DER STÄHLERNE FLOH

(Übertragen von Karl Nötzel)

Was man vom Tulaer schieläugigen Linkser erzählt und von einem

stählernen Floh

I

Als Kaiser Alexander Pawlowitsch die Wiener Plauderei beendet hatte,

wollte er in Europa herumfahren und sich in den einzelnen Ländern die

Wunderdinge anschauen. Er bereiste alle Staaten, und überall hatte er

seiner Freundlichkeit wegen die vertraulichsten Gespräche mit allen

Leuten, und alle wollten ihn durch irgend etwas in Staunen setzen und

für sich gewinnen. Mit ihm war aber der Donsche Kosak Platow, der solche

Neigungen nicht liebte, sich ständig nach seiner Häuslichkeit sehnte und

deshalb den Kaiser immer antrieb, zurückzukehren. Und kaum merkte

Platow, daß der Kaiser sich für irgend etwas Ausländisches

interessierte, das ganze Gefolge aber schwieg, so sagte er auch schon

alsogleich: »So und so, auch bei uns zu Hause ist das Unsrige nicht

schlechter« -- und lenkte irgendwie den Kaiser ab.

Die Engländer wußten das und dachten sich zur Ankunft des Kaisers

allerlei Listen aus, um ihn für das Ausländische zu gewinnen und den

Russen zu entfremden. In vielen Fällen erreichten sie das auch,

besonders auf großen Versammlungen, wo Platow nicht perfekt französisch

sprechen konnte. Er interessierte sich indes auch wenig dafür: er war

ein verheirateter Mann, und alle französischen Gespräche hielt er für

Nichtigkeiten, die der Aufmerksamkeit nicht wert seien. Als aber die

Engländer den Kaiser in ihre mannigfaltigen Zeughäuser, Waffen-, Seifen-

und Sägewerke einluden, um ihm zu zeigen, wie überlegen sie uns in allen

diesen Dingen seien und um sich dessen zu rühmen -- da sagte Platow zu

sich selber:

-- »Nein, damit aber Schluß. Bis jetzt habe ich noch ruhig zugesehen,

weiter geht das aber nicht mehr. Ob ich zu sprechen verstehe oder nicht,

die Meinigen werde ich nicht preisgeben!«

Und kaum hatte er zu sich selber ein solches Wort gesagt, da sprach auch

der Kaiser zu ihm:

»So und so, morgen werde ich mit dir fahren, ihre Waffenkunstkammer zu

besichtigen. Dort,« spricht er, »sind solche Vollkommenheiten der Natur,

daß, wenn du nur hinschaust, du weiter nicht mehr bestreiten wirst, daß

wir Russen mit unserm Wissen gar nichts taugen.«

Platow antwortete dem Kaiser gar nichts. Er senkte nur seine gekrümmte

Nase auf seinen zottigen Überwurf; als er aber in seine Wohnung kam,

befahl er seinem Burschen, ihm aus dem Keller eine Flasche kaukasischen

Branntwein zu bringen, goß ein schönes Glas davon hinter die Binde,

betete vor seinem Reiseheiligenbilde zu Gott, hüllte sich in seinen

Überwurf und fing derart zu schnarchen an, daß in dem ganzen Hause kein

Engländer schlafen konnte.

Er dachte: »Morgenstund' hat Gold im Mund'«.

Eine Teufelsaustreibung, und andere Geschichten · 第 53 / 74 题