Die Tulaer, gescheite Leute und erfahren in Metallarbeiten, sind
gleichfalls berühmt als erstklassige Kenner in der Religion. Ihres
Ruhmes in dieser Hinsicht ist sowohl die heimische Erde voll wie sogar
der heilige Athos: sie sind nicht nur Meister im Singen mit Variationen,
sie wissen vielmehr auch, wie das Bild »Der abendliche Klang« gemalt
wird. Und wenn jemand von ihnen sich größere Opfer auferlegt und ins
Mönchstum übertritt, so werden aus ihnen die allerbesten Klosterökonomen
und gehen aus ihnen die allerfähigsten Gabeneinsammler hervor. Auf
dem heiligen Athos aber weiß man, daß die Tulaer -- das
allergewinnbringendste Volk sind, und wenn sie nicht wären, so hätten
die dunklen Winkel Rußlands wahrscheinlich nicht sehr viele Heiligtümer
des fernen Ostens gesehen, und der Athos hätte viele nützliche
Darbringungen russischer Freigebigkeit und Frömmigkeit entbehren müssen.
Jetzt aber fahren die Tulaer vom Athos Heiligtümer in unserm ganzen
Vaterlande umher und sammeln meisterhaft milde Gaben auch dort, wo
eigentlich gar nichts zu holen ist. Der Tulaer ist erfüllt von
kirchlicher Frömmigkeit und dabei ein großer Praktiker in dieser Sache,
und deshalb begingen auch die drei Meister, die es auf sich genommen
hatten, Platow zu unterstützen und mit ihm ganz Rußland, durchaus keinen
Fehler, als sie sich nicht nach Moskau, vielmehr nach dem Süden
aufmachten. Sie gingen aber nicht nach Kiew, vielmehr nach Mzensk, einer
Kreisstadt im Orlowschen Gouvernement, in der ein altes steingemeißeltes
Heiligenbild des heiligen Nikolai steht, das in den allerältesten Zeiten
auf einem großen, gleichfalls steinernen Kreuz auf dem Fluß Suscha
dahergeschwommen kam. Dies Heiligenbild ist von strengem und
schrecklichem Aussehen, der Heilige ist auf ihm in Lebensgröße
dargestellt, ganz angetan mit einem vergoldeten Silbergewand, dunkel von
Angesicht, und in einer Hand hält er einen Tempel, in der andern -- das
Schwert, das Zeichen des Sieges. Und grade in diesem »Zeichen des
Sieges« war auch der Sinn der Sache beschlossen: der heilige Nikolai ist
überhaupt der Beschützer in Handels- und Kriegsangelegenheiten, und der
Nikolai von Mzensk ganz im Besondern, und grade vor ihm sich zu
verneigen, waren auch die Tulaer gekommen. Sie ließen einen
Bittgottesdienst unmittelbar beim Heiligenbilde halten, dann beim
steinernen Kreuz, endlich kehrten sie bei Nacht nach Hause zurück, und
ohne irgendwem irgend etwas zu sagen, machten sie sich in furchtbarer
Heimlichkeit ans Werk. Sie gingen alle drei in ein und dasselbe Häuschen
zum Linkser, schlossen die Türen und die Fensterläden, entzündeten vor
dem Heiligenbild des Nikolai das Lämpchen und begannen zu arbeiten.
Einen Tag, zwei, drei sitzen sie und gehen nicht aus, immer klopfen sie
nur mit den Hämmerchen. Sie schmieden irgend etwas, was sie aber
schmieden -- ist unbekannt.
Alle sind neugierig, aber niemand kann etwas erfahren, weil die
Arbeitenden gar nichts erzählen und sich nach außen nicht zeigen.
Verschiedene Leute gingen zum Häuschen, klopften unter mannigfachen
Vorwänden an die Türe, um Feuer oder um Salz zu bitten. Die drei Meister
öffneten aber auf gar keine Bitte, und sogar womit sie sich nährten --
war unbekannt. Man versuchte sie zu erschrecken: man tat so, als brenne
in der Nachbarschaft ein Haus -- ob sie nicht vor Schrecken
herausspringen würden, und es sich dann offenbaren werde, was von ihnen
geschmiedet sei. Nichts aber verführte diese schlauen Meister: einmal
nur streckte sich der Linkser bis zur Schulter aus dem Fenster heraus
und schrie:
»Brennt ihr nur für euch, wir aber haben keine Zeit« -- und wiederum
verbarg er seinen zerrupften Kopf, warf den Laden zu und machte sich an
seine Arbeit.
Nur durch die kleinen Spalten war zu sehen, wie im Innern des Hauses das
Feuerchen leuchtete, es war auch zu hören, daß feine Hämmerchen auf
feinen Amboßen pochten.
Mit einem Worte, die ganze Sache ward in so furchtbarem Geheimnis
ausgeführt, daß es unmöglich war, irgend etwas zu erfahren, und dabei
zog sie sich hin bis gerade zur Rückkehr des Kosaken Platow vom stillen
Don zum Kaiser; und in dieser ganzen Zeit sahen und sprachen die Meister
niemanden.