Dokument; und einen Tag
später, wie Platow befohlen hatte, fuhr man auch schon beim Palast des
Zaren vor, und sogar galoppierend, wie es sich gehörte, fuhren sie bei
den Säulen vorbei.
Platow stand auf, hing die Orden an und ging zum Kaiser, befahl aber den
ihn begleitenden Kosaken, den schieläugigen Linkser beim Eingang zu
bewachen.