Platow antwortet: »Ich weiß nicht, worauf ich das beziehen soll, zu
streiten wage ich aber nicht und muß schweigen.«
Als aber die Engländer eine solche Auseinandersetzung zwischen ihnen
wahrnahmen, führten sie ihn sogleich gerade zu dem »Abolon von
Polwedere« und nahmen dem aus der einen Hand ein Mortimergewehr, aus der
andern eine Pistole.
»Sehen Sie« -- sprachen sie -- »wie bei uns gearbeitet wird« und zeigten
ihm das Gewehr.
Der Kaiser schaute ruhig auf das Mortimergewehr, weil er solche in
Zarskoje Ssjelo selber besitzt, jene aber geben ihm darauf die Pistole
und sagen:
»Diese Pistole ist von unbekannter, unnachahmlicher Meisterschaft. Unser
Admiral zog sie einem Räuberhauptmann in >Kandelabrien< aus dem Gürtel.«
Der Kaiser schaut auf die Pistole und kann sich nicht satt sehen. Er
seufzt furchtbar.
»Ach, ach, ach ...« -- spricht er -- »wie kann man nur so, wie kann man
das denn überhaupt so fein machen!« -- Und er wendet sich zu Platow und
spricht zu ihm auf russisch: »Siehst du, wenn bei mir in Rußland auch
nur _ein_ solcher Meister wäre, würde ich darüber äußerst glücklich und
stolz sein und diesen Meister sogleich in den Adelstand erheben!«
Platow aber versenkte auf diese Worte hin sofort seine rechte Hand in
seine weiten Pluderhosen und zog von dort einen Gewehrschraubenzieher
heraus. Die Engländer sagen: »Das läßt sich nicht öffnen!« Er aber gibt
gar nicht darauf acht und beginnt das Schloß aufzudrehen. Er dreht
einmal um, zweimal -- das Schloß ist herausgefallen. Platow zeigt dem
Kaiser den Drücker und grade auf der Rundung die russische Aufschrift:
»Iwan Moskwin aus der Stadt Tula«.
Die Engländer erstaunen, und einer stößt den andern an:
»O je, da sind wir hereingefallen!«
Der Kaiser aber spricht kummervoll:
»Weshalb hast du sie so in Verlegenheit gebracht, mir tun sie jetzt sehr
leid. Laßt uns abfahren.«
Sie setzten sich wiederum in denselben zweisitzigen Wagen und fuhren ab;
und der Kaiser war an diesem Tage auf einem Ball. Platow aber goß ein
noch größeres Glas Branntwein hinter die Binde und entschlummerte eines
festen Kosakenschlafes.
Es war ihm froh zumute, daß er die Engländer in Verlegenheit gebracht
und ihnen den Tulaer Meister zum Vorbild gegeben hatte. Dabei war es ihm
aber auch verdrießlich: Weshalb hatte der Kaiser bei einer solchen
Gelegenheit die Engländer bemitleidet!
»Worüber hat sich denn da der Kaiser gegrämt« -- dachte Platow -- »ich
verstehe das ganz und gar nicht« -- und in solchen Gedanken stand er
zweimal auf, bekreuzte sich und trank Schnaps, bis er sich gewaltsam
einen starken Schlaf zugezogen hatte.
Die Engländer aber konnten zu dieser selben Zeit gleichfalls nicht
schlafen, weil es auch ihnen »wirbelte«. Während der Kaiser sich auf dem
Ball vergnügte, bereiteten sie ihm ein derartiges neues Wunderwerk vor,
daß diesmal auch Platow alle Phantasie ausging.